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diebank 08 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE

BERUF & KARRIERE VORTEILE IM INNOVATIONSTRUBEL Die positive Macht der Kollegialität Mit der voranschreitenden Digitalisierung verändern sich die gewohnten Formen der Betriebsorganisation, der Arbeit und der Zusammenarbeit in einer anspruchsvollen neuen Dimension. Im Hinblick darauf macht der Wiener Personal- und Managementberater Othmar Hill noch einmal differenziert auf die Bedeutung des Zwischenmenschlichen für die leistungsfördernde wie gesundheitsschonende Unternehmensführung aufmerksam. Die Wahrscheinlichkeit, dass es morgen genauso wie gestern weitergehen wird, nimmt in allen Bereichen und Branchen der Wirtschaft zügig ab. Das gilt für Geschäftsmodelle ebenso wie für die Ansprüche an die betriebliche Fitness. Ob ein Unternehmen sich in diese Entwicklung aktiv einfügen kann, ohne sich in diesem Anpassungsprozess aktionistisch zu verzetteln, hängt nach Ansicht des Wirtschaftspsychologen Dr. Othmar Hill „in hohem Maße mit von den betriebsklimatischen Gegebenheiten ab.“ Sich unter den Kolleginnen und Kollegen wohlzufühlen, sei für die Stabilität wie die Entwicklungsfähigkeit eines Unternehmens nicht minder wichtig wie stets aktuelles Wissen und Können im Zusammenspiel mit einer bürokratisch nicht behindernden Organisation. Aus dieser Perspektive gesehen kommt der Kollegialität ein hoher Stellenwert zu – verstanden als aufeinander zugehendes, einander unterstützendes, einander inspirierendes Arbeitsverhalten. Der humanistisch orientierte und somit der Persönlichkeitsentwicklung verpflichtete Psychologe charakterisiert das Gefühl, sich im Kollegenkreis wohlzufühlen, als Entfesselungskunst. „Gespürte Kollegialität entfesselt auf der hormonellen Ebene angenehme, belebende Empfindungen und auf der intellektuellen Ebene Initiative und Kreativität. Kollegialität wirkt entspannend, anregend und ermutigend. In ihrem Einfluss auf die körperlich-seelische Gesundheit wie die persönliche und gesamtbetriebliche Leistungskraft kann die Güte der Zusammenarbeit gar nicht hoch genug veranschlagt werden.“ Hill unterstreicht seine Sichtweise mit dem Hinweis auf die Kernaufgabe heutiger Betriebsführung, die Notwendigkeit zu ununterbrochener Anpassung: War Veränderung bis noch vor gar nicht so langer Zeit ein in sich abgeschlossener Vorgang zwischen langen Phasen der Kontinuität und Stabilität, sei Veränderung heute der täglich zu neuen Überlegungen und Anstrengungen zwingende „Zuchtmeister“ der Unternehmen. Je mehr aufgeschlossene Herzen und Köpfe einem Unternehmen für die Bewältigung dieser Aufgabe zur Verfügung stünden, desto souveräner könne sich der Betrieb mit beidem befassen: Mit seiner Zukunft und mit den täglichen Aufgaben. „Eine durch Kollegialität motivierte Belegschaft entwickelt eine Leistungsfreude und Leistungskraft, auf die ganz große bis ganz kleine Betriebe schlicht und einfach angewiesen sind, wollen sie in dem turbulenten Innovationstrubel die Nase über Wasser halten.“ Weshalb ist dem erfahrenen Psychologen die Einsicht in diese Zusammenhänge so wichtig? „Weil unkollegiales Verhalten zehrt, weil es enorm dazu beiträgt, mürbe zu werden, sich seelisch am Arbeitsplatz zu verschleißen, die Lust zu verlieren, gerade auch die Lust, sich mit Neuem auseinanderzusetzen“, sagt er. Im Rahmen seiner Coachings erfährt Hill immer wieder, wie sehr Menschen darunter leiden, wenn sie aufgrund schlechter Kollegialität morgens nur beklommen zur Arbeit gehen und diese abends frustriert verlassen: „Ein Aderlass an psycho-mentaler beruflicher Spannkraft und Motivation“. Natürlich ist dem Wiener auch bewusst, dass es kein Wunschkonzert ist, im Beruf unter heutigen Bedingungen seinen Mann oder seine Frau zu stehen. „Da muss es im Interesse der Sache zur Sache gehen und dabei können und dürfen auch nicht nur Wattebällchen gepustet werden!“ Kollegialität heißt deshalb für ihn auch nicht, das Gegenüber stets und immer mit Samthandschuhen anzufassen. Kollegialität, so stellt Hill klar, sei vor allem gelebter Anstand, anständiges Verhalten. Und das schließt für ihn aus, andere bewusst und gezielt zu verunsichern oder gar zu verletzten, sie aufgrund von Nichtigkeiten anzugreifen und anzufeinden, um sie den eigenen Interessen zuliebe aus dem Gleichgewicht zu bringen und schachmatt zu setzen. All das diene nicht dem Interesse der Firma und deren innerer Stabilität. Wie Vieles im Leben habe auch unanständiges Verhalten ein Janusgesicht: Was vordergründing nützlich erscheint, erweist sich hintergründig nur zu häufig als selbstgelegte Sprengladung. Hier gilt das alte Sprichwort „Wer anderen eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.“ Der Versuch, anderen Schaden zuzufügen um sich selbst zu erhöhen, erweise sich früher oder später nur zu oft als „offene Rechnung“ und teuer zu bezahlender Irrweg. Die Führung muss stimmen Werde die Bedeutung und Macht kollegialen Verhaltens jedoch von der Führung erkannt und als gesundheitsschonendes wie leistungsstimulierendes betriebsklimatisches Element auch anerkannt und vorgelebt, „dann kann Kollegialität in den zu erwartenden geschäftlich-beruflichen Turbulenzen zum menschlich-betrieblichen Kraftquell werden, der die Energie freisetzt, die es braucht, um den Alltag zu meistern und gleichzeitig betriebliche Wege in die Zukunft zu erkennen, auszuloten 84 08 // 2019

