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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó IT & KOMMUNIKATION

ó IT & KOMMUNIKATION Die alte und neue Welt des Bezahlens PAYMENT Der Kauf auf Rechnung ist online in Deutschland unangefochten die umsatzstärkste Zahlungsart und gilt als bequem, einfach und sicher. Fast 60 Prozent der Verbraucher sind unzufrieden, wenn sie nicht per Rechnung bezahlen können. Sie brechen deshalb den Einkauf via Internet ab. Der Rechnungskauf ist historisch bedingt in Deutschland beliebt, in anderen Teilen der Welt dagegen in dieser Form weitgehend unbekannt. Trotz aller Payment-Innovationen empfiehlt es sich deshalb, den Verbrauchergewohnheiten mit entsprechenden Angeboten Rechnung zu tragen – im wahrsten Sinnen des Wortes. Stefan Hirschmann Keywords: Digitalisierung, Zahlungsverkehr, Finanztechnologie, FinTechs Bei der Zahlung auf Bewährtes setzen: Das wünschen sich die Deutschen, wenn es um ihre Online-Bestellungen geht. Klassische Zahlungsmethoden machen mehr als zwei Drittel aller Transaktionen aus. Dazu gehören das Lastschriftverfahren, die Kreditkarte, Vorauskasse, Ratenzahlung oder Zahlung per Nachnahme. Am beliebtesten ist allerdings nach wie vor der Rechnungskauf. Trotz aller Innovationsbegeisterung im Zeitalter der Digitalisierung rangieren die neuen Bezahlmethoden über PayPal, Paydirekt, Sofortüberweisung.de oder Giropay im Gesamtranking noch immer auf den hinteren Plätzen. Neben den beliebtesten Zahlmethoden untersuchte die Wirtschaftsauskunftei Creditreform Boniversum GmbH jüngst auch Unterschiede zwischen den Geschlechtern. So bevorzugen Männer die Kreditkarte sowie moderne Bezahlmethoden. Frauen wünschen sich dagegen eher Kauf auf Rechnung. Erwartungsgemäß offen für die neuen Zahlmethoden sind jüngere Internet-Kunden. Die Befragten zwischen 18 und 39 Jahren präferieren demnach deutlich stärker PayPal & Co. Dies gilt auch für Konsumenten mit mittlerem oder niedrigem Haushaltseinkommen. Auch diese tendieren eher zu modernen Zahloptionen – gleichzeitig jedoch auch zum Kauf auf Rechnung. Im Rahmen einer groß angelegten Studie hat das E-Commerce-Center Köln (ECC Köln) 2.400 Online-Shopper nach ihren Bezahlgewohnheiten befragt, die internetrepräsentativ gewichtet nach Alter und Geschlecht ausgewählt wurden. Ergebnis: Insgesamt liegt die Rechnung nach wie vor auf Platz 1 der beliebtesten Zahlmethoden. Automatisierung der Rechnungsprozesse Es wird deshalb kaum verwundern, dass mittlerweile einige neue Geschäftsideen Marktreife erlangt haben, die den Payment-Eigenarten der Deutschen entgegenkommen und dennoch die Bezahlprozesse optimieren, sozusagen die alte und neue Welt des Bezahlens miteinander verbinden. So bietet etwa die GiroSolution AG ein automatisiertes Überweisungsverfahren an, das auf einem europaweit einheitlichen Standard in Form eines QR- Codes basiert. Dieser enthält alle relevanten Zahlungsdaten wie den Zahlungsempfänger, die IBAN sowie den Überweisungsbetrag und Verwendungszweck. Verbraucher scannen diesen Code mit ihrer Banking-App auf dem Smartphone oder Tablet und geben dann die vorausgefüllte Überweisung frei. Zahlreiche Banking-Apps wie z. B. die der Sparkassen und Volksbanken, der Postbank oder Star- Money unterstützen bereits diesen Prozess. Allerdings haben sich Bezahlmethoden mit QR-Code-Funktionen aufgrund mangelnder Akzeptanz