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die bank 05 // 2019

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE täten

BERUF & KARRIERE täten und Befindlichkeiten. Wird das ausgeblendet und das Führungshandeln mit dem Anspruch der Perfektion belastet, dann überfordert dieser Anspruch die Führenden. Wird Führung hingegen unter der Forderung gesehen, die Zusammenarbeit in der aufeinander abgestimmten Kombination von Sach- und Beziehungsaspekt emotional entspannter zu gestalten, dann entsteht daraus ein entlastender Effekt. Sowohl für Führenden als auch für die Geführten.“ Die Bedeutung der Führungssensibilität liegt für Kirchler darin, dass sie die Zusammenarbeit von Vorgesetzten und Mitarbeitern von vermeidbaren Reibungen befreit. „Dadurch wird Führen widerstandsfreier, kräfteschonender und entsprechend wirkungsvoller.“ Kirchler verweist auf aktuelle Forschungsergebnisse, denen zufolge nicht die immer wieder in den Vordergrundgrund gerückte Motivation über Leistungsbewusstsein wie Einstellung zur Firma entscheidet. Wichtiger sei das ganz bewusste Vermeiden von Demotivation. Und Demotivation entstehe weniger auf der Sachebene als auf der Beziehungsebene, so Kirchler: „Investieren Führungskräfte in ihre Beziehungsqualität, investieren sie in ihre Entlastung. Als zusätzlichen Effekt erweisen sie damit der eigenen und der Gesundheit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einen nicht hoch genug zu veranschlagenden Dienst.“ Frustration durch Demotivation Frustration durch Demotivation werde regelmäßig unterschätzt, weiß auch der Wiener Psychotherapeut Professor Alfred Kirchmayr. Und diese Fehleinschätzung sei heute problematischer als früher. „Das Gefühl, unangemessen behandelt zu werden, stellt sich heute viel schneller als früher ein und wird viel ungebremster als früher rausgelassen und indirekt oder auch gezielt direkt beantwortet.“ Frustrierte würden von ihren Affekten gesteuert und getrieben. Sie seien mit sich selbst beschäftigt. Und das heiße in der Verhaltensausprägung wie in der Auswirkung dieses Verhaltens, diese Mitarbeiter sind auf sich selbst fokussiert, bockig und wütend, abgelenkt, unkonzentriert, unzugänglich oder gar unwillig und widerborstig. „Und aus dieser Gefühlsmelange heraus finden sie Mittel und Wege, das auch zu zeigen oder andere spüren zu lassen. Das ist ein Gemütszustand, der strahlt natürlich aus. Frustrierte sind ansteckend, sie können ihre ganze Umgebung beeinträchtigen und runterziehen.“ Was Zusammenarbeitsexperte Weegen bestätigt. „So kann ein Team oder eine ganze Abteilung schnell zur lahmen Ente oder, wie es in der Börsensprache heißt, zum Underperformer werden. Immer deutlicher macht sich auf einmal Leistungsschwäche an manchen Stellen im Unternehmen bemerkbar und keiner weiß so recht, warum.“ Erst im unvoreingenommenen Nachforschen werde dieses „Warum?“ transparent und die beachtliche Macht der Gefühle und die davon ausgehende Wirkung erkennbar. Sowohl für die Leistungsfähigkeit als auch für den betrieblichen Gesundheitsstatus sei es unverzichtbar, Führungskräften – gerade auch im Blick auf die emotionalen Aspekte der Digitalisierung – die Zusammenhänge von Gefühl und Verhalten bewusst zu machen. Ihnen müsse verdeutlicht werden, dass hinter einer unbefriedigenden betrieblichen Leistung oft Führungsquerelen steckten und weniger organisatorische Unzulänglichkeiten, die gemeinhin gern als hauptverantwortlich angesehen werden. Die Macht der Gefühle Allen voran ist es dem Forschergeist des amerikanischen Neurowissenschaftlers Antonio R. Damasio, Professor für Neurologie und Psychologie an der University of Southern California, zu verdanken, dass diese Macht der Gefühle ins Licht gerückt wurde. Damasio wies nach und legte offen, Rationalität und Emotionalität sind zwei Seiten einer Medaille. Ein Handeln unter Gefühlsausschluss ist Wunschdenken und unrealistisch. Emotionen beeinflussen Denken wie Handeln ganz enorm. In seinem wohl wirk- 68 05 // 2019

BERUF & KARRIERE mächtigsten Buch „Descartes‘ Irrtum“ verdeutlicht Damasio, dass dessen berühmte Behauptung „cogito ergo sum“ („Ich denke, also bin ich“) zu kurz greift und den heutigen Erkenntnissen zufolge nicht der Realität entspricht. Ganz in diesem Sinne weist Philip Meissner, Professor for Strategic Management and Decision Making an der Berliner Business School ESCP, darauf hin: „Streng genommen gibt es keine Entscheidung, die nicht von Emotionen beeinflusst wird. Denn sie sind ein fundamentaler Teil unserer Psyche. Besonders unser Gerechtigkeitssinn hat sehr starke Auswirkungen auf unsere Entscheidungen. Wenn wir uns unfair behandelt fühlen, übernehmen Emotionen die Kontrolle über unsere Denkprozesse, und wir treffen schlechte Entscheidungen.“ Bemerkenswert sind auch die Worte von Wolfgang Jenewein, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Universität St. Gallen: „Meiner Überzeugung nach könnte der ganze VW-Konzern von einer Person geführt werden, die wenig Ahnung von Autos hat. Dafür aber umso mehr von Menschen und der Art, wie Teams funktionieren. Ein moderner Leader muss sich in Menschen hineinversetzen können.“ FAZIT „Führung muss Ziele vorgeben, Führung muss Wirkung auslösen, Führung muss zu Ergebnissen führen“, wie Erich Kirchler formuliert. Es ist aber auch Aufgabe der Führung, die Mitarbeiter „bei der Stange“ und bei Laune zu halten. Diesem Anspruch kann ein moderner Leader nur gerecht werden, wenn sich sein „Führungshandeln“ aus der Kombination von Sach- und Beziehungsorientierung heraus entwickelt hat. Wichtig ist, dass daraus Vertrauen erwächst zwischen den Führenden und den Geführten, meist also zwischen Belegschaft und Unternehmensleitung. Wie es scheint, öffnet sich die Betriebswirtschaftslehre mittlerweile diesen Zusammenhängen. Autor Hartmut Volk. Der Diplom-Betriebswirt bearbeitet seit 30 Jahren als freier Journalist an der Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft Themen aus dem Bereich der Unternehmensführung für Fachzeitschriften und Tageszeitungen im gesamten deutschsprachigen Raum. 05 // 2019 69

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