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die bank 05 // 2016

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó FINANZMARKT

ó FINANZMARKT Unbegründeter Pessimismus KREDITWIRTSCHAFT Vor dem Hintergrund der gestiegenen Risikoaversion und des extrem negativen Sentiments über dem Sektor wurde von verunsicherten Investoren bereits die nächste Bankenkrise durchgespielt. Mit Blick auf die verstärkten Eigenkapitalpolster und die vielerorts umgebauten Geschäftsmodelle sind die Banken heute durchweg widerstandsfähiger als inmitten der Finanzkrise. Insofern erscheinen auch die deutlichen Kursrückgänge übertrieben. Europäische Banken stehen nicht erst seit Anfang des laufenden Jahres unter Druck, sondern haben sich längst auf die strengen Eigenkapitalvorschriften, die hohen Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten und die Niedrigzinsphase eingestellt. Karl-Heinz Goedeckemeyer Keywords: Strategie, Bankenmarkt, Geschäftsentwicklung Auf der Agenda stehen der Abbau der Risikoaktiva, die Rückführung der operativen Kosten sowie der Rückbau des Investmentbankings. Dagegen sind Themen wie Assetqualität und Ölpreisverfall differenziert zu betrachten, da sie nicht gleichermaßen auf alle Banken zutreffen. Während die US-amerikanischen Institute dank des konjunkturellen Rückenwinds und des proaktiven Umbaus ihrer Geschäftsmodelle die Finanzkrise besser überstanden haben, leiden viele europäischen Banken darunter, dass sie nicht alle Risiken aus ihren Bilanzen gekehrt haben. Hinzu kommt, dass die negativen Zinsen auf die Zinsmarge und Gewinne drücken und somit den Erholungsprozess der Banken weiter behindern. Da der Nettozinsertrag 60 bis 70 Prozent der Einnahmen europäischer Banken ausmacht, dürften sich die bestehenden Sorgen um die künftige Profitabilität, die maßgeblich von der Geldpolitik abhängt, eher noch verstärken. Eine Zinssenkung in negatives Terrain ohne unterstützende Maßnahmen würde Aktien und Anleihen aus dem Bankensektor erneut unter Abwärtsdruck setzen. In letzter Zeit verstärkt hinzugekommen sind – neben den sonstigen Baustellen Brexit, Wachstumsverlangsamung in China sowie dem schwachen Ölpreis – Befürchtungen um einen massiven weltweiten Konjunktureinbruch. Nach Einschätzung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, ist die Volatilität, die die Banken in den ersten Wochen des Jahres erfasste, eher auf die Nervosität der Märkte im Hinblick auf die weltweite Wachstumsabschwächung zurückzuführen als auf Fehleinschätzungen über die Richtung der Finanzmarktregulierung. Zudem hätten die Maßnahmen der Aufsichtsbehörden zur Risikoreduzierung und der Erhöhung der Kapitalniveaus einen eher stärkenden Effekt auf die Banken gehabt, „Wenn wir diese Schwankungen vor der Krise gehabt hätten, bin ich mir sicher, dass das ganze System sehr viel zerbrechlicher gewesen wäre als heute“, sagte Draghi im Rahmen einer Anhörung vor dem Europäischen Parlament. Jahresabschlüsse 2015 Die Geschäftsentwicklung der europäischen Banken im vergangenen Jahr 2015 verlief nicht gleichförmig. Während die stark im Umbau befindlichen Institute wie Credit Suisse, Deutsche Bank, Standard Chartered, Barclays und RBS vergleichsweise schlecht abschnitten und die italienischen Banken wegen des außerordentlich