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die bank 02 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 1 |

MANAGEMENT 1 | Zusammensetzung des Finanzvermögens von HNWI 2014-2016 100 % 90 % 80 % 70 % 60 % 50 % 13,5 % 13,0 % 15,7 % 26,6 % 25,6 % 23,5 % 18,7 % 17,6 % 17,9 % 40 % 30 % 20 % 10 % 16,4 % 24,8 % 16,9 % 18,0 % 26,8 % 24,8 % 0 % 2014 2015 2016 Die Anlageklasse „Real Estate“ umfasst Gewerbeimmobilien, REITs, Wohnimmobilien (ohne Eigentum), unentwickelte Liegenschaften, landwirtschaftliche Flächen etc. Equities Fixed Income Real Estate Cash/Deposits Alternative Investments Quelle: Capgemini World Wealth Report 2016, S. 19. In der Regel handelt es sich um erfolgreiche Unternehmer und ihre Familien, die den unternehmerischen Ansatz von Sozialunternehmern verstehen und sich damit identifizieren können. Der Großteil von ihnen ist schon seit längerer Zeit und oft über Generationen philanthropisch tätig. In Impact Investitionen wird vor allem eine Alternative oder Ergänzung zur Philanthropie und zum Spenden gesehen, die es ermöglicht, Kapital zu investieren und dadurch eine gewünschte positive Wirkung zu erzielen. Viele deutsche Impact Investoren sind Mitglied eines Social-Business-Angel-Netzwerks, zum Beispiel dem Ashoka Support Network oder Investoren des Social Venture Fund. Zudem engagieren sie sich oft aktiv als Business Angels für die Weiterentwicklung der von ihnen mit repräsentierten Organisationen. 4 Absolut betrachtet bleibt das Investmentvolumen der vermögenden privaten Investoren allerdings in der Breite überschaubar. Laut einer Studie der Universität Stuttgart im Auftrag der Bertelsmann Stiftung setzt sich derzeit nur ein kleiner Teil der vermögenden Privatpersonen in Deutschland mit dem Thema wirkungsorientiertes Investieren auseinander. Falls investiert wird, machen wirkungsorientierte Investitionen nur einen kleinen Teil des Vermögens aus, der eher als Ergänzung zum philanthropischen Engagement gesehen wird. Der jährliche Impact Investor Survey des GIIN und der Bank JP Morgan bietet sehr ausführliche Informationen zu diesem Marktsegment. Dabei wird deutlich, dass lediglich 3 Prozent des gesamten Anlagekapitals im Impact Investing Segment auf Family Offices bzw. auf vermögende Privatpersonen entfallen. Die befragten 208 Impact Investoren (Fondsmanager, Banken, Entwicklungsbanken, Stiftungen, Family Offices und Pensionsfonds) haben aktuell 114 Mrd. US-$ in Impact Investments gemäß der oben angeführten Definition getätigt. Die Renditeanforderungen der Investoren liegen tendenziell unter dem marktüblichen Niveau. ÿ 2 Die befragten Investoren legten 2016 insgesamt 22,1 Mrd. US-$ im Bereich Impact Investing an und beabsichtigten in 2017 eine Investitionserhöhung von etwa 17 Prozent auf 25,9 Mrd. US-$. Im Fokus stehen insbesondere Schwellenländer. 70 Prozent des in wirkungsorientierten Investitionen angelegten Vermögens fließen dort vor allem in die Bereiche Mikrofinanzierungen, Finanzdienstleistungen und Energie. Die häufigsten Investitionszwecke von Impact Investments sind die Refinanzierung von Mikrofinanzinstitutionen („Access to Finance“ für arme Zielgruppen), die Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum oder der Einsatz von umwelt- und ressourcenschonenden Technologien. Auch im deutschen Markt ist dies zu beobachten. Mehr Investoren legen Kapital wirkungsorientiert an, die Intermediäre verwalten größere Summen und arbeiten aktiv an einer Verbreiterung des Produktangebots, mehr wirkungsorientierte Organisationen suchen Wirkungskapital und sind auch bereit, dieses aufzunehmen, und die Marktinfrastruktur aus Beratern und Dienstleistern ist größer und diversifizierter als noch vor drei Jahren. Ein besonderes Interesse an Impact Investments ist innerhalb vermögender Privatinvestoren bei weiblichen und bei jüngeren Familienmitgliedern feststellbar, wie auch eine von der USSIF Foundation publizierte Studie über amerikanische Family Offices zum Thema Impact Investing belegt. Aktuelle Herausforderungen Für Impact Investoren gibt es inzwischen ein breites Marktangebot in verschiedenen Regionen und Sektoren sowie mit unterschiedlichen 24 02 // 2018

