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diebank 09 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

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DIGITALISIERUNG 2 | Bain-Corporate-Banking-Index: Erträge und Profitabilität im Corporate Banking sinken stufenweise 200 180 160 140 120 100 80 60 40 20 0 - 20 H1 2007 H2 2007 H1 2008 H2 2008 H1 2009 H2 2009 H1 2010 H2 2010 H1 2011 H2 2011 H1 2012 H2 2012 H1 2013 H2 2013 H1 2014 H2 2014 H1 2015 H2 2015 H1 2016 H2 2016 H1 2017 H2 2017 H1 2018 H2 2018 Bain-Corporate-Banking-Ertragsindex Bain-Corporate-Banking-Profitabilitätsindex Quelle: Bain & Company. kompetenten Ansprechpartner bei ihrer Finanzierungsanfrage legen und glauben, diesen derzeit vor allem bei ihrer Hausbank zu finden. Im Rahmen der Mittelstandsbefragung hielten dies zumindest 79,6 Prozent der Befragten für sehr wichtig. Sehr große Bedeutung haben aber auch eine hohe Lösungsorientierung (68,1 Prozent), Schnelligkeit bei der Kreditentscheidung (48,8 Prozent) und attraktive Zinskonditionen (46,9 Prozent). Finanzierungsplattformen für Hausbanken gefährlich Für Kreditinstitute könnte die Mischung aus einem gestärkten und selbstbewussten Mittelstand und der Existenz von digitalen Finanzierungsplattformen und deren stetiger Verbesserung durch Nichtbanken sehr gefährlich werden und bald zu deutlichen Rissen in der Hausbankbeziehung führen. Bei den hiesigen Geldhäusern steht die Ampel deshalb auf Rot. Es dürfte nur noch eine Frage der Zeit sein, bis noch FAZIT Das klassische Firmenkundengeschäft als derzeit wichtigste Ertragssäule der Kreditinstitute steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Denn kein Mittelständler, der heutzutage finanzielle Mittel benötigt, ist auf seine Hausbank angewiesen, sondern kann die Finanzierung schnell, günstig und transparent über digitale Online-Plattformen abwickeln. Um nicht noch mehr Marktanteile zu verlieren, müssen sich Kreditinstitute neu positionieren. Dies kann z. B. durch Kooperationen mit FinTechs geschehen. Noch wichtiger ist es jedoch für die Banken, sich auf ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal – eine enge Kundenbindung gepaart mit der Identifikation und Befriedigung der Kundenbedürfnisse und einer hohen Beratungsqualität – zu fokussieren. Gelingt es den Kreditinstituten, diese Tugenden – ergänzt durch entsprechende Investitionen – in das digitale Zeitalter zu integrieren, stehen die Chancen gut, sich auch zukünftig gegen die Wettbewerber aus dem Nichtbankenbereich zu behaupten. 46 09 // 2019

DIGITALISIERUNG 3 | Anzahl der Geschäftsbeziehungen mittelständischer Unternehmen mit Kreditinstituten 60 % 50 % 40 % 30 % 20 % 10 % 0 % 1 2 3 4 5 und mehr KfW-Studie Compeon-Studie Quelle: mehr mittelständische Unternehmen das Angebot ihrer Hausbank kritisch hinterfragen und sich parallel Angebote bei innovativen Anbietern einholen, die mit Schnelligkeit, guten Konditionen und einer maßgeschneiderten Finanzierung beim Kunden punkten können. Viele Probleme, die Hausbanken derzeit haben, sind allerdings hausgemacht und können somit aktiv angegangen werden. So dauert es mitunter mehrere Monate, bis die Kreditzusage trotz hervorragender Bonität kommt. Zugleich gestalten einige Hausbanken die Kreditverträge teilweise so aus, dass sie gar nicht zum Vorhaben passen. Das trifft vor allem auf gewerbliche Bauvorhaben zu, die nicht nur spezielle Lösungen verlangen, sondern aufgrund ihrer Komplexität auch frühzeitig und umfassend organisiert werden müssen. Es sollte beispielsweise nicht sein, dass sich trotz eingehender Kommunikation mit dem Firmenkundenberater anschließend in den Kreditverträgen Passagen finden, nach denen das Darlehen nach Baufortschritt und somit in fest vordefinierten Teilbeträgen ausgezahlt wird. Als Nachweis dienen dabei Rechnungen, die die bereits erbrachten Leistungen belegen. Diese Variante macht jedoch keinen Sinn, wenn das Bauvorhaben in Eigenregie und vielfach in Eigenleistung erfolgt. Werden nämlich die Teilbeträge erst nach Rechnungsstellung ausgezahlt, ist es fast unmöglich, Material zu bestellen und dieses bar zu bezahlen, Skonto zu ziehen und die Handwerkerrechnungen pünktlich zu begleichen. Bei derartigen Bauvorhaben wäre es also angebracht, dass die Bank bestimmte Beträge vorab als Puffer auf das Firmenkonto überweist und nach Einreichung entsprechender Rechnungen weitere Teilzahlungen vornimmt. Dem Unternehmer blieben dann lästige Nachverhandlungen und zeitraubende Diskussionen mit der Hausbank von vornherein erspart. Um den aktuellen Herausforderungen zu begegnen, können Banken auch mit FinTechs kooperieren und auf diese Weise neue und attraktive Angebote für ihre Firmenkunden schaffen. Ein Beispiel für einen solchen innovativen Weg ist der Warenkredit und diesen als Kreditsicherheit zu akzeptieren. Beispielsweise bietet das Berliner FinTech Labest eine digitale Schnittstelle an, indem es Lagerdaten in Echtzeit generiert, analysiert, überwacht und alle wesentlichen Parameter in einen einfach bedienbaren Cloud-Service zusammenfasst. Zudem werden die Daten mit Echtzeit-Preisen der Produkte aus den jeweiligen Märkten deutschlandweit und global ergänzt. Durch dieses volldigitalisierte Echtzeitmonitoring erhalten Banken eine umfangreiche Transparenz über die Lagerbestände und ihre Werte und können diese als seriöse und verlässliche Sicherheit beleihen. Das schont zudem die Ressourcen bei der Risikobewertung, wovon Firmenkunden ebenfalls profitieren. Die Erste Bank, die größte Sparkasse Österreichs, hat mit dem Unternehmen bereits eine Partnerschaft geschlossen. Aktuell laufen aber auch Gespräche mit drei Banken in Deutschland, darunter eine Privatbank. Autorin Carmen Mausbach. Die Diplom-Kauffrau ist seit 2002 als freie Wirtschaftsjournalistin tätig. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer Tätigkeit ist die redaktionelle Mitarbeit im Bus-Netzwerk für betriebswirtschaftliche und steuerliche Fachinformationen. 09 // 2019 47

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