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diebank 09 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 1 |

MANAGEMENT 1 | Erweitertes Szenario- und Stresstesting-Framework Annahme für Standard-Szenarien (baseline, adverse, etc.) Makroökonomischer Szenario-Generator Stresstesting-Modelle Covid-19-Szenario-Modul Klima-Stress-Szenario-Modul Weitere ESG-Szenario-Module Komponenten des etablierten Stresstesting-Frameworks Zusätzliche, vorgelagerte Module Quelle: True North Partners. aber auch geänderten Daten neu kalibriert werden können. Der Vorteil eines modularen Aufbaus liegt dabei auf der Hand: Sofern die vorgelagerten Modelle Größen prognostizieren, die ihrerseits direkt als Input für makroökonomische Szenarien verwendet werden können, muss die bereits etablierte Stresstesting-Methodik- und -Infrastruktur nicht ad hoc überarbeitet und somit destabilisiert werden. So können neue Gemengelagen zunächst ohne größere Eingriffe in bestehende Prozesse aufgenommen und deren Auswirkung auf die Portfolios zeitnah analysiert werden. ÿ 1 Eine weitere strukturelle Gemeinsamkeit besteht darin, dass auch bei Pandemierisiken zwischen „physischen“ Risiken – dem Infektionsgeschehen – und „transitorischen“ Risiken – den gesundheitspolitischen Gegenmaßnahmen und dem Grad der Unterstützung der Maßnahmen in der Bevölkerung – unterschieden werden kann. Auch hier ergeben sich unterschiedliche Szenarien aus der Kombination von Ausbreitung und Schwere der Erkrankung einerseits sowie politisch angeordneten Gegenmaßnahmen, wie einem Lockdown, andererseits. Doch hier enden die strukturellen Gemeinsamkeiten. Besondere Herausforderungen der Klima-Stresstests Bei der Gestaltung der Klima-Stresstests ergeben sich einige besondere methodische Herausforderungen. 1. Für Klimarisiken ist auf deutlich längere Zeiträume als in derzeit üblichen Stresstests abzustellen, da sich diese Art von Risiken im Wesentlichen sehr viel schleichender und nicht als plötzlich auftretender Schock auswirken. Ein Betrachtungshorizont von einem Jahr wird in den allermeisten Fällen entsprechend wenig erkenntnisreiche Einsichten hervorbringen können. Einige Regulatoren sehen hier Szenarien vor, die sich über mehrere Dekaden erstrecken. 1 2. Bei derartig langen Vorhersagehorizonten stellt sich auch die Frage nach dem Anwendungsobjekt des Stresstests. So ist davon auszugehen, dass sich nicht nur die Umweltbedingungen, sondern auch die Bilanzstrukturen der Bankinstitute während der Laufzeit der Stress-Szenarien deutlich verändern werden, was allein schon durch die – in Vergleich mit den Laufzeiten der Stress-Szenarien – teilweise kürzeren Fristigkeiten der Aktiva und Passiva bedingt ist. Hier stellt sich die Frage, ob die aktuelle Bankbilanz während des Zeithorizonts eines Stresstests fortgeschrieben (Option 1) oder konstant gehalten wird (Option 2). 3. Die mit dem Klimawandel in Verbindung gebrachten Risiken, sowohl die physischen als auch die transitorischen, sind in dem Sinn neu, als dass keine historischen Szenarien zum Vergleich herangezogen werden können. Daher sind die verschiedenen Faktoren und ihre möglichen Einflüsse auf Sektoren und Kreditportfolios zukunftsgerichtet ein- und abzuschätzen und entsprechend zu modellieren. 2 Um dieser Herausforderung adäquat begegnen zu können ist, wie bereits dargelegt, ein breiteres methodisches Instrumentarium erforderlich, das im besten Fall auch interdisziplinäre Elemente aus entsprechenden Umwelt- und Sozialwissenschaften enthält und oftmals eher auf Expertenschätzung und fundierten Annahmen basieren muss. 3 Hier gilt es jedoch, im Vergleich über die globale Bankenbranche hinweg einen „Wildwuchs“ der Klima-Szenarien zu vermeiden. D. h. es sollte hinreichende Einheitlichkeit hinsichtlich der Ausgestaltung der Szenarien geschaffen werden. 4. Die konkreten Auswirkungen der in den Szenarien jeweils angenommenen physischen und transitorischen Risiken auf Unternehmen, Haushalte, Finanzierungsobjekte und Finanzinstrumente unterliegen sehr individuellen Bedingungen und können sehr unterschiedlich sein. Daher werden die Stresstests Einzelanalysen solcher Unternehmen etc. einschließen müssen. Hieraus ergibt sich nicht nur eine Aufwandsproblematik, sondern auch eine Problematik hinsichtlich Daten- und Informationsverfügbarkeit, da solche Daten (z. B. CO2-Ausstoß) in der Vergangenheit für viele der betrachteten Einheiten (Unternehmen, Haushalte, Immobilien) nicht erfasst wurden. 52 09 // 2020

