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die bank 03 // 2021

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE

BERUF & KARRIERE Christian Henkel, Auszubildender im zweiten Jahr bei der Targobank. Im August 2019 habe ich meine Ausbildung bei der Targobank im Forderungsmanagement begonnen. Kurz nach Ausbruch von Covid-19 ermöglichte mir die Bank, komplett ins Homeoffice zu wechseln. Ich konnte alles mitnehmen, was ich für meine Arbeit brauchte: Schreibtischstuhl, Rechner, Tastatur, Monitor. Die Berufsschule habe ich aber weiterhin besucht, sie hat erst im Januar 2021 dichtgemacht. Vorher war es uns freigestellt, ob wir am Unterricht teilnehmen oder die Kurse remote belegen wollen. Alle Azubi-Projekte der Bank laufen über Skype in Verbindung mit Outlook. Ich sehe da gar keinen großen Unterschied zur Arbeit im Büro. Mit den anderen Azubis können wir uns über das Online-Ausbildungsforum der Bank austauschen oder in unseren privaten WhatsApp-Gruppen. Da treffen wir uns abends auch schon mal im virtuellen Raum zum Bierchen. Anfangs musste ich mich natürlich umstellen, das war gar nicht so einfach. Die Versuchung ist ja doch da, mal kurz an den Kühlschrank zu gehen oder ein Spielchen zu machen. Die Bank hat uns aber unterstützt. Wir konnten zum Beispiel E-Learning-Nuggets nutzen, um etwas über Selbstorganisation und Zeitmanagement zu lernen. Ich fand es gut, dass wir während der Pandemie zu Hause arbeiten konnten. Aber ich freue mich auch auf die Rückkehr ins Büro. Die persönlichen Kontakte fehlen mir schon sehr. Ich wohne noch bei meinen Eltern, sodass ich nicht ganz allein bin. Was ich aber gar nicht vermisse, sind die langen Wege ins Büro. Ich bin täglich mehrere Stunden unterwegs. Michaela Treutle, Leiterin Security Governance & Resilience bei der HypoVereinsbank. Wenn man mich vor der Corona-Krise gefragt hätte, ob die Zusammenarbeit in einer großen Bank gut funktionieren kann, wenn so viele Mitarbeiter im Homeoffice sind, hätte ich wohl nein gesagt. Nach einem Jahr bin ich überrascht, wie gut es läuft: technisch ebenso wie bei den täglichen Abläufen. Für mich war die Situation aber gar nicht so neu. Schon vor Ausbruch der Pandemie habe ich 40 Prozent meiner Arbeitszeit zu Hause verbracht, und ich war es gewohnt, mich gut organisieren zu müssen, mein Team auch virtuell zu führen und mich nicht ablenken zu lassen. In unserer Familie hatten wir allerdings auch großes Glück mit Wechselunterricht und Homeschooling. Zu Hause habe ich mir ein kleines Büro eingerichtet, und wenn mir mal die Decke auf den Kopf fällt, gehe ich einfach in ein anderes Zimmer. Mir fehlen aber die zwischenmenschlichen Kontakte und die Möglichkeit, mal spontan zum Brainstorming mit Kollegen zusammenzukommen. Alles in allem komme ich jedoch sehr gut mit der neuen Arbeitssituation klar. Für die Zeit nach der Krise favorisiere ich deshalb ein hybrides Modell mit zwei bis drei Tagen im Homeoffice. Privat würde ich jetzt schon gern mal wieder essen gehen, ein Wellness-Wochenende buchen oder auch nur Blumen kaufen. Mal schauen, wann das wieder möglich sein wird. Angst hat mir das Virus eigentlich zu keinem Zeitpunkt gemacht. Aber vor den Mutationen habe ich größten Respekt. 72 03 // 2021