MANAGEMENT 2 | Renditeanforderungen an Impact Investments Privatinvestoren mit Interesse an Impact Investment ... ... und ihre Renditeansprüche. 43 % Deutlich unter der Marktrendite 16 % 23 % 17 % 13 % Leicht unter der Marktrendite 18 % 17 % 11 % 7 % 8 % 18-34 Jahre 35-50 Jahre 51-69 Jahre 70+ Jahre 66 % Marktrendite Im Besitz daran interessiert Quelle: Finanzierungsinstrumenten und Risiko-Rendite-Profilen. Ein Vergleich unterschiedlicher Angebote für potenzielle Impact Investoren ist aber nur bedingt möglich. Für alle Gruppen, ganz besonders für private Investoren, ist es aber eine notwendige Bedingung für die Durchführung von Investments, dass ein Mindestmaß an Marktransparenz gegeben ist, und dass die Wirkung des Investments nachvollzogen werden kann. Die Erhöhung der Markttransparenz und der Investmentmöglichkeiten ist daher ein wesentlicher Erfolgsfaktor, um die Allokation in Impact Investments zu erhöhen. Zudem gibt es für die Messung und den Nachweis der erreichten Wirkungen bisher keine einheitlichen Standards. Fehlende Daten, lange Wirkungsketten und komplexe Wirkungszusammenhänge erschweren die Erfassung zusätzlich. Seitens der G8-Staaten wurde vor diesem Hintergrund eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Messung der erzielten Wirkung zu standardisieren und zu verbessern. 5 FAZIT Impact Investing erschließt auch privates Investmentkapital zunehmend als neue Finanzierungsquelle. Für vermögende Privatpersonen wird diese alternative Investmentmöglichkeit zunehmend interessant, da das bislang bipolare Spannungsfeld zwischen Spenden bzw. philanthropischem Verhalten und Renditeorientierung ausgeglichen wird. Schließlich kann mit Impact Investments über grundsätzlich rendite-orientierte Investitionen eine gewünschte positive Wirkung erzielt werden. Aufgrund der Niedrigzinsphase findet auch bei Family Offices eine Umschichtung von Einlagen und festverzinslichen Wertpapieren zu Alternativen Investments statt. Hiervon profitieren auch Impact Investments, wie die steigenden Investitionsvolumen belegen. Auf Family Offices entfällt bisher nur ein kleiner Teil, und in Deutschland ist diese Investorengruppe noch überschaubar. Es besteht allerdings für die Zukunft ein erhebliches Potenzial und zudem ein großes Interesse an Impact Investments, insbesondere unter jüngeren vermögenden Privatpersonen und Familienmitgliedern, die perspektivisch in Führungspositionen aufrücken. Autoren Dr. Christoph Pitschke ist Leiter der Bereiche Immobilien und Beteiligungen der Deutsche Oppenheim Family Office AG. Davor war er als Manager für Immobilien- Spezialfonds tätig und hat die Immobilienberatung für Family Offices der Deutschen Oppenheim aufgebaut und geleitet. Dr. Thomas Rüschen ist Vorstandsvorsitzender der Deutsche Oppenheim Family Office AG. Davor war er seit 1990 in verschiedenen Funktionen innerhalb der Bereiche Corporate und Investment Banking sowie Asset Management für die Deutsche Bank tätig. 1 KFW Development Research, Impact Investing, Neues Geld für Entwicklung? 2 Vgl. World Economic Forum, Impact Investing, A Primer for Family Offices, S. 7. 3 Vgl. PWC 2014, „Assetmanagement 2020 A Brave New World“, S. 8. 4 Vgl. hierzu und im Folgenden Bertelsmann Stiftung, Social Impact Investment in Deutschland, S. 25. 5 Vgl. G8, Measuring Impact, Impact Measurement Working Group of the social Impact Investment Taskforce. 02 // 2018 25

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