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die bank 02 // 2018

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT PRIVATE EQUITY

MARKT PRIVATE EQUITY SCHWIMMT IM GELD Monster-Fonds suchen Übernahmeziele Für Beteiligungsgesellschaften war 2017 ein Jahr der Superlative. Doch die enormen Zuflüsse und günstigen Finanzierungsmöglichkeiten haben ihre Schattenseiten: Die Preise für Übernahmeziele sind hoch, und die einst so üppigen Renditen geraten unter Druck. Masayoshi Son liebt das Risiko. Seit mehr als drei Jahrzehnten investiert der Japaner in neue Technologien und ist weltweit einer der bedeutendsten Start-up- Investoren. Als einer der ersten war er im Jahr 2000 beim chinesischen E-Commerce-Riesen Alibaba dabei. Sein jüngster Coup war 2016 die Übernahme des britischen Softwareentwicklers ARM für 36 Mrd. US-$. Kurz danach schockte Son die Wagniskapitalbranche mit der Ankündigung eines 100 Mrd. US-$ schweren High-Tech-Fonds. Bei Geldgebern wie Apple, Qualcomm, dem Oracle-Gründer Larry Ellison und einem saudischen Staatsfonds sammelte sein „Softbank Vision Fund“ binnen weniger Monate direkt 93 Mrd. US-$ ein. Mit 25 Mrd. US-$ ist der im Juli 2017 geschlossene Apollo Investment Fund IX eine Nummer kleiner. Doch Softbank Vision und Apollo Investment sind die größten Private-Equity-Fonds, die die Welt jemals gesehen hat. Bis dahin hatte ein gut 20 Mrd. US-$ schwerer Blackstone-Fonds aus dem Jahr 2006 den Titel des Schwergewichtsmeisters gehalten. Und noch ein weiterer Fonds könnte sich neu auf die vorderen Plätze drängen: So strebt der staatseigene chinesische Capital Venture Investment Fund ein Volumen von 30 Mrd. US-$ an. Damit war 2017 ein Jahr der Superlative für die Private-Equity-Branche. Enorme Nachfrage nach Private- Equity-Investments „Am Fundraising zeigt sich die enorme Nachfrage, die Investoren derzeit an Private-Equity-Investments haben“, sagt Christopher Elvin vom Datenanbieter Preqin. Die Branche konnte bis zum Ende des Jahres so viele neue Anle- gegelder einsammeln wie nie zuvor. (Der Text basiert auf Zahlen aus dem 3. Quartal.) Der bisherige Rekord aus dem Jahr 2008 waren 708 Mrd. US-$. Dabei hat Private Equity harte Zeiten hinter sich. Vor der weltweiten Finanzkrise wurden die Beteiligungsgesellschaften häufig wegen ihrer hohen Zielrenditen kritisiert, für die die übernommenen Firmen nicht selten hohe Schulden aufnahmen und als Sonderdividenden auszahlten, um dann schnell weiterverkauft zu werden. In Deutschland führten solche Praktiken zu politischen Debatten und der Diffamierung der Akteure als „Heuschrecken“. In den Jahren danach gerieten sie wegen überteuerter Investments in den Jahren vor 2007 und nötiger Abschreibungen auf ihr Portfolio unter Druck. Diese Zeiten sind vorbei. Längst haben sich Beteiligungsgesellschaften als verlässliche Geldgeber etabliert, auch in Deutschland. So können sich inzwischen vier von fünf hiesigen Mittelständlern eine Beteiligung durch Finanzinvestoren vorstellen, wie eine aktuelle Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC ergab. Gleichzeitig haben Private-Equity-Gesellschaften ihre Altbestände abgebaut: „Deutlich weniger als zehn Prozent des Kapitals stecken noch in vollständig unrealisierten Deals, in die vor der Krise investiert wurde“, schreibt die Unternehmensberatung Bain & Company in ihrem Global Private Equity Report 2017. Die meisten dieser Investments wurden inzwischen zu Spitzenbewertungen verkauft. Fonds profitieren von Geldpolitik Besonders stark hat Private Equity in den vergangenen Jahren von der Geldpolitik der Notenbanken profitiert. Weil Beteiligungsgesellschaften zur Finanzierung von Unternehmenskäufen in großem Umfang auf Fremdkapital setzen, profitieren sie indirekt von jeder Zinssenkung. Gleichzeitig trieb das anhaltende Wirtschaftswachstum in den USA und in Teilen Europas die operativen Gewinne der Portfolio-Firmen in die Höhe. Auch deshalb weisen Fonds, die auf klassische Firmenbeteiligungen setzen (Buyout) laut Bain eine durchschnittliche Kapitalrendite (Internal Rate of Return) von mehr als 10 Prozent pro Jahr aus. Die Rendite des Top-Quartils erreicht rund 25 Prozent pro Jahr. Auch wenn die Renditen niedriger sind als vor Ausbruch der Finanzkrise – angesichts der mageren Alternativen fließt immer mehr Geld in die Anlageklasse. 2016 verwalteten die weltweit mehr als 4.700 Private-Equity-Gesellschaften insgesamt fast 2,5 Bio. US-$ an Investorengeldern, wie Preqin berichtet. Und diese Summe dürfte weiter steigen: Zuletzt meldeten einer Umfrage zufolge fast 60 Prozent aller Fondsmanager ein weiter ansteigendes Investoreninteresse. Vor allem in den entwickelten Märkten Asiens, Amerikas und Europas wächst der Appetit auf das Geschäft mit Firmenbeteiligungen. Zielrenditen geraten außer Reichweite Das stellt die Branche vor ein Problem. Denn für die Beteiligungsgesellschaften wird es zunehmend schwieriger, ihre Zielrenditen zu erwirtschaften. Grund sind die hohen Preise, die bei Firmenkäufen aktuell gezahlt werden müssen und die historisch niedrigen Zinsen. „Wenn der Preis bei größeren Transaktionen dem Zehn- bis Zwölffachen des EBITDA entspricht, ist es nur schwer vorstellbar, dass diese Unternehmen später zu einem noch höhe- 16 02 // 2018

