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diebank 09 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MARKT auch tatsächlich

MARKT auch tatsächlich sind. Angemerkt sei, dass das Gleiche auch für die Sparkassen und genossenschaftlichen Institute gelten dürfte. 2 2. Der Bank Lending Survey der Europäischen Zentralbank zeigt allerdings auch eine Verschärfung der Kreditvergabestandards der Banken. 3 Hierzu ist anzumerken, dass der Boom der Vorjahre zunehmend zu einer Aufweichung der Standards geführt hatte. Insofern handelt es sich hierbei um eine seit langem erwartete Korrektur in Richtung auf ein Normalniveau, nicht etwa um einen Frühwarnindikator für eine Kreditklemme. 3. Die Bundesbankstatistik zeigt über alle Kreditinstitutsgruppen hinweg eine Ausweitung der Kreditvergabe an inländische Unternehmen und wirtschaftlich selbständige. Das gilt nicht nur für Kreditbanken und Großbanken, Sparkassen und Kreditgenossenschaften, sondern auch für die Zweigstellen der Auslandsbanken. 4 Fazit ist, dass derzeit die Liquiditätsversorgung deutscher Unternehmen durch konzertiertes und besonnenes Verhalten von Staat, KfW und Kreditinstituten insgesamt, wenngleich sicher nicht in jedem Einzelfall, gesichert sein dürfte. Aus Unternehmenssicht gilt es nach Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit nun, einen strategischen Blick auf die zukünftige Finanzierung des Unternehmens zu werfen. Letztlich werden mit den kreditbasierten Liquiditätshilfen im wesentlichen Verluste finanziert. Das kann nur vorübergehend eine Lösung sein. Unklar ist dabei, mit welchem Umfeld mittelständische Unternehmen bei ihrer Finanzierung in Zukunft rechnen müssen. Auch aus Bankensicht stellt sich die Frage, welche Konsequenzen Corona für die zukünftige Unternehmensfinanzierung haben könnte. Naturgemäß kann hierzu keine Empirie vorliegen, da Krisen und insbesondere Pandemien in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder Strukturbrüche herbeigeführt haben. Aus der Vergangenheit kann daher kaum auf die Zukunft geschlossen werden. Dennoch sei der Versuch unternommen, einen Blick auf eine mögliche Weiterentwicklung der Finanzierung mittelständischer Familienunternehmen in Deutschland nach der Bewältigung der Corona-Krise zu werfen: 1. Die aktuelle Verlustfinanzierung über Liquiditätshilfen in Kreditform dürfte die Eigenkapitalausstattung in Mitleidenschaft ziehen, während die Verschuldung steigt, ohne dass inkrementelle operative Ergebnisse geschaffen werden. Kreditgeschäft an den Mittelstand dürfte daher mit einem viel höheren Anteil an Subinvestment-Grade- Krediten einhergehen als bislang. Das höhere Risikoprofil der Kredite dürfte die Bedeutung nachhaltiger, vertrauensvoller Beziehungen zu den finanzierenden Hausbanken stärken. 2. Private Equity könnte – um der verringerten Eigenkapitalausstattung zu begegnen – an Bedeutung gewinnen. Dem steht allerdings die traditionelle Zurückhaltung mittelständischer Familienunternehmen bei der Aufnahme familienfremder Gesellschafter entgegen, insbesondere wenn es, wie bei Private Equity regelmäßig der Fall, um die Einräumung nennenswerter Mitspracherechte geht. Insofern darf vermutet werden, dass die Einbeziehung von Private Equity in die Finanzierungsstrategie in mittelständischen Familienunternehmen auch in Zukunft nur als Ultima Ratio in Erwägung gezogen wird. Das aber dürfte häufiger vorkommen als bislang. 26 09 // 2020