hohen Bestands an notleidenden Krediten auf der Verkaufsliste der Investoren standen, konnten die französischen, nordischen und spanischen Institute im Schnitt mit soliden Ergebnissen aufwarten. Dass auch viele spanische Banken unter Verkaufsdruck gerieten, lässt sich dadurch erklären, dass Anleger nicht genügend differenzieren. Während die Großbanken Santander (Nettoergebnis: 6,6 Mrd. €) und BBVA (Nettoergebnis: 2,6 Mrd. €) die erwarteten Milliardengewinne für das Geschäftsjahr 2015 auswiesen, konnten auch die ehemaligen Krisenbanken CaixaBank und Bankia nicht nur ihre Nettoergebnisse deutlich steigern, sondern auch ihre NPL-Quoten – CaixaBank auf 7,9 Prozent und Bankia auf 10,8 Prozent – spürbar zurückführen. Auf eine hohe Profitabilität deuten auch die Ergebnisse der französischen Banken BNP Paribas (6,7 Mrd. €), Société Générale (4,0 Mrd. €) und Crédit Agricole (3,5 Mrd. €) hin. Im Vergleich dazu beliefen sich die Nettoverluste bei der Deutschen Bank, Credit Suisse und RBS auf 6,7 Mrd. €, 2,9 Mrd. CHF bzw. 2,0 Mrd. £. Noch immer hoher Bestand an Problemkrediten in Europa Festzuhalten ist, dass die Banken in Europa noch immer auf einem riesigen Berg von Problemkrediten sitzen. Aktuellen Erhebungen zufolge sollen bei den Geldinstituten notleidende Kredite im Volumen von 826 Mrd. € in den Bilanzen liegen. 1 Fast sechs Prozent aller Darlehen in den Bilan- 16 diebank 05.2016

FINANZMARKT ó zen der Geldhäuser gelten als ausfallgefährdet. 2 Um das Niveau der US-Banken zu erreichen, müssten die europäischen Institute weitere 400 Mrd. € an Problemkrediten verkaufen. Grund dafür sind u. a. verbesserte Aufsichtsstrukturen in den USA, die den Banken detaillierte Anleitungen zum Umgang mit Abschreibungen an die Hand gegeben haben, was den Abbau der Kredite begünstigt hat. Als belastend wirkten sich auch die möglichen Kreditausfälle im Ölsektor auf die Banken aus. Gemäß den Studien einzelner Investmentbanken besteht die Gefahr, dass Firmen aus der Ölbranche ihre Kredite nicht mehr bedienen können, sollten sich die Ölpreise nicht bald erholen. Die daraus resultierenden Kreditausfälle werden auf rund 300 Mrd. US-$ beziffert. Selbst wenn sich die Rohstoffpreise wieder fangen, erwarten Analysten signifikante Kreditausfälle. 3 Einen Vorgeschmack lieferte die britische Standard Chartered, die wegen gestiegener Rücklagen für faule Kredite im Rohstoffsektor einen Jahresverlust von 2,2 Mrd. US-$ vermeldete. Auch die norwegische DNB soll mit 20,6 Mrd. US-$ ein relativ hohes Exposure gegenüber dem Ölsektor aufweisen. Bei den schweizerischen Großbanken weist die UBS ein Netto-Exposure von 6,1 Mrd. CHF aus (davon ein USA- Anteil von 89 Prozent und ein Investmentgrade-Anteil von 52 Prozent). Bei der Credit Suisse beläuft sich das Netto- Exposure auf 9,1 Mrd. CHF (davon 81 Prozent USA-Anteil und 58 Prozent Investmentgrade-Anteil). Bei beiden Banken ist ein Risikovorsorgebedarf in dreistelliger Millionenhöhe zu erwarten. 4 Weitaus stärker mit Milliarden-Krediten sollen US-Großbanken wie J.P. Morgan, Citigroup oder Wells Fargo engagiert sein. Schätzungen zufolge soll das Exposure bis zu 1 Bio. US-$ betragen. 