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die bank 02 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT Die Chefs Mit

MARKT Die Chefs Mit sechs Jahren wollte Sebastian Seifert (im Bild re.) Müllwagenfahrer werden, mit 15 Investmentbanker, aber schon als Abiturient war ihm klar: Er wird ein Unternehmen gründen. „Ich hatte schon früh Geschäftsideen und hätte am liebsten sofort losgelegt“, erzählt der Sohn eines Arztes und einer gelernten Krankenschwester, die zusammen in der eigenen Praxis arbeiten und damit die Selbstständigkeit vorleben. Doch die Eltern bremsten und rieten ihm erst einmal zum Studium. Das absolvierte Seifert an der renommierten Business School WHU in Vallendar bei Koblenz, wo er auch seine Mitgründer Achim Bönsch und Florian Swoboda kennenlernte. Was ihn am Unternehmertum reizt? „Es gibt keine andere Möglichkeit, seine Ideen zu verwirklichen und dann auch das Ergebnis der Arbeit zu sehen“, ist der 29-Jährige überzeugt. Und was bedeutet ihm Geld? „Nicht viel, für mich ist es eine Einheit, um Erfolg zu messen; letztlich ist es die Konsequenz aus Erfolg.“ Angst vor dem Scheitern hat der Gründer nicht. „Wir leben doch in einer äußerst privilegierten Zeit. Wenn die Selbstständigkeit nicht klappt, können wir sicher sein, dass wir einen Job in einem Unternehmen finden. Deshalb rate ich jedem, der es möchte, zu gründen.“ Wenn Seifert mal nicht arbeitet, was offenbar nicht allzu oft vorkommt, treibt er Sport, am liebsten Surfen oder Schwimmen. Eine „echte Liebe“ verbindet ihn mit dem Dortmunder BVB, bei dem er auch Mitglied ist. Eine Liebe mit kleinen Hindernissen: Mitgründer Bönsch hält nämlich fest zu den Bayern, und da kann es schon mal Diskussionen geben. Würden Seiferts Kunden ticken wie er, liefe sein Geschäft definitiv schlechter. Er zahlt am liebsten kontaktlos mit der Karte und begleicht seine Online-Käufe nur selten an der Kasse im Supermarkt. Bei Auszahlungen hingegen bleibt der Gründer seinem Geschäftsmodell treu und holt Bares an der Supermarktkasse. Am Geldautomaten war der Unternehmer schon lange nicht mehr. Die Geschäftsführung teilt sich der gebürtige Wuppertaler heute immer noch mit Achim Bönsch (31, li.). Florian Swoboda schied 2016 aus, im selben Jahr kam Andreas Veller (31, Mitte), gleichfalls Absolvent der privaten Hochschule für Wirtschaft & Management hinzu. Die WHU hat zahlreiche namhafte Unternehmer hervorgebracht, unter ihnen Oliver Samwer vom Internet-Inkubator Rocket Internet. Barzahlen ist seit 2016 außerordentliches Mitglied im Bundesverband deutscher Banken e.V. „Wir wollen den Weg ebnen für Innovationen und bei der Regulatorik Einfluss nehmen“, begründet Seifert den Schritt. Bord, sobald die Behörden dem Glory-Deal zugestimmt haben. Insgesamt 12,5 Mio. € hatten die Eigentümer bis zum Mehrheitsverkauf in Barzahlen gesteckt. Einen akuten Finanzbedarf habe es zwar nicht gegeben, doch der Geschäftsführer hielt das Angebot für strategisch sinnvoll, da beide Seiten die gleichen Kundengruppen – Banken und Einzelhandel – haben. Ihnen verkauft Glory zum Beispiel Maschinen, die im Backoffice Bargeld zählen, sortieren und für den Transport vorbereiten, oder Self-Check-Out-Kassen, an denen die Käufer ihre Rechnungen mit Bargeld oder Karte selbstständig begleichen, sodass sich die Mitarbeiter, etwa an einer Tankstelle, auf Verkauf und Service konzentrieren können. Künftig soll die Barzahlen-Software auch auf die Geräte von Glory kommen. „Bei der Internationalisierung hoffen wir, mit Glory als Türöffner Tempo machen zu können“, sagt Seifert, der noch mindestens fünf Jahre Part des neuen Trios „Glory, Grenke 10 02 // 2020

