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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

Eine Frage der

Eine Frage der europäischen Souveränität Entscheidend für den Erfolg eines zweiten Anlaufs ist, dass das Potenzial und der Stellenwert einer funktionierenden Kapitalmarktunion auch wirklich erkannt werden. Die vorhergehende Kommission selbst hatte gegen Ende ihrer Amtszeit auf den Zusammenhang zwischen einem Aufbau der Kapitalmarktunion und der Stärkung von Europas Souveränität und Wettbewerbsfähigkeit – vor allem gegenüber den USA und China – hingewiesen. Die jetzige Kommission hat schon erkennen lassen, dass sie die Analyse ihrer Vorgängerin teilt. Und es stimmt ja auch: Tiefe und grenzüberschreitend verbundene Kapitalmärkte machen den Kontinent resistenter gegenüber Finanz- und Konjunkturkrisen in anderen Regionen und stärken seine finanzpolitische Souveränität. In Zeiten, da einzelne Wirtschaftsmächte eher auf rustikale nationale Interessenspolitik und weniger auf multilaterale Kooperation setzen, wird dieser Aspekt zusehends wichtiger. Und nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Brexits hat das Thema Kapitalmarktunion massiv an Bedeutung hinzugewonnen: Mit dem Verlust des britischen Kapitalmarkts, dem bis dahin mit Abstand größten innerhalb der Europäischen Union, wird die Vertiefung und grenzüberschreitende Integration der EU27- Märkte noch dringlicher. Wachstum finanzieren Doch bei der Verwirklichung einer Kapitalmarktunion geht es nicht nur um Souveränität und Stabilität, es geht auch – und nicht zuletzt – um die Frage, wie wir innovatives und nachhaltiges Wachstum finanzieren und möglichst viele Bürger an diesem Wachstum teilhaben lassen können. Hier hat Europa noch viel ungenutztes Potenzial, was wesentlich mit dem unbefriedigenden Status quo auf Europas Kapitalmärkten zu tun hat. Bis heute gibt es in der EU getrennt beaufsichtigte Kapitalmärkte mit zum Teil völlig un- terschiedlichen Konditionen. Anleger und Investoren machen deshalb häufig Halt an nationalen Grenzen, obwohl wir einen EU-Binnenmarkt haben, der eigentlich einen grenzenlosen Kapitalfluss garantieren soll. Genau darauf zielt die Kapitalmarktunion ab: auf einen reibungslosen grenzüberschreitenden Kapitalstrom – und in dessen Folge auf noch bessere Finanzierungsmöglichkeiten für die Wirtschaft und auf mehr Anlagemöglichkeiten für private Anleger. Stichwort Finanzierungsmöglichkeiten: Die Kapitalmärkte in Europa müssen so gestaltet sein, dass die Wirtschaft tatsächlich davon profitiert. Dabei geht es nicht darum, mittelständische Unternehmen, die – wie in Deutschland – von Banken zuverlässig finanziert werden, gegen ihre Überzeugung an die Börse zu drängen. Die Finanzierung über Banken wird weiterhin die entscheidende Rolle spielen. Der Blick in die nächsten Jahre macht allerdings deutlich, dass die zukünftigen Finanzierungsbedürfnisse verstärkt auch über den Kapitalmarkt befriedigt werden müssen. Hier sind wir wieder beim Thema Sustainable Finance: Die umfangreichen Investitionsmaßnahmen, die notwendig sein werden, um die Transformation unserer Wirtschaft in Richtung Klimaneutralität und Nachhaltigkeit zu finanzieren, bedürfen eines großen, eines europäischen Angebots an Anlage- und Investitionsmöglichkeiten. Auch hier: Verbriefungen sind wichtig Aus Sicht der kapitalsuchenden Unternehmen und der öffentlichen Hand ist dabei wichtig, dass sie genau die Finanzierung erhalten, die sie für ihr Geschäft, ihre Investitionen und ihr Wachstum benötigen. Das kann durch die Emission von Kapitalmarktprodukten erfolgen, die möglichst effizient und bei Bedarf eben grenzüberschreitend erfolgen muss. Bei kleinen und mittleren Unternehmen ist dagegen insbesondere die Verbriefung des bewährten Bankkredits ein möglicher Weg, neue Finanzierungsquellen am Markt zu erschließen. Der Kapitalmarkt ist eng mit dem Bankensektor verknüpft. Seit jeher sind die Institute wichtige Mittler und zentrale Servicedienstleister im Kapitalmarkt; sie haben daher ein Interesse daran, dass die Bedürfnisse beider Seiten – Anleger wie Emittenten – gewahrt werden. Zugleich sind sie daran interessiert, dass die erforderlichen Kapitalmarktprozesse möglichst effizient, auch über nationale Grenzen hinweg, ablaufen. Die Kapitalmarktunion muss entsprechend eingefügt sein in eine Gesamtarchitektur der Finanzmarktregulierung, die der Rolle der Banken als Intermediäre Rechnung trägt. Dies gilt insbesondere auch mit Blick auf MiFID und auf die Umsetzung von Basel IV in europäisches Recht. Angemessene Regulierung notwendig Aus Anlegersicht ist wichtig, dass die Kapitalmarktunion den Anlegern und Investoren einen diversifizierten, transparenten, aber auch unkomplizierten Zugang zum Kapitalmarkt ermöglicht. Hierfür sind eine angemessene Regulierung und ein Verbraucherschutz notwendig, der dem Privatanleger die nötigen Informationen verschafft, ihn aber nicht aus der Entscheidungsfreiheit und Verantwortung entlässt. Ein zu weitgehender Schutz der Anleger läuft den Emittenteninteressen zuwider – so wie umgekehrt die Anlegerinteressen verletzt werden, wenn es einen zu einfachen oder gar weitgehend unkontrollierten Zugang von Unternehmen an den Markt gibt. Hier gilt es, ein Gleichgewicht zu finden. Wie man es dreht und wendet: Ein EUweit einheitliches Rahmenwerk, das die Ziele und Interessen der Kapitalmarktteilnehmer fördert und schützt, ist unverzichtbar. Dieser Weg ist weit sinnvoller, als einzelne, EU-weit standardisierte Produkte vorzugeben. Markets for Europe Wir setzen darauf, dass die Kapitalmarktunion in naher Zukunft von Kommission, Mitgliedsländern und Europäischem Parlament entscheidend vorangebracht wird. Ein bisschen Rücken- 24 03 // 2020

