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die bank 04 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG dass eine am

REGULIERUNG dass eine am PoS abgeschlossene BNPL-Finanzierung über 150 € genauso gehandhabt werden muss wie ein größerer Ratenkredit – inklusive aller Pflichtinformationen und Bonitätsprüfungen. Der Händler muss dann seine Kunden genauso über Pflichten und Risiken aufklären wie der Bankberater in der Filiale. Auch die regulatorisch vorgeschriebenen Pflichtinformationen müssen dann ordnungsgemäß vor Vertragsabschluss bereitgestellt werden. Der Aufwand für BNPL-Anbieter wäre in diesem Fall enorm und auch auf Konsumentenseite gäbe es nur wenig Verständnis dafür. Selbst ein guter, durchgängig digital aufgestellter Ratenkredit dauert im Idealfall immer noch 10 bis 15 Minuten, bis alle Daten erfasst, Legitimationsfragen geklärt, Kontoabfragen gewährt und Bonitätsdaten verglichen wurden. Das Problem dabei: Weder im stationären Handel und erst recht nicht im E-Commerce sind Konsumenten gewillt, an der Kasse eine viertelstündige Antragsstrecke für eine kleinere Händlerfinanzierung abzuarbeiten. Hinzu kommt die Frage der Rentabilität. Eine einzelne kleinvolumige Finanzierung könnte nur in wenigen Fällen die Kosten beispielsweise für das Onboarding decken. Die Konsequenz wäre ein Umdenken für die BNPL-Anbieter: Nur noch revolvierende Kredit- oder Factoring-Angebote könnten rentabel angeboten werden. Im Richtlinienpapier kommt auch eine Art Bedenkzeit-Regelung zum Tragen, die das auf schnelle Entscheidungen ausgerichtete BNPL-Geschäftsmodell torpediert. Zwar ist der aktuelle Entwurf des Richtlinienpapiers diesbezüglich noch unscharf formuliert, jedoch würde eine Verschärfung der Informationsbereitstellung bedeuten, dass dem Konsumenten die Finanzierung erst am Tag nach dem Kauf zur Verfügung steht bzw. eine erneute Händler-Kunden-Interaktion notwendig wird. Kunden müssten in diesem Fall also am nächsten Tag wieder ins Geschäft bzw. den Erhalt der Informationen nachgelagert online bestätigen, um ihren Kauf mit Finanzierung abzuschließen. Die EU-Kommission verfolgt zudem den Ansatz, dem Kunden möglichst transparent Informationen zukommen zu lassen, damit dieser eine fundierte Entscheidung treffen kann. Die Vorgaben zur Bereitstellung der Dokumente auf einem dauerhaften Datenträger sind zwar umständlich, aber durchaus noch handhabbar. Die Dokumente können ganz traditionell auf Papier ausgedruckt oder u. a. auch per E-Mail verschickt werden. Bleiben als besonders schwieriger Brocken noch die Bonitätsrichtlinien. Aktuell können sich BNPL-Anbieter hier noch in einer rechtlichen Grauzone bewegen und laxer agieren als bei einem Ratenkredit. Sollten die Ausnahmeregelungen jedoch fallen und BNPL schärfer reguliert werden, dann muss bei jeder Finanzierung eine komplette Bonitätsprüfung erfolgen, bei der auch alle Einund Ausgaben geprüft werden. BNPL – zwischen Bezahlmethode und Finanzierung Warum zu scharfe Prüfanforderungen das BNPL-Geschäft einbrechen lassen können, erklärt sich aus der Prozessgestaltung dieser Finanzierung, die stärker in den Kaufprozess integriert ist, als dies beim klassischen Ratenkredit der Fall ist. Denn im Gegensatz zum Ratenkredit ist die BNPL-Finanzierung meist beim PoS in den Zahlungsprozess nahtlos integriert. Der Schwerpunkt liegt also auf der Customer Journey. Die Kreditentscheidung wird an der Ladenkasse gefällt – ob digital oder vor Ort im Handel. Vor allem junge Kundengruppen – häufig noch ohne eigene Kreditkarte – sind von dem Konzept mit festen Raten, Nullzinsen bei pünktlicher Zahlung und ohne Gebühren für die Käufer überzeugt. Marktbeobachter erwarten deshalb, dass der BNPL-Markt bis zum Jahr 2025 jährlich um gut 10 Prozent wachsen wird. Beim traditionellen Kreditmodell hingegen liegt der Schwerpunkt auf der Ratenfinanzierung und ist an mehr Informationen und Prozesse gebunden. Diese Schnelligkeit führt jedoch auch dazu, dass sich in einigen Fällen Konsumenten mit ihren Finanzierungen überschätzen. In einer Studie stellte Credit Karma, eine USamerikanische Auskunftei und Bonitäts- Agentur, im vergangenen Jahr fest, dass jeder dritte BNPL-Verbraucher mit einer oder mehreren Zahlungen in Verzug geraten war. Mehr als 70 Prozent der befragten BNPL-Nutzer gaben zudem an, dass ihre Kreditwürdigkeit gesunken sei. Angesichts zahlreicher Meldungen über eine zu lasche Kreditvergabe und Überschuldung werden derzeit auch in den USA sowie in Australien schärfere BNPL-Regeln erarbeitet. Und in Großbritannien hat die Financial Conduct Authority (FCA) bereits angekün- 56 04 | 2022

