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die bank 02 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG 1 | Die

DIGITALISIERUNG 1 | Die Kursentwicklung von Bitcoin im Jahr 2021 70.000 € 60.000 € 50.000 € 40.000 € 30.000 € 20.000 € 10.000 € - € 01.01.2021 01.02.2021 01.03.2021 01.04.2021 01.05.2021 01.06.2021 01.07.2021 01.08.2021 01.09.2021 01.10.2021 01.11.2021 01.12.2021 Quelle: eigene Darstellung. Geld ist Wertaufbewahrungsmittel. Es ermöglicht die Speicherung von Kaufkraft im Zeitablauf. Eine ernsthafte Konkurrenz für das etablierte staatliche Geldsystem kann Bitcoin nur darstellen, wenn es diese drei Funktionen erfüllt. Das ist nicht der Fall. Abb. ÿ 2 gibt hierzu einen Überblick. Bitcoin als Tauschmittel? Zunächst zur Tauschmittelfunktion: Die Zahl der Marktteilnehmer, die Bitcoin als Zahlungsmittel akzeptieren, bewegt sich weiter auf niedrigem Niveau. Eine im vergangenen Jahr von der Deutschen Bank veröffentlichte Liste entsprechender Unternehmen und Organisationen umfasst lediglich eine Seite im DIN-A4-Format. Die Aufzählung, die auch einige bekannte Marken wie Microsoft, Wikipedia und AT&T enthält, ist zwar nicht abschließend, zeigt aber, dass es sich bei den gelisteten Unternehmen um Einzelfälle handelt. 1 Mit PayPal hat zuletzt einer der weltweit führenden Zahlungsdienstleister angekündigt, künftig die Transaktionsabwicklung in Bitcoin zu unterstützen. Angesichts der Marktmacht des Unternehmens, dessen Kundenkreis 300 Mio. Privatkunden und 28 Mio. Einzelhändler umfasst, sollte diese Ankündigung nicht unterschätzt werden. Inwiefern sich Krypto-Zahlungen via PayPal in der Praxis allerdings tatsächlich durchsetzen, bleibt abzuwarten. Problematisch sind nämlich die sehr beschränkten Verarbeitungskapazitäten des Bitcoin-Netzwerks. Es ist technologisch so konzipiert, dass alle zehn Minuten nur etwa 2.000 Transaktionen verarbeitet werden können. Zum Vergleich: Der Kreditkartenanbieter Visa wickelt 50.000 Zahlungen pro Sekunde ab. Bitcoin ist in seiner aktuellen technologischen Konzeption demnach nicht in der Lage, im globalen Zahlungsverkehr eine führende Rolle zu übernehmen. 2 Ein häufig kritisiertes Problem der Transaktionsverarbeitung im Bitcoin-Netzwerk ist auch der immense Energieverbrauch. Laut dem „Bitcoin Electricity Consumption Index“ der Universität Cambridge belief er sich im Jahr 2021 auf 106,3 Terawattstunden und entsprach damit in etwa dem der gesamten Niederlande. Ein wesentliches Thema ist in diesem Zusammenhang zudem die bereits erwähnte hohe Volatilität des Wechselkurses. Das Halten von Bitcoins ist mit hohem Risiko verbunden. Zwar schränkt dies nicht unmittelbar die Transaktionsabwicklung selbst ein; risikoaverse Käufer und Verkäufer würden Bitcoins aber immer nur kurzzeitig halten wollen. Wenn jede Bitcoin-Transaktion jedoch den Tausch von traditionellem Geld in Bitcoins (Käufer) und schließlich wieder von Bitcoins zurück in traditionelles Geld (Verkäufer) erfordert, ergibt die Transaktionsabwicklung in Bitcoin kaum mehr einen Sinn. Bitcoin als Recheneinheit? Die hohe Volatilität beschränkt in der Praxis daher auch den Einsatz von Bitcoins als Recheneinheit. Die Produktpreise müssen aufgrund der erheblichen Wertschwankungen ständig angepasst werden, ein aufwendiger und wenig kundenfreundlicher Prozess. Auch die geringe Verbreitung von Bitcoin als Zahlungsmittel betrifft die Verwendung als Recheneinheit. Da kaum Unternehmen Bitcoin als Transaktionsmedium akzeptieren, weisen ebenso wenige ihre Preise in Bitcoin aus. Die Marktteilnehmer rechnen und agieren weiter mit traditionellen Währungen, und damit bleiben diese auch die tatsächlichen Recheneinheiten. Die ausgeführten Argumente sprechen deutlich gegen die (zukünftige) Etablie- 62 02 | 2022

