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diebank 08 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT das Volumen

MANAGEMENT das Volumen der Kreditausfälle für europäische Banken in 2020 und 2021 insgesamt 228 Mrd. US-$ betragen soll. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr betrugen die Ausfälle 54 Mrd. US-$. Auf einen erheblichen Anstieg der Ausfälle müssten sich also die hiesigen Banken und Sparkassen einstellen. Die Bankexperten Faust und Krahnen sind sich deshalb sicher, dass die hiesigen Banken ihre Risikovorsorge aufgrund coronabedingter Kreditausfälle gegen Endes des Jahres deutlich erhöhen werden. „Die Korrektur der Wertberichtigung ist auf der Zeitachse nach hinten verschoben,” sagt Krahnen. Wegen der schwachen Nachfrage in der Dienstleistungsindustrie – Gastronomie, Hotellerie und Einzelhandel – erwartet Krahnen die größten Wertberichtigungen im Bereich der kleinen und mittleren Unternehmen (KMUs) – und somit vor allem bei Sparkassen und Genossenschaften. Er fügt aber auch hinzu, dass jedes Kreditinstitut wegen der schwierigen Lage ohnehin froh sein werde, wenn es das Jahr 2020 mit einer „schwarzen Null” beenden könne. Faust nennt weitere Branchen – Schifffahrt und Bekleidungshersteller – unter denen es einige insolvenzgefährdete Unternehmen gäbe: „Diesen Unternehmen ging es bereits vor der Corona-Krise ziemlich schlecht. Daher würde es mich nicht wundern, wenn eine längere Krise diese Firmen in die Insolvenz treiben würde”. Das Geschäft mit Krediten für Wohnimmobilien dürfte aber robust bleiben, da nach dem Ende des bundesweiten Lockdowns im Mai die Bautätigkeit wiederbelebt wurde. In den größeren Städten besteht nach wie vor der Bedarf nach günstigem Wohnraum. Bankexperten warnen vor Zombie- Unternehmen Die Professoren führen an, dass letztendlich in allen Branchen Risiken für die Banken schlummern. Dies betrifft insbesondere die sogenannten Zombie-Unternehmen. Diese Unternehmen sind faktisch tot, also wirtschaftlich schwach und hoffnungslos überschuldet. Sie brauchen immer wieder neue Bankkredite, um den Betrieb am Leben zu halten und können höchstens noch die Zinsen bedienen. Als Beispiel nennt Faust einen Spediteur. Er sagt: „Nehmen wir an, dass seine Liquidität weder dazu reicht, um zu tilgen noch in sein Geschäft zu investieren. Der Tag wird aber kommen, an dem der Spediteur aufhören muss, weil er sich die Reparatur und den Ersatz defekter Lastwagen nicht mehr leisten kann. Dann muss er Insolvenz anmelden, und die Bank muss die Kredite abschreiben.” Faust sagt aber auch, dass es glücklicherweise wenige Zombie-Unternehmen in Deutschland gäbe, weil die Wirtschaft vor der Krise jahrelang robust gewesen sei und weil die Banken und Sparkassen bei der Kreditvergabe zumeist vorsichtig agiert hätten. Vor diesem Hintergrund begrüßt Krahnen die Vorgabe, dass die Banken bei den Neukrediten, für die die KfW fast komplett gerade steht, die Bonität der Kreditnehmer genau überprüfen müssen. „Bei diesen Krediten hat die KfW ein Rückgriffsrecht. Das heißt, wenn die Bank nicht sauber gearbeitet hat, muss sie Teile der Ausfälle übernehmen,” erklärt Krahnen. „Damit will die KfW zweierlei erreichen. Zum einen sollen nur Unternehmen mit einer Perspektive der Fortexistenz durch das Programm finanziert werden. Zum anderen soll die Weitergabe von schon jetzt erkennbar faulen Altkrediten und deren Risiko auf die KfW verhindert werden.” Krahnen plädiert für eine Alternative zum Bankkredit in den Fällen, in denen Unternehmen bereits schwer angeschlagen sind. Als Leiter des Forschungszentrums SAFE haben er und andere Forscher ein Finanzierungsinstrument entwickelt, das einen laut Krahnen „eigenkapitalähnlichen Charakter” aufweist. „Das Instrument hat den Vorteil, dass man dem Unternehmen einfach Kapital gibt anstelle eines Kredits. Das Unternehmen verpflichtet sich, das Kapital als eine Art Dividende zurückzuzahlen, wenn es wieder profitabel ist”, erklärt der Professor das Konzept. Damit gewinne das angeschlagene Unternehmen Zeit, zu gesunden und gegebenenfalls zu investieren und werde nicht durch Zins- und Tilgungszahlungen belastet, ergänzt er. Daten von Steuerbehörden oder Auskunfteien nutzen Für die Auszahlung des Kapitals und die Aufnahme der Dividenden-ähnlichen Rück- 56 08 // 2020

