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die bank 04 // 2015

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE

ó BERUF & KARRIERE CLAUDIA MARIA BUCH Die Retterin der Welt fi AT THE TOP In Frankfurt bringen zahlreiche Hochhaustürme nach dem Motto „höher, schöner, mächtiger“ die Macht und Bedeutung von Geschäftsbanken und Finanzkonzernen zum Ausdruck. Doch es gibt Ausnahmen. Die Deutsche Bundesbank residiert völlig unspektakulär in einem eher trist anmutenden Gebäude im Norden der Stadt. Hier ist der Arbeitsplatz von Claudia Maria Buch. Aus ihrer eher beschaulich und provinziell anmutenden Heimatstadt Paderborn hat es „CMB“ in eine der pulsierenden Finanzstädte Europas verschlagen. Die Ostwestfälin ist beruflich längst hier in der Mainmetropole angekommen, obwohl sie erst am 13. Mai 2014 zur Vizepräsidentin der Bundesbank berufen wurde. Sie hat sich innerhalb kurzer Zeit an die Gegebenheiten angepasst Die Ostwestfälin hat in Bonn und Wisconsin Wirtschaftswissenschaften studiert, 1996 an der Uni Kiel promoviert und sich 2002 habilitiert. Der Fokus ihrer wissenschaftlichen Arbeit lag in den vergangenen Jahren im Bereich Regulierung und Aufsicht im Bankenwesen sowie Finanzstabilität. Bis zu ihrer Berufung in den Bundesbank-Vorstand war Claudia Buch im Rat der Wirtschaftsweisen. In der Lehre sammelte sie Erfahrungen als Professorin an der Otto-von-Guericke-Uni in Magdeburg oder als Präsidentin des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle. Auch an der Uni Tübingen hat ihr Name einen exzellenten Klang; hier hat sie bis Mai 2013 als Professorin gewirkt. – und damit das in sie gesetzte Vertrauen bereits heute voll erfüllt. Das ist ihr leicht gefallen; denn die oft scheu wirkende Frau gilt als einer der klügsten ökonomischen Köpfe Deutschlands. Es gibt keinerlei Zweifel an ihren Fähigkeiten. Sie überzeugt nicht nur mit ihrer brillanten Vita, sondern auch mit ihrem sympathischen, zurückhaltenden Auftreten und ihrer Persönlichkeit. Nach dem Besuch des Theodorianum Gymnasiums in Paderborn hat sie in Bonn und in Wisconsin Wirtschaftswissenschaften (Abschlüs- fl Die oft scheu wirkende Frau gilt als einer der klügsten ökonomischen Köpfe Deutschlands. se: Diplom-Volkswirtin und MBA) studiert. Am Institut für Weltwirtschaft hat sie sich dann als wissenschaftliche Mitarbeitern mit den Finanzmärkten beschäftigt. An der Uni Kiel hat Claudia M. Buch 1996 promoviert und sich 2002 habilitiert. Der Fokus ihrer wissenschaftlichen Arbeit lag in den vergangenen Jahren im Bereich Regulierung und Aufsicht im Bankenwesen sowie Finanzstabilität. Bis zu ihrer Bundesbank-Berufung war sie sogenannte „Wirtschaftsweise“, also Mitglied des Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Hier hat sie auch entscheidende Punkte für ihre Bundesbank-Karriere gesammelt. Als Professorin war sie von Juni 2013 bis Mai 2015 an der Otto-von-Guericke-Uni in Magdeburg aktiv. Zudem hatte sie zuvor Verantwortung als Präsidentin des Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle übernommen. Auch an der Uni in Tübingen hat ihr Name einen exzellenten Klang; hier hat sie bis Mai 2013 als Professorin gewirkt und auch als wissenschaftliche Direktorin beim Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung Spuren hinterlassen. In der Funktion als Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirats beim BMWI in Berlin hat sie von 2008 bis 2012 offensichtlich die politische Elite in Berlin von ihren Fähigkeiten überzeugt. Und jetzt soll sie in ihrer neuen Rolle bei der Bundesbank mit ihren Fähigkeiten Lösungsansätze in der Schuldenkrise und für die bebenden Finanzmärkte erarbeiten. Sie wird den sich abzeichnenden Todeskampf der freien Märkte und der Demokratie und den zunehmenden Staatseinfluss in der Wirtschaft möglicherweise mit großem Bedauern verfolgen. Die Bundesbankerin wird sich in diesem Kontext auch mit den kaum absehbaren Folgen der ultraleichten Geldpolitik der US-Notenbank, 76 diebank 4.2015

