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die bank 03 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE

BERUF & KARRIERE KOPFKINO VON DER MACHT DER SELBSTGESPRÄCHE Die Digitalisierung im Sinne von Schumpeters berühmter Definition des Fortschritts als schöpferische Zerstörung stellt neue Anforderungen an die berufliche Anpassungsfähigkeit. Selbstgespräche und die mit ihnen verbundenen Vorstellungen können dabei unterstützen oder blockieren. Der Mensch ist sein eigener wichtigster und häufigster Gesprächspartner. Mit niemandem reden wir ein Leben lang mehr als mit uns selbst. Eine schwerwiegende Konsequenz daraus heißt, Selbstgespräche können die Weichen zwischen Meistern oder Scheitern stellen. Das fortdauernde Kopfkino bestimmt maßgeblich mit darüber, ob der Schritt aus einer vertrauten in eine berufliche Stresssituation gelingt: Wie sich jemand mit der Disruption auseinandersetzt, sich im Vorstellungsgespräch präsentiert, im Assessment- Auftritt, im Kontakt mit einem Personalberater, in Mitarbeitergesprächen und Gehaltsverhandlungen. Selbstgespräche bereiten Erfolge wie Misserfolge mit vor. Auch wer mit schwierigeren Kunden zu tun hat, tut gut daran, das zu beherzigen. Die fortlaufende Unterhaltung mit uns selbst legt offen, wie intensiv wir uns permanent bewertend mit dem auseinandersetzen, was uns gerade beschäftigt und eben oft genug auch bedrückt. Die Vorstellungen, die sich daraus entwickeln, beeinflussen mit, wie wir auf Neues zugehen und wie wir überhaupt mit dem umgehen, was bewältigt werden will – beherzt oder beklommen. Aus diesem Grund ist es auch so gefährlich, Selbstgespräche sich selbst zu überlassen, sie als unzensiertes Gedankengemurmel einfach laufen zu lassen. Sollen sie unterstützen, müssen sie ermutigen. Das tun sie aber nur, wenn sie kontrolliert und gesteuert werden. Wer das versäumt, riskiert, aus Selbstgesprächen mentale Zeitbomben zu machen, mit deren Sprengkraft Ängsten Tür und Tor geöffnet, jedweder zupackende Mut erstickt wird. 78 03 // 2021