MARKT FAZIT 3. Die Wertschöpfungskette der Kreditinstitute im Firmenkundengeschäft dürfte beim Cross Sell weiter unter Druck stehen – zu groß ist doch die Versuchung für Unternehmen, Banken nicht nur in den Wettbewerb untereinander, sondern auch mit bankfremden Anbietern zu stellen, um so die Kosten für Finanzdienstleistungen weiter zu senken. Allerdings stärkt eine Kreditvergabe im Subinvestment Grade in aller Regel die Verhandlungsposition der Bank, da der Wettbewerb unter den finanzierenden Banken meist mit sich verschlechterndem Rating etwas abnimmt und die Bedeutung der Hausbankbeziehung zunimmt. 4. Anders als in der Finanzmarktkrise, als sich Auslandsbanken auf breiter Front aus Deutschland und damit auch aus der Finanzierung mittelständischer Familienunternehmen zurückgezogen haben, ist „post-Corona“ eine differenzierte Entwicklung zu erwarten. Grundsätzlich dürften der Trend und die Versuchung, sich als Bank bei einer konjunkturellen Eintrübung auf seinen Heimatmarkt zurückzuziehen, unverändert bestehen. Dort ist man gesellschaftlich verankert und steht unter Umständen auch unter politischem Druck, die lokale Wirtschaft zu stützen. Umgekehrt kann man dort auch Unterstützung durch Zentralbank, Regulatoren und Politik erwarten. Allerdings dürfte sich seit der Finanzmarktkrise die Definition des Heimatmarkts für viele Kreditinstitute geändert haben, nehmen doch viele europäische Banken hierbei nicht nur ihr Heimatland, sondern zumindest die Eurozone in den „Post-Corona“ dürfte die Finanzierung mittelständischer Familienunternehmen einen deutlich höheren Anteil an Subinvestment-Grade-Finanzierungen aufweisen als bislang. Das fordert die Risikobereitschaft der finanzierenden Institute heraus, dürfte aber gleichzeitig die Verhandlungsposition der Banken bei Geschäftszuweisung und Bepreisung von Cross Sell verbessern. Insgesamt aber dürfte der Markt für die Finanzierung mittelständischer Unternehmen im Deutschland weiter sehr kompetitiv bleiben, auch weil zu erwarten ist, dass mehr und mehr Auslandsbanken aus der Eurozone Deutschland als Heimatmarkt begreifen und sich in der Krise nicht wie früher zurückziehen. Der Wettbewerb dürfte also zum Wohl der Unternehmen hoch bleiben. Eine Kreditklemme ist nicht in Sicht. Unabhängige Beratung auch bei Finanzierungsfragen dürfte als Trend nicht verschwinden, zum einem weil sie bereits oftmals als Standard in die Governance-Grundsätze mittelständischer Familienunternehmen Eingang gefunden hat, zum anderen weil in der Zeit nach der Krise der Beratungsbedarf deutlich ansteigen dürfte. Für mittelständische Familienunternehmen dürfte sich weiter eine Situation guter Verfügbarkeit von Finanzierungsmitteln zu akzeptablen Preisen sowohl auf dem Kredit- als auch dem Kapitalmarkt ergeben. Gleichwohl ist eine Überprüfung der strategischen Ausrichtung der Finanzierungsstruktur sicher in vielen Fällen empfehlenswert. Blick. Insofern steht zu erwarten, dass Auslandsbanken aus der Eurozone in Deutschland weitaus stabilere Finanzierungspartner sind als der Durchschnitt aller Auslandsbanken. Erste Marktbeobachtungen in der Corona-Krise untermauern das bereits. 5. Zweifelsohne erfordern die konjunkturelle Eintrübung sowie die Belastungen für die finanzielle Stabilität der Unternehmen durch die Corona-Krise eine grundlegende Überprüfung des strategischen Finanzierungsmixes nach Instrumenten – also z. B. Kredit- versus Kapitalmarkt, bilateraler versus syndizierter Kredit sowie nach Laufzeiten. Auch die Auswahl verlässlicher Financiers sowohl für die Finanzierung der Muttergesellschaft als auch für die Begleitung von Tochtergesellschaften im Ausland dürfte noch einmal an Bedeutung gewinnen. Autor Dr. Michael Schleef ist Lehrbeauftragter an der Frankfurt School of Finance & Management und der Nordakademie Graduate School, Hamburg. Er hat 30 Jahre Erfahrung im Firmenkundengeschäft mit mittelständischen Unternehmen. 1 Michael C. Jensen, William H. Meckling, Theory of the Firm: Managerial Behavior, Agency Costs and Ownership Structure. In: Jounal of Financial Economics, Vol. 3 (1976), S. 305-360. 2 Bundesverband Deutscher Banken e.V. (Hrsg.), Bericht zur Lage der Unternehmensfinanzierung vom 2. Juni 2020. Berlin 2020, S. 5. 3 European Central Bank (Hrsg.), Euro Area Bank Lending Survey vom 28. April 2020. 4 Bundesverband Deutscher Banken e.V. (Hrsg) (2020), S. 9 und Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Monatsbericht Mai 2020, 72. Jg. (2020), Nr. 5. 09 // 2020 27

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