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diebank 08 // 2020

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MANAGEMENT

MANAGEMENT INFLATIONSAUSBLICK Warum die Pandemie den Disinflationsdruck erhöht 18 08 // 2020

MANAGEMENT Der Ausbruch des neuartigen Coronavirus und die geld- und fiskalpolitischen Reaktionen haben zunehmend Sorgen um steigende Inflationsrisiken aufkommen lassen. Ebenso verschärft die Pandemie aber die starken disinflationären Tendenzen des letzten Jahrzehnts. Der Autor geht davon aus, dass inflationsdämpfende Faktoren deutlich überwiegen und die globalen Zentralbanken ihre Inflationsziele auf absehbare Zeit verfehlen werden. Es besteht inzwischen ein breiter Konsens darüber, dass auf die globale Rezession keine V-förmige Erholung folgen wird, die zu einer raschen Konvergenz der globalen Wirtschaftsleistung auf ihren Vorkrisenpfad führen wird. Weniger Einigkeit besteht jedoch über die Auswirkungen der Coronavirus-Krise auf die Inflation. Vier mögliche Inflationsszenarien sind im Großen und Ganzen plausibel. Diese reichen von einer anhaltenden Deflationsperiode bis zu einer langen Periode mit Preissteigerungen, die deutlich über den von den Zentralbanken ausgegebenen Inflationszielen liegen. Unserer Meinung nach ist das wahrscheinlichste Szenario für die meisten fortgeschrittenen Volkswirtschaften eine Periode positiver, aber unter dem Inflationsziel liegender Inflation – eine Wiederholung des letzten Jahrzehnts. Eine anhaltende Deflation kann nicht ausgeschlossen werden. Wir messen diesem Szenario aber eine relativ geringe Wahrscheinlichkeit bei. Der Covid-19-Schock wird bestehende Schwachstellen der Weltwirtschaft – wie den eingeschränkten konventionellen Spielraum der Geldpolitik, die bereits vor der Krise strukturell geschwächten Inflationstreiber und die niedrigen Inflationserwartungen – noch verstärken. Dies erhöht die reale Schuldenlast und könnte hoch verschuldete Firmen zwingen, ihre Schulden rasch abzubauen, was die Konjunktur weiter ausbremsen würde. Angesichts der hohen wirtschaftlichen und sozialen Kosten einer solchen Deflationsspirale glauben wir aber, dass die politischen Entscheidungsträger dieses Szenario um jeden Preis vermeiden wollen und sie daher eher zu viel als zu wenig Konjunkturimpulse setzen werden. Wir halten auch eine Periode mit Preissteigerungen nahe am Inflationsziel oder eine Phase anhaltend hoher Inflation für wenig wahrscheinlich. Angesichts der tiefen Rezession, in der wir uns befinden, ist das Risiko einer deutlich über dem Inflationsziel liegenden Inflation aus unserer Sicht minimal. Der starke Anstieg der öffentlichen und privaten Verschuldung könnte Politiker dazu verführen, die Schulden „weg zu inflationieren“. Aber eine höhere Inflation ist keine kostenfreie Option, um die Schuldenlast zu mindern, und eine anhaltend hohe Inflation zu erzeugen, ist selbst mittelfristig leichter gesagt als getan. Insgesamt erwarten wir daher, dass die Coronavirus-Krise die bestehenden disinflationären Trends eher verstärken als umkehren wird. Da sich die Weltwirtschaft jedoch in einer noch nie dagewesenen Situation befindet und die Unsicherheit hoch ist, lohnt es sich, einige der möglichen Kanäle und Mechanismen zu analysieren, die ein stark inflationäres oder deflationäres Szenario begünstigen könnten. Kurzfristig lässt der Preisdruck nach Die bislang veröffentlichten Daten zeigen, dass die Kerninflation, also ohne Beachtung der Energie- und Nahrungsmittelpreise, während des Lockdowns zurückgegangen ist. Die wirtschaftlichen Einschränkungen und ein verändertes Konsumverhalten haben zwar die Preiserfassung erschwert, aber auch nach dem Ende der Lockdowns zeigen sich bislang keine aufwärts gerichteten Inflationstendenzen. Im Gegenteil: Im Juli 2020 stieg der Anteil der in die Verbraucherpreise eingehenden Warengruppen mit negativer Inflationsrate in der Eurozone auf über 30 Prozent. Ende 2019 galt dies nur für ein Fünftel der Warengruppen. Darüber hinaus geben Unternehmen in monatli- 08 // 2020 19

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