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die bank 02 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE AT THE

BERUF & KARRIERE AT THE TOP [ MATTHIAS SCHELLENBERG ] Der Klartexter Nach rund zehn Jahren herrscht beim Treffen mit Matthias Schellenberg im Frankfurter Airport Club Wiedersehensfreude. Zu Jahresbeginn 2017 hat Schellenberg die Aufgabe des Vorstandsvorsitzenden bei Merck Finck Privatbankiers AG übernommen. Der weitgereiste Manager ist auf der Karriereleiter steil nach oben geklettert. Er hat unter anderem in New York, Frankfurt, Paris und Den Haag gelebt und gearbeitet. Bei Merck Finck ist er als CEO für die Bereiche Chief Investment Office, Global Markets, Personal und allgemeine Verwaltung, Marketing und Kommunikation sowie das Projekt Management Office verantwortlich. Bevor er diese anspruchsvolle Aufgabe antrat, war er für rund vier Jahre Mitglied des Vorstands der UBS Deutschland AG, verantwortlich für das Asset Management in Deutschland, Österreich und Osteuropa. Davor stand er als Leiter Europa und Lateinamerika für sechs Jahre in den Diensten der niederländischen ING Asset Management. Mit seiner Familie hatte er damals für rund vier Jahre in Den Haag gewohnt. „Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt“, beschreibt er die Zeit in kurzen Worten. Doch inzwischen hat es die Familie wieder zurückgezogen in die Heimat, nach Bad Honnef bei Bonn, wo Schellenberg vor rund 53 Jahren geboren wurde. Dass man ihm dieses Alter angesicht der drahtigen Figur und der jugendlichen Ausstrahlung nicht ansieht, versteht er als Kompliment. Auch seinen Abschluss als Diplom- Kaufmann hatte der Banker mit engem Heimatbezug in der Region abgelegt, nämlich im Jahr 1994 an der Universität in Köln. Matthias Schellenberg ist Sportler durch und durch. Neben dem Segelsport stehen bei ihm Judo und Jogging, aber auch die Jagd als Hobbys im Mittelpunkt der Freizeitinteressen. Als Judoka hat er in seinen Spitzenzeiten sogar in der zweiten Bundesliga gekämpft. Heute hat Matthias Schellenberg auf dem Weg von München nach Luxembourg einen Zwischenstopp in Frankfurt eingelegt. Wir brauchen nicht lange und sind rasch inmitten einer lebhaften Diskussion über die Herausforderungen der modernen Finanzindustrie. So etwa wie bereits vor mehr als zwei Dekaden, als die seinerzeit brandheißen Themen Derivate, Alternativ Investments, Private Equity, Hedge Funds und strukturierte Produkte im Fokus der Börsenwelt und im Mittelpunkt des Gedankenaustauschs gestanden hatten. Wie damals, so gibt Schellenberg auch heute sein umfangreiches Fachwissen im Spitzengremium des Bundesverbands Alternative Investment (BVAI) in Bonn an Interessierte weiter. Die Veränderungen und Herausforderungen erfordern heute mehr Weitsicht und auch Mut – nicht zuletzt wegen der Digitalisierung im Generellen sowie den Themen Big Data, Artificial Intelligence und Robo Finance im Besonderen. „Für Banken ist dieser technologische Quantensprung eine enorme Herausforderung – allerdings auch für Kunden“, bringt Schellenberg die Dinge auf den Punkt. Eine Karriere-Vorgabe hatte sich der Rheinländer während seiner frühen Berufsjahre nicht gegeben. Bei seinen verschiedenen beruflichen Stationen sei es ihm vor allem darauf angekommen, einen bestimmten Gestaltungsrahmen ausfüllen und die beruflichen Aufgaben gemäß seines eigenen Gustos umsetzen zu können. Das sei ihm auf den verschiedenen Stufen der Karriereleiter auch recht gut gelungen. Auch im Rahmen der neuen Aufgabe bei Merck Finck und der Mutter KBL epb habe er bei der Vertragsunterzeichnung darauf geachtet, diesen Weg weiter beschreiten zu können. Die im Jahr 1949 gegründete KBL European Private Bankers mit Sitz in Luxemburg ist in neun Ländern Europas vertreten. Die KBL ist mit rund 2.000 Mitarbeitern im Besitz des Private-Equity-Players Precision Capital, die wiederum Mitgliedern der Al Thani-Familie in Quatar gehört. Sowohl KBL als auch die Tochter Merck Finck haben die schwierige Zeit der Weltfinanzkrise vergleichsweise gut hinter sich gebracht. „Bisher ist mit Blick auf meine eigene Zielsetzung in den vergangenen Monaten alles gut gelaufen“, sagt Schellenberg. Dazu habe die generelle Stabilisierung der Finanzmärkte zweifellos einen Beitrag geleistet. Der Banker hebt gleichwohl warnend den Zeigefinger. Dies sei nicht die Zeit, übermütig zu werden. Kostenaspekte rücken in der Welt der Banken immer stärker ins Rampenlicht – sowohl für die Banken selbst als auch für deren Kunden. Es gelte, sich im harten Wettbewerb zu behaupten. Dort, wo das Geschäft der Banken stark auf die Vermögensverwaltung ausgerichtet ist, sind viele Kosten bereits im Gesamtpreis enthalten. „Bei uns liegt der Vermögensverwaltungs-Anteil bei rund 60 Prozent, bei der Konkurrenz in der Regel bei 25 bis 30 Prozent“, so Schellenberg. Entscheidend wird in dieser Fra- 68 02 // 2018

