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diebank 08 // 2019

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE LGBT

BERUF & KARRIERE LGBT LGBT ist eine aus dem englischen Sprachraum kommende Abkürzung für die Wörter Lesbian, Gay, Bisexual, Transsexual/Transgender (deutsch: Lesbisch, Schwul, Bisexuell, Transsexuell/Transgender). Sie kam in den USA in den 1990er- Jahren auf und wird inzwischen auch in Deutschland verwendet. Es gibt verschiedene Formen und Ergänzungen, etwa LGBT*IQ, wobei das I für Inter und Q für Queer stehen. Die Abkürzungen sollen grundsätzlich kurz und knapp Menschen bezeichnen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung, ihrer Geschlechtsidentität oder ihres Körpers von der heterosexuellen Norm abweichen. tischer Meinung, ethnischer Herkunft, Familienstand, Fähigkeit oder sexueller Orientierung und gleichgeschlechtlicher Identität seine volle Performance zeigen kann“, betont Monika Rast, Co-Vorsitzende des globalen Corporate Investment Banking Inclusion & Diversity Councils und Schirmherrin des noch jungen LGBT-Netzwerkes Unicorn der HypoVereinsbank, das sich aus einer losen monatlichen Mittagsrunde formierte und mittlerweile rund 50 Mitglieder zählt. Als Arbeitgeber sei es grundsätzlich das Ziel, die Teams so auszurichten, dass sie in einem dynamischen und sich schnell verändernden Umfeld innovative und kreative Lösungen für die Kunden fänden. Dass auch das immer schwieriger werdende Suchen und Finden qualifizierter Mitarbeiter die Offenheit befeuert, stört die Betroffenen nicht. „Der Fachkräftemangel hilft allen Randgruppen“, bringt es Reuschling nüchtern auf den Punkt. Noch gut kann sich Oliver Kilian, Gründungsmitglied von Unicorn und seit 2001 bei der HVB, an seine Anfänge in München erinnern. „Als 19-Jähriger habe ich auf das LGBT-Klima noch nicht so geachtet. Das hatte aus meiner damaligen Sicht eigentlich nichts mit meinem Job zu tun. Heute ist das für mich aber ein wichtiges Kriterium.“ Zunächst habe er Details aus seinem Privatleben eher vermieden. Seit einigen Jahren geht Kilian mit dem Thema hingegen offen um. „In meinem direkten Umfeld herrscht eine offene und sehr inklusive Atmosphäre, in der sich niemand verstecken oder verstellen muss.“ Das spare viel Energie und er könne sich auf seine beruflichen Themen konzentrieren. Der Mut zahlt sich aus. Laut BCG-Studie fühlt sich das Gros der befragten LGBT-Talente, die sich im Job geoutet hatten, wohl damit. Und dennoch gebe es Handlungsbedarf. „Viele Unternehmen haben sich das Thema Diversity bereits auf die Fahnen geschrieben. Sie müssen aber noch besser darin werden, ein sicheres und unterstützendes Umfeld für LGBT*IQ-Mitarbeitende zu schaffen, wenn sie diese Talente künftig gewinnen und halten wollen.“ Besonders gilt das für die Frauen. „Wir leben in einer männerdominierten Gesellschaft. Das spiegelt auch die LGBT*IQ-Community wider“, beobachtet Joanna Labecka, Diversity and Inclusion Specialist bei der Deutschen Bank. Laut BCG-Studie outen sich Frauen (43 Prozent) im Job seltener als Männer (57 Prozent). Bei den Frauen fehle es noch stärker als bei den Männern an Vorbildern, sagt Labecka. Umso wichtiger seien Plattformen, die die Sichtbarkeit erhöhten. Zum Beispiel die Liste „Germany’s Top 100 Out Executives“, die jährlich LGBT*IQ-Führungskräfte aus einem Kreis von Nominierten auswählt und platziert. Beim jüngsten Ranking wählte die Jury immerhin sieben Banker, darunter drei Frauen, unter die Top100. Und dass es große Städte wie Berlin oder Frankfurt den LGBT- Talenten einfacher machen als kleinere, auch darüber ist man sich einig. 76 08 // 2019

BERUF & KARRIERE Joanna Labecka „In kleineren Städten erfordert das Outing immer noch mehr Mut“, sagt Martin Köpke, der das Thema bei Konzernen zudem sehr viel stärker verankert sieht als im großen deutschen Mittelstand. Damals lief Reuschlings Meeting übrigens nach seinem Outing erst mal wie geplant weiter. Doch in der Pause kamen die Kollegen auf ihn zu und beglückwünschten ihn zu seinem Mut. Bereut hat der Banker den Schritt nie. Seitdem macht er anderen Mut, startete zum Beispiel im Intranet einen Blog, in dem er seine Geschichte erzählt, tritt auf öffentlichen Veranstaltungen auf und ermuntert Kollegen, sich zu outen. Der Banker ist überzeugt: „Wir brauchen sichtbare Vorbilder, gute Netzwerke und Vertreter des Top-Managements, die das Thema treiben.“ Autorin Eli Hamacher ist Diplom-Volkswirtin und arbeitet seit 30 Jahren als Wirtschaftsjournalistin. Die Freelancerin schreibt für „die bank“ vor allem über die Branche und Porträts über einzelne Unternehmen. Ein weiterer Fokus ihrer Arbeit sind Auslandsmärkte. Joanna Labecka kam vor sieben Jahren zur Deutschen Bank, startete ihre Bankkarriere im irischen Dublin und arbeitet seit 2014 in Deutschland, seit zwei Jahren als Diversity and Inclusion Specialist in der Personalabteilung in Frankfurt. „Zuhause in Polen ging die Gesellschaft nicht allzu offen mit dem Thema LGBTQI um. Das hat mich natürlich vorsichtig gemacht“, erinnert sich die heute 33-Jährige. In Irland wurde deshalb zunächst aus der Lebenspartnerin eine „Mitbewohnerin“. „Für mich war das sehr anstrengend, nicht frei über mein Wochenende reden zu können und mich ständig zu verstecken“, sagt Labecka. Immerhin haben sie mit ihrem Vorgesetzten offen sprechen können und ihre Zurückhaltung aufgegeben, als unter anderem von ihr in Irland das dbPride- Netzwerk gegründet wurde. Damals seien sofort 200 der 250 Mitarbeiter beigetreten, darunter auch zahlreiche Heterosexuelle. „Wäre das schon bei meinem Start so gewesen, hätte ich mir gar keine Gedanken machen müssen.“ In Deutschland habe sie sich von Anfang an wohler gefühlt, sagt die junge Frau, die deshalb in der Frankfurter Zentrale aus dem Zusammenleben mit ihrer Partnerin keinen Hehl gemacht hat. „Das Thema LGBTQI gehört hier eher zum Alltag, es wird ein lockerer Umgang als etwa in Polen gepflegt.“ 08 // 2019 77

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