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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó IT & KOMMUNIKATION

ó IT & KOMMUNIKATION FinTechs verlieren den Windschatten der Banken BANK-FINTECH-KOOPERATIONEN Die Zweite Zahlungsdiensterichtlinie bringt Schwung in den Zahlungsverkehr in Deutschland. Banken müssen ab 2018 eine Schnittstelle für Kontoinformationsdienste und Zahlungsauslösedienste zur Verfügung stellen. Umgekehrt müssen reine Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste eine Zulassung als Zahlungsinstitut vorweisen können. Die Auswirkungen der Richtlinie kann also Kooperationen im Zahlungsverkehrsmarkt fördern. Nils Purwin Keywords: Geschäftspolitik, Zahlungsverkehr, Regulierung Die gute Nachricht für die Banken lautet: Ihre Wettbewerber aus dem Nichtbankensektor werden mit der Umsetzung der Payment Service Directive (PSD II) stärker reguliert. Zahlungsdienste müssen nämlich ab 2018 eine Zulassung als Zahlungsinstitut vorweisen, wenn sie für Kunden eine Zahlung über ein bei einem anderen Zahlungsdienstleister geführtes Konto auslösen. Am 13. Juli 2018 endet die Übergangsfrist für die Anbieter, die eine Zulassung nach dem bisherigen Recht besitzen. Mit der Umsetzung der Richtlinie treffen die Regulierungskosten auch unmittelbar Dritte Zahlungsdienstleister. Zwar sind viele Anbieter als Dienstleister der Institute schon heute mittelbar betroffen, mussten sich allerdings bislang nicht direkt mit den Aufsichtsbehörden auseinandersetzen. Für sie fällt nun mit der PSD II der Windschatten der Banken weg. Für die großen Anbieter wie Paydirekt und Sofortüberweisung wird es keine große Hürde darstellen, gegebenenfalls eine PSD II-konforme Zulassung als Zahlungsinstitut zu erhalten. Sie sind entsprechend professionell aufgestellt und können beispielsweise die Anforderungen an die Geschäfts- und Budgetplanung sowie an eine solide Unternehmenssteuerung erfüllen. Für kleinere FinTechs, die sich noch im Start-up-Stadium befinden, wird es dagegen deutlich schwieriger. Um weiterhin innovativ bleiben zu können, werden wohl nicht alle Anbieter eine Zulassung als Zahlungsinstitut beantragen. Sie werden sich strategisch umorientieren und stattdessen Partner suchen oder fusionieren. Geldinstitute betrifft der Umstand, dass Zahlungsauslösedienste und Kontoinformationsdienste nun unter den Regelungskatalog der PSD II fallen, nur mittelbar. Ihre Vollbanklizenz deckt die nötige Zulassung als Zahlungsinstitut ab. Sie sind nur von der neuen Zulassungsregelung betroffen, wenn Beteiligungen an Zahlungsdienstleistern bestehen und sich die Vollbanklizenz nicht auf diese Tochterfirmen erstreckt. Access to Account: Ende des Bankenmonopols auf Kontoinformationen Die weniger gute Nachricht für die klassischen Banken verbirgt sich hinter dem Begriff Access to Account. Die Richtlinie verpflichtet die Banken dazu, Dritten Zahlungsdienstleistern mit einer Kundenerlaubnis Zugriff auf Informationen zu bestehenden Konten zu verschaffen. Diese Access-to-Account-Regelung beendet das Exklusivanrecht auf die Kunden- und Kontoinformationen. Die Institute verlieren hier einen Wettbewerbsvorteil, den sie kompensieren müssen. Es besteht die Gefahr, dass die FinTechs die Banken in punkto Analyse, Interpretation, Prognose, und Darstellung von Kontodaten übertrumpfen. Die innovativen FinTechs verstehen es in der Regel besser, Big Data in Smart Data zu verwandeln und daraus in kurzer Zeit bislang unbekannte Mehrwertdienste zu entwickeln. Gerade Fullservice-Banken mit komplexen IT-Landschaften und Organisationsstrukturen werden bei Geschäftsideen wie Predictive Analytics nur mit größerem Aufwand mithalten können. Wer die Investitionen in agile Systeme und in digitale Geschäftsweltprozesse scheut, wird sich entweder aus dem Feld zurückziehen oder externe Partner suchen. Damit zeichnet sich ab, dass Geldinstitute ihrerseits verstärkt den Weg der Zusammenarbeit mit dritten Zahlungsdienstleistern und FinTechs einschlagen. Zwei Jahre Zeit für neue Strategien Trotz des Plus an Regulierungsgerechtigkeit sollten sich Banken also beim Thema Zahlungsverkehr nicht zurückzulehnen. Nur die verschärften Compliance-Anfor- 54 diebank 05.2016

