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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

Die Forderung der

Die Forderung der britischen Regierung nach einer umfassenden und dauerhaften Äquivalenz für die kommenden Jahrzehnte, die Mitte Februar auf den Bildern eines Fotografen für die Öffentlichkeit sichtbar wurde, veranlasste den EU-Chefunterhändler Michael Barnier postwendend zu der geharnischten Replik, die Briten sollten sich selbst nicht lächerlich machen. Klar ist, dass die EU künftige Regelungen des Vereinigten Königreichs kritisch hinterfragen will – ist doch die Ultima Ratio des Brexit, eben nicht mehr an die Standards aus Brüssel gebunden zu sein. Hinzu kommt, dass sich rund 40 verschiedene Regelungen zur Äquivalenz in 17 EU-Finanzmarktrichtlinien finden. Aus Sicht der Industrie ist Äquivalenz zudem eine sehr riskante Basis, um ein Geschäft zu betreiben. Bislang behält sich die EU das Recht vor, jegliche Äquivalenz mit einer Frist von möglicherweise 30 Tagen einseitig aufzuheben. Dass sie dies auch tatsächlich tut, hat sie im Sommer des vergangenen Jahres am Beispiel der Schweizer Wertpapierbörse und von Ratingagenturen aus Argentinien, Australien, Brasilien, Kanada und Singapur demonstriert. Dem damaligen Schatzkanzler Sajid Javid zufolge wird London künftig nicht mehr Regeln aus Brüssel entgegennehmen, aber weiterhin den höchsten Standards für die Regulierung von Finanzmärkten verpflichtet sein. Es werde jedoch Unterschiede geben, nicht zuletzt weil das Vereinigte Königreich internationale Standards vorantreiben oder sich umgekehrt ihnen anpassen müsse. Mitte Februar plädierte die Lobbyorganisation International Regulatory Strategy Group (IRSG), die von der Corporation of London und TheCityUK unterstützt wird, für eine ergebnisorientierte Äquivalenz, die sich nicht nur am Inhalt von Gesetzen und Verordnungen orientieren, sondern auch die Herangehensweise bei der Aufsicht und beim Vollzug von Regeln berücksichtigen solle. Ebenso verlangt die IRSG ein verlässliches Verfahren zur Streitschlichtung nach dem Vorbild der Kooperationsverträge mit Kanada und Japan, statt das einseitige Recht der Europäischen Union zum kurzfristigen Widerruf von Äquivalenz zu etablieren. Unabhängig davon, wie die Verhandlungen verlaufen werden, gilt es für den Finanzplatz Frankfurt, die Realitäten anzuerkennen: Bei allem Wettbewerb müssen Deutschland und Frankreich zusammenarbeiten – ebenso wie die Plätze Amsterdam, Frankfurt Luxemburg und Paris mit London ein konstruktives Verhältnis pflegen sollten, denn London und sein Know-how werden wichtig bleiben. Die Verbindung zwischen Paris und Frankfurt dagegen muss, anders als mit Amsterdam und Luxemburg, erst noch aufgebaut werden. 56 03 // 2020

Den Euro international stärken Das Ziel sollte es insgesamt sein, einen Banken- und Kapitalmarkt innerhalb der EU zu schaffen, der mit seinem Angebot durch die Solidität der Banken, den Abbau von Fragmentierung, die Stärkung der Finanzstabilität und die Orientierung auf Nachhaltigkeit global wettbewerbsfähig ist und die Nachfrage der Realwirtschaft und der Investoren nach Finanzdienstleistungen professionell und günstig decken kann. Für den Weg des Euro von einer eher regionalen zu einer wirklich internationalen Währung, wie ihn die neue Kommissions-Präsidentin Ursula von der Leyen vorgegeben hat, haben die Harvard-Professoren Carmen Reinhart und Kenneth Rogoff gemeinsam mit Ethan Ilzetzki in einer Studie bereits einen Forderungskatalog aufgestellt. Ihrer Ansicht nach schlägt sich der Euro international unter Wert, weil insbesondere das Angebot an sicheren Anlagemöglichkeiten in Euro in einer Qualität vergleichbar der von Bundesanleihen zu knapp ist. Ebenso vermissen sie ein international wettbewerbsfähiges Finanzzentrum im Euroraum mit volumenstarken Aktien- und Anleihemärkten, attraktiven Steuersätzen und einem international angewandten Rechtssystem. Sie empfehlen der Europäischen Zentralbank mehr Transparenz und Stringenz bei ihrer Politik, verweisen auf die begrenzte geopolitische Bedeutung des Euro und betonen die Führungsrolle von USA und China im Technologiewettlauf. Im Kapitalmarktbereich zählen zu den notwendigen Maßnahmen zum Beispiel die Stärkung der Aufnahme von Eigen- und Fremdkapital durch Unternehmen im Rahmen von Wertpapieremissionen, die Festlegung von Standards für Nachhaltigkeit, die Einebnung von Unterschieden bei der Körperschaftssteuer oder den Bilanzierungsregelungen und dadurch die Schaffung eines breit diversifizierten und in sich homogenen Angebots für private und institutionelle Anleger. FAZIT Herausforderungen bei der Etablierung von Frankfurt am Main als wichtigstem Finanzplatz auf dem europäischen Kontinent innerhalb der Europäischen Union gibt es viele, Chancen jedoch auch. Ob Frankfurt diese ergreifen kann, werden die kommenden Monate schonungslos zeigen und damit die Weichen für die langfristige Entwicklung der Finanzindustrie in Deutschland ebenso wie für Wohlstand und Beschäftigung in der Stadt Frankfurt stellen. Die Zukunft des Finanzplatzes ist gerade ‚in der Mache‘. Jetzt braucht es Macher. Autor Hubertus Väth ist Geschäftsführer von Frankfurt Main Finance e.V. 03 // 2020 57

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