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die bank 02 // 2021

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG onen und

REGULIERUNG onen und Rivalitäten reiche US-Sport. Die MLS, NFL, NHL und die NBA sind in Deutschland im linearen Fernsehen vertreten. Bei Streamingdiensten sind US-Sport- Ligen sogar ein wesentliches Verkaufsargument. Die NBA, NFL und die MLB haben in den Vorjahren mit der Austragung von Ligaspielen in Europa den tatsächlichen Schritt zum Veranstalter im europäischen Markt bereits vollzogen. Wenden sich die Zuschauer ab, so könnten auch die großen Sponsoren des europäischen Clubfußballs nachdenklich werden. Reputationsrisiken und ein möglicher Rückgang des Zuschauerinteresses sollten ausreichen, um das Engagement grundsätzlich oder der Höhe nach zu hinterfragen. Im Zug von Korruptions- und Geldwäscheermittlungen besteht außerdem das Risiko einer rechtlichen Handhabe, die unmittelbar auf die Einkünfte der Clubs abzielen könnte. Sollte der europäische Clubfußball – gleich ob die Ligaverbände oder einzelne Clubs – ins Fadenkreuz der US-Ermittler geraten oder bereits geraten sein, so drohen bei einem Ermittlungserfolg mit US-Inlandsbezug einschneidende wirtschaftliche Sanktionen. Als Haupttat kommen dabei sowohl Korruptionstaten als auch Geldwäschedelikte infrage. Zur Begründung der Zuständigkeit der US-Justiz reicht es aus, wenn die konkrete Tat eine rein virtuelle Berührung mit dem US-Territorium aufweist, beispielsweise die Kommunikation im Rahmen der Vorbereitungshandlung zur Tat über einen Server mit Standort in den USA läuft. Wegen der im professionellen Sport und insbesondere im Fußballsport undurchsichtigen Geldzahlungen sowohl bei Transfers als auch bei der Vergabe und Ausrichtung von sportlichen Großereignissen dürften die US-Behörden die von den Ligen geschaffenen Rahmenbedingungen des Markts als optimal für wirtschaftskriminelle Energie und als mit den US-Geldwäschevorschriften unvereinbar beurteilen. 52 02 // 2021

REGULIERUNG FAZIT Clubs, Sponsoren und nicht zuletzt Banken sollten den Vorstoß der Justizministerkonferenz der Länder als Impuls aufgreifen, Regelungen und Strukturen im kommerziellen Fußball zu verbessern. Compliance sichert ihre Geschäftsbeziehungen und Interessen gleichermaßen und zum Wohl aller Beteiligten. Insbesondere für Banken bringen verbesserte Regelungen und Strukturen neben der Begrenzung des wirtschaftlichen Risikos durch wirksame Geldwäscheregelungen noch einen weiteren Vorteil: So dürfte ein anerkanntes Compliance-Management-System das Ausfallrisiko von finanzierten oder zur Sicherung genutzten Forderungen reduzieren. Das senkt auch die Kosten der Finanzierung, wodurch den Banken keine Nachteile und den Clubs wirtschaftliche Vorteile in Form von günstigeren Konditionen entstehen. Schließlich wäre sogar die Besicherung eines Kredits durch den Wert eines Spielerkaders in einem perspektivisch wertbeständigen und risikoärmeren Markt wesentlich einfacher. Der Markt ist geschlossen, die Ligen weisen kartellähnliche Strukturen auf, den Beteiligten ist an Geheimhaltung gelegen, und vor allem im Bereich der Spielertransfers kommt es nicht selten zu konspirativen Treffen. Selbst das Vergütungsmodell der Spielerberater ist im Vergleich zu anderen beratenden Berufen, etwa Anwälten, zumindest ungewöhnlich: Für die Begleitung bei Transfers zahlt nicht etwa der beratene Spieler, sondern es zahlt der den Spieler unter Vertrag nehmende Club – wobei der Spieler die Höhe des Beraterhonorars häufig nicht einmal erfährt. Nach US-Recht können auch vermeintlich unbeteiligte Clubs oder Ligen als Mitverschwörer verfolgt und sanktioniert werden, wobei handelsrechtliche Sanktionen wie die Indexierung, also die Aufnahme auf „schwarze Listen“, dann der Regel entsprechen. Die Indexierung dürfte nahezu jeden Werbepartner zum sofortigen Abbruch der Geschäftsbeziehung veranlassen, zumindest dann, wenn der Werbepartner auch in den USA wirtschaftlich aktiv ist, was für die überwiegende Anzahl der im europäischen Fußball Werbetreibenden gilt. China schützt seine globalwirtschaftlichen Interessen in ähnlicher Weise und hat kürzlich ein Social- Credit-System für Unternehmen eingeführt. Es ist somit nicht auszuschließen, dass sich der europäische Clubfußball bereits jetzt konzertierter Angriffe aus Ost und West gegen das wirtschaftliche Fundament seines Wachstums ausgesetzt sieht, und dass die Angreifer die Schwäche bei der Überwachung von Compliance erkannt haben. Autor Dr. Lars Figura ist Partner bei der KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Bremen sowie Lehrbeauftragter der Universität Bremen. 02 // 2021 53

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