MANAGEMENT 2 | Illustrative Szenario-Entwicklungen Carbon price Early policy action Late policy action No additional policy action x Late policy action No additional policy action Early policy action x No additional policy action Early policy action Late policy action Time Time Time Quelle: Bank of England: „Discussion Paper. The 2021 Biennial exploratory Scenario on the Financial Risks from Climate Change”; December 2019. 5. Aufgrund der Wechselwirkungen zwischen Klimaänderungsdynamik, ordnungspolitischen Maßnahmen, global unterschiedlichen Voraussetzungen und Standards sowie den Auswirkungen nicht vorhersehbarer Technologiesprünge ist es wahrscheinlich, dass sich die Szenarien nicht so glatt und linear entwickeln, wie derzeit bisweilen unterstellt. ÿ 2 Die Szenarien müssen daher aufgrund neuer Erkenntnisse häufiger überprüft und gegebenenfalls adjustiert werden, was einerseits den Aufwand erhöht, gleichzeitig aber auch nach methodischen Ansätzen und flexiblen Infrastrukturen verlangt, um solche Überarbeitungen effizient durchführen zu können. Lösungsansätze Eine etablierte und erprobte Vorgehensweise gibt es derzeit nicht. Aufsicht und Bankenindustrie befinden sich in Konsultationen darüber und damit erst am Anfang der Entwicklung zu einer solchen. Dennoch drängt die Zeit; Banken müssen sich mit den Vorbereitungen beschäftigen und überlegen, wie sie die zahlreichen Herausforderungen annehmen wollen. Die Frage, ob und wie die genannten Herausforderungen gelöst werden können, hängt entscheidend vom Ziel der Stresstests ab. Ginge es darum, zentrale KPIs der Banksteuerung unter verschiedenen Szenarien möglichst genau vorherzusagen, wäre das für derart lange Zeiträume illusorisch. Dies ist jedoch aus regulatorischer Sicht nicht das Ziel. Vielmehr geht es darum, durch die Stresstests ein Verständnis dafür zu gewinnen, auf welche Weise und in welchem Maß das Geschäftsmodell einer Bank durch den Klimawandel affiziert werden kann. Gemäß EZB (und anderer Regulatoren) geht es darum, zu verstehen, Z „how the institution might be affected by physical and transition risk; Z how climate-related and environmental risks might evolve under various scenarios, ...; Z how climate-related environmental risks might materialise in the short, medium and long-term depending on the scenarios considered”. 4 Primäres Ziel ist also ein Verständnisgewinn, sekundäres Ziel ist die Ableitung von Steuerungshandlungen. Diese Zielsetzung ermöglicht es, langfristige Szenarien zu analysieren und daraus zugleich kurz- bis mittelfristig gültige Erkenntnisse zu gewinnen. Somit ist es auch folgerichtig, wie die Bank of England vorschlägt, als Anwendungsobjekt der Stresstests die jeweils aktuelle Bilanz zu verwenden, ohne diese über den Zeithorizont der Stresstests fortzuschreiben. 5 Die Ergebnisse der Stresstests zeigen dann, wie sich der Klimawandel (unter verschiedenen Szenarien) auf die Bank auswirken würde, wenn an der Struktur der aktuellen Bilanz in der Zukunft festgehalten würde. Die Definition der Szenarien muss von regulatorischer Seite vorgegeben werden, und zwar in einer Granularität, die den einzelnen Instituten nur noch die Aufgabe überlässt, diese auf die geografische Verteilung ihres Portfolios zu übertragen und so die jeweils notwendige regionale Anbindung herzustellen. Darüber hinaus müssen sich die festgelegten Szenarien auf allgemein akzeptierte wissenschaftliche Erkenntnisse und Modelle beziehen. Nur so können Plausibilität, Akzeptanz und „Buy-in“ der Institute sichergestellt werden. Aus diesem Grund sind einige Regulatoren derzeit auch schon mit der Ausarbeitung detaillierter Szenario-Vorgaben befasst. Die wesentliche Leistung der Banken besteht darin, die Auswirkungen der Szenarien auf ihr jeweiliges Portfolio zu simulieren. Dabei ist a priori klar, dass dies nicht für jeden Kreditnehmer, für jedes Finanzierungsobjekt und für jedes Finanzinstrument einzeln erfolgen kann. Dies ist aber auch nicht notwendig. Methodisch kann hier auf eine Kombination aus „Bottom-up“- und „Top-down“-Vorgehen zurückgegriffen werden, das im ersten Schritt ein Clustering in – aus Sicht der Klimarisiken – homogene Risikocluster erfordert (z. B. Unternehmen der Branche XYZ). Im zweiten Schritt erfolgt eine Auswahl einer hinreichend großen Stichprobe jedes Clusters und eine auf die Elemente dieser Stichprobe bezogene Einzelanalyse. Der dritte Schritt besteht dann aus einer Extrapolation der Ergebnisse auf alle Elemente des jeweiligen Clusters. Der vierte Schritt besteht schließlich in der Aggregation der erzielten Resultate auf 09 // 2020 53

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