BERUF & KARRIERE Der gebürtige Rheinländer Matthias Schellenberg kam in Bad Honnef zur Welt. Der sportliche und weitgereiste Manager blickt bereits auf mehrere Jahrzehnte Berufserfahrung in der Finanzbranche zurück und hat unter anderem schon in New York, Frankfurt, Paris und Den Haag gelebt und gearbeitet. Seit Jahresbeginn 2017 ist er Vorstandsvorsitzender bei Merck Finck Privatbankiers AG und für die Bereiche Chief Investment Office, Global Markets, Personal und allgemeine Verwaltung, Marketing und Kommunikation sowie das Projekt Management Office verantwortlich. ge daher die Transparenz gegenüber dem Kunden sein, die sich als große Herausforderung erweist. Vor dem Hintergrund der neuen rechtlichen und technologischen Anforderungen von MiFID II auf der einen und den Herausforderungen der Digitalisierung auf der anderen Seite bleibe keine Zeit fürs Zurücklehnen. „Wir müssen die notwendigen Hausaufgaben machen – und zwar möglichst rasch und gewissenhaft“, sagt Schellenberg. Gerade vor dem Hintergrund der Regulierung werde der Konkurrenzkampf unter den Banken hart geführt. Schellenberg geht davon aus, dass die großen Universalbanken gezwungen sein werden, durch Standardisierung und Automatisierung weiter Kosten zu senken. Merck Finck habe auf diesem Gebiet bereits heute das eine oder andere gesteckte Ziel erreicht. Wenn die Kostenstrukturen in der Bankenlandschaft künftig starken Veränderungen unterliegen, dürfte dies nicht immer zum Vorteil der Kunden sein. Diese werden sich darauf einstellen müssen, dass sie für einige der – bisher als vermeintlichen Gratis-Service wahrgenommene – Dienstleistungen, die sich bei genauem Hinsehen indes als quersubventioniert herausstellen, künftig bezahlen müssen. Und so kommt in der Diskussion die Frage nach der digitalen Affinität von Bankkunden auf. Privatbanker zielen wohl vor allem auf die Zielgruppe der als vergleichsweise vermögend geltenden älteren Generation ab. Doch Schellenberg warnt vor Klischees. „Wir haben festgestellt, dass auch zahlreiche unserer älteren Kunden eine erstaunlich hohe digitale Affinität aufweisen.“ Viele ältere Kunden würden bereits moderne technologische Applikationen in der Vermögensverwaltung benutzen. Es gelte also für Banken, Beratungsdienstleistungen nicht nur durch persönlichen Kontakt, sondern auch auf digitalen Plattformen zu bieten. „Es wird eine enge Verzahnung von automatisierter digitalisierter und persönlicher Beratung erforderlich sein.“ Merck Finck wolle das bereits für Kunden mit einem verwalteten Vermögen von 1 Mio € anbieten. Schellenberg hat nicht nur Erfahrungen im Banking, sondern auch in der Assekuranz gemacht. In diesem Kontext sieht er die Entwicklung des Zinsniveaus mit großer Sorge. „Für Versicherungen und andere Kapitalsammelstellen ist das Niedrigzinsniveau eine wahre Katastrophe“, legt er den Finger in die offene Wunde. Allerdings rechnet er in absehbarer Zeit mit einer Zinswende. Dass er Fehler klar und deutlich anspricht, wird auch dort erkenntlich, wo er den gigantischen globalen Schuldenberg als ein großes Dilemma bezeichnet. Beim Thema Kryptowährungen schlägt er sich auf die Seite der meisten Banken, die die Entwicklung kritisch und die Erfolgschancen von Bitcoin und Co. skeptisch sehen. Der staatlich garantierte Schutz von Währungen wie Euro und Dollar ist bei den „Cryptos“ nicht gegeben. „Ich habe auch deshalb noch kein Vertrauen in den Kryptomarkt, weil dort keine Kontrollmechanismen existieren“, so seine Aussage. Und dann überrascht der CEO der 145 Jahre alten Privatbank: „Eine Abschaffung des Bargelds sehe ich auf absehbare Zeit nicht“, wirft er die These eines „Grundrechts auf Bargeld“ in die Diskussion. Auch beim Abwiegen der Vorteile von Aktiv- und Passiv-Investments bezieht er klar Stellung. In sehr effizienten Märkten hätten passive Strategien ihre Berechtigung, aber gerade in ineffizienten Märkten bestünden gute Möglichkeiten für aktives Management. Speziell in der Umsetzung sehr differenzierter Handelsstrategien im traditionellen Asset Management sieht er hier noch mehr Potenzial. Lob erhält Schellenberg nicht nur von der Konkurrenz, sondern auch von der Muttergesellschaft KBL epb, deren Vorstandschef Yves Stein betont, dass man in allen Ländern eine geschlossene und starke Führungsmannschaft benötige. „Mit Matthias Schellenberg haben wir den richtigen CEO für diese anspruchsvolle Aufgabe“, so Stein. Schellenberg hat sich aber auch den Respekt und das Vertrauen seiner Mitarbeiter erworben. „Matthias Schellenberg tut dem ganzen Haus gut“, sagt einer seiner Münchener Mitarbeiter und betont dabei expressis verbis, dass er diese Aussage uneingeschränkt auch in dessen Abwesenheit treffen würde. Sein Fachwissen und seine Persönlichkeit bringt der Banker auch im Rotary Club, als Mitglied des Vorstands der WHU Otto Beisheim School of Management sowie im Präsidium des Wirtschaftsbeirats Bayern ein. Autor Jonas Dowen ist als gelernter Ökonom und mit fast 40 Berufsjahren einer der profiliertesten deutschen Wirtschaftsjournalisten. Der Kolumnist und Autor ist für zahlreiche Zeitungen, Zeitschriften und Magazine im In- und Ausland tätig. 02 // 2018 69

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