BERUF & KARRIERE ó der EZB und anderer Zentralbanken auseinandersetzen müssen. Und das – so weiß sie sehr wohl – ist mit Sicherheit kein leichtes Unterfangen. Kurz gesagt: Claudia Maria Buch ist zur „ökonomischen Rettung der Welt“ angetreten. Zunächst gilt es für das Bundesbank-Management, bei den Menschen wieder Vertrauen in die Geld- und Fiskalpolitik herzustellen. Buchs Pech ist allerdings, dass die geldpolitischen Möglichkeiten der Bundesbank im Euro-Raum arg begrenzt sind, weil die Entscheidungsbefugnisse in der Geldpolitik seit der Gründung der EZB am 1. Juni 1998 inzwischen fast vollständig auf diese übergegangen sind. Dort, wo früher populäre und oft marktschreierisch agierende Bundesbanker manchmal robust und mit harter Hand die deutsche Geldpolitik prägten und die D-Mark zu einer starken und stabilen Währung machten, ist heute eher Fingerspitzengefühl ökonomischer Feingeister gefragt. Und so halten sich Bundesbankpräsident Jens Weidmann und seine Stellvertreterin Claudia M. Buch mit offener Kritik an der superleichten und gefährlich erscheinenden Geldpolitik der EZB auffallend stark zurück. Noch immer hat die Bundesbank weltweit allerdings einen exzellenten Ruf, obwohl sich deren Aufgaben seit 1998 geändert haben. Die Politik habe, so sagt Buch, die Bundesbank 2013 mit dem makroprudenziellen Mandat betraut, ihren Beitrag zur Finanzstabilität zu leisten. Wenn es um die Euro-Schuldenkrise geht, dann fordert die Bundesbankerin unter anderem eine stärkere Beteiligung der Gläubiger. Eine Patentlösung hat allerdings auch die smarte Ostwestfälin nicht parat. Der Euro-Rettungsschirm ESM, so sagt Buch, könne – weil er zu klein ausgelegt ist – bestenfalls nur ein Notfallinstrument fl Nach dem Motto „Wer schreit, hat Unrecht“ liebt die Paderbornerin eher die leisen Töne. sein. Und daher könne die Krise nur durch die EZB oder aber einen Schuldentilgungspakt beendet werden. Mit Blick auf die Politiker in Berlin, Paris, Brüssel und anderen Hauptstädten hat sie den Begriff von der „evidenzbasierten Politikberatung“ geprägt. Sie spricht damit große Worte gelassen aus, obwohl sie weiß, dass der Rat der Bundesbank bei Politikern zwar gefragt ist, jedoch nur selten in die Tat umgesetzt wird. Das liegt auch an der im Vergleich zu früheren Dekaden nicht mehr so bedeutenden Rolle der Bundesbank. Die ist halt nur ein Teil der EZB. Eine nüchterne Betrachtung zeigt: Die Bundesbank kann es von ihrem äußerlichen Status her in Frankfurt weder mit den Wolkenkratzern vieler Geschäftsbanken noch mit dem neuen Sitz der Europäischen Zentralbank (EZB) aufnehmen. Geht es um Machtdemonstration und um Symbolik, dann hat die EZB der Bundesbank eine ganze Menge voraus – auf mehreren Gebieten. Vor kurzem hat die EZB nämlich im Osten Frankfurts ein neues auffallendes Hochhaus bezogen. Hier, nur wenige Kilometer Luftlinie vom Bundesbank-Sitz entfernt, haben die „Euro-Banker“ auf der Nordseite des Mains einen Wolkenkratzer bezogen, den vor allem in den Nachtstunden zahlreiche weithin sichtbare „rote Lichter“ prägen. Einige Beobachter sprechen in diesem Kontext in Anlehnung an die Geldpolitik der EZB auch von „roten Warnlichtern“. Auch wenn sie eher aus der zweiten geldpolitischen Reihe agiert, passt Claudia M. Buch nicht nur wegen ihrer zurückhaltenden sympathischen und offenen Art, sondern vor allem wegen ihrer exzellenten ökonomischen Fachkenntnisse sehr gut in das geldpolitische System Europas. Denn hier fühlt sie sich in der Rolle der überzeugenden Mahnerin und Ratgeberin sehr wohl. Diese Rolle ist auf die Wissenschaftlerin zugeschnitten. Ihre „evidenzbasierte Beratung“ kommt an – nicht nur in Kreisen der Wissenschaft, sondern auch in der ökonomischen Praxis und bei den Finanzmarkt-Akteuren. Aus dem (beinahe) Verborgenen zu analysieren, klugen Rat zu erteilen und dann zu versuchen, die Welt zu retten – das haben die Deutsche Bundesbank als Institution und Claudia M. Buch als deren Vizepräsidentin gemeinsam. Es verwundert nicht, wenn Notenbanker im allgemeinen die Kritik, dass ihre Institutionen weltweit längst zu Handlangern der Regierungen geworden seien, gerne überhören. Kritiker sehen in diesem Kontext auch bei der Bundesbank eine Art vorauseilenden Gehorsam. Sowohl Buch als auch Weidmann halten die unheilvolle Verquickung der Geld- fl Der Euro-Rettungsschirm ESM, so sagt Buch, könne – weil er zu klein ausgelegt ist – bestenfalls nur ein Notfallinstrument sein. und der Fiskalpolitik für nicht unproblematisch, weil auf diese Weise solides Haushalten immer schwieriger wird. Doch der 49-Jährigen ist auch klar, dass ihre Einflussmöglichkeiten auf die Aktionen der Regierung und auf die Taten von Mario Draghi und des EZB-Rats eher auf verbale Ratschläge und heftige Diskussionen beschränkt sind. Und so ist sie im Umgang sowohl mit der Bundesregierung in Berlin als auch mit der EZB inzwischen bereits geübt. Diese Beziehungen, so wird sowohl aus Frankfurt als auch aus Berlin berichtet, sind nicht immer spannungsfrei. Aber ihr kluger und wissenschaftlich belegter ökonomischer Rat wird in Berlin geschätzt. „Das hilft mehr als lautschreierische Anklagen“, heißt es. Und gerade hier 4.2015 diebank 77

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