der Nutzer bislang nicht flächendeckend durchsetzen können. Das Münchner FinTech-Start-up Lendstar bietet seinen Usern eine Funktion an, mit der Rechnungen führender Online-Shops direkt über die Lendstar- App bezahlt werden können. Dazu klickt der Kunde auf seinem Smartphone den gewünschten Shop an und bringt die Zahlung ohne QR-Code auf den Weg. Voraussetzung ist allerdings die Installation der Funktion „LendstarPay“, die an das Bankkonto des Käufers angebunden werden muss. Die Automatisierung der Rechnungsprozesse kann auch für Finanzdienstleister Vorteile bringen. Beispielsweise ermöglicht die Hallesche Krankenversicherung ihren Kunden, Rechnungen mit einer App online zur Erstattung einzureichen – bei maximaler Datensicherheit. Die Versicherungsnehmer fotografieren dabei ihre Unterlagen ab und übertragen diese an die Hallesche – mit oder ohne Barcode. Auch Adress- und Bankdatenänderungen können in der App verschlüsselt durchgeführt werden. Mit der 52 diebank 05.2016

IT & KOMMUNIKATION ó Fotofunktion erspart der Versicherer seinen Kunden nicht nur den Postweg und die Portokosten, sondern profitiert davon, dass alle Daten ohne manuelle Bearbeitung direkt in das IT-System fließen. Nachteilig wirkt sich aber auch hier die Installation einer App aus, vor der vor allem ältere Kunden zurückschrecken. Bezahlen ohne Medienbruch Den Durchbruch könnte in diesem Segment ein niederländischer Anbieter für elektronische Rechnungslegung und -bezahlung schaffen. AcceptEmail ist ein Fin- Tech mit Hauptsitz in Amsterdam und gilt als Newcomer im deutschsprachigen Raum. In den USA gehört das Unternehmen bereits zu den „American Banker’s Fintech Companies to Watch“. Es lohnt sich also, ein Auge auf das Geschäftsmodell zu werfen. In den Niederlanden wurde das Startup als eines der 50 innovativsten Finanzunternehmen ausgezeichnet. Bei EVO Payments International (ehemals Deutsche Card Services) ist das Verfahren bereits seit 2012 im Einsatz. Auch andere Kreditinstitute und Finanzdienstleister wie die Allianz, ABN AMRO, ING, KBC oder Santander nutzen AcceptEmail, um einen Online-Bezahlungsvorgang von der Rechnungsstellung bis zur Durchführung der Zahlung ohne Medienbruch zu realisieren. Heute arbeitet das FinTech-Unternehmen bereits mit 700 Rechnungsstellern und 10 Millionen Empfängern zusammen. Bei der Bezahllösung wird eine Rechnung per E-Mail oder SMS an den Konsumenten übermittelt. Dreh- und Angelpunkt dabei ist ein Bild am Anfang der E-Mail, das alle relevanten Rechnungsdaten enthält und den Echtzeitstatus der Zahlung angibt. Ein Klick führt den Kunden direkt zu einer Webseite, auf der er das Bild aus seiner E-Mail wiederfindet. Durch bereits vorausgefüllte Rechnungsdaten werden manuelle Dateneingaben erspart und Eingabefehler vermieden. Sofern der Händler mehrere Zahlverfahren anbietet, kann der Konsument sein präferiertes Zahlverfahren auswählen. Aktuell werden Karten von Visa und Mastercard unterstützt, aber auch Giropay, iDEAL, Sofort und PayPal. Bei entsprechender Kundennachfrage soll auch Paydirekt angebunden werden. „Momentan wird in Deutschland meistens nach Sofort, PayPal, Mastercard oder Visa über gängige PSPs gefragt“, sagt Johan Zevenhuizen, Country Manager für Deutschland, Österreich und die Schweiz. International werden schon jetzt mehr als 100 Payment- Gateways angeboten. Die Eingabe der sensiblen