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diebank 10 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 2 |

MANAGEMENT 2 | TCFD-Beratungsleistungen für mittelständische Finanzinstitute Case Study, AN = Anbieter, n = 13 aus 50; Stand der Daten: Juni 2019 90,0 70,0 Score der Nutzwertanalyse (%) 50,0 30,0 10,0 - 10,0 AN A AN B AN C AN D AN F AN G AN H AN I AN J AN K AN L AN M AN N - 30,0 Anbieterscore aus Desk Research (%, linear) Anbieterscore nach Projektanalyse (%, gewichtet) Quelle: ecofin (2019). Case Study zur TCFD-Beratungsleistung Mitte 2019 umfasste der Kreis der Anbieter von Beratungsleistungen im Kontext der TCFD für Finanzinstitute in den DACH-Staaten mindestens 50 Organisationen oder Unternehmen. Wissenschaftliche Institute oder Rating- und Kommunikationsagenturen zählen ebenso hierzu wie Indexanbieter, spezialisierte Nachhaltigkeits- und Ingenieurberatungen, etablierte Häuser aus der Managementberatung und Wirtschaftsprüfung sowie Verbände. Darüber hinaus arbeitet eine signifikante Zahl weiterer Akteure an möglichen Beratungsofferten, sodass das Angebot noch wachsen dürfte. Für kleinere oder mittlere Finanzinstitute reduziert sich die Zahl relevanter Beratungsangebote deutlich. Eingrenzende Faktoren können u. a. ein fehlender Standort von Anbietern in DACH-Staaten, ein Mangel an deutschsprachigem Beratungspersonal, die inhaltliche Spezialisierung von Beratungsleistungen oder eine fehlende Skalierbarkeit von Leistungspaketen für kleinere Unternehmensgrößen sein. Auch die der Marktdynamik geschuldete Auslastung einiger Anbieter kann ein Grund dafür sein, warum Berater derzeit neue Mandate nur bedingt übernehmen. Für Finanzinstitute sind Beschaffungsprozesse von TCFD-Beratungsleistungen daher sowohl mit Blick auf die Anforderungen zugrunde liegender Pflichtenhefte als auch auf die Beraterverfügbarkeit und Projektbudgetierung anspruchsvoll. Die Fallstudie verwendet Marktdaten von Anbietern, um die Schritte der Lieferantenauswahl, -analyse und -eingrenzung sowie Ausschreibung im traditionellen Beschaffungsprozess zu unterstützen. Ziel ist, die Leistungsvoraussetzungen möglicher Berater früh mit Blick auf den Bedarf eines Finanzinstituts zu prüfen und eine anschließende Ausschreibung zeit- und marktnah abzuschließen. Ferner soll die Ausrichtung des Beratungsprojekts durch einen iterativen Prozess noch vor Beginn der Ausschreibung fachlich fokussiert werden. Der Beurteilung liegt u. a. eine Nutzwertanalyse zugrunde. Sie berücksichtigt 30 Indikatoren, die neben Aspekten der sektorbezogenen Beraterqualifikation und -er- 24 10 // 2019