IT & KOMMUNIKATION ó derungen der PSD II zu erfüllen, beispielsweise durch strengere Sicherheitsvorkehrungen, wird nicht reichen. Die Richtlinie bietet Instituten vielmehr die Möglichkeit, die eigene Geschäftsstrategie im Bereich Zahlungsverkehr zu überarbeiten und sich neu zu positionieren. Die Banken wissen um den Handlungsbedarf, dafür reicht ein Blick auf den Markt: Das Angebot an Dritten Zahlungsdienstleistern hat sich in den letzten Jahren vervielfacht. FinTechs besetzen strategische Marktsegmente, in denen die Banken nicht oder nur schwach vertreten sind. Der Zahlungsverkehrsmarkt ist einer davon. Durch Internetzahlverfahren und Wallet-Lösungen wird eine steigende Anzahl von Zahlungen originär nicht mehr von Banken ausgelöst. Das hat einen Grund: Die Branche hat in den vergangenen rund Jahren den Zahlungsverkehr vorrangig als Gratisbeiwerk positioniert. Innovationen blieben entsprechend aus. PSD II sorgt für Konsolidierung Um das zu ändern, ist die PSD II ein guter Impuls. Sie enthält Regelungen, die Banken und Dritte Zahlungsdienstleister dazu bringen, sich aufeinander zuzubewegen. Die Richtlinie verlangt von beiden Seiten Expertise, die der jeweils andere besitzt. Die kommende Regulierung wird deshalb die Banken und Dienstleister dazu veranlassen, die Produkte und Dienstleistungen zu bündeln oder zu konsolidieren, um den Aufwand für die Regulierung bei den beteiligten Akteuren zu senken. Banken nehmen die FinTechs schon heute nicht nur als Wettbewerber wahr, sondern auch als Ergänzung ihrer eigenen Angebote. Das erkennt man zum einen daran, dass immer mehr Institute Kooperationen mit FinTechs eingehen. Zum anderen sieht man immer häufiger Banken, die auf der grünen Wiese eigene, losgelöste Innovation Labs gründen und als Inkubatoren Unternehmen unterstützen, die zu ihnen passen. Dieser Trend wird sich mit der PSD II weiter verschärfen. Auf die Ertragsmodelle kommt es an Für die Banken wird es allerdings nicht nur darum gehen, über Kooperationen und Zukäufe die Produkte ihrer Partner zu kopieren. Sie benötigen passende Ertragsmodelle im Zahlungsverkehr, die konkurrenzfähig gegenüber anderen Anbietern sind. Viel wird davon abhängen, wem es gelingt, den Spagat zwischen Profitabilität und Kundennutzen zu schaffen. Traditionelle Banken müssen bei ihren Diensten naturgemäß darauf achten, dass sie Rendite erwirtschaften. Klassische Kennzahlen haben für FinTechs deutlich weniger Bedeutung, da diese weniger auf langfristig profitable Geschäftsmodelle als auf Exit-Strategien ausgerichtet sind. Die Währung, in der sie denken, lautet Customer Journey und das damit verbundene Wachstum. Erfolgreiche Bank-Fin- Tech-Partnerschaften zeichnen sich dadurch aus, beide Anforderungen zu vereinbaren. Das wird nicht ohne Spannungen ablaufen. Deutlich wird das Spannungsfeld zwischen Profitabilität und Kundennutzen am Beispiel des Standards HBCI / FinTS. Banken als auch die in diesem Geschäftsfeld agierenden FinTechs tun sich schwer damit, den Dienst erfolgreich zu bepreisen. Die Banken stellen seit mehr als einem Jahrzehnt eine Schnittstelle für Kontoinformationsdienste und Zahlungsauslösedienste bereit. Kunden können per Online Banking kostenfrei Geld per PIN / TAN-Verfahren überweisen. Einige FinTechs nehmen inzwischen eine kleine Gebühr für Applikationen. Allerdings haben diese Anbieter durch den Wettbewerb mit kostenfreien Apps der Banken Probleme, diese profitabel anzubieten. Die Folge: Viele stellen ihre Preisgestaltung von einmaligen Gebühren und Preisen auf Abonnements um, da diese dauerhafte Einnahmen gewährleisten. Auswirkungen der PSD II auf Kontoinformationsdienste Verstecktes Erlöspotenzial bieten die bald obligatorischen Schnittstellen. Technisch und fachlich sind deutsche Banken mit HBCI / FinTS und EBICS bereits jetzt gut aufgestellt. Auch wenn sie Stand heute nicht allen Anforderungen der technischen Regulierungsstandards entsprechen und teilweise über die Anforderungen hinausgehen: Die Zusatzinvestitio- 05.2016 diebank 55

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