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diebank 05 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

DIGITALISIERUNG FINTECHS

DIGITALISIERUNG FINTECHS SUCHEN PARTNERSCHAFTEN „Finanzdienstleistung ist keine Rocket Science“ Dr. Hansjörg Leichsenring sieht die Bankenbranche im Umbruch und glaubt, dass sich auch bei FinTechs die Spreu vom Weizen trennen wird. Der Experte für Bank- und Finanzdienstleister berichtet als Herausgeber von „Der Bank Blog“ über aktuelle und grundsätzliche Entwicklungen der Finanzbranche. die bank: Herr Dr. Leichsenring, was macht die FinTech-Szene im Vergleich zu Banken besser, und wie gehen diese Start-ups strategisch und operativ vor? Hansjörg Leichsenring: Die Grundidee von FinTech ist es, Kundenorientierung, Finanzdienstleistung und moderne Technologie zu neuen Angeboten zu kombinieren. Ob FinTechs damit das Banking „besser“ machen, wird sich erst zeigen. Am Ende des Tages bietet auch ein vielgerühmtes Start-up wie N26 ganz normale Bankdienstleistungen an und muss ein Geschäftsmodell entwickeln, mit dem sich nachhaltig Geld verdienen lässt. Die bisherigen Zahlen zeigen, dass dies nicht ganz so einfach zu sein scheint. Im Hinblick auf das Geschäftsmodell lassen sich zudem nicht alle FinTechs über einen Kamm scheren. Viele wetteifern eben nicht direkt um die Gunst der Kunden, sondern orientieren sich im B2B-Geschäft und suchen die Partnerschaft mit etablierten Kreditinstituten. Meiner Ansicht nach ist dies das interessantere Modell. die bank: Welcher Wettbewerbsvorteil kommt hier zur Geltung? Leichsenring: Der grundsätzliche Vorteil der FinTechs besteht in den nicht vorhandenen IT-Altlasten. Es ist halt einfacher, in einem bestimmten Geschäftssegment ein neues System aufzubauen, statt ein universelles Bankensystem zu unterhalten, das auch regulatorischen Anforderungen genügt. Allerdings sind viele Start-ups nicht ganz so revolutionär aufgestellt, wie es am Frontend den Anschein hat. Im Maschinenraum ist oft ganz konventionelle IT im Einsatz, Handarbeit und Medienbrüche sind keine Ausnahme. Vollständig digitalisierte Prozesse sind auch bei FinTechs die Ausnahme. die bank: Wir sehen nur noch Online-Plattformen. Welche Applikationen sind bei Retail- und Firmenkunden besonders gefragt? Leichsenring: Ist das wirklich so? Ich sehe überwiegend normale Banken, Sparkassen und Kunden, die ganz normale Bankdienstleistungen nachfragen. Vergleichsplattformen sind doch keine FinTech-Neuheit, sondern es gibt sie schon lange. Viele Banken arbeiten mit diesen Plattformen zusammen und betrachten sie als zusätzlichen Vertriebskanal. Auch wenn die Margen damit nicht größer werden, scheint die Rechnung bislang für beide Seiten, aber auch für die Kunden aufzugehen. die bank: Welche Rolle spielt in diesem Zusammenhang PSD2? Leichsenring: PSD2 wurde von vielen als Revolution gesehen und sollte Open Banking zum Durchbruch verhelfen. Die Realität ist eine andere. Bislang erschweren die in diesem Zusammenhang eingeführten Sicherheitslösungen eher das bequeme Online Banking. Ob Banken wirklich eines Tages ihre Ertragsprobleme mit dem Verkauf von bankfremden Leistungen wie Strom oder Handyverträgen lösen können, sei dahingestellt. Kunden wollen vor allem eines: Ihren Finanzbedarf einfach, transparent und optimal sowie individuell gelöst bekommen. Allein in diesen Grundelementen scheint mir, dass es noch viel zu tun gibt. die bank: Welche regulatorischen Anforderungen machen für FinTechs in Deutschland tatsächlich Sinn, und welche Gesetzesinitiativen wären wünschenswert? Leichsenring: Das ist meines Erachtens einfach zu beantworten. Gleiches muss gleich behandelt werden. Kunden müssen 46 05 // 2020

DIGITALISIERUNG sich darauf verlassen können, dass für alle Finanzdienstleistungen die gleichen regulatorischen Anforderungen und Sicherheiten gelten. Dass dies in der Realität nicht ganz einfach ist, zeigt die Datenschutzverordnung DSGVO. Eigentlich gedacht, um den Internetriesen Grenzen aufzuerlegen, ist das Ergebnis genau entgegengesetzt. Während Facebook, Google und Co. einfach ihre AGBs ändern und vom Kunden bestätigen lassen, um damit mehr Datenmacht zu haben als vorher, tun sich Banken unverändert schwer damit, ihre Daten für neue ertragreiche Geschäftsmodelle zu nutzen. die bank: Steht die Genese dieser FinTech-Ökosysteme nicht auch im Widerspruch zu dem neuen Anspruch, dass die Finanzwelt nachhaltiger werden muss? Leichsenring: Nicht nur die Finanzwelt muss nachhaltiger werden, sondern die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft. Ich sehe bislang nur wenige konkrete Ansätze von FinTechs im Bereich Sustainable Finance. die bank: Die Gesamtinvestitionen in deutsche Finanz-Startups überstiegen 2019 erstmals die Marke von 3 Mrd. € und lagen damit doppelt so hoch wie im Jahr 2018. Wie lautet Ihre Prognose für 2020, und in welche Technologien, Produkte und Dienstleistungen werden die meisten Gelder fließen? Leichsenring: Angesichts anhaltend niedriger Zinsen, überbordender Liquidität, fehlender Alternativen und einer immer stärker fortschreitenden Digitalisierung der Wirtschaft und des Alltags werden FinTechs ein präferiertes Anlageziel von institutionellen Investoren bleiben, auch wenn die aktuelle Corona- Krise erst mal für Verunsicherung auch in diesem Bereich sorgt. Wir werden weiterhin mehr und größere Investitionen in Fin- Techs sehen, die bereits einige Jahre auf dem Markt sind und gezeigt haben, dass ihr Geschäftsmodell vielversprechend ist. Neue Start-ups werden es dagegen schwerer haben. Finanzdienstleistung ist keine Rocket Science, und irgendwann sind alle Ideen bekannt. Der 22. Robo Advisor wird eher nicht mehr gebraucht, wenn es die bestehenden 21 schon schwer haben, nachhaltig Geld zu verdienen. Bei den Technologien sehe ich vor allem Künstliche Intelligenz, Data Analytics und Blockchain im Fokus. Das gilt für die Produkte Kredite, Finanzierungen und Investments gleichermaßen. die bank: Herr Dr. Leichsenring haben Sie vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte François Baumgartner. 05 // 2020 47

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