BERUF & KARRIERE Nadine Askar, Spezialistin Projektmanagement Account, Cards & Payments bei der Santander Consumer Bank AG. Dirk Lixfeld, Projektmanager Kommunikation & Change Management bei der Commerzbank. Vor einem Jahr haben wir noch mit Herzblut in Köln Karneval gefeiert. Dass sich Covid-19 so stark verbreiten würde, hätte ich damals nicht für möglich gehalten. Seit dem Start der Homeoffice-Verordnung arbeite ich wie schon während des ersten harten Lockdowns wieder komplett von zu Hause aus. Für mich hat sich die Work- Life-Balance extrem verbessert. Normalerweise stehe ich um 5 Uhr auf und bin um kurz nach 6 Uhr auf dem Bahnsteig. Um 7.30 Uhr beginnt mein Arbeitstag in Frankfurt. Jetzt kann ich zwei Stunden länger schlafen und fange um 8.30 Uhr an. Trotzdem würde ich niemals ausschließlich mobil arbeiten wollen. Manche Aufgaben lassen sich besser im Büro gemeinsam erledigen, und letztlich ist der Spaßfaktor da größer. Und nicht zu vergessen die Kantine. Da ist das Essen doch deutlich besser, mehr als ein Fertiggericht gibt es bei mir jetzt mittags nicht. Trotzdem klappt die Arbeit zu Hause gut. Die Arbeitszeitregelungen hat die Commerzbank seit Beginn der Corona-Krise großzügiger ausgelegt, sodass ich auch abends arbeiten und nachmittags mal mit unseren beiden Hunden Gassi gehen kann. Dass man grundsätzlich abgelenkter ist, finde ich nicht. Klar, klingelt mal der Amazon-Bote und bringt die neue Webcam vorbei. Aber im Büro erzählt ja auch mal ein Kollege vom Urlaub. Beeindruckt hat mich, wie extrem gut uns die Commerzbank seit Ausbruch der Pandemie vollumfänglich in unserem Intranet informiert. Es gibt regelmäßige Podcasts mit unserem leitenden Betriebsarzt Dr. Michael Drees, das ist sozusagen der Christian Drosten der Commerzbank, ebenso wie ausführliche Infos zur Corona-Warn-App, zum Arbeitsschutz und vieles mehr. Mental hatte ich mich auf ein Jahr Corona eingestellt. Aber so langsam wird man doch mürbe, vor allem, weil es immer wieder in die Verlängerung geht. Ich habe erst Mitte Januar 2020 bei der Santander Bank begonnen. Schon knapp sechs Wochen später bin ich in die Mobile Work gegangen und arbeite seitdem wie mein Mann auch remote. Da wir ein relativ großes Haus haben, ist das kein Problem. Die ersten sechs Wochen waren aber unser zweijähriger Sohn und unsere vierjährige Tochter hier. Da ist konzentriertes Arbeiten oft gar nicht möglich. Als Mitarbeiterin einer systemrelevanten Branche habe ich schnell die Notbetreuung in der Kita genutzt. Mein Arbeitstag beginnt mit einem 15-minütigen Teams- Kaffee, den wir auch zum persönlichen Austausch nutzen. Nach Ende der Pandemie werde ich bestimmt beruflich nicht mehr normal telefonieren, sondern immer Videocalls nutzen. Tagsüber müssen wir in der Kernarbeitszeit erreichbar sein. Wenn ich den Arbeitsplatz länger verlasse, gebe ich kurz Bescheid. Grundsätzlich gilt bei mir wie vor Corona, dass wir unsere Projektziele erreichen müssen. Das geht nur, wenn ich konzentriert durcharbeite. Ablenken lasse ich mich deshalb überhaupt nicht, das kann ich mir gar nicht leisten. Ich arbeite, hole die Kinder ab, und dann muss ich mich noch um den Haushalt kümmern. Für die Zeit nach Corona würde ich mir ein hybrides Modell wünschen. Wenn ich konzentriert Präsentationen oder Kalkulationen erarbeiten muss, klappt das besser zu Hause. Andere Aufgaben erledige ich lieber im Büro mit den Kollegen. Ich vermisse auch unsere gute Kantine, vor allem, weil ich dann nicht immer kochen muss. 03 // 2021 73

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