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diebank 08 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT funktion, das

MANAGEMENT funktion, das sind Strategie, Controlling, Risikomanagement, Außenfinanzierung, Asset Management, Reporting, Investor Relations und – noch selten – Klima-Management. Die nachhaltige Ausrichtung der Finanzfunktion hat maßgeblichen Einfluss auf das ganze Unternehmen, da die Ausrichtung der Geschäftsstrategie nicht nur an Finanz-, sondern auch an Nachhaltigkeitszielen letztlich alle Funktionsbereiche sowie alle Konzerngesellschaften betrifft. Dies lässt sich gut beobachten zum Beispiel bei Unternehmen, die ihre Nachhaltigkeitsberichte sehr systematisch aufstellen, beispielsweise nach dem internationalen Standard der Global Reporting Initiative (GRI). Als deutsche Begriffsentsprechung von Sustainable Finance käme Nachhaltiges Finanzmanagement in Betracht. Auch wenn in der Vergangenheit die Finanzbereiche der Unternehmen das Thema Nachhaltigkeit noch nicht für sich entdeckt hatten, reift nun aber zunehmend die Erkenntnis, dass daran kein Weg mehr vorbeiführt. Dies zeigt eine diesjährige Veröffentlichung der Schmalenbach-Gesellschaft / Arbeitskreis Integrated Reporting, der sich aus renommierten und hochrangigen Vertretern aus Wissenschaft und Praxis zusammensetzt. In den „Zehn Thesen zur Notwendigkeit der Erweiterung der Finanzfunktion um die ESG-Dimension“ wird CFOs dringend geraten, dass sie das Thema ESG nicht mehr ignorieren sollten, sondern sehr gut beraten seien, sich intensiv und proaktiv mit den diesbezüglichen Aspekten zu beschäftigen, um sie – bei erwiesener Wertrelevanz – in ihren Verantwortungsbereich aufzunehmen. Denn nur so könne die Finanzfunktion ihrer zentralen Rolle als Manager des Unternehmenswerts gerecht werden. Sustainable Finance als kerngeschäftsbezogener Begriff In der Branche der Finanzdienstleistungsunternehmen ist in zwei Fällen von Sustainable Finance die Rede. Als kerngeschäftsbezogener Begriff beschreibt Sustainable Finance Geschäfts- und Produktbereiche von Banken, Versicherungen, ESG-Rating-Agenturen etc. Hierunter fallen drei Kategorien: Z Sustainable & Responsible Investments (SRI) SRI steht für nachhaltige Kapitalanlagen und verantwortliche Investments (gemäß Differenzierung des FNG Forum Nachhaltige Geldanlagen). Sie gelten zwischenzeitlich weltweit als der am stärksten wachsende Markt- und Produktbereich im Asset Management. Z Green Finance Green Finance ist zum einen rein instrumentell als nachhaltige Unternehmensfinanzierung zu verstehen, also die Emission von Green Bonds, ESG-linked Loans, grünen Schuldscheine etc. Ihnen ist gemein, dass entweder die Emissionserlöse in grüne Projekte des emittierenden Unternehmens zu investieren sind, oder dass die Höhe der Nominalzinsen von den ESG-Ratings des Emittenten abhängt. Zum anderen ist unter Green Finance auch zu subsumieren, wenn ESG-Aspekte in die Kreditprüfungs- und -entscheidungsprozesse von Banken etc. einfließen. Z ESG/Klima-Bewertung und Standardisierung Kreditgebende Institutionen (Banken, Underwriter etc.) und institutionelle Investoren (Vermögensverwaltungsgesellschaften, KVGs, Versicherungen, Pensionskassen, PE-Gesellschaften etc.) integrieren in ihren Bonitäts- und Unternehmensanalysen zunehmend ESG-Anforderungen. Kleinere Institute bedienen sich dabei – falls vorhanden – der Einschätzungen einer oder mehrerer Nachhaltigkeitsratingagenturen (z.B. ISS-ESG, Sustainalytics), während große Asset Manager über zunehmend leistungsfähige proprietäre ESG-Engines verfügen, wie zum Beispiel das Sustainable Investment Research Information System (SIRIS) von Union Investment. Hilfreich für die Nachhaltigkeitseinschätzung von Unternehmen ist auch ihre (Nicht-) Zugehörigkeit zu Nachhaltigkeitsindices (z. B. Dow Jones Sustainability Index) oder ihre Positionierung in Rankings (z. B. CDP A-List). Für KVGs wird es immer wichtiger, für ihre explizit bezeichneten Nachhaltigkeitsfonds Zertifizierungen zu erhalten, die die tatsächliche Nachhaltigkeit der Fonds beschreiben, verifizieren und gegebenenfalls bestätigen. Hierbei gibt es thematisch umfassende Zeugnisse, wie zum Beispiel das Siegel des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), oder solche, die eine Aussage nur über bestimmte ESG-Bereiche machen, zum Beispiel das Climetrics-Rating (CDP/ISS-ESG) für die Fonds-Performance dreier zusammenhängender Themen: Klima, Wasser und Wald. Sustainable Finance als managementbezogener Begriff Ebenfalls in der Branche der Finanzdienstleistungsunternehmen zu verorten ist Sustainable Finance als managementbezogener Begriff. In diesem Fall beschreibt SF den Management- Ansatz der Nachhaltigen Unternehmensführung (NUF), also die Leitung von Unternehmen auf Basis einer nachhaltigkeitsorientierten Geschäftsstrategie. Hierdurch werden relevante Nachhaltigkeitsaspekte in alle Funkti- 66 08 // 2020