MANAGEMENT fordert Zeit, die aufgrund drängender Handlungsnotwendigkeiten zu Risikomanagement oder Compliance nur bei Early Movern gegeben sein dürfte. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum der Ruf nach externer Unterstützung gerade zur TCFD häufig zu hören ist, aber gleichzeitig nicht immer kurzfristig und zielgenau gedeckt werden kann. Gerade mittlere und vor allem kleinere Finanzinstitute stoßen rasch an Grenzen. Ein auf Klimaschutzfragen spezialisierter Nachhaltigkeitsbe- rater kommentiert dazu pointiert, dass er angesichts der Vielzahl der Anfragen gar nicht mehr wisse, an wen er die Arbeit verteilen solle. Dass es Unternehmen dennoch gelingen kann, durch ein strukturiertes und agiles Herangehen bereits im Beschaffungsprozess effizient eine passgenaue Beratungsunterstützung zu akquirieren, zeigt die Fallstudie (siehe Kasten). Traditionelles Beschaffungsmanagement wird so immer stärker zur Grundlage eines strategierelevanten Wertschöpfungsmanagements. FAZIT fahrung auch Gesichtspunkte der Datenverfügbarkeit sowie der Nachhaltigkeitsperformance eines Anbieters enthalten. Im modellierten Anwendungsfall reduziert das Scoring auf Basis verfügbarer Marktdaten des Desk Research („Papierform“) die Zahl möglicher Anbieter auf 13. Durch Gewichtung einzelner Aspekte mit direktem Bezug zum angestrebten Beratungsmandat würden sich vier Organisationen oder Unternehmen für eine Ausschreibung empfehlen: Das sind die Anbieter A bis D. Zusammenfassend und mit allgemeiner Relevanz für den Markt liefert die Datenanalyse mehrere Findings: Es zeigt sich, dass die TCFD-Empfehlungen als nachhaltiges Trendthema der Beratungsbranche breit kommuniziert werden. Einige Anbieter besitzen dabei klare Leistungsschwerpunkte und können, unbenommen ihrer Beratungsqualität, nur bei bestimmten Projektarten punkten. Bestätigt wird die schon im Text genannte Herausforderung, Nachhaltigkeitsberatung für kleine und mittlere Finanzinstitute am deutschsprachigen Markt bereitzustellen. Durch eine gezielte Präqualifikation kann dem Manko der Intransparenz des Markts begegnet und die Auswahl möglicher Anbieter bereits in einem frühen Projektschritt ergebnisorientiert eingegrenzt werden. Die Ergebnisse sind dabei weitgehend unternehmensindividuell. Sie würden für einen anderen Modellfall von den hier dargestellten Resultaten abweichen. Die Detailanalyse lässt erkennen, dass Nachhaltigkeitsthemen als multidisziplinäre Beratungsprojekte auch anbieterseitig internes Kommunikationspotenzial besitzen. Einige international oder industriebezogen aufgestellte Beratungen haben Mühe, Leistungsangebote mit konkreten Daten oder Ansprechpersonen zu unterlegen. Dies sollte die Branche zum Handeln einladen, denn Kommunikation ist nicht nur im Beratungsprojekt selbst ein wesentliches Erfolgskriterium. Sie wird auch im Vorfeld einer Projektvergabe von Auftraggebern hoch gewichtet. Nachhaltigkeit wird als Gestaltungselement von Geschäftsmodellen die Finanzbranche in ihrer Breite erreichen. Es ist nicht mehr eine Frage des „Ob“, sondern des „Wie“. In welche Richtung das „Wie“ gehen könnte, zeigte kürzlich der dritte Sustainable-Finance-Gipfel Deutschland in Frankfurt. BaFin, Bundespolitik und EU sind mitten in ihrem Warming-up. Binnen 24 Monaten werden Leitlinien zur Nachhaltigkeit in verschiedener Form den Markt prägen. Das Thema Klimaschutz zeigt hierzu exemplarisch, dass es Finanzinstituten oft leichter fällt, Anpassungsbedarf mit externer Unterstützung zu adressieren. Einkaufsabteilungen kommt im Nachhaltigkeitskontext dabei ein erweitertes Rollenverständnis zu. Beschaffung muss nicht neu gedacht werden. Aber ein positiv kritischer Blick auf die einzelnen Einkaufsschritte hilft, in einem heterogenen und nur bedingt transparenten Markt die fachlich und unternehmenskulturell passende externe Unterstützung zu finden. Autoren Dr. Markus Scholand arbeitet als Wissens- und Innovationsmanager für den ecofin Verbund, Meschede. Elke Bredl führt die auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Qualitätsberatung eKonzept Bredl, München. Interessierte Leser können von der Redaktion eine Literaturliste zu diesem Beitrag erhalten. 10 // 2019 25

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