REGULIERUNG FAZIT Eine zeitgemäße Anpassung des Verbraucherschutzes im Kreditgeschäft ist zweifellos notwendig. Gleichzeitig ist der BNPL-Markt für Händler, Anbieter und Konsumenten zu wertvoll und wichtig, als dass er kaputtreguliert werden sollte. Wichtig ist also, mit Maß vorzugehen und den Konsumenten nicht zu entmündigen. Gleichzeitig gilt es, eine Antrittsgleichheit zwischen Banken und FinTechs zu erlangen und die wirtschaftliche Basis aufrechtzuerhalten. Der Regulierer steht vor einem Balanceakt, der allerdings nicht mehr lange aufgeschoben werden darf. Bei der Erarbeitung des neuen Gesetzes gilt es jetzt, Einfallsreichtum und Flexibilität zu beweisen. Denn BNPL darf weder durch einen zu starren Regulierungsrahmen eingeengt werden, noch zu viele Freiheiten genießen. Der aktuelle Regulierungsvorschlag stellt für BNPL-Anbieter eine große Hürde dar, die für Kreditinstitute gegebenenfalls besser zu überwinden ist. Somit kann diese Vorgabe eine Einstiegschance für Banken in diesen Markt sein. Jedoch sollte jedes Institut für sich das Geschäftsmodell auf dessen Tragfähigkeit prüfen. digt, dass die Händlerfinanzierung die gleichen Rechte und Schutzmaßnahmen wie regulierte Kreditformen bieten sollte. Aktuell wird an einer Gesetzesänderung gearbeitet. Der deutsche Ableger des schwedischen Branchenriesen Klarna versucht mit einer Transparenzoffensive gegenzuhalten und sieht keine Gefahr einer drohenden Verschuldungswelle unter jungen Kundengruppen. Nach eigener Aussage würden „98,96 % der von uns in Deutschland verschickten Rechnungen im Rahmen unseres Zahlungs- und Mahnprozesses bezahlt“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dennoch würden die Finanzierungsprozesse und -prüfungen im Sinne des Kunden und einer höheren Transparenz weiter optimiert werden. Banken sind vertraut mit dem Regulierer BNPL gehört derzeit sicherlich zu den spannendsten Produktkategorien, weil einerseits das Interesse von Händlern und Konsumenten nachhaltig wächst, andererseits der Regulierer immer noch an einem zukunftstauglichen Regelwerk arbeitet. Für die Banken kann sich diese Situation als vorteilhaft erweisen. Der Regulierer wird vermutlich schon kurz- bis mittelfristig ein überarbeitetes Verbraucherkreditgesetz verabschieden. Wie eng sich dieses an dem Richtlinienvorschlag orientieren wird, ist noch offen. Es ist aber davon auszugehen, dass der BNPL- Markt künftig stärker reguliert wird. Vor allem die Bonitätsprüfung und die Informationsbereitstellung werden künftig sicherlich im Fokus stehen und vom Regulierer strenger geprüft werden. Beide Themenfelder werden von den Banken schon seit langem optimiert. Und in der Zusammenarbeit mit dem Regulierer und dem Erarbeiten sicherer Prozesse haben die etablierten Banken deutlich mehr Erfahrung als die Fin- Techs und Zahlungsdienstleister, die derzeit das BNPL-Geschäft noch dominieren. Hier bietet sich für Banken also die Chance, sich von den Wettbewerbern abzusetzen. Allerdings sollten die Institute dann auch gewillt sein, mit eingefahrenen Traditionen zu brechen. Schließlich lebt eine BNPL-Finanzierung am PoS von einfachen und schnellen Prozessen. Eine Minimierung der Pflicht-Datenfelder ist da z. B. ein Muss. Zudem kann die Bank künftig ihre Erfahrung in Legitimations- und Onboarding-Prozessen ausspielen. Im Richtlinienpapier wurde etwa der wichtige Punkt einer rechtssicheren Vertragsunterschrift im Online-Geschäft ausgelassen. Bis zum fertigen Gesetz sollte der Regulierer hier auf jeden Fall noch nachbessern. Und wenn die Banken dann mit einer fertigen Lösung aus der Schublade überraschen, können sie einen Wettbewerbsvorteil ausspielen. Autoren Sven Dost ist Manager bei Cofinpro. Er kann auf mehr als 17 Jahre Berufserfahrung in der Bankenbranche mit besonderem Fokus auf Kreditgeschäft & Payment zurückgreifen. Derzeitig berät er eine Bank bei der Entwicklung einer B2B-Plattform. Robert Wagner ist als Senior Consultant im gleichen Unternehmen tätig und arbeitet seit mehr als neun Jahren im Bankenumfeld. Er begleitet Banken u. a. bei der Konzeption einer BNPL-Lösung, bei der Einführung von innovativen Bezahlmethoden sowie im Kontext von Instant Payment. 04 | 2022 57

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