Aufrufe
vor 5 Monaten

diebank 06 // 2020

  • Text
  • Prozesse
  • Markt
  • Kreditinstitute
  • Deutsche
  • Schmidt
  • Unternehmen
  • Nachhaltigkeit
  • Deutschen
  • Negativzinsen
  • Banken
die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT 1 |

MANAGEMENT 1 | Entwicklung der Geldwäsche-Verdachtsmeldungen 5,6x Deutschland: 6,6x Schweiz: 5,6x Österreich: 1,2x 86.122 67.587 50.656 36.168 15.160 17.284 18.746 23.617 29.406 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 Deutschland Schweiz Österreich Quelle: AlixPartners Research. Illegale Konstrukte schnell erstellt Ein einfaches Gedankenspiel veranschaulicht dieses Missverhältnis: Die Eröffnung einer Briefkastengesellschaft und eines Bankkontos über das Internet dauert keinen Tag, die Verknüpfung mit einer virtuellen Geldbörse, virtuellen Kreditkarten oder sonstigen modernen Zahlungssystemen keine Stunde. Eine VPN-Verbindung und ein anonymer Browser ermöglichen den Zugriff auf verborgene Märkte. Die Identität der Täter ist dabei weitgehend geschützt, und die Kosten für diese Struktur liegen in manchen Fällen nicht einmal bei 1.000 €. Während die geleakten Informationen zu Briefkastengesellschaften sehr viele legal genutzte Konstrukte enthalten, betrafen die Leaks tatsächlich eine Vielzahl von Kriminellen. Diese sind sich aber solcher Datenveröffentlichungen bewusst und verwenden andere oder neue Briefkastengesellschaften. Es ist zu beobachten, dass solche Gesellschaften nun häufiger in Polen, Tschechien und den Niederlanden gegründet werden. Viele Banken reagieren auf solche Entwicklungen mit Zeitverzug. Für die betroffenen Institute würde sich nur ein überschaubares regulatorisches Risiko ergeben, wenn Know- Your-Customer (KYC)-Anforderungen für involvierte Konten konsistent eingehalten würden und die automatische Überwachung des Zahlungsverkehrs eine effektiv risikoorientierte Anwendung fände. Dies können aber viele Banken nur schwer gewährleisten, weil die sich schnell ändernden Umstände regelmäßige Adjustierungen etwa im Kundenrisikoscoring oder in der Zahlungsverkehrsüberwachung bedingen. Aufholjagd: Einsatz moderner Technologien Im Gleichlauf mit den regulatorischen Veränderungen, der Dynamisierung der Risikolandschaft sowie den gestiegenen Compliance- Kosten für den Verwaltungsapparat sind auch die IT-Kosten signifikant gestiegen. Weder Technologie allein noch ein technologisierter Verwaltungsapparat sind ein Allheilmittel für die Erfüllung regulatorischer Verpflichtungen oder die Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Allerdings kann der intelligente Einsatz moderner Technologien zur Unterstützung der Compliance-Funktion eine entscheidende Rolle spielen, um Risiken zu erkennen und zu managen. Dabei sind zwei übergeordnete Ziele zu berücksichtigen: 1. Effektivität in der Erfüllung regulatorischer Verpflichtungen und der Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. 2. Effizienz im Einsatz von Ressourcen in der Ablauforganisation. Dass das Erreichen dieser übergeordneten Ziele herausfordernd für Banken sein kann, zeigen bereits zwei Probleme aus der Compliance-Praxis: Z Hohe Anzahl von False Positives Wenn Banken Zahlungsverkehr durchführen, sind sie gem. § 10 GwG zur Transaktionsüberwachung und Identifikation verdächtiger Transaktionen verpflichtet. Die verwendeten Systeme und deren Parametrisierung generieren bei Auffälligkeiten sogenannte Alerts und häufig eine hohe Anzahl von False Positives (durch ein IT-System falsch identifizierte Auffälligkeiten). Diese wiederum werden manuell und standardgemäß im Vier- 40 06 // 2020