DIGITALISIERUNG Bitcoin-System dürfte, wie oben beschrieben, perspektivisch aber eher deflationär wirken und könnte somit vor inflationärer Entwertung schützen. Tatsächlich haben Bitcoins im Vergleich zu den bedeutendsten Währungen in den letzten Jahren insgesamt erheblich an Wert gewonnen, wobei die Gründe hierfür vielfältig sind. In Hinblick auf die Wertaufbewahrungsfunktion ist das zentrale Problem aber nicht die langfristige Wertentwicklung von Bitcoin, sondern wiederum dessen extreme Kurs-Volatilität. Da selbst das kurzfristige Halten mit erheblichen Schwankungsrisiken verbunden ist, ist Bitcoin als Medium zur sicheren Wertaufbewahrung ungeeignet (ebenso, wie man auch eine sehr volatile Aktie nicht als geeignetes Wertaufbewahrungsinstrument bewerten würde). rung von Bitcoin als allgemeines Transaktionsmedium sowie als Recheneinheit. Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel? Um als Instrument zur Wertaufbewahrung eingesetzt werden zu können, muss eine Währung für den einzelnen Bürger sicher verwahrbar sein. Traditionell bedeutet das insbesondere Schutz vor Diebstahl, beispielsweise durch Deponierung des Geldes im Tresor einer Bank. Im Fall von Bitcoin steht in diesem Zusammenhang die Absicherung gegen Cyber-Risiken im Vordergrund. Ziel entsprechender Angriffe sind vor allem Anbieter von Bitcoin-Wallets und Krypto- Börsen. Dass Cyber-Attacken auf diese Institutionen in der Vergangenheit vielfach erfolgreich waren, stellt eine erhebliche Belastung für das Vertrauen in Bitcoin als Wertaufbewahrungsmittel dar. Da dem klassischen Finanzsystem vergleichbare Absicherungsinstrumente (umfassende Regulatorik, Einlagensicherung) für Bitcoin nicht existieren, erhielten betroffene Kunden oft keinen Schadenersatz. Auf der Makro-Ebene sind es typischerweise insbesondere Inflationsrisiken, die eine effektive Wertaufbewahrung beeinträchtigen können. Die restriktive „Geldschöpfung“ im Bitcoin im internationalen Zahlungsverkehr Vieles spricht also dagegen, dass Bitcoin sich als Geld etablieren wird – zumindest in den Industrieländern. Im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr vor allem mit und zwischen Entwicklungs- und Schwellenländern könnten sich allerdings Anwendungsfälle ergeben. Finanztransaktionen in Entwicklungs- und Schwellenländern sind in der Praxis aufwendig und kostenintensiv. Die Peer-to-Peer-Architektur des Bitcoin bietet den Vorteil, dass Zahlungen unmittelbar beim Endempfänger ankommen. Das ist insbesondere in den Ländern interessant, die nicht über ein dichtes Filialnetz von Banken oder Zahlungsdienstleistern verfügen. Für den Begünstigten verbleibt jedoch das Problem, dass Bitcoins von ortsansässigen Unternehmen auch akzeptiert werden müssten. Andernfalls wäre wiederum ein (aufwendiger) Umtausch in die lokale Währung notwendig. In jedem Fall existiert im globalen Markt für Rücküberweisungen von Gastarbeitern an ihre Familien in den Herkunftsländern (sog. Remittances) ein klares Bedürfnis nach effizienterer Transaktionsabwicklung. Die Überweisungsgebühren von Anbietern wie Western Union oder Moneygram betragen nach Anga- 02 | 2022 63

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