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die bank 02 // 2021

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG So werden

REGULIERUNG So werden etwa die TV-Einnahmen der DFL ungleich verteilt, was Clubs, die weniger aus der Ausschüttung erhalten, auch regelmäßig kritisieren. Aus Sicht des Finanzvorstands eines betroffenen Clubs erklärt diese Praxis bereits den Finanzierungsbedarf. Der Einnahme-Mix – und zwar nicht in absoluten Zahlen, sondern in der Relation der Einnahmen zueinander – dient als Benchmark für die Clubs. Vereine, die gegenüber der Benchmark in den Bereichen Spielbetrieb, Werbung, Medienrechte, Merchandising und sonstigen Nutzungsrechten outperformen, können mehr Geld für Spielertransfers einsetzen und so das Preisniveau für Spieler bestimmen. Dies führt zu einem Finanzierungsbedarf bei den Low Performern unter den Clubs. Ein ähnliches Bild ergibt sich im Vergleich der europäischen Top-Ligen. Mit jedem neuen TV-Rechtevertrag verschiebt sich das Mächteverhältnis zwischen den europäischen Ligen. Profiteure großer TV-Deals waren zuletzt die Clubs der Premier League. Zwischenzeitlich konnte die DFL aber aufschließen und die Lücke schließen. Festzuhalten bleibt: Es gibt einerseits Clubs, die die Preise diktieren, und andererseits solche, die nur dann mithalten können, wenn sie entweder bei den Transfereinnahmen gegenüber der Benchmark outperformen – sogenannte Ausbildungs-Clubs – oder wenn sie sich Geld leihen. Das geschieht zuletzt häufig durch Ratenzahlung bei Transfergeschäften. So fließt beim Kauf von Spielern zum Zeitpunkt des Wechsels nur ein Teilbetrag auf die Transferforderung und der andere Teil wird in Raten gezahlt, meist gekoppelt an planbare Einnahmen, wie TV-Einnahmen oder Zahlungen von Werbepartnern. Interessanterweise handelt es sich dabei um ein Zahlungsmodell, das nicht nur „klamme“ Clubs nutzen, sondern um einen Standard, der wiederum zu weiteren Kosten führt, weil die Clubs, die die Ra- tenzahlung gewähren, sich diese Zahlungsweise vergüten lassen. Ein Aspekt am Rande: Bei Transfers kommt nicht nur kein frisches Geld in die Ligen hinein, sondern es fließt sogar Geld ab. Die Transferausgaben übersteigen die Einnahmen, weil regelmäßig Beträge an sogenannte Spielerberater abfließen. Geschäftsmodell für Banken: Fußballfinanzierung Manche Banken haben sich auf die Finanzierung und Forfaitierung von solchen Transforderungen spezialisiert. Vorreiter in Deutschland war die Internationales Bankhaus Bodensee AG, aus dem Markt bekannt ist zudem die VR-Bank Bad Salzungen/Schmalkalden eG, und seit Anfang 2020 die Oldenburgische Landesbank AG. Die konkrete Ausgestaltung der Finanzierung kann dabei variieren, in der Sache geht es jedoch stets darum, die Liquidität des einen oder anderen, bisweilen auch beider am Transfer beteiligter Clubs zu erhöhen. Die Frage der Bonität wird dabei im Einzelfall anhand noch freier zukünftiger Forderungen bewertet. Die Konditionen der Finanzierung bestimmen sich daher anhand der Umsatzpotenziale der jeweiligen Clubs. Im Hinblick auf die Kosten der Finanzierung sind Ausfallrisiken und Marge der Kredithäuser zu nennen. Bei den Ausfallrisiken diskutieren die Riskmanager der Banken zumeist das Insolvenzrisiko des jeweiligen Clubs – vollkommen zu Recht, wenngleich bei historischer Betrachtung von einem allgemein geringen Risiko gesprochen werden kann. Ob die Covid-19-Pandemie hieran etwas ändert, bleibt abzuwarten. Weniger Beachtung findet hingegen die Risikobewertung mit Blick auf die Branche, wobei nach dem bisher Gesagten klar ist, dass ein Einbruch bei den Einnahmen aus Spielbetrieb, Werbung, Medienrechten, Merchandising und sonstigen Nutzungsrechten den Zusammenbruch der Branche bedeuten kann. Chancen und Risiken Solange der europäische Club-Fußball perspektivisch weiter wächst, gegebenenfalls nach einer pandemiebedingten Delle, sind die Cashflows im Allgemeinen gesichert, und das Ausfallrisiko im Besonderen bleibt klein. Der Bedarf der Clubs an Finanzierungen dürfte durch die Pandemie jedoch gestiegen sein. Man könnte meinen, es herrsche eine Goldgräberstimmung für Banken, doch Banken müssen die Risiken identifizieren und durch geeignete Maßnahmen eindämmen. Geldwäschevorkehrungen sind ein wesentlicher Teil davon. China und USA als aufstrebende Konkurrenzmärkte Der europäische Markt ist vom europäischen Clubfußball sehr weitgehend erschlossen, und die Vermarktung hat ein hohes Niveau mit entsprechend geringer verbleibender Wachstumsfantasie erreicht. Die europäischen Ligen und Clubs haben globale Wachstumspotenziale analysiert. Die Ligen des europäischen Fußballs – seien es nationale Ligen oder UEFA-Formate – haben als Wachstumsfelder Märkte außerhalb Europas definiert, wobei Chancen insbesondere im asiatischen (konkret chinesischen) und nordamerikanischen Raum identifiziert wurden. Dementsprechend sind Vermarktungsanstrengungen von DFL-Clubs in China und den USA festzustellen, wo die Bevölkerung als sportbegeistert und (in China zunehmend) auch zahlungskräftig gilt. Sowohl mit der Chinese Super League (CLS) in China als auch der Major League Soccer (MLS) in den USA bestehen jeweils nationale Ligen. Damit ist in den Zielmärkten ein Konflikt zu den Interessen europäischer Clubs bereits offenkundig. 50 02 // 2021