5 Insgesamt betrachtet, dürfte jedoch das Engagement europäischer Banken gegenüber diesem Sektor durchaus beherrschbar sein, zumal die Kreditnehmer überwiegend dem Investmentgrade-Bereich zuzuordnen sind. Anstieg der Credit Spreads Die an den Kapitalmärkten festzustellende Risikoscheu der Investoren spiegelt sich auch in einer geringen Liquidität als Folge der regulatorische Restriktionen wider. Die höhere Risikoaversion hat sich besonders auf dem Markt für Credit Default Swaps (CDS) bemerkbar gemacht. Zum Höhepunkt der Turbulenzen hat ein regelgerechter Ausverkauf bei den CDS stattgefunden. Besonders betroffen von dieser Risikoscheu war der CDS der Deutschen Bank, der in der Spitze bis auf knapp 250 Basispunkte anstieg. Festzustellen ist ferner, dass der Bankensektor wegen des hohen finanziellen Leverage sehr sensibel auf die Ausweitung bei Credit Spreads reagiert. Trotz des vollzogenen Bilanzabbaus sind Banken sektorübergreifend nach wie vor am stärksten verschuldet. Schätzungen zufolge beläuft sich die Verschuldung (Sachanlagevermögen/Eigenkapital ohne Goodwill) europäischer und US-amerikanischer Banken 1 Gewinn- und Ertragswachstum für das Jahr 2016 (nach Sektoren) Sektor Gewinnwachstum in % Ertragswachstum in % Rohstoffe -3,6 -0,5 Konsumgüter 14,9 4,4 Dienstleistungen 5,8 2,3 Energie -14,1 -11,0 Finanzwirtschaft 3,3 1,0 Gesundheitswesen 7,0 5,4 Gewerbetreibende 4,9 2,2 Technologie 7,8 14,8 Telekommunikation 12,2 2,4 Versorger 1,4 -0,3 Gesamt 4,4 0,5 Quelle: Thomsen Reuters. trotz des 30-prozentigen Rückgangs vor Ausbruch der Finanzkrise noch immer auf das 22- bzw. 12-Fache. Seit Anfang März 2016 hat sich die Situation wieder verbessert. Folglich haben auch die Spreadausweitungen bei den Senior Financials an Dynamik verloren. Auch am Markt für Kreditausfallversicherungen hat sich die Risikoaversion wieder gelegt. Zuletzt ist das Gewinn-Momentum der Banken (Anzahl der nach oben, minus der nach unten korrigierten Gewinnschätzungen) im Vergleich zum Marktdurchschnitt stark gefallen. Abgesehen vom Höchststand sind die 12-Monats-Konsensschätzungen um mehr als zehn Prozent abgesackt. 6 Gemäß den von ThomsenReuters ermittelten Schätzungen gehen Analysten für das laufende Jahr von einem Gewinnwachstum von 3,3 Prozent aus, während der Marktdurchschnitt ein Wachstum der Gewinne von 4,4 Prozent erwarten lässt ” 1. Da sich im gleichen Zeitraum auch das Sentiment des Markts gegenüber dem Sektor geändert hat, ist der Markt davon ausgegangen, dass sich die mittelfristigen Gewinnaussichten der Banken signifikant verschlechtert haben. Nach Einschätzung einzelner Analystenhäuser sind die Gewinnaussichten jedoch nicht so negativ wie der Markt dies vermutet bzw. in den Kursen einzupreisen versucht. Begründet wird der Optimismus damit, das die fünf Schlüsselfaktoren für die Gewinne der Banken, Zinsmargen, Risikovorsorge, Kreditwachstum, Provisionseinnahmen und Kostenkontrolle, vom Markt als zu negativ wahrgenommen werden. ó Quellen 1 Linklaters, European banks face significant credit risks as the SSM focuses its attention on non-performing, November 2015. 2 EBA, European Banking Authority, November 2015. 3 Reuters, Februar 2016. 4 UBS, European Strategy, Februar 2016. 5 LBBW Research, Strategie-Update Februar 2016. 6 Credit Suisse, Global Equity Strategy, Februar 2016. 05.2016 diebank 17

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