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die bank 02 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE 31

BERUF & KARRIERE 31 Prozent der Befragten haben in der vergangenen Woche nicht mit ihrem Vorgesetzten gesprochen, im Durchschnitt sind es lediglich 25 Prozent. An dieser Stelle lohnt sich die Untersuchung der dahinterstehenden Gründe: Ist ein intensiverer Austausch aufgrund transparenter Abläufe und hoher Eigenverantwortung der Mitarbeiter nicht nötig? Oder neigen die Chefs dazu sich abzuschotten? Letzteres wird sich auf Dauer negativ auswirken. Gehaltsverhandlung per E-Mail? Nach einer Gehaltserhöhung würden lediglich 15 Prozent der Befragten per E-Mail fragen, hier liegt die Finanzbranche ungefähr im Durchschnitt. Quer durch alle Branchen zeigt sich, dass diese Vorgehensweise eher von jüngeren Mitarbeitern in Erwägung gezogen wird: 32 Prozent bei den unter 30-Jährigen stehen sieben Prozent der Mitarbeiter zwischen 50 und 60 Jahren gegenüber. Das weist auf die unterschiedlichen Gewohnheiten jüngerer und älterer Mitarbeiter hin, die eine Führungskraft auf jeden Fall berücksichtigen sollte. So ist die Frage nach mehr Gehalt per E-Mail aus der Sicht eines jüngeren Mitarbeiters keineswegs unverschämt, sondern vielmehr pragmatisch gedacht. Auch bei der Nutzung digitaler Netzwerke zeigen sich jüngere Mitarbeiter erwartungsgemäß aktiver. Bei den unter 40-Jährigen nutzen über 40 Prozent digitale Netzwerke zumindest gelegentlich beruflich. Bei den über 50-Jährigen sind es lediglich rund 20 Prozent. Auffällig ist an dieser Stelle auch: Führungskräfte sind dabei deutlich aktiver als Fachkräfte. Verändert haben die digitalen Möglichkeiten auch das Arbeitsverhalten. So arbeiten 43 Prozent der Beschäftigten von Banken und Versicherungen zumindest gelegentlich, wenn sie beruflich unterwegs sind, jeweils ein Drittel tut dies nach Feierabend oder an den Wochenenden und jeder Fünfte sogar im Urlaub. Und auch in diesem Punkt sind die Führungskräfte deutlich aktiver als die Fachkräfte. Unter den Angestellten mit Personalverantwortung arbeiten 65 Prozent auf Geschäftsreisen, jeder Zweite nach Feierabend und an den Wochenenden und jeder Dritte im Urlaub zumindest gelegentlich. Auch auf diese Zahlen lohnt ein differenzierter Blick. Einerseits ist Flexibilität erwünscht und hat eindeutige Vorteile gegenüber strikt begrenzten Arbeitszeiten – um etwa auch persönliche Dinge erledigen zu können oder die Kinderbetreuung besser zu organisieren. Andererseits muss bei solchen Regelungen auch gewährleistet bleiben, dass sich die Führungskräfte genügend Zeit zur Erholung und für ihr Privatleben nehmen. Nicht zuletzt, um ihre Arbeit langfristig effektiv verrichten zu können und auch Kraft und Zeit für innovative Lösungswege haben, die gerade im Zeitalter der Digitalisierung gefragt sind. Digital verdrängt analog Ebenfalls weist die Studie darauf hin, dass die Flut der Mails und Chatnachrichten die analoge Kommunikation zunehmend verdrängen wird. So zeigt ein Blick auf die jungen High Potentials das steigende und branchenübergreifend bestehende Risiko auf: Rund 50 Prozent der unter 30-Jährigen geben an, dass sie sich aufgrund der digitalen Kommunikationsmöglichkeiten seltener persönlich mit ihren Arbeitskollegen austauschen, 46 Prozent sprechen weniger mit ihren Mitarbeitern und 36 Prozent seltener mit ihrem Vorgesetzten. 66 02 // 2018