MARKT Bis 100 Euro geht Barzahlen am schnellsten und Gründer“ bleiben will. Ob die Japaner ein Mitglied in die heute dreiköpfige Geschäftsführung entsenden werden, sei noch offen. Bei den aktuellen Geschäftszahlen hält es Seifert mit seinen Kollegen aus anderen Fin- Techs. Er wird schmallippig. Umsatz? Gewinn? Fehlanzeige. Nur so viel: Pro Jahr werde eine siebenstellige Zahl an Transaktionen abgewickelt, und an jeder verdiene das Unternehmen mit. Nur die Zahl der Mitarbeiter ist kein Geheimnis. Beschäftigt werden 60 Mitarbeiter. 25 Prozent von ihnen kommen nicht aus Deutschland, elf Nationalitäten sind vertreten. „Einerseits ist es schwierig, in Deutschland genügend IT-Fachleute zu finden, andererseits möchten wir an den internationalen Standorten auch Mitarbeiter beschäftigen, die die Sprache sprechen und wissen, wie die Kunden ticken“, so der Barzahlen-Chef. Die Frauenquote ist wie bei den meisten FinTechs mit 30 Prozent zwar gering, aber deutlich über dem Branchenschnitt. Mit regelmäßigen Team-Events, sei es Beach-Volleyball, Bowling, Lasertag oder Grillen, sowie mit Office Drinks, Weiterbildungsangeboten und vier Feedback-Gesprächen pro Jahr versucht das junge Finanzunternehmen den Wohlfühlfaktor zu steigern. Das kommt offenbar gut an. Viele Kollegen halten der Cash Company immerhin schon mehr als vier Jahre die Treue, was in der schnelllebigen Branche ungewöhnlich lang ist. Einige waren schon bei der Gründung dabei. Damals war Seifert gerade mal 21 Jahre alt. Wie alles anfing, daran kann er sich noch gut erinnern. Im sechsten Semester mussten die WHU-Studenten in einem Kurs ein Unternehmen gründen, von der Idee bis zum Business Plan. Den stellten Seifert, Bönsch und Swoboda vor einer Jury aus Internet-Unternehmern, Investoren und Professoren vor und merkten: Das Vorhaben Barzahlen kommt an. Und zwar so gut, dass die Studenten zügig den Schritt von der Theorie in die Praxis wagten. Soll es schnell gehen, machen nicht nur lange Warteschlangen an der Kasse nervös, sondern auch die Art, wie die Leute zahlen. Erst recht, wenn sie erst in letzter Minute ihr Portemonnaie hervorholen und dann umständlich das Kleingeld zusammenklauben. Der Schein trügt, sagt die Bundesbank: Zahlt der Kunde bar, brauche er im Schnitt nur 22 Sekunden, wobei Beträge unter 10 € sogar in knapp 18 Sekunden beglichen seien. Mit der Höhe steige die Dauer. Bei mehr als 100 € sei man mit Karte schneller: Mit Karte und PIN sind es 29,4 Sekunden, mit Karte und Unterschrift 38,6 Sekunden, so die Notenbanker. Für die im Februar 2019 veröffentlichte Studie „Kosten der Bargeldzahlung im Einzelhandel“ wertet die Behörde 3.000 Bezahlvorgänge im Sommer und Herbst 2017 aus. Dass vor zwei Jahren kontaktloses Zahlen mit Karte oder Smartphone noch nicht so verbreitet war, hat die Bundesbank durch eine Simulation berücksichtigt. Auch bei den Kosten liegt die Barzahlung vorne. Bis 50 € ist sie günstiger, da die Fixkosten im Durchschnitt geringer sind. Darüber schneidet die Girocard besser ab. Bezogen auf den Umsatz, wiesen aber laut der Studie kontaktlose Girocard-Zahlungen die geringsten Kosten auf. Es folgen das elektronische Lastschriftverfahren, kontaktlose Kreditkartenzahlungen, dann die Barzahlungen und die Kreditkartenzahlungen mit Unterschrift. Laut der Studie werden jährlich rund 20 Milliarden Transaktionen im deutschen Einzelhandel getätigt, 75 Prozent der Zahlungen an der Ladenkasse würden in bar abgewickelt. 02 // 2020

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