BERUF & KARRIERE In beruflich diffizilen Situationen ist das fatal. Mit destruktiven Selbstgesprächen manövrieren sich mehr Menschen in Mut-, Hilfund Aussichtslosigkeit, als es die situativen Gegebenheiten an sich bei weniger innerer Erregung notwendig machen. Selbstgespräche können den Willen zur Behauptung aufbauen und stärken – ihn aber eben auch komplett vernichten, weil sie die Richtung vorgeben, in die unsere Aufmerksamkeit geht: Öffnen wir mit ihrer Unterstützung das Tor zu entschlossener Tatkraft, oder jagen wir uns mit unseren Gedankenspielen selbst ins Mauseloch? Packen wir beherzt Probleme an oder rennen wir vor dem, was sich problematisch vor uns aufbaut – oder auch nur so anfühlt – lediglich entnervt und verunsichert hin und her? „Du bist deine eigene Grenze, erhebe dich darüber!“ sagte Hafis, der große persische Mystiker und Dichter aus dem 14. Jahrhundert. Zuversicht gewinnen durch Selbstgespräche Mit steigender beruflicher Beanspruchung gewinnt der innere Dialog mit sich selbst an Intensität. Je mehr sich nun das destruktive Gedankenkarussell dreht, desto wichtiger wird es, den Strom der Gedanken so zu regulieren und zu steuern, dass er hinzieht zu Kraft gebenden inneren Bildern. Selbstgespräche müssen Zuversicht auslösen und Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten. Dann unterstützen sie und setzen ein wirksames mentales Programm in Gang, mit dem es möglich wird, eine Anforderung als Aufgabe aufzufassen, ein Problem als Möglichkeit zur Selbstentwicklung und -stärkung, ja selbst einen Schicksalsschlag wie beispielsweise ein berufliches Scheitern als Chance für einen Neuanfang oder eine berufliche Neuorientierung anzusehen. Unter diesem Gesichtspunkt hat der Schweizer Outplacement-Berater Riet Grass in einer Bilanz seiner langen beruflichen Erfahrungen auch vom „Glück des Scheiterns“ gesprochen. Glück deshalb, weil mit einem Perspektivwechsel und der damit verbundenen Selbstbesinnung sogar ein zunächst schmerzlich empfundener beruflicher Bruch in eine glückliche neue berufliche Zukunft führen kann. Kreist sie um „offensive“ Überlegungen, wird die Unterhaltung mit sich selbst förderlich. Dann werden Selbstgespräche zu wirksamen strategischen (mit der Fragestellung „Was soll bzw. muss erreicht werden?“) und taktischen („Und wie?“) Hilfsmitteln, mit deren Unterstützung Vorstellungen von möglichen Aktions- und Reaktionsweisen im Kopf durchgespielt werden können. Ein wertvoller Nebeneffekt davon: Auf diese Weise gelingt es auch, sich im Tagesgeschehen resilienter und reaktionsschneller zu machen. Das oft bestaunte „Geheimnis“ unerschrocken zielstrebig handelnder Menschen gründet mit darin. Umgekehrt zeigt sich das auffallend am Negativbeispiel derer, denen der Ruf vorauseilt, „Minderperformer“ oder gar Versager zu sein. Offenbart sich doch bei näherem Befassen mit diesen oft leichthin Stigmatisierten nicht selten, dass ihnen nicht etwa ein Mangel an Wissen und Können diesen Ruf eingebracht hat, sondern vielmehr ihr Unvermögen, sich aus dem Bann kontraproduktiver Selbstgespräche und Vorstellungen zu befreien. Vorstellungskraft hilft Selbstgespräche sind die „Kinderstube“ unserer Vorstellungen. Vorstellungen beeinflussen das situative Erleben und Verhalten. Darüber steuern sie unsere Handlungen, unsere Handlungskraft und -intensität. Und, nicht zu vergessen, unsere Außenwirkung. Selbst erzeugte mentale Befangenheit dringt unheimlich schnell nach außen durch. Der dadurch hervorgerufene Eindruck kann Türen verschließen und Möglichkeiten verbauen – und wie eine selbsterfüllende Prophezeiung wirken. In Selbstgesprächen geborene Vorstellungen können in die totale Kraftlosigkeit führen, aber eben auch ungeahnte Kräfte freisetzen. Sie können für zwischenmenschliche Distanz sorgen, genauso gut aber anziehend machen. Diese Wirkung auf die Ausstrahlung und die Wirkung der Ausstrahlung auf die persönliche Selbstdarstellung zu unterschätzen ist ein gewaltiger Fehler. Im Brennpunkt von Selbstgesprächen darf auf keinen Fall stehen, was in der Auseinandersetzung mit Anforderungen das Herz in die Hose rutschen und den Verstand stillstehen lässt. Ob es nun gilt, eine wie auch immer geartete Aufgabe in den Griff zu bekommen, ein Problem zu lösen oder die berühmte Kuh vom Eis zu holen: Kraftvolle, anziehende und gerade auch im Vorgesetztenhandeln mitreißende Handlungsfähigkeit erwächst aus der von fehlsteuernden Selbstgesprächen und daraus folgenden belastenden Vorstellungen unbeschwerten Fokussierung auf das hier und jetzt zu Bewältigende. Dieser Fokus ermöglicht es uns, das einzusetzen, was wir können, was uns zur Verfügung steht, was uns zur Hilfe gereichen könnte – unbeschwert von dem Wissen, woran es uns womöglich mangelt. FAZIT Zupackend-offensive Leistungsfähigkeit entwickelt sich aus der selbstsicheren Besinnung auf eigene Stärken trotz bewusster Schwächen und der Überzeugung von der Wirksamkeit des eigenen Handelns. In der Psychologie steht dafür das Konzept der Self Efficacy, der Selbstwirksamkeitserwartung. Es beschreibt, was der kanadische Psychologe Albert Bandura in den 1970er- Jahren erkannte: Die Überzeugung, mit Schwierigkeiten umgehen und fertig werden zu können, verleiht die Kraft dazu. Autor Hartmut Volk. Der Diplom-Betriebswirt bearbeitet seit 30 Jahren als freier Journalist an der Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft Themen aus dem Bereich der Unternehmensführung für Fachzeitschriften und Tageszeitungen im gesamten deutschsprachigen Raum. 03 // 2021 79

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