BERUF & KARRIERE und einzuschlagen“, so Hill. Die Güte der innerbetrieblichen Kooperation bestimme maßgeblich mit über die individuelle und die sich daraus ergebende betriebliche Leistungskraft. Profitieren würden demnach der Gesundheits- respektive Fehlzeitenstatus der Belegschaft und damit also auch die Anpassungsund Wettbewerbsstärke eines Unternehmens. Im aktuellen „War for Talents“ können sich Unternehmen auf diese Weise einen Vorteil verschaffen. Für Unternehmen erweise es sich nämlich im Zug von Rekrutierungen oft als Hindernis, wenn potenzielle Bewerber davon erfahren, dass es um die Kollegialität im Haus nicht so gut bestellt ist. Der Wohlfühlfaktor, den ein Unternehmen biete, gewinne kontinuierlich an Bedeutung. Insofern sei der Ruf, den ein Betrieb auf dem Arbeitsmarkt genieße, eine nicht zu unterschätzende Größe. FAZIT Offen gelebte Kollegialität, fasst Hill zusammen, drücke eine Einstellung zu sich selbst wie zu anderen Menschen aus. „Kollegialität erwächst aus einer Selbstachtung, aus der wiederum die Achtung vor anderen erwächst.“ Deshalb habe Kollegialität nichts mit Selbstschutz und -nutz zu tun, nichts mit dem Versuch, sich zwischenmenschliche Verwicklungen vom Hals zu halten oder sich Vorteile zu verschaffen, sondern ganz einfach mit gutem Benehmen. „Kollegialität ist die selbstverständliche Vorstellung von einem angemessenen, weder die eigenen noch eine andere Person in Ansehen und Ruf schädigendem Verhalten. Kollegialität ist eine Haltung, die Verhalten vorgibt und Verhalten ausschließt.“ Autor Hartmut Volk. Der Diplom-Betriebswirt arbeitet seit 30 Jahren als freier Journalist an der Schnittstelle von Wirtschaft und Wissenschaft Themen aus dem Bereich der Unternehmensführung für Fachzeitschriften und Tageszeitungen im gesamten deutschsprachigen Raum. 08 // 2019 85

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