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die bank 03 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG Die

DIGITALISIERUNG Die digitalen Finanzunternehmen werden akzeptiert Aus dem Report geht hervor, dass vor allem deutsche Kunden immer offener für Bankgeschäfte mit neuen, digitalen und vor allem unterschiedlichen Finanzunternehmen sind. Mehr als die Hälfte der deutschen Kunden könnte sich vorstellen, ein neues Konto bei einer ihnen bislang unbekannten Bank zu eröffnen. Anstatt also die Hausbank zu wechseln, entscheiden sich die Kunden für neue, dedizierte Bankbeziehungen für die jeweiligen unterschiedlichen Bedürfnisse. Was die Hausbank beunruhigen dürfte: Die Kunden vertrauen darauf, dass andere Anbieter diese neuen Bedürfnisse besser erfüllen können. Je jünger die Kunden, desto experimentierfreudiger zeigen sie sich. Hinzu kommt, dass Dienstleistungen unterschiedlicher Anbieter immer häufiger kombiniert werden. Die Bezahlströme, das Vermögen der Kunden und vor allem die Informationen über den Kunden verlagern sich so also auf unterschiedliche Anbieter. Dieses Angebot diversifizierter Finanzdienstleistungen wird in den kommenden Jahren noch zunehmen. Wenn aber ein Großteil der Kundentätigkeit an der Bank schlichtweg vorbeigeht, dann kann sie den Bedarf immer schlechter einschätzen. Die Daten für das maßgeschneiderte Angebot neuer Produkte oder Dienstleistungen fehlen. Das Geschäft wandert ab. Banking über die sozialen Medien? Warum nicht? Die Banken haben in den letzten zwei Jahrzehnten das Banking ins Netz gebracht und auf dem Smartphone mobil gemacht. Manchmal gewinnt man den Eindruck, als wären die IT-Manager der Banken der Meinung, dass das doch wohl genügen müsse. So wie man sich ja auch nicht ständig in den sozialen Netzwerken selbst darstelle, so wolle auch niemand seine Geldgeschäfte transparenter oder auf anderen Plattformen abwickeln. Aber das ist ein Generationenproblem: Selbstverständlich haben sehr viele junge Leute gar kein Problem damit, sich selbst quasi 24 Stunden am Tag auf TikTok oder bei Twitch im Stream zu präsentieren. Die gleiche lockere Haltung begegnet uns im Report auch bei den Einstellungen zum Geld: Social Media wird für das Banking von morgen ein immer bedeutenderer Faktor. Schon ein Fünftel der deutschen Erwachsenen gibt an, dass sie es in Ordnung fänden, wenn ein Unternehmen aus dem Bereich der sozialen Medien künftig Zugang zu ihren Bankdaten hätte und in der Lage wäre, Transaktionen direkt von ihrem Konto in den sozialen Medien auszulösen. Ein wesentlicher Anteil gab sogar an, dass er es begrüßen wurde, wenn die jeweils bevorzugte Social-Media-Plattform auch für entsprechende Bankdienstleistungen nutzbar wäre. Bei den jüngeren Altersgruppen ist der Trend noch deutlicher. Im Segment der 18- bis 34-Jährigen gaben 37 Prozent an, dass sie damit einverstanden wären, wenn Social-Media-Plattformen Zugriff auf ihre Bankkonten bekämen und über diese Accounts selbst sogar Zahlungen ausgelöst werden könnten. Das liegt vor allem am Nutzungsverhalten der jungen Kunden, die eine entsprechend bequeme Lösung bevorzugen. Wir glauben sogar, dass die Entwicklung im Zahlungsverkehr nur der Bereich ist, in dem der Trend am weitesten fortgeschritten ist. Die Gesamtentwicklung in anderen Bereichen des Bankings ist aber noch längst nicht abgeschlossen und wird ähnlichen Mustern folgen. Embedded Finance als Lösungsweg Der Instagram-Nutzer, der sich von seinen Stars beeinflussen lässt und dessen Produkte direkt auf der Plattform einkauft, ohne dass er dafür im Online Banking eine klassische Überweisung anstoßen muss, ist nur eine Facette des „Embedded Finance“-Trends. Reisebüros, Gebrauchtwagenplattformen, Einzelhändler oder Energieversorger integrieren flexible Zahlungsoptionen oder Kreditangebote in den Checkout-Prozess. Wem bei größeren Anschaffungen die Kreditanfrage bei der eigenen Bank zu lange dauert, der nutzt immer selbstverständlicher die Finanzierungsoption des Verkäufers. Per Embedded Finance wird dem Kunden beim Checkout ein flexibles Bezahlmodell direkt vom Hersteller oder einem integrierten Finanzdienstleister angeboten, und er kann in Raten zahlen. Der smarte Händler hat nämlich längst Finanzdienstleistungen in sein Geschäftsmodell integriert. Auf Basis der analy- 28 03 | 2022

