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diebank 10 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE 1 | Das

BERUF & KARRIERE 1 | Das Wirtschaftswissen wächst zu langsam Im Vergleich zu 2015 hat sich das Wirtschaftswissen der jungen Leute leicht verbessert; weiterhin hat aber ein Drittel (sehr) geringe Kenntnisse. 2012 2015 2018 21 33 34 32 28 32 32 28 22 15 11 12 Sehr gute Kenntnisse Gute Kenntnisse Schlechte Kenntnisse Sehr schlechte Kenntnisse Quelle: Bankenverband/GfK, Jugendstudie 2018. ment beim Bankenverband. Die Entwicklung findet der Verband denn auch „besorgniserregend“. Gerade bei den ohnehin weniger finanzaffinen Bevölkerungsgruppen (Frauen, Ostdeutsche, einkommensschwache Haushalte) beobachten Experten einen überdurchschnittlichen Rückgang des Interesses. Die Spur des Geldes An Initiativen der Geldbranche, sei es privater Banken, Sparkassen, Volksbanken, deren Verbände, Bundesbank, Börsen ebenso wie privater Organisationen, kann es eigentlich nicht liegen, dass viele mit Begriffen wie Dividendenrendite, ETF, Schatzbriefe, Anlageklassen oder etwa Disagio rein gar nichts anfangen Mehr als drei Viertel aller Deutschen haben nach eigenem Empfinden einen sehr guten oder guten Überblick über ihre Einnahmen und Ausgaben. Laut einer Umfrage der Sparkassen-Finanzgruppe, für die auch Kunden anderer Banken befragt wurden, nutzt gut ein Viertel regelmäßig das klassische Haushaltsbuch. Fast jeder Fünfte kontrolliert seine Finanzen mit Computerprogrammen, 13 Prozent verwenden Online-Übersichten ihrer Bank und 6 Prozent Apps. Wichtigstes Motiv ist die Kontrolle der Finanzen. Aber auch veränderte Einkommenssituationen und die Planungen größerer Anschaffungen spielen eine Rolle. Dank des Budgetmanagements haben 39 Prozent der Nutzer ihr Konsumverhalten geändert. Jeweils etwa ein Drittel haben Rücklagen gebildet und können ihre finanziellen Belastungen besser über das Jahr verteilen. Weiter ergab die Studie, dass mit zunehmendem Alter die Sensibilität gegenüber dem Datenschutz wachse. Die Nutzer der digitalen Haushaltsbücher würden es vorziehen, die Daten selbst einzugeben und zu verwalten, statt sie automatisch durch eine Kontenschnittstelle einspeisen zu lassen. können. Das Angebot reicht von Lehrmaterialien für Lehrer, Planspielen für Schüler, Schülertagen bei der Bundesbank, Wettbewerben in den sozialen Medien, Vorträgen von Bankern, Jugendmagazinen über Radioserien und Webinare bis hin zu einer Hacker School. Warum ist es um die ökonomische Bildung trotzdem so schlecht bestellt? … gleichzeitig steigt die Überschuldung Wie stark hier Gefahr im Verzug ist, belegen jüngste Meldungen. Zum fünften Mal in Folge ist die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland gestiegen, berichtet zum Beispiel die Wirtschaftsauskunftei Creditreform, und sieht als Grund u. a. die vergleichsweise hohe Konsumfreudigkeit weiter Teile der Bevölkerung. Die Kauflust werde unter anderem durch hohe Tarifabschlüsse und einen stabilen Arbeitsmarkt getrieben. Für Aufsehen sorgte auch die Meldung, wonach immer mehr Menschen auf die Tafeln, die Bedürftige mit Lebensmitteln unterstützen, angewiesen seien. Zuletzt hätten 1,65 Millionen Deutsche die Ausgabestellen besucht, zehn Prozent mehr als ein Jahr zuvor, errechnete der Bundesverband Tafel Deutschland. 60 10 // 2019

