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diebank 06 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT BEKÄMPFUNG

MANAGEMENT BEKÄMPFUNG VON WIRTSCHAFTSKRIMINALITÄT Banken können für mehr Effizienz sorgen Viele Banken haben in den vergangenen Jahren einen kostenintensiven Compliance-Verwaltungsapparat aufgebaut, der Risiken dennoch nur bedingt adressieren kann. Das liegt auch daran, dass kriminelle Vereinigungen oft schon einen Schritt voraus sind. Doch der Einsatz moderner Technologien bietet die Möglichkeit zur Steigerung der Effizienz bei der regulatorisch vorgegebenen Bekämpfung von Wirtschaftskriminalität. Hier birgt die derzeitige Krisenlage womöglich eine Chance. 38 06 // 2020

MANAGEMENT Regulatorische Vorgaben mit Compliance- Relevanz sind insbesondere für Banken in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht worden. Bei der Bekämpfung von Geldwäsche wurde der politische Wille mitunter durch die Gefahren des Terrorismus und des Drogenhandels geprägt. Geldwäsche wurde nicht zuletzt durch die Data Leaks der Panama Papers (2016), Paradise Papers (2018) und zuletzt den Luanda Leaks (2020) Gegenstand öffentlichkeitswirksamer Debatten. Als Drehkreuze von internationalen Zahlungsströmen nehmen die Gesetzgeber Banken durch verstärkte regulatorische Anforderungen in die Pflicht, Maßnahmen gegen Geldwäscheaktivitäten und die Finanzierung von Terrororganisationen in ihren internen Abläufen zu implementieren. Gleichzeitig wachsen auch die Erwartungen der Aufsichtsbehörden an die Banken. Infolge dieser Entwicklungen haben viele Institute ein zunehmend risikoaverseres Geschäftsgebaren entwickelt, wobei sie regulatorische Pflichten oft defensiv auslegen. Banken sind etwa aufgrund des Geldwäschegesetzes (GwG) nach § 43 GwG dazu verpflichtet, bei Verdacht auf mögliche Geldwäscheaktivitäten oder Terrorismusfinanzierung eine Verdachtsmeldung bei der Zentralstelle für Finanztransaktionsuntersuchungen (FIU) abzugeben. In Deutschland ist diese Zentralstelle bei der Bundeszolldirektion angesiedelt. Dort werden die Meldungen bearbeitet und, sofern sich ein Verdacht erhärtet, an die Strafverfolgungsbehörden und Staatsanwaltschaften weitergegeben. Mehr Verdachtsmeldungen Um auf der sicheren Seite zu sein, interpretieren manche Banken die gesetzliche Meldepflicht quasi als Melderecht, d. h. sie melden im Zweifelsfall auch Aktivitäten, (redundant, siehe Einleitung des Absatzes) um sich nicht dem Vorwurf einer unterlassenen Meldung auszusetzen. Auch deshalb erhielten deutsche Behörden im Jahr 2018 rund siebenmal so viele Verdachtsmeldungen wie im Jahr 2010. ÿ 1 Von der erhöhten Anzahl von Verdachtsmeldungen kann aber nicht durchweg auf eine effektivere Bekämpfung von Geldwäsche, Terrorismusfinanzierung sowie andere Formen von Wirtschaftskriminalität geschlossen werden. In der Praxis haben die fundamentalen regulatorischen Änderungen sowie der Druck der Regulatoren dazu geführt, dass Banken in großem Umfang in Personal, manuelle Kon-trollen und IT-Infrastruktur investiert haben. Während diese kostenintensiven Programme zwar ihren regulatorischen Zweck erfüllen können und zu einem höheren Verdachtsmeldevolumen beitragen, sind sie oftmals aber weder effektiv noch effizient. Tatsächlich kommt es dabei zu Prozessüberschneidungen, (manuellen) Doppelarbeiten, unnötig duplikativen IT-Systemen und einer mangelnden Datenqualität. Die Compliance-Funktionen mancher Banken haben den Charakter von Fließbandeinrichtungen angenommen, wobei spezialisierte Teams operative Routinetätigkeiten durchführen. Gefühlt befinden sich nicht wenige Banken in einem akuten Dilemma: Entweder beugen sie sich dem regulatorischen Druck und schleppen einen kostenintensiven und ineffizienten Verwaltungsapparat durch ihre Erfolgsrechnung oder sie riskieren signifikante Strafzahlungen und möglicherweise sogar den Entzug der Banklizenz. Dynamisierung der Risikolandschaft Tatsächlich ist die Situation der Banken kompliziert: Auch das Verhalten von Geldwäschern und anderen Wirtschaftskriminellen oder Terroristen ändert sich. Die Risikolandschaft – also die Gesamtheit dieser Personengruppen und ihr Handeln – ist kein starres System, sondern es lässt sich zunehmend eine erhöhte Dynamik beobachten. Dadurch sind Banken wiederum einem erhöhten regulatorischen Risiko ausgesetzt. Der Grund für die Dynamisierung der Lage ist, dass Kriminelle auf ihre ganz eigene Art mit Unternehmern vergleichbar sind. Erfolgreiche Täter sind ständig auf der Suche nach dem optimalen Chance-Risiko-Profil und passen ihr Angebot stets der Nachfrage an. Dies führt dazu, dass in der Gegenwart andere kriminelle Märkte wichtiger sind als in der Vergangenheit. Der mögliche Auslöser der Covid- 19-Pandemie ist ein eindrucksvolles Beispiel hierfür: der illegale Wildtierhandel. 1 Dieses Betätigungsfeld erreicht eine Marktgröße von schätzungsweise bis zu 23 Mrd. US-$ – und das bei hohem Preisniveau mit noch höheren Margen und geringem Strafverfolgungsrisiko. Der NGO Global Financial Integrity zufolge lassen sich mit Schuppentieren, dem weltweit am stärksten gehandelten Wildtier mit bis zu 100.000 Stück pro Jahr, Margen von rund 1.500 Prozent erzielen. Ein weiteres Beispiel: Menschenhandel gilt derzeit als einer der am schnellsten wachsenden und profitabelsten illegalen Märkte. Die Financial Action Task Force (FATF), ein Gremium zur Bekämpfung von Geldwäsche, schätzt, dass der weltweite Markt zwischen 2011 und 2018 von 32 Mrd. US-$ auf 150 Mrd. US-$ gewachsen ist. Diese Zunahme ist unter anderem auch auf globale Migrationsund Flüchtlingsbewegungen zurückzuführen. Die Menschenhandelsaktivitäten von Südost- und Osteuropa nach Westeuropa werden vor allem zu Zwecken der Zwangsprostitution sowie des sexuellen Missbrauchs oder zur Zwangsarbeit durchgeführt. Diese und andere Perspektiven für Kriminelle im Menschenund Wildtierhandel haben mitunter zur Bildung transnationaler krimineller Netzwerke und Organisationen geführt. Auch die Geschwindigkeit der Veränderungen krimineller Verhaltensmuster nimmt zu, da Kriminelle sich nicht an Gesetze halten und neue Technologien und Produkte schnell adaptieren. Dazu gehören beispielsweise Cyber Assets und virtuelle Plattformen. Eine einfache Verbindung wie Silk Road, Bitcoin und manche Offshore-Jurisdiktionen verschaffen Tätern einen Vorsprung, der derzeit so gut wie gar nicht durch Banken und nur mit massivem Aufwand durch Strafverfolgungsbehörden aufgeholt werden kann. 06 // 2020 39

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