Zahlungsdaten erfolgt direkt in ein Zahlungsformular, das über eine Zahlungsschnittstelle bereitgestellt wird. Nach erfolgreicher Durchführung der Zahlung ändert sich das Bild auf der Webseite und in der E-Mail, um den aktuellen Status wiederzugeben. Mit dieser Kennzeichnung hat der Konsument in der ursprünglichen E-Mail immer den aktuellen Stand der Dinge vor Augen und kann sofort erkennen, dass eine Zahlung bereits erledigt, fällig oder überfällig ist. Der Händler kann im Online-Reporting-System von AcceptEmail hingegen nicht nur sehen, ob eine Zahlung bereits erfolgt ist, sondern auch ob und wann eine Rechnung geöffnet wurde. Ein Dashboard gewährt darüber hinaus einen Einblick in das Zahlungsverhalten der Kunden, wodurch sich weitere Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Diese moderne Form der Rechnungsstellung eignet sich für erstmalige Rechnungen und Ratenzahlungen sowie zum Eintreiben offener Forderungen im Fall von Zahlungserinnerungen oder Rücklastschriften. In Kombination mit der Zahlungsabwicklung ergeben sich Vorteile sowohl für den Empfänger als auch für den Absender einer Rechnung. Entscheidend ist, dass der Endkunde keine App auf seinem Gerät installieren muss. „Deshalb motiviert die Anwendung den Nutzer, schnell und einfach zu zahlen“, sagt Zevenhuizen. AcceptEmail arbeitet mit existierenden Systemen und Fileformaten, ohne Bedarf an komplexen Integrationssystemen oder Anpassungen. Die Integration in die Rechnungs- und Zahlungsplattformen der Unternehmen erfolgt vergleichsweise schnell, da keine Investitionen in Hardware notwendig werden. Das System ist rein netzbasiert. Sichere IT-Umgebung Um die Daten vor unberechtigten Zugriffen zu schützen, wird eine moderne Verschlüsselungstechnologie zum Einsatz gebracht. Die Webseite, auf der die Transaktion ausgeführt wird, ist mittels TLS (Transport Layer Security) geschützt. Die Transaktionsseite verwendet eine 256-Bit-Verschlüsselung mit einem 2048 Bit verschlüsselten Zertifikat. Die Server befinden sich in Amsterdam und sind nach ISAE3402 geprüft und gemäß ISO 27001 zertifiziert. Jede Rechnungsmail ist einzigartig und wird nur einmalig erstellt. Sie enthält ein gesichertes Zahlungsbanner, das vom Empfänger nicht verändert werden kann. Sobald der Empfänger das Banner anklickt, wird er automatisch mit der TLS-gesicherten Transaktionsseite verbunden, die mit einer erweiterten Validierungszertifizierung zusammenpasst. „Das größte Risiko eines Kunden ist, dass ein anderer für ihn die Rechnung bezahlt“, sagt Zevenhuizen. Gemäß einer aktuellen Payment-Studie der Beratungsgesellschaft Accenture haben neue technologische Lösungen und Systeme insbesondere im Zahlungsverkehr das Potenzial, Kreditinstitute wieder zum hochrelevanten Teil des Kundenalltags werden zu lassen. Mit neuen technologischen Möglichkeiten haben sich auch die Kundenbedürfnisse in den vergangenen Jahren stark verändert. Dem müssen Banken Rechnung tragen. Der Kern der notwendigen Produktinnovationen liegt insbesondere in der konsequenten Digitalisierung und intelligenten Aufrüstung des Kundenkontos. Dabei geht das Funktionsspektrum weit über die gängigen Onlineund App-Angebote hinaus. Zur Steigerung der Relevanz müssen Institute ihre klassischen Kanäle und Leistungen um neue Services erweitern. ó 05.2016 diebank 53

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