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diebank 08 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT CORONA-KRISE

MANAGEMENT CORONA-KRISE Haben sich die Banken zu früh gefreut? Obwohl die Corona-Pandemie im Frühling eine schwere Rezession auslöste, gaben sich Deutschlands Kreditinstitute optimistisch. Von einer deutlich höheren Risikovorsorge gingen sie zunächst nicht aus. Inzwischen scheint aber klar, dass die Institute wohl Kreditausfälle in Milliardenhöhe verkraften müssen. Denn die meisten Ökonomen erwarten nicht mehr, dass sich die deutsche Wirtschaft rasch erholt. Bis vor kurzem hatten die hiesigen Banken noch gehofft, die Corona-Krise relativ gut überstehen zu können. Zwar mussten sie sich darauf einstellen, dass Deutschland 2020 die schwerste Rezession der Nachkriegszeit erleben würde. Beruhigend wirkte jedoch die Tatsache, dass die Regierung zur Rettung der Wirtschaft knapp 300 Mrd. € locker machte und sie die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) darüber hinaus anwies, bei Neukrediten für 90 Prozent der Summe zu bürgen. Die Banken hofften, dass die Rettungsmaßnahmen dazu führen, dass die Firmeninsolvenzen und damit die Kreditausfälle überschaubar bleiben. Die Bürgschaften der KfW sorgten ohnehin bereits dafür, dass die Kreditversorgung von Unternehmen und Privatpersonen gesichert war und Banken und Sparkassen somit nicht auf eine wichtige Einkommensquelle verzichten mussten. Branchenoptimismus trotz Corona Folglich konnte man im Spätfrühling einen gewissen Optimismus in allen Säulen des deutschen Kreditwesens beobachten. Auf Anfrage hieß es sowohl beim Bankenverband (BdB) als auch beim Verband für die Volksbanken (BVR), dass ihre Mitglieder zunächst mal nicht mit einem Anstieg der Risikovorsorge rechneten (siehe Interview mit BVR-Vorstand Gerhard Hofmann). Ende Mai erklärte DGSV-Präsident Helmut Schleweis in einem Interview der Süddeutschen Zeitung, dass die Sparkassen bis dato gut durch die Krise gekommen seien. Sie hätten – auch wegen der üppigen KfW-Bürgschaften – ihre Kreditvergabe ausgeweitet und müssten kaum Kreditausfälle verkraften, so Schleweis. Er bezifferte die Ausfälle auf unter ein Prozent des ausstehenden Kreditvolumens. Beim Thema Risikovorsorge gab sich der DGSV-Präsident vorsichtiger. Schleweis sagte, dass er dazu keine Prognose geben könne, da die Höhe der Kreditausfälle im Jahr 2020 noch nicht abschätzbar sei. Eine Bank erhöht ihre Risikovorsorge, wenn sie nennenswerte Ausfälle bei Unternehmen und Privatpersonen erwartet. Dadurch wird das wirtschaftliche Ergebnis belastet. Vertreter aller Bankenverbände betonten außerdem, dass die Bilanzen ihrer Mitglieder stark genug seien, um etwaige Ausfälle zu verkraften. „Die Institute sind liquide und gut kapitalisiert. Und wir sind fest entschlossen, unsere Kunden aus dieser schwierigen Situation herauszuführen“, sagte der damalige BdB-Präsident Martin Zielke auf einer Pressekonferenz Ende April und sprach damit stellvertretend für die Branche. Experten bestätigen, dass Banken und Sparkassen recht finanzstark in die Corona- Krise gegangen seien. Sie verweisen darauf, dass die Institute seit der letzten Finanzkrise 2008/2009 ihre Kreditrisiken auf ein Minimum reduziert und ihre Kernkapitalquoten erhöht hätten. Sehr hilfreich sei zudem das Krisenmanagement der Bundesregierung, da es verhindere, dass sich das wirtschaftliche Umfeld dramatisch verschlechtert. „In der Finanzkrise musste man die Banken retten, damit die Realwirtschaft nicht extrem leidet. Jetzt ist es umgekehrt. Die Bundesregierung rettet die Unternehmen und hilft damit den Banken enorm”, erklärt Martin Faust, Professor für Bankbetriebslehre an der Frankfurt School of Finance and Management. Lob für Krisenmanagement der Regierung Auch Jan Pieter Krahnen, Professor für Kreditwirtschaft an der Goethe-Universität Frankfurt, lobt das Krisenmanagement der Regierung. Dies habe dazu geführt, dass die Wirtschaft nach einer kurzen Unterbrechung schnell wieder hochgefahren werden konnte und die Banken von Schlimmerem verschont blieben. Allerdings ist das Umfeld seit dem Frühling etwas schwieriger geworden. Die meisten Ökonomen erwarten nicht mehr, dass sich die deutsche Wirtschaft schnell erholt (die sogenannte V-Entwicklung). „Der noch zu Beginn der Corona-Krise von vielen Ökonomen prognostizierte v-förmige Konjunkturverlauf, bei dem die Erholungsphase von nennenswerten Nachholeffekten getragen wurde, ist inzwischen unrealistisch”, sagt dazu der BdB. Die Ökonomen des Verbands gehen von einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von zwischen 6 und 8 Prozent für 2020 aus. Manche Wirtschaftsinstitute wie etwa das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) sprechen sogar von 9 Prozent, während die Bundesregierung einen Rückgang von maximal 6,3 Prozent erwartet. Die konjunkturelle Erholung – wenn sie denn kommt – dürfte wohl eher wie ein „U“ aussehen. 54 08 // 2020

