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diebank 07 // 2020

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

BERUF & KARRIERE DUAL

BERUF & KARRIERE DUAL CAREERS IM AUSLANDSEINSATZ Sie kommen nur zu zweit Wenn sich Mitarbeiter gegen einen Auslandseinsatz entscheiden, ist die Berufstätigkeit des Ehepartners die häufigste Begründung. Das ist nicht neu. Konzerne haben darauf reagiert und bieten zunehmend auch einen Karriereservice für den Partner an. Mittelständler hinken dabei den großen Konzernen oft noch hinterher. 72 07 // 2020

BERUF & KARRIERE Relocation-Service, die Finanzierung von Sprachkursen, interkulturelle Trainings oder sogar eine Finanzspritze in Höhe einiger Tausend Euro – ein solcher „Spousal-Career-Support“ für mitausreisende Partner ist bei vielen Unternehmen schon seit vielen Jahren gang und gäbe. Waren solche Benefits für die „Trailing Spouse“ der Baby-Boomer- Generation, die in vielen Fällen ihre eigenen beruflichen Ambitionen zugunsten der Karriere des gut verdienenden Ehemanns zurückgesteckt hat, noch ein zufriedenstellendes Angebot, kann man karriereorientierte Partner vor allem jüngerer Generationen damit oft nicht mehr locken. Paare, bei denen die jeweilige berufliche Laufbahn den gleichen Stellenwert hat, leben in einer sogenannten Doppelkarriere-Partnerschaft – neudeutsch werden sie auch Dual Career Couples genannt. Rund eine Million solcher beruflich gleichberechtigter Lebensgemeinschaften vermutet etwa das Mannheimer Institut für Mittelstandsforschung in Deutschland. Die „Trailing Spouse“ hat ausgedient „Mit der Zunahme von qualifizierten Arbeitnehmerinnen stehen Unternehmen zunehmend unter Druck, Lösungen herbeizuführen, die den Ansprüchen beider Partner gerecht werden“, sagt Professor Michel Domsch, der das Management Development Center an der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg leitet und seit mehr als 25 Jahren zu männlichen und weiblichen Karrierewegen forscht. Was in früheren Generationen ein rein privates Problem der Paare war, stellt zunehmend eine Herausforderung für die Personalarbeit dar. Gerade für Mittelständler, die mancherorts ohnehin über Bewerbermangel klagen, stelle die Erfüllung der Karrierewünsche beider Partner eine zusätzliche Hürde dar, erläutert Domsch. Dieses Problem wiegt umso mehr, als immer mehr Expatriates bei der Entscheidungsfindung für oder gegen einen Auslandseinsatz ihre Partner miteinbeziehen. Zahlreiche Studien belegen: Die Karriere des Partners hat einen Einfluss auf die Mobilitätsbereitschaft der für den Auslandeinsatz infrage kommenden Kandidaten. Global tätige Konzerne wie Bosch, BASF oder SAP haben darauf reagiert: Sogenannte Dual Career Services, also die Unterstützung von Doppelkarriere-Paaren, gewinnen zunehmend an Bedeutung. Diese Unternehmen sind sich dessen bewusst, dass der Job zum Scheitern verurteilt ist, wenn der Lebenspartner dauerhaft unzufrieden ist. Im Umkehrschluss heißt das: Es liegt im Interesse des Unternehmens, die Interessen beider Partner im Blick zu haben. Beide Karrieren haben einen Stellenwert Entsendungen im Doppelpack kommen zum Beispiel bei der Commerzbank regelmäßig vor. „Seit einigen Jahren erleben wir eine steigende Anzahl an berufstätigen Partnern, die ihre Karriere nicht zugunsten eines Auslandseinsatzes ad acta legen wollen. Daher unterstützen wir Paare, die an einem unserer über 50 Standorten weltweit arbeiten wollen", sagt Renata Kloubek, die bei der Bank die Abteilung Expatriate- Management leitet. Damit das gelingt, sind Kompromissbereitschaft, Flexibilität und Eigeninitiative gefragt: „Dass beide ihre Karriere im Ausland fortsetzen oder beide dort sogar einen Karriereschritt machen, das wäre wie ein Sechser im Lotto.“ Realistisch ist: Einer ist der Hauptentsandte, und für den anderen wird eine möglichst passende Stelle in einem anderen Bereich gefunden. In intensiven Vorgesprächen mit beiden Partnern wird eruiert, welche Stellen infrage kämen. Die Paar-Entsendung erfordert etwas mehr Vorlaufzeit und Abstimmungsaufwand mit den jeweiligen Vorgesetzten, auch aufgrund oft zeitlich versetzter Entsendungen, aber der Mehraufwand lohnt sich. Kloubek: „Das Paar weiß zu schätzen, wenn wir für beide eine berufliche Lösung finden, was zur Zufriedenheit während des Auslandseinsatzes beiträgt.“ Und für die Commerzbank, die wichtige Potenzialträger nicht verlieren will, lohne sich die Investition. Mittelständler sehen sich nicht in der Pflicht Was Konzerne anbieten, können oder wollen Mittelständler oft nicht leisten: „Eine Dual-Career-Beratung haben unsere Mandanten bislang nicht in Anspruch genommen“, sagt Lea Fiebelkorn, Unternehmensberaterin für Global-Mobility-Services bei der BDAE Consult. In der Regel begrenzen die Unternehmen ihre Benefits hinsichtlich der mitreisenden Familienmitglieder auf die Erstattung der damit verbundenen Kosten, darunter die Gebühren für Visa, für Krankenversicherung und Heimreisen, aber auch für Kindergarten- und Schulbesuch. Bei der Jobsuche hingegen gibt es für die mitausreisenden Partnerinnen – diese sind laut BDAE im Vergleich zu den männlichen Expats deutlich in der Überzahl – meist keine Unterstützung. Dass Mittelständler dem Problem lieber aus dem Weg gehen bzw. die Karriereförderung der Partnerin nicht als ihre Aufgabe ansehen, bestätigt auch Prof. Domsch: „Viele Unternehmen sehen sich nicht in der Pflicht, einen Job für den Partner zu suchen.“ Erwartet werde, dass sich der mitausreisende Partner vor Ort selbst um einen neuen Job kümmert. Für viele Paare sei das aber ein K.-o.-Kriterium, und die Unternehmen müssten sich dann nicht wundern, wenn sich Paare gegen den Auslandseinsatz entscheiden. 07 // 2020 73

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