deckung kann aber nicht schaden. Aus diesem Grund wurde Anfang Juni 2019, auch auf Initiative des Bankenverbands, die privatwirtschaftliche Initiative „Markets for Europe“ mit dem Ziel gegründet, die Diskussion zur Fortentwicklung der Kapitalmarktunion voranzutreiben. Getragen wird die Kampagne von 16 CEOs europäischer Unternehmen sowie von sechs ehemaligen Politikern oder Notenbankgouverneuren. Im Oktober 2019 hat „Markets for Europe“ in Brüssel eine Roadmap mit sechs Forderungen bzw. Empfehlungen präsentiert. Unter anderem geht es darum, langfristige Ersparnisse besser zur Finanzierung von Unternehmen zu nutzen und grenzüberschreitende Investitionen so zu vereinfachen, dass sie ebenso unkompliziert möglich sind wie innerhalb des eigenen Rechtsraums. Auch wird empfohlen, steuerliche Hürden für Investoren und Anleger, aber auch für Unternehmen nach Möglichkeit abzubauen sowie den direkten und indirekten Zugang von Unternehmen zum Kapitalmarkt zu verbessern. einen Bericht mit Vorschlägen zur Vertiefung der Kapitalmarktunion veröffentlichen will. Wir hoffen und sind optimistisch, dass sich unsere Überlegungen in dem Bericht wiederfinden werden. Ausschlaggebend ist nun aber der Wille der politisch Verantwortlichen. Gerade Deutschland und Frankreich sollten dieses Projekt als Chance begreifen, das vereinte Europa auf einem wichtigen Feld weiter voranzubringen. Es wird nicht zum ersten Mal auf die Bereitschaft von Mitgliedstaaten ankommen, nationale Souveränität auf die EU zu übertragen, um von der gestärkten europäischen Souveränität zu profitieren und die Wirtschaft europaweit zu beleben. Will Europa in einer Welt des Wandels bestehen und eigene Akzente setzen, ist es gut beraten, diese Chance zu ergreifen. Autor Dr. Christian Ossig, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands deutscher Banken e.V. in Berlin. Chance ergreifen Neben „Markets for Europe“ haben auch andere Initiativen und Institutionen in jüngster Zeit Berichte, Analysen und Vorschläge zur Kapitalmarktunion vorgelegt. Die Kommission selbst hat im November 2019 ein „High-Level- Forum“ eingerichtet, das im Mai 03 // 2020 25

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