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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT dieren werde. Vaamo etwa wurde 2018 vom italienisch-britischen Konkurrenten Moneyfarm übernommen. Zu dessen Investoren gehört inzwischen auch der Versicherer Allianz. Verglichen mit mickrigen Zinsen auf Sparbüchern oder aktiv gemanagten Fonds haben die Anlageroboter laut einer Studie der Deutschen Bank mit im Schnitt vier Prozent Rendite im Jahr 2017 und Verlusten von mehr als fünf Prozent im schwierigen Börsenjahr 2018 solide abgeschnitten. Mit welchen Anlageklassen und Mindestsummen die Anbieter ihre Renditen erzielen, das unterscheidet sich bei den Wettbewerbern. Die Münchener wählen für ihre Kunden nach eigenen Angaben die zwölf bis 14 besten und kosteneffizientesten aus 2.000 global diversifizierten ETFs aus. Investiert wird in die Anlageklassen Aktien, Staats- und Unternehmensanleihen, besicherte Anleihen und Rohstoffe. Je nach Anlageziel, Finanzsituation und individueller Risikotoleranz ordnet der Robo jeden Kunden einer von 23 Risikokategorien mit einem konkreten Verlustrisiko zu. Entwickelt hat das Risikomanagement-Modell, auf dem der Algorithmus des Robo Advisors basiert, Mitgründer Professor Dr. Stefan Mittnik (siehe Kasten „Die Chefs“). Die beliebteste Risikokategorie sei ein Value at Risk von 20 Prozent, so viel Jahresverlust würden die Kunden also in Kauf nehmen, erklärt Podzuweit. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 5 Prozent kann dieser Verlust jedoch auch getoppt werden. Wählten Anleger diese Risikokategorie, lag ihre Rendite im Jahr 2018 bei minus 7 Prozent nach Kosten. Im vergangenen Jahr seien es plus 14 rozent gewesen. Als langfristiges Ziel gibt der CEO einen Zuwachs von 6 bis 7 Prozent pro Jahr aus (bei einem Value at Risk von 20 Prozent). Droht diese Risikoschwelle verletzt zu werden, schichtet die Maschine das Portfolio, das die von Scalable entwickelte Risikomanagement-Technologie regelmäßig überwacht, automatisch um. „So werden nicht die Gewichte, sondern es wird das Risiko im Portfolio konstant gehalten“, erklärt der Gründer. Auf Wunsch kann der Kunde seine Risikovorgaben anpassen. Mitbringen muss er mindestens 10.000 €, bei der ING reichen bei Bestandskunden 5.000 € aus. Via App lassen sich Performance, Umschichtungen und Gebühren jederzeit unkompliziert verfolgen. Neben einer einfachen Kontoeröffnung schätzen die Kunden laut einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft EY (Ernst&Young) bei den jungen Finanztechnologieunternehmen generell die niedrigen Gebühren. Übernimmt ein Roboter die Geldanlage, ist das vergleichsweise günstig. Für die Wertpapierdienstleistungen verlangt Scalable 0,75 Prozent jährlich, die sich aus der eigenen Vergütung und der Transakti- 60 03 // 2020

MANAGEMENT 1 | Zahl der Anleger, die Robo-Advisors nutzen Weltweit in Millionen 147,0 123,5 97,4 70,5 45,8 onskostenpauschale für den Wertpapierhandel der Depotbank (Baader Bank oder ING) zusammensetzen. Hinzukommen 0,16 Prozent jährlich für die Verwaltungskosten der jeweiligen ETF-Anbieter. Für die Depotführung und einen Exit fallen keine Gebühren an. Laut Podzuweit hat das Unternehmen Ende 2019 im Durchschnitt um die 35.000 € je Kunde verwaltet. Gut ein Drittel des verwalteten Gesamtvermögens habe in Portfolios mit einem Volumen von mehr als 100.000 € gelegen. Jeder zweite Kunde habe zudem einen monatlichen Sparplan über durchschnittlich 400 € abgeschlossen. 13,1 2017 26,1 Quelle: Handelsblatt-Grafik. Statistica. Vor allem Banker vertrauen auf Robo Advice „Auf die Intelligenz der Maschine vertrauen vor allem Anleger, die um die 50 Jahre alt sind“, sagt Podzuweit. Meist hätten sie einen akademischen Abschluss und seien Wirtschaftswissenschaftler, Informatiker oder Ingenieure. Die größte Kundengruppe stellen Banker. Die könnten zwar locker ihr eigenes Portfolio bauen und sich darum kümmern, hätten aber keine Lust darauf. Was seine Kunden von dem FinTech erwarten, beschreibt der Chef anhand einer kleinen Anekdote. „Wir mussten einen Arzt anrufen wegen einer administrativen Frage“, erinnert sich der 38-Jährige. Nach mehrmaligen vergeblichen Versuchen habe man ihn schließlich am Telefon gehabt. Eher genervt ließ dieser den Anrufer wissen: „Ich bezahle Sie dafür, dass Sie mich nicht anrufen.“ Wenn schon Robo, dann auch richtig. Trotzdem haben die Jungunternehmer seit 2018 eine persönliche Betreuung für Anleger mit mehr als 100.000 € Vermögen im Angebot. Warum sich ausgerechnet ein Robo an die Spitze des Markts gesetzt hat, dessen Macher in der Finanzszene bis dato No Names waren, dafür gibt es unterschiedliche Erklärungsversuche. Heinz-Roger Dohms, Herausgeber des Newsletters Finanz- Szene.de, schrieb einmal: „Auch wenn es unfair klingt – aber: Es ist nun mal so, dass nicht jeder Mensch über eine so einnehmende Erscheinung wie, sagen wir, der blondgewellte Herr Podzuweit von Scalable Capital verfügt. Oder anders ausgedrückt: Geldanlage hat in erster Linie etwas mit Vertrauen zu tun.“ Das Kompliment war dann sogar dem erfolgsverwöhnten Gründer etwas peinlich, brachte es doch ein wenig Häme in der Branche mit sich. Das Stichwort Vertrauen nennt allerdings auch Podzuweit, wenn er versucht, den raschen Aufstieg zu erklären. Der wissenschaftlich fundierte Ansatz des Robo Advisors, der Einstieg namhafter Investoren, die Kooperation mit renommierten Partnern und natürlich der Anlageerfolg sind aus seiner Sicht für die Marktführerschaft entscheidend. Prognose 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Um weiter zu wachsen, wolle man künftig die Internationalisierung vorantreiben, das B2B-Geschäft mit neuen Partnern sowie das B2C-Business weiter ausbauen. Beim Anwerben neuer privater Kunden setzen die Münchener auf Online Tools wie Blogs und Anzeigen in Social Media, gehen aber auch den klassischen Weg mit Anzeigen in überregionalen Zeitungen, werben auf Roadshows und lassen Kunden neue Kunden werben, wobei im Erfolgsfall jeder mit 50 € belohnt wird. Auch weitere neue Produkte seien denkbar. „Wie andere FinTechs auch bewegen wir uns aus der Nische langsam heraus.“ Hatte sich das FinTech zunächst ausschließlich auf die digitale Vermögensverwaltung konzentriert, weitete es im Herbst vergangenen Jahres erstmals die Produktpalette aus. Seitdem kooperiert Scalable mit dem Berliner Einlagenvermittler Raisin, besser bekannt unter seiner Marke Weltsparen. Der neue Partner stellt dem Robo-Marktführer seine Plattform für Tages- und Festgeld als White-Label-Lösung zur Verfügung, macht Scalable allerdings gleichzeitig mit seinem ei- 03 // 2020 61

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