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die bank 03 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

analysen fragen also

analysen fragen also nicht, ob ein Unternehmen voraussichtlich für die Zukunft gewappnet ist, sondern eher, für welche Zukunft ein Unternehmen gewappnet wäre. Durch die Fülle der dabei zu treffenden Annahmen sind hier prinzipiell unendlich viele Varianten möglich. Typischerweise könnte sich ein solcher Ansatz über mehrere Stufen vollziehen, an deren Beginn klimapolitische Szenarien zu definieren sind. Die Bank of England legt in ihrem Diskussionspapier „The 2021 biennial exploratory scenario on the financial risks from climate change“ drei solcher Szenarien zugrunde: Eine Klimapolitik, die rasch handelt, um das 2-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens noch zu erreichen; eine Klimapolitik, die erst sehr verspätet und dann mit umso drastischeren Maßnahmen reagiert, sowie ein Szenario ohne nennenswerte politische Steuerung. Denkbar sind neben klimapolitischen auch Technologieszenarien, z. B. die Annahme, dass neue, „grüne“ Technologien verfügbar bzw. sehr kostengünstig werden, sowie Szenarien für einen gesellschaftlichen Wandel mit einer drastischen Verschiebung von Konsumentenpräferenzen. Naheliegend ist es, die Beurteilung der Effekte der Klimapolitik über den Preis für den Ausstoß des Treibhausgases CO2 zu operationalisieren, d. h. insbesondere darüber, wie schnell und wie stark eine entsprechende CO2-Besteuerung ausfallen würde. Diese wirkt über die Verteuerung der Preise für fossile Energieträger auf volkswirtschaftliche Kenngrößen wie Güterproduktion und -preise, Zinssätze und die Werte von finanziellen Investments. In einem weiteren Schritt können die Auswirkungen auf die verschiedenen Wirtschaftssektoren abgeschätzt werden. Ein etwas anderer Ansatz empfiehlt sich, wenn der Fokus auf die klimabezogenen physischen Risiken wie Hitzewellen, Dürren und Überflutungen gerichtet ist. Denn auch bei raschem klimapolitischem Handeln werden sich die Auswirkungen des Klimawandels wohl noch für lange Zeit weiter intensivieren. Die Unsicherheit über die physischen Klimarisiken resultiert stark aus der Unsicherheit, die sich aus den physikalischen Prozessen ergibt. Grundlage für die Szenarioanalyse können hier die Modelle der Klimaforscher sein, wie sie insbesondere vom Weltklimarat (Intergovernmental Panel on Climate Change, IPCC), einer Institution der Vereinten Nationen, zusammengetragen werden. Mit den Klimamodellen kann der globale Trend der Erwärmung heruntergebrochen werden auf Ausmaß, Schwankung und regionale Verteilung der Erwärmung bzw. der damit zusammenhängenden Klimaphänomene. Da sich die vorhandenen Klimamodelle im Hinblick auf Parameter und Annahmen unterscheiden bzw. entsprechend variiert werden können, ergibt sich aus ihnen eine Spannbreite von Ergebnissen für einzelne Indikatoren. Je nach Untersuchungszweck können dann z. B. eher die mittleren oder eher die extremeren Werte Eingang in die Risikoanalyse finden. 12 03 // 2020

In einem Klimastresstest, der besonders ungünstige Szenarien berücksichtigt, würde die einzelne Bank deren Effekte auf die eigene Bilanz, auf ihre Kreditbücher und Portfolien durchrechnen. Damit lässt sich dann – unabhängig von diesen Ereignissen zugemessenen Eintrittswahrscheinlichkeiten – zumindest grob abschätzen, welche zukünftigen Entwicklungen „nur“ schmerzhaft und welche bereits existenzbedrohend wirken könnten. Einen Hinweis auf die Größenordnungen, mit denen es der Finanzsektor zu tun haben wird, gibt die Studie „The Heat is on: A framework measuring financial stress under disruptive energy transition scenarios“ der niederländischen Zentralbank. Sie schätzt auf der Basis eines ersten Stresstests, dass holländische Institute unter disruptiven Szenarien der Energiewende Portfolioverluste in Höhe von bis zu elf Prozent erleiden und ihre Eigenkapitalquoten um bis zu vier Prozentpunkte sinken könnten. Insgesamt stehen die Arbeiten zu Klimastresstests von bzw. für Banken noch ganz am Anfang. Trotz der zu erwartenden intensiven Bemühungen seitens der Risikomanager in den Banken und der Experten in den nationalen und internationalen Aufsichtsbehörden dürfte es auf absehbare Zeit wohl keinen standardisierten Werkzeugkasten geben. Quantitative und qualitative Ansätze müssen also bis auf weiteres in immer neuen Versuchen der Annäherung miteinander kombiniert werden, um physische und Transitionsrisiken angemessen und praxisnah bewerten zu können. Die Risikomanager sind gefragt Die Aufsicht erkennt die unsichere methodische Ausgangslage ausdrücklich an: Im genannten Merkblatt der BaFin räumt diese ein, „dass Nachhaltigkeitsrisiken aufgrund der häufig fehlenden historischen Datengrundlage, der vielen zu berücksichtigenden Faktoren und diverser Unsicherheiten über zukünftige Klima- und Politikszenarien teilweise schwierig zu messen und zu steuern sind; dies kann umgekehrt aber möglicherweise auch ein Anstoß sein, bisherige Prozesse anzupassen und neue, innovative Mess-, Steuerungs- und Risikominderungsinstrumente … zu entwickeln“. Wichtig ist für uns als Aufsicht zweierlei: Zum einen darf der streng risikoorientierte Aufsichtsansatz nicht mit politischen Zielen vermischt werden. Versuche, den Bankensektor über einen „grünen Unterstützungsfaktor“ oder „braunen Bestrafungsfaktor“ in eine bestimmte Richtung zu steuern, wären wenig erfolgversprechend und würden Stabilitätsrisiken erhöhen. Nur ein stabiler Finanzsektor hat aber die Kraft, die Dekarbonisierung der Wirtschaft zu finanzieren. Zum anderen wird die Bankenaufsicht den Banken nicht vorgeben, welche Art von Kreditgeschäft sie künftig machen sollen. Auch konventionelle Industrie- oder Landwirtschaftszweige brauchen weiterhin eine Finanzierung, denn gerade diese Wirtschaftszweige müssen bei ihrem Wandel hin zu einer CO 2 -armen Wirtschaftsweise begleitet werden. Welche Geschäfte die Banken zukünftig eingehen, bleibt eine Management-Entscheidung und keine der Bankenaufsicht. Wir als deutsche Aufsicht sind uns aber einig: An der Notwendigkeit, klimabezogenen Risiken im Risikomanagement Rechnung zu tragen, führt kein Weg vorbei. Auch wenn wir die methodischen Herausforderungen anerkennen, erwarten wir kontinuierliche Schritte in diese Richtung. Denn für die Widerstandsfähigkeit einer Bank können klimabezogene Risiken höchst kritisch sein. Es wird von der Kreativität, ja dem Genius der Risikomanager, Bankaufseher und Standardsetzer abhängen, ob wir sie in den Griff bekommen. Wir als Bundesbank werden unseren Beitrag dazu leisten. Autor Prof. Dr. Joachim Wuermeling, Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank, zuständig für Bankenaufsicht, Risikocontrolling und IT. 03 // 2020 13

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