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diebank 09 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

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DIGITALISIERUNG 1 | Kredite der Banken in Deutschland an inländische Unternehmen und wirtschaftlich Selbstständige Von 1991 bis zum 2. Halbjahr 2019 in Milliarden Euro 1.600 1.500 1.400 1.300 1.200 1.100 1.000 900 800 700 600 1991 1992 1993 1994 1995 1996 1997 1998 1999 2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2.Q. 2019 Quelle: Deutsche Bundesbank. Gleichzeitig werden die Angebote der Gründer und Konkurrenten aus dem Nichtbankensektor im Bereich der gewerblichen Finanzierung immer besser. Beispielsweise konnte Compeon, ein Full-Service- Dienstleister für Mittelstandsfinanzierung, im 2. Quartal 2019 bereits ein ausgezahltes Vermittlungsvolumen von über 500 Mio. € vorweisen. Bezüglich des Wachstums wird eine Rate von 10 bis 15 Prozent pro Monat angegeben. Erfolgreich macht das Unternehmen die Tatsache, dass die Kunden vor allem die Kombination aus schnellen Kreditentscheidungen und einer umfassenden anbieter- und produktunabhängigen Beratung schätzen, die direkt über die Online-Plattform angeboten wird. Mit einer Vielzahl von digitalen Schnellkrediten ist es sogar möglich, Kreditentscheidungen bereits nach 24 bzw. 48 Stunden an die Kunden weiterzugeben − ein Zeitfenster, das aktuell von vielen Hausbanken kaum erreicht werden kann. Dadurch, dass an die Compeon- Plattform mittlerweile mehr als 250 Finanzpartner angeschlossen sind, spart das Unternehmen zudem die Zeit, die notwendig wäre, um bei verschiedenen Anbietern vorstellig zu werden und geht sicher, dass es ein auf sein Vorhaben genau zugeschnittenes Finanzierungsangebot mit sehr guten Konditionen erhält. Vergleichen lohnt sich für den Kunden Doch trotz dieser Vorteile, die digitale Anbietervergleiche über Online- Plattformen haben, belegen diverse Studien, dass das Hausbankprinzip im Mittelstand nach wie vor noch weit verbreitet ist. Laut einer aktuellen Untersuchung der KfW pflegen insgesamt 93 Prozent aller Unternehmen eine solche traditionelle und bewährte Geschäftsverbindung mit persönlichem Kontakt, die teilweise mit einer Dauer von über 20 Jahren äußerst beständig ist. Dabei nimmt die Hausbank vor allem bei der Nutzung von Fremdkapital eine prädestinierte Stellung ein. Gemäß der Umfrage sollen durchschnittlich 80 Prozent des Kreditvolumens eines Mittelständlers von der Hausbank stammen. Allerdings legt die Umfrage auch Ergebnisse offen, die für eine – wenn auch nur langsame – Aufweichung des Hausbankprinzips sprechen. Danach unterhalten zwar immer noch 52 Prozent aller Mittelständler eine Geschäftsbeziehung nur zu einer einzelnen Bank und nehmen folglich auch nur dort Kredite auf, jedoch pflegen bereits 31 Prozent der Mittelständler zwei Beziehungen zu Kreditinstituten. Drei Geschäftsbeziehungen konnten sogar 11 Prozent vorweisen, und 3 Prozent der 44 09 // 2019

DIGITALISIERUNG Mittelständler outeten sich als besonders umtriebig mit vier oder mehr Bankbeziehungen. Auch einer von Compeon im Januar 2018 durchgeführten Studie zufolge halten immer noch viele Mittelständler bei der Finanzierung von Waren und Betriebsmitteln sowie von gewerblichen Immobilien am traditionellen Hausbankprinzip fest, wenn auch die prozentualen Ergebnisse etwas niedriger als bei der KfW ausgefallen sind. Demnach haben insgesamt 31,8 Prozent der befragten Mittelständler nur eine einzige Bankbeziehung, während 40,2 Prozent der Befragten bereits Beziehungen zu zwei Banken pflegen. Insgesamt 17,3 Prozent berichteten, drei Banken als Geschäftspartner zu haben. Nur 6,4 Prozent unterhalten hingegen eine Verbindung zu vier Banken, während 4,4 Prozent der Befragten zu fünf oder mehr Banken einen aktiven geschäftlichen Kontakt schätzen. ÿ 3 Das hat die Konsequenz, dass sich nur eins von vier kleinen und mittelständischen Unternehmen verschiedene Finanzierungsangebote einholt. Drei Viertel verzichten ganz darauf oder fragen nur vereinzelt verschiedene Angebote nach. Mit dem Festhalten am traditionellen Hausbankprinzip ist der deutsche Mittelstand jedoch keinesfalls gut beraten. So zahlen Unternehmen mit einer oder zwei Bankverbindungen für einen Kontokorrentkredit einen durchschnittlichen Zinssatz von 7 Prozent. Unterhalten kleine und mittlere Unternehmen dagegen Beziehungen zu drei oder mehr Banken, liegt der Zinssatz bei 5,6 Prozent und ist damit bereits um durchschnittlich 20 Prozent niedriger. Eine Erklärung für das Festhalten am guten alten Hausbankprinzip könnte sein, dass mittelständische Unternehmen großen Wert auf einen 09 // 2019 45

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