MANAGEMENT Nach einem starken Rückgang der Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal befindet sich Deutschland am unteren Ende der Kurve. Richtig aufwärts gehen soll es den Ökonomen zufolge erst 2022. Noch dazu ist der erste große Unternehmenskredit ausgefallen, wovon jeweils eine Privatbank, eine Landesbank und eine Volksbank betroffen sind. Es handelt sich hierbei um den Zahlungsdienstleister Wirecard, der Ende Juni Insolvenz beantragt hat. Grund für die Pleite sind jedoch nicht die Corona-Pandemie, sondern mutmaßlich Bilanzfälschungen seitens der Wirecard-Geschäftsführung. Nun muss ein Konsortium von insgesamt 15 Banken einen Kredit von insgesamt 1,85 Mrd. € abschreiben. Zu diesem Konsortium gehören laut Presseberichten die Commerzbank und die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW), die der Skandalfirma jeweils 200 Mio. € geliehen hatten. Auch die DZ Bank, die Zentralbank der Volksbanken, soll sich den Berichten zufolge mit 120 Mio. € an dem Konsortialkredit für Wirecard beteiligt haben. Auf Nachfrage wollten die drei Institute die Presseberichte nicht kommentieren. Wirecard-Pleite wohl nur der Anfang Der Wirecard-Ausfall ist vielleicht für die drei Banken zu verkraften, aber er könnte auch die Spitze des Eisbergs sein. Schließlich befindet sich Deutschland wegen der Corona-Pandemie in einer Rezession, die Sektoren wie beispielsweise den Einzelhandel, den Tourismus, die Freizeitindustrie sowie die wichtige Autoindustrie besonders hart trifft. Obwohl die Wirtschaft Anfang Juni wieder hochgefahren wurde, leiden die Branchen nach wie vor unter einer schwachen Nachfrage. Vor kurzem meldete der Verband der Automobilindustrie (VDA) einen Rückgang bei den PKW-Neuzulassungen in Deutschland von 35 Prozent auf 1,2 Millionen im ersten Halbjahr. Das ist der niedrigste Wert seit 1990. Die Warenhauskette Karstadt Kaufhof hatte außerdem während der Krise angekündigt, 62 von insgesamt 172 Filialen zu schließen. Derweil musste der Staat die Lufthansa mit einer Finanzspritze in Höhe von 9 Mrd. € vor dem Kollaps retten. Wegen des Virus dürften die Deutschen dieses Jahr auch weniger ins Ausland reisen. Auch ist zu erwarten, dass die hiesigen Restaurants, Cafés und Bars weiterhin nicht voll ausgelastet sein werden. Konzerte und andere Großveranstaltungen sind nach wie vor untersagt. Mitte Juli gab die Ratingagentur S&P zudem bekannt, dass 08 // 2020 55

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