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die bank 06 // 2019

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT WERTPAPIERHANDEL Abwärtswettlauf der Handelsabteilungen von deutschen Banken In der deutschen Bankenlandschaft zeichnet sich seit geraumer Zeit ein klarer Trend zur Verschlankung der Handelsaktivität ab. Ein Blick über den Atlantik zeigt jedoch, dass dies keineswegs ein universeller Trend im Banking ist. Wird der Handel in Deutschland zu Unrecht totgeschrumpft? Der Wertpapierhandel galt lange Zeit als das Rückgrat der Wertschöpfungskette von Universalbanken. Die Fähigkeit, relevante Finanzinstrumente zu bepreisen, und die Bereitschaft, Liquidität im Markt anzubieten, stellten hierbei kundenbeziehungsstärkende Kompetenzen dar. In der deutschen Bankenlandschaft zeichnet sich seit geraumer Zeit jedoch ein Trend zur Verschlankung der Handelsaktivität ab. Man könnte zunächst vermuten, dies sei auf eine generelle Konsolidierung in der Bankenlandschaft zurückzuführen, die wiederum eine Reaktion auf eine Vielzahl von ungünstigen Rahmenbedingungen ist, z. B. schärfere regulatorische Anforderungen, Konkurrenz durch FinTechs und Auslandsbanken oder veränderte Kundenbedürfnisse. Jedoch sinkt die durchschnittliche Handelsaktivität keineswegs nur proportional mit der Bilanzsumme, sondern stellt auch noch einen immer kleineren Teil der sinkenden Bilanzsumme dar. Daher ist die Frage berechtigt, warum deutsche Banken ihre Handelsabteilungen totschrumpfen. 38 06 // 2019

MANAGEMENT 1 | Handelsaktiva als Prozentsatz der Bilanzsumme 25 % 20 % JPMorgan Citigroup Deutsche Bank Commerzbank LBBW DZ Bank Bayern LB 15 % 10 % 5 % 2013 2014 2015 2016 2017 2018 0 % Quelle: Geschäftsbilanzen. Race to the bottom Ein Blick auf eine repräsentative Gruppe von fünf großen deutschen Geldinstituten (Deutsche Bank, Commerzbank, DZ Bank, LBBW und BayernLB) illustriert die Schrumpfkur im Handel. Während vor sechs Jahren noch alle ausgewählten Geldinstitute in ihrer Bilanz Handelsaktiva von über 10 Prozent der Bilanzsumme auswiesen, ist es derzeit nur noch die Deutsche Bank, die sich eine Handelsabteilung in dieser Größenkategorie leistet (ÿ 1). Dass diese Entwicklung keineswegs einen universellen Trend im Banking darstellt, zeigt ein Blick über den Atlantik: US-amerikanische Banken vollziehen einen Abbau ihrer Handelskapazitäten in dieser Form nicht, wie die Zahlen von JPMorgan und Citigroup zeigen (siehe rote Kurven in ÿ 1). Wie lässt sich der im Hinblick auf die Handelsaktivitäten so offensichtliche Unterschied in den Geschäftsmodellen deutscher und US-amerikanischer Banken erklären? Kann denn Handel Sünde sein? Es ist unstrittig, dass Handelsabteilungen im Idealfall eine willkommene Quelle hoher Profitabilität sind. Unter weniger günstigen Bedingungen können sie aber auch ein mitverantwortlicher Faktor für niedrige Rentabilität sein. In Deutschland zeichnet sich ein überraschend stabiler Zusammenhang zwischen dem Ausmaß an Handelsaktivität und der Eigenkapitalrentabilität (Return on Equity, ROE) ab: Banken mit relativ kleinen Handelsabteilungen sind gegenwärtig rentabler als solche mit signifikanten Handelsaktiva auf der Bilanz (ÿ 2). Dieser inverse Zusammenhang ist jedoch bei den US-amerikanischen Großbanken JP- Morgan und Citigroup nicht zu beobachten. Im Gegenteil: Hier geht umfangreicher Handel mit hoher Eigenkapitalrentabilität einher. Vor einer vorschnellen Interpretation der Kausalität zwischen Handelsaktivität und Eigenkapitalrentabilität in Deutschland ist jedoch zu warnen. Handel muss nicht zwangsläufig die Wurzel des Übels geringer Eigenkapitalrentabilität sein. Es gibt eine Reihe von alternativen, plausiblen Erklärungsansätzen, die den Zusammenhang präziser zu charakterisieren vermögen. Erstens könnte es sein, dass Institute, die durch rigoroses Kostenmanagement eine Verbesserung der Eigenkapitalrentabilität erwirkt haben, in diesem Zusammenhang auch überproportional den Handelsbereich geschrumpft haben. Handel ist teuer, und wer Kosten sparen will, fokussiert sich typischerweise auf die signifikanten Kostenträger. Aber Handel ist in guten Jahren auch überproportional profitabel, sodass langfristig eine hohe Eigenkapitalrentabilität ohne Handelsaktivität auch nur schwer zu erreichen sein dürfte. Zweitens stellt eine Handelsabteilung einen impliziten organisatorischen Hedge, eine Absicherung für Banken gegen einen Zinsschock dar. Wenngleich auch die weitläufige Meinung sein mag, dass die Europäische Zentralbank durch eine besonnene geldpolitische Feinsteuerung eine graduelle Zinserhöhung in den Märkten anstrebt, so würde doch im Stressszenario abrupt steigender Zinssätze ein extrem schädliches Geschäftsumfeld für Banken entstehen, in dem es zu einer unheiligen Allianz von Abschreibungsbedarf von Kreditprodukten wegen steigender Ausfallrisiken, 06 // 2019 39

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