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diebank 08 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE Martin

BERUF & KARRIERE Martin Köpke Martin Köpke kann sich noch gut an seinen Einstieg bei der Berliner Sparkasse erinnern. Als Azubi startete er 1986 in der damals noch geteilten Stadt, in der sich Homosexuelle schon freier bewegen konnten als in konservativeren Bundesländern. „Familie, Freunde und engste Kollegen wussten, dass ich schwul bin, aber ich habe das nicht an die große Glocke gehängt“, sagt der heute 52-Jährige, der als Senior-Referent im Bereich Compliance arbeitet. Doch mit dem Inkrafttreten des Lebenspartnerschaftsgesetzes im August 2001 öffnete sich auch der junge Banker einem größeren Kreis. Mit seinem Partner hatte er für das Gesetz gekämpft, Unterschriften gesammelt und unmittelbar nach dem Erlass auch selbst seine Lebenspartnerschaft eintragen lassen. „Diesen glücklichen Moment wollte ich natürlich mit möglichst vielen auch im Kollegenkreis teilen.“ Das Outing im größeren Stil übernahm – nach Absprache – ein Kollege: Während der Flitterwochen sammelte der Geld für ein schönes Geschenk und alle unterschrieben. Umdenken mussten dann die Personaler. Als Köpke um einen freien Tag und einen Geldzuschuss bat, zeigte man sich zunächst überrascht, gewährte dann allerdings sofort, was ihm nach dem neuen Gesetz zustand. „Das Outing im großen Kreis war wie ein Befreiungsschlag. Und die Beziehung zu meinen Kollegen hat sich seitdem positiv verändert.“ 80 08 // 2019

BERUF & KARRIERE IM ZEICHEN DER REGENBOGEN-FLAGGE „Drei Viertel finden die Aktivitäten gut“ Jenny Friese ist als Bereichsvorständin bei der Commerzbank für Privat- und Unternehmerkunden in der Marktregion Ost zuständig – und jetzt auch Schirmherrin für Arco, das LGBT*IQ-Netzwerk der Commerzbank. Damit gehört die 45-Jährige zu den wenigen Top-Führungskräften einer Bank, die sich für das Thema auch nach außen stark machen. Friese lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in ihrer Geburtsstadt Berlin. die bank: Sie haben in diesem Jahr die Schirmherrschaft für Arco übernommen. Bislang gab es diese Position gar nicht. Was hat Sie dazu bewogen und was ist seitdem passiert? Jenny Friese: Seit vier Jahren bin ich für das Segment Privatund Unternehmerkunden Mitglied des Global Diversity Council der Commerzbank und habe mich in dieser Funktion als Mentorin vor allem für das Thema „Frauen in Führung“ eingesetzt. Ich wollte mein Engagement aber gern noch ausweiten. Als mich Arco-Sprecher Holger Reuschling fragte, ob ich als Schirmherrin von Arco das Thema LGBT noch stärker ins Top-Management tragen wolle, ist der Funke schnell bei mir übergesprungen. Ich habe unter anderem die „Reise nach Berlin“ entwickelt. die bank: ...unter der man sich was bitte vorstellen muss? Friese: Wie bei einer Reise kann man rechts und links des Weges etwas entdecken und seinen Horizont erweitern. Das wollen wir mit unterschiedlichsten Veranstaltungen erreichen. Am diesjährigen Diversity-Tag haben wir zum Beispiel Kunden und Mitarbeiter zu einer Podiumsdiskussion eingeladen, bei der Vertreter von Banken und aus der Wirtschaft über das Thema „Warum LGBT-Engagement ein Erfolgsfaktor für Unternehmen ist“ diskutiert haben. Im Juli war die Commerzbank Gastgeber des internationalen „RAHM-LGBT Leadership Contest“, bei dem sich LGBT-Führungskräfte in ihren Führungsfähigkeiten gemessen haben. Am Christopher Street Day haben wir schließlich Ende Juli mit einem großen Truck teilgenommen, auf dem ich auch selbst mitgefahren bin. Unter dem Motto „Alle gelb – trotzdem bunt“ zeigten Kunden und Mitarbeiter gemeinsam Flagge für Vielfalt. Und auf einer großen Diversity-Konferenz der Charta der Vielfalt möchte ich im November über mein persönliches Engagement und das der Commerzbank berichten. die bank: Was ist das Ziel der Reise? Friese: Mir geht es vor allem darum, ein offenes Miteinander in der Belegschaft zu fördern. Es muss zur Normalität werden, dass heterosexuelle und homosexuelle Menschen entspannt miteinander umgehen – und zwar in beide Richtungen. Die Gespräche mit den Vertretern von Arco haben mir jedoch gezeigt, dass vor allem gegenüber Vorgesetzten die sexuelle Orientierung oftmals noch ein Tabu ist. die bank: Das bestätigt auch eine aktuelle Studie der Consultingfirma BCG. Am Arbeitsplatz outen sich in Deutschland demnach deutlich weniger Mitarbeiter als etwa im angelsächsischen Raum. Im internationalen Vergleich führen Großbritannien, Brasilien, die USA und Kanada das Feld an. Friese: Es liegt sicher noch ein weiter Weg vor uns. Vorurteile lassen sich nicht von heute auf morgen abbauen. Umso wichtiger ist es, dass sich hochrangige Führungskräfte trauen, das Thema in der Öffentlichkeit sichtbar zu machen und sich so für ein diskriminierungsfreies Umfeld einsetzen. die bank: Wie profitiert die Bank davon? Friese: Je heterogener ein Team ist und je offener die einzelnen Mitglieder mit ihrer sexuellen Orientierung umgehen, desto einfacher ist es für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, aber auch für solche, die schon lange dabei sind, dem Beispiel zu folgen. Auch wirtschaftlich zahlt sich Diversity aus. Mein Team gehört zu den heterogensten in der Bank und liefert immer großartige Ergebnisse ab. die bank: Die Branche erlebt gerade unruhige Zeiten. Wie reagieren die Mitarbeiter auf Ihr Engagement, das ja auch im Intranet mit Interviews und laufenden Informationen eng begleitet wird? Bei der von Ihnen erwähnten Podiumsdiskussion im Mai berichtete zum Beispiel einer ihrer Kollegen, dass vie- 08 // 2019 81

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