REGULIERUNG Die CLS und die MLS haben im Gegensatz zum europäischen Fußball ihre Ursprünge aber nicht im am Gemeinwohl ausgerichteten Verein. Die Clubs und Ligen sind auf Gewinnausschüttung angelegt. Der sportliche Erfolg des einzelnen Clubs steht nicht zwingend an erster Stelle, sondern der unternehmerische Erfolg ist das Handlungsregulativ. Das Verständnis der Clubinhaber CLS und MLS von Wettbewerb und Erfolg unterscheidet sich daher deutlich vom traditionellen Verständnis in Europa. Befragt man einen beliebigen Club der DFL nach seinen Wettbewerbern, so wird er vermutlich sportliche Konkurrenten nennen. Ähnlich dürfte auch das Verständnis auf der Ebene der Ligen sein. Die DFL sieht sich, wie sich am Beispiel der TV-Einnahmen zeigte, im Wettbewerb mit der Premier League und den anderen drei großen europäischen Ligen. Dieser verengte Blick mag eine Folge der über Jahrzehnte bestehenden Alleinstellung des Fußballs im deutschen und europäischen Sportentertainment-Markt sein. Clubeigentümer der MLS, die zugleich Gesellschafter sind, würden die Frage anders beantworten. Ganz eindeutig versteht die MLS sich als Wettbewerber zu sämtlichen großen US-Ligen: Baseball (MLB), Basketball (NBA), Football (NFL) und Eishockey (NHL). Die Clubs der MLS werden auch erkannt haben, dass die im europäischen Clubfußball bewegten Summen ungleich höher sind als die Summen in der MLS. Das vorrangige und nachhaltige Interesse der MLS-Clubs dürfte dabei aber nicht darauf gerichtet sein, am Transfermarkt teilzuhaben und somit Einkünfte im globalen Fußballgeschäft umzuverteilen. Vielmehr dürfte sich das Interesse darauf richten, die Lizenzeinkünfte, die im europäischen Fußball für positive Konjunktur sorgen, auch in den USA zu erzielen oder gleich dorthin umzuleiten. Gleiches gilt für China, das sein Bestreben, eine weltweite Vormachtstellung im Fußball anzustreben, offen ausspricht. Insofern sind Begehrlichkeiten der aufstrebenden Ligen in Richtung der etablierten europäischen Ligen absehbar. Compliance-Verstöße können teuer werden Vor diesem Hintergrund bringt ein detaillierter Blick auf die seit Jahren zunehmende Aufdeckung von Compliance- Verstößen im Fußball wertvolle Erkenntnisse. Compliance-Verstöße im Fußball werden heute nicht nur durch Enthüllungen aufgedeckt, sondern insbesondere auf Betreiben von US-amerikanischen Ermittlungsbehörden. Es gibt also politisch einflussreiche Interessensgruppen innerhalb der Vereinigten Staaten, die sich durch die Enthüllungen und Skandale im außer-amerikanischen Fußball Vorteile versprechen: Skandale schaden dem öffentlichen Ansehen des Fußballs, weshalb Interessensverlagerungen von Sportfans dann möglich sind, wenn andere attraktive Angebote bestehen. Solche Angebote bietet der zwar unternehmerisch geprägte, aber nicht minder telegen vermarktete und um Traditi- 02 // 2021 51

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