MANAGEMENT 1 | Sustainable Finance SUSTAINABLE FINANCE (SF) Unternehmen aller Branchen inkl. Finanzdienstleistungsindustrie Sustainable Finance als funktionsbereichsbezogener Begriff CORPORATE SUSTAINABLE FINANCE (CSF) Nachhaltiges Finanzmanagement Unternehmen der Finanzdienstleistungsindustrie Banken, Versicherungen, KVGs, Beteiligungsgesellschaften, ESG-Rating-Agenturen etc. Sustainable Finance als kernbereichsbezogener Begriff SUSTAINABLE & RESPONSIBLE INVESTMENTS (SRI) Nachhaltige Kapitalanlagen inkl. Engagement Bereiche Strategie Controlling Risiko NH-Aspekte (Bsp.) NH-Ziele, Geschäftsmodell, Materialitätsmatrix, Sustainability, Balanced Scorecard (SBSC) Sustainability Performance Management, externe Kosten, Ökobilanz, Carbon Footprint ESG-Risiken (neue Themen + Metriken), erweiterte Verantwortungsreichweiten, Resilienzanalysen GREEN FINANCE Nachhaltige Unternehmensfinanzierungen ESG/KLIMA-BEWERTUNG & STANDARDISIERUNG Ratings, Labels, Rankings, Indices, Standards, Taxonomy Sustainable Finance als managementbezogener Begriff NACHHALTIGE UNTERNEHMENSFÜHRUNG (NUF) Leitung von Unternehmen mit einer nachhaltigen Geschäftsstrategie Außenfinanzierung Green Bonds, ESG-linked Loans, Grüne Schuldscheine, ESG-Rating-Agenturen Betriebsführung (Bsp.) Strategie Kerngeschäft (Bsp.) Kredite Asset-Management Reporting Sustainable & Responsible Investments (SRI), Green Buildings, ESG in der Kreditanalyse Nachhaltigkeit (GRI, DNK, CSR-RL-UmsG, SASB), Klima (TCFD, CDSB), EU-Taxonomy Personal Marketing/Vertrieb Finanzen Underwriting Vermögensverwaltung/Eigenanlagen Beteiligungsmanagement Investor Relations Klimamanagement Umgang mit externen Ratings und Rankings, Aufbereitung von ESG-Informationen für Investoren, proaktive Rolle Klimagase, Treibhauseffekt, Emissionsreduktionsziel, TCFD, Scope-Levels, Science-based Targets Beschaffung ESG-Research & Analyse Sustainable Finance als managementbezogener Begriff SUSTAINABILITY MANAGEMENT Planung, Steuerung, Kontrolle & Reporting der NH-Leistung eines Unternehmens onsbereiche (F&E, Beschaffung, Produktion, Marketing, Finanzen, HR etc.) und Konzerngesellschaften integriert und kontextentsprechend priorisiert. In der Konsequenz bedeutet dies, dass sich Nachhaltigkeit nicht auf die Betriebsführung einer Bank beschränkt, also zum Beispiel auf den Einsatz regenerativer Energien, den Betrieb einer E-Firmenflotte und auf die Bürogestaltung als Green Office etc. Nachhaltigkeit beeinflusst vor allem das Kerngeschäft (Kredite, Kapitalanlagen etc.), und dies ist auch zwingend notwendig, denn hier liegt der größte Transformationshebel der Institute. Diese Aussagen betreffen natürlich alle Unternehmen unabhängig von ihrer Branche, aber erst in Bezug auf Finanzdienstleister kann man von SF sprechen. Das gleiche gilt für das Sustainability Management eines Unternehmens, also Planung, Steuerung, Kontrolle und Reporting seiner Nachhaltigkeitsleistung. Erst wenn ein Finanzdienstleister Sustainability Management betreibt, kann dies als SF bezeichnet werden. FAZIT Abschließend lässt sich die notwendige Erkenntnis festhalten, dass SF zwei Seiten aufweist: auf der einen Seite die realwirtschaftlichen Unternehmen mit einer nachhaltigen Unternehmensführung (inkl. einer nachhaltigkeitsorientierten Finanzfunktion), und auf der anderen Seite die finanzdienstleistenden Unternehmen, die durch transformative Prozesse im Kerngeschäft erreichen, dass eigene und Kundenfinanzmittel nur noch in das Eigen- und Fremdkapital nachhaltiger Unternehmen investiert werden. Beide Seiten der Medaille können als SF bezeichnet werden, und beide Seiten müssen einander verstehen, damit das eigentliche Ziel, nämlich die Unterstützung der 17 SDGs, tatsächlich erfolgreich verfolgt werden kann. Autor Dr. Thomas Schulz, EBS Executive School, Akademischer Leiter Nachhaltigkeitsprogramme. 08 // 2020 67

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