BERUF & KARRIERE Hier liegt vielleicht sogar der gefährlichste Stolperstein für die Unternehmen. Denn als wichtigstes Format, um an innovative Ideen zu kommen, nennen die befragten Fach- und Führungskräfte aus Banken und Versicherungen Meetings und gemeinsame Brainstormings, gefolgt vom schnellen Austausch auf dem Flur bzw. im Großraumbüro und – mit Abstand – dem „Alleine-vor-sich-hinbrüten“ (11 Prozent). Die Nutzung von Internetforen oder digitalen Innovationsplattformen, die das Unternehmen eigens zum Zweck der gemeinsamen Ideenfindung eingerichtet haben, wird mit einstelligen Prozentzahlen hingegen als kaum hilfreich eingeschätzt. Allerdings haben 44 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte aus der Finanzbranche im vergangenen Jahr auch nicht an einem analogen Format zur Ideenfindung – wie einem Abteilungsbrainstorming oder Innovationsworkshop – teilgenommen. Angesichts der großen Bedeutung von Innovationen ist das für Finanzunternehmen äußerst gefährlich. Schließlich müssen sie nicht zuletzt im Wettbewerb mit schnellen und innovativen FinTechs bestehen. Meetings: in der Finanzbranche besonders unbeliebt Auch die wichtigen analogen Treffen sind jedoch keine Selbstläufer, denn nur gut organisierte Meetings bringen die gewünschten Ergebnisse. Und um die Meeting-Qualität in der Finanzbranche scheint es sogar besonders schlecht bestellt zu sein. Hier geben fast drei Viertel der Befragten an, dass Meetings Zeitfresser sind, die ihre Arbeit unnötig unterbrechen. Über alle Branchen hinweg liegt die Zustimmung zu dieser Aussage bei 63 Prozent. Passend dazu erklären 65 Prozent der Beschäftigten aus Banken und Versicherungen, in Meetings würden nur selten konstruktive Ergebnisse erarbeitet. Mehr als jeder Zweite nimmt häufig an Meetings teil, die für seine Arbeit gar nicht relevant sind. Trotz dieser harschen Kritik sagen 58 Prozent, in Meetings seien schon viele guten Ideen erarbeitet worden. Und ebenfalls beachtlich: Über alle Wirtschaftszweige hinweg bezeichnen vor allem diejenigen Fachund Führungskräfte Meetings als hilfreich, die täglich oder mehrmals in der Woche daran teilnehmen. Effektivere Meetings erhoffen sich die befragten Finanzmitarbeiter vor allem von einer strikten Zeitbegrenzung, aber auch von klaren Kommunikationsregeln. Dies ist wichtig, damit innovative Ergebnisse erzielt werden, aber auch um die Kapazitäten von Fach- und Führungskräften nicht unnötig zu strapazieren. Im Durchschnitt machen die physischen Zusammentreffen rund 13 Prozent ihrer Arbeitszeit aus. Zusammenarbeit in Echtzeit 81 Prozent der befragten Fach- und Führungskräfte aus Finanzunternehmen glauben dennoch, ihr Unternehmen würde auch funktionieren, wenn alle Mitarbeiter an unterschiedlichen Orten arbeiten würden. Mit dieser positiven Einschätzung liegen sie deutlich über dem Branchendurchschnitt. Und tatsächlich gibt es auch für diese Organisationsform erste Vorbilder. Meist handelt es sich jedoch eher um kleinere Unternehmen, die trotz der unterschiedlichen Ar- beitsorte stark auf intensiven Austausch setzen – etwa in virtuellen Meetings oder bei regelmäßigen Vor-Ort-Treffen. Wichtig ist, dass die Mitarbeiter unmittelbar und in Echtzeit miteinander interagieren und nicht nur kurze Nachrichten versenden, klicken und liken. Denn auf diese Weise verpassen Unternehmen die Chance auf gründliches Nachdenken und Innovation. Und auch eine ganz konkrete Gefahr lauert in der zeitversetzten digitalen Kommunikation: 46 Prozent der Studienteilnehmer geben an, dass es aufgrund der verkürzten Nachrichten in E-Mails schon häufiger zu Missverständnissen gekommen ist. FAZIT Die Umfrage belegt, dass gerade Unternehmen in der Finanzbranche sich wieder stärker um eine erfolgreiche analoge Kommunikation bemühen sollten, statt permanent neue digitale Tools einzuführen. Eine Vorgehensweise übrigens, die im Silicon Valley bereits um sich gegriffen hat. Hier legen gerade hochinnovative Start-ups, die den klassischen Firmen in Sachen Digitalisierung weit voraus sind, extremen Wert auf die räumliche Nähe und den persönlichen Austausch unter ihrer Mitarbeitern. Autoren Laura Jacob ist Senior Manager im Bereich People Advisory Services bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH in Eschborn. Sie hat langjährige Erfahrung in Changeund Learning-Projekten mit Fokus auf dem Automobilvertrieb. Nelson Taapken ist der verantwortliche Partner für den Bereich People and Organizational Change bei der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young GmbH in Eschborn. Er verantwortet die Themen Change Management, HR Transformation sowie die Bereiche Führungskräfteentwicklung und Talent Management. 02 // 2018 67

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