MARKT ren Multiplikator weiterverkauft werden können“, warnt Rolf-Magnus Weddigen, Leiter der Praxisgruppe Private Equity bei Bain. „Umso wichtiger werden das Umsatzwachstum und die Margenverbesserung im Beteiligungsunternehmen selbst.“ Vor allem steigende Zinsen könnten die Kalkulation der Fonds gefährden. „Die Bewertungen sind auf sehr hohem Niveau“, bestätigt Jürgen von Wendorff, Vorstand der Beteiligungsgesellschaft Hannover Finanz. Neuinvestitionen müssten daher mit Augenmaß erfolgen. Umgekehrt sei das Umfeld derzeit hervorragend dazu geeignet, Beteiligungen zu verkaufen. Tatsächlich hat Hannover Finanz in den vergangenen beiden Jahren mehr Verkäufe als Käufe getätigt. Einem investierten Kapital von 348 Mio. € stehen mehr als 180 Mio. € an Investorengeldern gegenüber, die noch angelegt werden müssen. Dieser hohe Anteil an Dry Powder – also Liquidität – ist ein weltweites Phänomen. Laut Preqin sitzen Private-Equity-Firmen weltweit auf rund 1 Bio. US-$ ungenutztem Eigenkapital. Rund die Hälfte davon ist für Buyouts bereitgestellt. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs: „Zählt man das üblicherweise eingesetzte Fremdkapital hinzu, kommt man auf 1 bis 1,5 Bio. US-$, die ein Anlageziel im Buyout-Sektor suchen“, sagt Weddigen. 180 Mrd. US-$ für Europa In Europa ist das zur Verfügung stehende Kapital für klassische Firmenkäufe zuletzt überproportional angewachsen. „Zwischen Anfang 2016 und Mitte 2017 ist das Dry Powder für Buyouts global um etwa 20 Prozent jährlich gestiegen“, so Weddigen. „In Europa waren es rund 30 Prozent im gleichen Zeitraum.“ ÿ 1 Grund waren vor allem wachsende Mittelzuflüsse. Aktuell stehen Private-Equity-Fonds mit Europa-Fokus rund 180 Mrd. US-$ an Eigenkapital zur Verfügung. Und Deutschland steht auf der Wunschliste der Gesellschaften weit oben. Um einen Fuß in die Tür zu bekommen, lassen sich mehr Private-Equity-Häuser als früher auf Minderheitenbeteiligungen ein. So hat die schwedische EQT 2017 20 Prozent an dem Prothesenhersteller Otto Bock übernommen. Die Kaufsumme wird auf gut 600 Mio. € geschätzt. Zu den größten Investments im ersten Halbjahr 2017 zählten klassische Buyouts wie der Kauf von Concardis durch Advent International und Bain Capital sowie die Übernahme des Autozulieferers Formel D durch 3i. Für Schlagzeilen sorgten Bain Capital und Cinven, die gemeinsam 5 Mrd. € für den bis dahin börsennotierten Arzneimittelhersteller Stada zahlten. Stada-Übernahme sorgte für Schlagzeilen Damit gehört die Stada-Übernahme zu den weltweit größten Private-Equity-Deals, die 2017 abgeschlossen wurden. In ihrer Größe übertroffen wurde sie noch durch einige angekündigte Geschäfte: Dazu gehört die geplante Übernahme des norwegischen IT-Beraters Visma Consulting durch ein Investoren-Konsortium. Kostenpunkt: 5,3 Mrd. US-$. Der- 02 // 2018 17

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