BERUF & KARRIERE Fehlstunden in der Schule Wie die Jugend bei den Themen Wirtschaft, Finanzen und Geld tickt, erfragt der Bankenverband alle drei Jahre. Bei der jüngsten Studie (2018) sagten 71 Prozent der Jugendlichen und jungen Erwachsenen, dass sie in der Schule nicht viel bis gar nichts über Wirtschaft lernen bzw. gelernt haben. 84 Prozent würden sich mehr Informationen wünschen. Erwartet werden die Informationen vor allem von Schulen und Medien. Zwei Drittel fordern sogar die Einführung eines eigenen Schulfachs „Wirtschaft“. Diesen Schritt ist jetzt Nordrhein- Westfalen gegangen. Mit Beginn des neuen Schuljahrs führten die Gymnasien das Fach Wirtschaft als Pflichtfach ein. Haupt-, Real- und Gesamtschulen ziehen in einem Jahr nach. Lichtblick in der jüngsten Umfrage: Das Wirtschafts- und Finanzwissen hat sich gegenüber 2015 leicht verbessert. Sehr gute bis gute Kenntnisse haben immerhin 66 Prozent der Befragten (2015: 61 Prozent). Die Lücken sind aber nach wie vor groß. 82 Prozent können nicht sagen, wie hoch die aktuelle Inflationsrate ist, mehr als jeder Zweite weiß nicht, was „Rendite“ bedeutet. Für 67 Prozent ist die Börse eine Black Box. Für Julia Topar steht fest, dass finanzielle Bildung schon früh starten muss. Die Angebote an den Schulen hat die Interessenvertretung der privaten Finanzwirtschaft deshalb zuletzt verstärkt. Zu den neuen digitalen Formaten zählt das European Money Quiz, bei dem Schulklassen in ganz Europa gegeneinander antreten und ihr Finanzwissen unter Beweis stellen (siehe Kasten). Interaktiv und mit zahlreichen digitalen Elementen ausgestattet ist das neue Projekt „So geht Geld!“ für die Sekundarstufe I (Klassen 5 bis 10). Lehrer können sich Power-Point-Präsentationen mit detaillierten Leitfäden zu sechs verschiedenen Geldthemen, neutral und Lobbycontrol-konform aufbereitet, herunterladen. Zu bewährten Klassikern gehört das Planspiel „SCHULBANKER“, bei dem Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13 im Chefsessel einer Planspielbank Platz nehmen und die diversen Geschäftsbereiche steuern. 84.000 Jugendliche aus Deutschland und Europa sowie rund 7.500 Lehrer hätten in den vergangenen 20 Jahren teilgenommen, sagt Topar. Das Nadelöhr sei aber die Lehrerschaft. Denn sie müsse die Inhalte den Schülern zugänglich machen. Die Vermittlung von Wissen aus den Bereichen Geld, Währung und Zentralbank hat sich auch die Deutsche Bundesbank zum Ziel gesetzt. Präsident Jens Weidmann trifft beispielsweise Mitte Dezember 2019 zum fünften Mal Schülergruppen der Sekundarstufe II, um Fragen zum Eurosystem und der Arbeit der Bundesbank zu beantworten. An Schüler der Primarstufe richten sich die Arbeitsmaterialien zum Euro mit Spiel- und Rechengeld sowie seit 2015 das von der Bundesbank begleitete hr2-Kinderfunkkolleg „Kohle, Cash und Pinkepinke“. Mit Büchern bzw. Medienpaketen für alle Altersgruppen und Schulstufen halte die Bundesbank ein breites Angebot bereit, sagt Dr. Andreas Kaun, der den Bereich Ökonomische Bildung verantwortet und für das Geldmuseum zuständig ist (siehe Kasten). Bei der Deutschen Bank in Frankfurt setzt Suzana Schäfer Projekte zur Förderung der finanziellen Allgemeinbildung um. „Schülern fehlt elementares Wissen. Finanzen sind kein positiv besetztes Lifestyle-Thema, kommen zudem in den Lehrplänen der meisten Schulen gar nicht vor“, beobachtet die Expertin. Die Lehrformate hätten auch häufig mit der digitalen Lebenswelt der Schüler nichts gemein. Das will die Deutsche Bank mit dem 2018 gestarteten Wettbewerb „FinanzTuber“ besser machen. Dessen Teilnehmer erstellen Clips über Geld- und Finanzthemen – von Schülern für Schüler. Mit YouTube setzt die Bank dabei auf ein Medium, das laut einer Studie des Rats für Kulturelle Bildung immerhin 86 Prozent der 12- bis 19-Jährigen nutzen. Die Videoplattform sei nicht nur hipp und kurzweilig, sondern entscheide auch maßgeblich, „worüber die Kinder in der Schule reden, welche Nachrichten sie konsumieren und welche Themen sie bewegen“, so Schäfer. Finanzexperten des Instituts unterstützen die Teilnehmer bei der Entwicklung ihrer Storyboards. Zudem hat Schäfer das gemeinsam mit dem Bankenverband entwickelte Projekt „So geht Geld!“ für das eigene Haus um weitere drei Module für den Einsatz in der Sekundarstufe II ergänzt. „Sind Sie schon PSD2-ready?“ fragt die Commerzbank auf YouTube und erklärt in 90 Sekunden, wie sich die neuen Regelungen im Zahlungsverkehr auf Privat- und Firmenkunden auswirken. Jana Kubach, Leiterin der Niederlassung Berlin-City West, unterstreicht ebenfalls die Bedeutung zeitgemäßer Medien für die Vermittlung verständlicher Tutorials über Finanzwissen. Zeitgleich setzt die Bank auf den direkten Kontakt zu jungen Menschen, etwa beim Zukunftstag der Initiative für wirtschaftliche Jugendbildung e.V., die in Schulen praktisches Wissen lehrt. Oder bei der von ihr unterstützten Bildungsinitiative „Business@School“ der Boston Consulting Group, an der jährlich 90 Gymnasien aus Deutschland, Europa und den USA mit rund 1.500 Schülern teilnehmen und zehn Monate lang Wirtschaftswissen, Schlüsselqualifikationen und Gründer-Know-how für das Leben nach der Schule erwerben. „Die Nachfrage an den Schulen wächst“, beobachtet Kubach. Wissen und praktische Erfahrungen seien dort oftmals nicht vorhanden, weshalb man sich gern unterstützen lasse. Auch die Erwachsenen hat die Commerzbank im Blick und startete zum Beispiel eine neue „Baufi- App“, mit der potenzielle Immobilienbesitzer u. a. unkompliziert ermitteln können sollen, wieviel Immobilie sie für ihr Geld bekommen. 10 // 2019 61

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