DIGITALISIERUNG sierten Daten werden dem Kunden vielleicht noch Tipps zur Optimierung seiner Finanzsituation gegeben, und er kann die freiwerdenden Mittel sogar noch anlegen. Denn je geringer die Hürde für den Kunden, umso wahrscheinlicher auch der Verkauf des jeweiligen Produkts oder der Dienstleistung. Ein anderes Beispiel für Embedded Finance sind Apps, die das Ausgabeverhalten analysieren, automatisch Einsparpotenziale identifizieren und die Ersparnisse semi-automatisch anlegen. Oder auch Crowdinvesting, ETF-Vorsorgepläne oder Vermögensaufbau durch Anteilskäufe rarer oder limitierter Konsumgüter. Das ist nur ein kleiner Ausschnitt an Dienstleistungen, mit denen Kunden sehr oft zuerst über digitale Medien oder direkt in einen anderen Use Case integriert in Berührung kommen. Von diesen Finanztransaktionen bekommt die Hausbank selten etwas mit. Dennoch wären diese Aktivitäten so wichtig für die Bank. Denn sie geben Auskunft über das Anlageverhalten und die Präferenzen der Kunden. Fehlen der Bank diese Daten, verliert sie nicht nur den direkten Umsatz, sondern sie hat es zusätzlich schwer, ihren Kunden maßgeschneiderte Finanzprodukte anzubieten. Banken müssen aufhören, ihre Dienstleistungen als reine Dienstleistungen zu denken. Sie müssen diese künftig noch viel mehr als den Mehrwert eines Nicht-Bank-Use-Cases begreifen – also als Embedded Finance. Die Banken sollten vom Filialnetz profitieren Die traditionellen Bankhäuser haben einen entscheidenden Vorteil gegenüber den modernen Finanzdienstleistern: Sie können auf eine reale Infrastruktur zurückgreifen. 27 Prozent der Befragten des globalen Consumer Banking Report 2021 gaben an, dass ihnen eine lokale Bankfiliale sehr wichtig sei. Die Filiale als Vertrauensanker und Wunschobjekt der Kunden, obwohl sie bereits seit Jahren als Kostentreiber und Auslaufmodell verschrien ist? Für die Banken ist dieser Wunsch erst einmal schwierig anzunehmen. Aber er hat sich während der Corona-Pandemie sogar noch einmal verstärkt. Die Hausbanken sollten also zumindest nicht vorschnell auf ihr Filialnetz verzichten, sondern es als Stärke kultivieren und analysieren, wie es weiterentwickelt und möglicherweise in ein hybrides Banking-Konzept integriert werden könnte. Das erfordert aber grundlegende Änderungen im Filialkonzept. In der Covid-19-Pandemie gaben 26 Prozent der deutschen Kunden an, dass der physische Kontakt zum Bankberater samt digitaler Angebote der Bank für die Kunden immer wichtiger werden würde. Es ist allerdings nicht nur die Filiale, sondern vor allem die Qualität der Bankberatung, die finanzielle Bildung und der Wissenstransfer, der für die Kunden an Bedeutung gewinnt und die Bankfiliale der Zukunft ausmacht. Die Kunden wollen digitales Banking mit all seinen Facetten, sie wollen aber auch eine 03 | 2022 29

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