MANAGEMENT Augen-Prinzip überprüft sowie nachbearbeitet. Einerseits führt das zu unnötigem Resourcenaufwand (Effizienzverlust) und anderseits zu einem starken Fokus auf unwesentliche Transaktionen (Effektivitätsverlust). Z Identifizierung von siginifikanten Risiken Bei der Vergabe eines Geldwäscherisikowerts für eine Kundenbeziehung folgen Banken typischerweise detaillierten Risikomodellen. Diese werden regelmäßig überprüft und kaskadieren vordefinierte Risikoparameter, um ein Gesamtrisiko zu ermitteln. In der Realität hinterlassen diese Modelle allerdings klaffende Risikolücken, beachten keinerlei Zyklizität oder Saisonalität von kriminellen Aktivitäten und reagieren nicht auf eine dynamische Risikolandschaft (Effektivitätsverlust). Da Risiken nicht vollumfänglich oder nicht rechtzeitig erkannt werden können, kommt es in der Retro-spektive oftmals zu manueller Nacharbeit und signifikanten Bearbeitungsrückständen, etwa wenn Banken ihre Sorgfaltspflichten rückwirkend ausüben, die wiederum durch einen hohen Resourcenaufwand abgearbeitet werden (Effizienzverlust). Moderne Technologien bieten Banken die Möglichkeit, die strategischen Compliance- Ziele – Effektivität und Effizienz – zu erreichen, indem sie die beispielhaften, aber sinnbildlichen Praxisprobleme zu lösen vermögen. Ein exemplarischer Lösungsansatz ist die Kombination von Machine Learning (ML)/Artificial Intelligence (AI) und Advanced Analytics. Hinter diesen medienwirksamen Buzzwords verbirgt sich ein tatsächlicher Nutzen durch die Reduktion von manuellem Aufwand. Die Technologien bieten mehr Chancen, wirtschaftskriminelle Aktivitäten zeitnah zu identifizieren und sind zugleich eine Alternative zu teuren und unflexiblen Transaktionsüberwachungssystemen. Ein Praxisbeispiel: Eine modernere Technologie in der Transaktionsüberwachung ist das sogenannte Supervised Learning. Ähnlich einer Konditionierung lernt das System, zwischen falsch und richtig zu unterscheiden. Die False Positives werden mit der Zeit immer geringer (Effizienzsteigerung). So kann sich der Bankmitarbeiter stärker auf die risikoreichen True Positives (Effektivitätssteigerung) konzentrieren. Die Auswirkungen von Supervised Learning auf Effizienz und Effektivität der Transaktionsüberwachung sind immens. ÿ 2 06 // 2020 41

die bank

diebank 01 // 2020
die bank 02 // 2020
die bank 03 // 2020
diebank 04 // 2020
diebank 05 // 2020
diebank 06 // 2020
KINOTE 01.2020
diebank 07 // 2020
diebank 08 // 2020
die bank 01 // 2019
die bank 02 // 2019
die bank 03 // 2019
die bank 04 // 2019
die bank 05 // 2019
KINOTE 01.2019
die bank 06 // 2019
diebank 07 // 2019
diebank 08 // 2019
diebank 09 // 2019
diebank 10 // 2019
KINOTE 02.2019
die bank 01 // 2018
die bank 02 // 2018
die bank 03 // 2018
die bank 04 // 2018
die bank 05 // 2018
die bank 06 // 2018
die bank 07 // 2018
die bank 08 // 2018
die bank 09 // 2018
die bank 10 // 2018
die bank 01 // 2017
die bank 02 // 2017
die bank 03 // 2017
die Bank 04 // 2017
die bank 05 // 2017
die bank 06 // 2017
die bank 07 // 2017
die bank 08 // 2017
die Bank 09 // 2017
die bank 10 // 2017
die bank 01 // 2016
die bank 02 // 2016
die bank 03 // 2016
die bank 04 // 2016
die bank 05 // 2016
die bank 06 // 2016
die bank 07 // 2016
die bank 08 // 2016
die bank 09 // 2016
die bank 10 // 2016
die bank 11 // 2016
die bank 12 // 2016
die bank 01 // 2015
die bank 02 // 2015
die bank 03 // 2015
die bank 04 // 2015
die bank 05 // 2015
die bank 06 // 2015
die bank 07 // 2015
die bank 08 // 2015
die bank 09 // 2015
die bank 10 // 2015
die bank 11 // 2015
die bank 12 // 2015

© die bank 2014-2020