MANAGEMENT FAZIT Bislang sind Deutschlands Banken gut durch die Corona-Krise gekommen. Das liegt vor allem daran, dass die Bundesregierung massiv eingegriffen hat, um die Wirtschaft zu stützen. Auch die KfW-Bürgschaften bei Neukrediten schützen die Bankbilanzen. Gleichwohl befindet sich Deutschland in einer Rezession. Folglich werden die Institute ihre Risikovorsorge erhöhen müssen, um mögliche Kreditausfälle in Milliardenhöhe zu verkraften. Das genaue Ausmaß hängt von der weiteren konjunkturellen Entwicklung ab. zahlungen soll ein Fonds gebildet werden. Um herauszufinden, welche Unternehmen für dieses Instrument des Geldtransfers infrage kämen, könnten die Daten von den Steuerbehörden oder von Auskunfteien genutzt werden, anhand derer die Lage eines Unternehmens recht gut eingeschätzt werden kann. Obwohl Deutschlands Kreditinstitute vor der Corona-Krise grundsätzlich solide aufgestellt waren, galten sie im Vergleich zu Banken in anderen Industrieländern als nicht besonders profitabel. Das liegt vor allem an den Überkapazitäten am Markt. Diese werden auch deshalb nicht abgebaut, weil strategisch kluge Fusionen über die Säulen hinweg einfach nicht stattfinden. Bis auf eine Ausnahme – die HSH Nordbank – hat es bislang keine Privatisierungen von Sparkassen oder Landesbanken gegeben. Die Volks- und Raiffeisenbanken sind zwar privatwirtschaftlich organisiert, aber diese Institute bleiben bisher unter sich. Unter solchen Umständen ist es völlig unmöglich, dass die Commerzbank oder die Deutsche Bank eine Stadtsparkasse übernehmen oder dass die Stadtsparkasse mit einer Volksbank in einer größeren deutschen Stadt fusioniert. Die strukturellen Hindernisse werden bestehen bleiben, selbst wenn wegen des wirtschaftlichen Abschwungs das ein oder andere Kreditinstitut in Schwierigkeiten gerät. Denn bisher haben die jeweiligen Bankengruppen das Problem der maroden Institute intern gelöst. Das heißt, dass eine angeschlagene Bank oder eine mit wenig Geschäftsperspektive mit einem anderen Institut der jeweils eigenen Gruppe fusionierte. Das gilt auch für die Privatbanken, wie das Beispiel der Zwangsfusion zwischen Commerzbank und Dresdner Bank kurz vor der Lehman-Pleite im September 2008 zeigte. Tempo der Konsolidierung könnte abnehmen Martin Faust glaubt nicht, dass die Corona- Krise die Konsolidierung innerhalb der Säulen noch weiter beschleunigen werde und nennt dafür einen ökonomischen Grund. „Ich muss zum Beispiel davon ausgehen können, dass die Erträge steigen”, sagt der Professor von der Frankfurt School. „Gerade die Banken, denen es derzeit besser geht, werden es sich zweimal überlegen, bevor sie mit einer angeschlagenen Bank zusammengehen. Ich kann mir vorstellen, dass das Tempo der Konsolidierung in den nächsten zwei Jahre abnimmt.” Beim Thema Konsolidierung halten sich die Banken und Sparkassen bedeckt. Dazu erklärte etwa der BdB: „Der Konsolidierungsdruck innerhalb der deutschen Finanzwirtschaft besteht bereits seit längerem unabhängig von der aktuellen Krise. Ursache hierfür sind strukturelle Veränderungen wie etwa das Niedrigzinsumfeld oder die Digitalisierung.” In Sachen Konsolidierung ist in den letzten 20 Jahren sehr viel passiert – allerdings nur innerhalb der jeweiligen Säulen des Kreditwesens. Der Haupttreiber der Konsolidierung ist die Digitalisierung des Bankgeschäfts. Dies ist nicht nur auf Effizienzgründe zurückzuführen, sondern auch auf eine zunehmend digital-affine Kundschaft. Existierten noch Anfang des Jahrhunderts 562 Sparkassen mit knapp 17.000 Filialen, gab es Ende 2018 nur noch 385 mit rund 9.500 Filialen. Die Volks- und Raiffeisenbanken haben noch konsequenter konsolidiert. Vor 20 Jahren zählte man knapp 1.800 dieser Institute in Deutschland mit rund 17.500 Filialen. Heute sind es nur noch 841 Volksbanken mit rund 9.300 Filialen. Um noch mehr Kosten zu sparen, haben die Sparkassen und Volksbanken damit begonnen, die gleichen Geschäftsräume für ihre jeweiligen Filialen zu nutzen. Ist diese Art der Kooperation ein Zeichen für die Zukunft? Das ist weiterhin schwer zu beurteilen. Autor Jan F. Wagner ist Finanzjournalist in Frankfurt. Seine Themen sind die Bankindustrie, die Vermögensverwaltung und die Altersvorsorge. 08 // 2020 57

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