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diebank 04 // 2020

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

INTERVIEW DIGITALER

INTERVIEW DIGITALER PIONIER IM DRITTE-WELT-LAND Kurz nach dem Börsengang von creditshelf gründete Marcus Silbe im November 2018 die FMR – Frankfurt Main Research AG. Das unabhängige und eigentümergeführte Research-Haus fokussiert sich auf Small- und Midcaps in der DACH-Region. Zu den regelmäßig analysierten Werten gehören auch die Papiere des digitalen Mittelstandsfinanzierers. Über die Stärken und Schwächen sowie das Kurspotenzial sprach unsere Autorin mit Vorstand Marcus Silbe. die bank: Welche Auswirkungen kann die Coronavirus-Krise auf einen digitalen Kreditgeber haben, der vor allem Mittelständler zu seinen Kunden zählt. Sie werden besonders von der Pandemie betroffen sein. Marcus Silbe: Infolge der Schwere der Ausbreitung und den Restriktionen auf das tägliche Leben in Europa dürfte das erste Halbjahr 2020 deutlich von CO- VID-19 gezeichnet sein. Inwieweit die Realwirtschaft (abseits der bereits deutlich gezeichneten Sektoren wie Gastronomie und Tourismus) im restlichen Jahr wieder zur „Normalität“ zurückkehrt, wird auch zeigen, wie sich das operative Geschäft bei creditshelf entwickelt. In einer Telefonkonferenz am 23. März hat das Management bereits bestätigt, dass es eine erhöhte Kreditnachfrage gibt. Es muss jedoch weiter geprüft werden, damit die Ausfallquoten nicht überproportional steigen. Von daher ist es sowohl ein Fluch als auch ein Segen für creditshelf, da die Anfragen sicherlich auch weiterhin deutlich steigen werden, aber die Nachhaltigkeit weiter Priorität haben sollte. Ein digitales Unternehmen wie creditshelf hat die Voraussetzungen als Hidden Champion aus der Krise zu kommen, da man deutlich flexibler als die bestehenden Großbanken in der aktuellen Marktlage agieren kann. diebank: Herr Silbe, vor knapp zwei Jahren ist creditshelf an die Börse gegangen. Wie hat sich das Unternehmen aus Ihrer Sicht seitdem entwickelt? Silbe: Bei digitalen Mittelstandskrediten ist creditshelf der Vorreiter am Markt. Derzeit ist das Unternehmen das einzige, das Kredite über 100.000 € bis 5 Mio. € anbietet und das sich auf ein Netzwerk institutioneller Investoren fokussiert. Die Konkurrenten wie Kapilendo sind mit deutlich niedrigeren Ticketgrößen unterwegs. Damit ist creditshelf gut aufgestellt. diebank: Wo sehen Sie Schwächen? Silbe: Größte Schwäche ist, dass das Unternehmen als gelisteter Börsenwert ein Mindestmaß an Transparenz erfüllen muss. Somit sind auch Zahlen wie die durchschnittliche Verzinsung der Kredite bekannt. Das kann natürlich bei Verhandlungen einen gewissen Druck ausüben. Als weitere Schwäche sehe ich, dass die 04 // 2020

MANAGEMENT Prognosefähigkeit bei jungen innovativen FinTechs noch gering ist. Anfang des Jahres ist schlecht absehbar, wie sich das ganze Jahr entwickeln wird. Bei creditshelf hat dies zu einer Gewinnwarnung im November 2019 geführt. Aufgrund einer unerwartet starken Entwicklung im Dezember sind zwar nicht die alten Prognosen erreicht worden, aber die in der Gewinnwarnung angepassten Zahlen wurden zumindest übertroffen. diebank: Die Aktien wurden im Juli 2018 zu 80 € platziert. Trotz eines starken Börsenjahrs haben die Papiere 2019 nicht mehr annährend diesen Kurs erreicht. Die Anleger scheinen von den Stärken des Unternehmens nicht besonders überzeugt zu sein. Silbe: An den bis zum Ausbruch der Coronakrise hoch bewerteten Kapitalmärkten waren die Erwartungen der Investoren bei IPOs oftmals viel zu hoch. Dass eine Aktie nach dem ersten Jahr deutlich unter dem Ausgabekurs notiert, ist in Deutschland derzeit eine typische Entwicklung. Creditshelf hat sich beim Umsatz im vergangenen Jahr immerhin auf 4,6 Mio. € verdoppelt. Aber es dauert eben, bis ein größeres Volumen erreicht wird. Und man darf auch nicht vergessen, dass Deutschland bei der Digitalisierung ein Dritte-Welt-Land ist. Vor allem der Mittelstand ist extrem zögerlich bei neuen digitalen Technologien. diebank: Wegen der Coronakrise trübt sich die Wirtschaftslage deutlich ein. Dann steigt auch das Ausfallrisiko... Silbe: Das trifft creditshelf wie jede Bank auch. Als Vorteil sehe ich bei dem FinTech, dass es ein sehr gutes Risikoanalysetool entwickelt hat. Die Ausfallquote bei Krediten liegt nach Angaben des Unternehmens bei zwei bis drei Prozent. Und man muss bedenken, dass über das gesamte vergangene Jahr gerechnet, von allen angefragten Krediten – auf Basis des Volumens – nur etwa 6,5 Prozent tatsächlich gewährt wurden, wobei der Wert im Dezember deutlich gestiegen ist. diebank: Die Entwicklung im Dezember könnte ja auch ein Zeichen dafür sein, dass das Unternehmen die Vergabestandards lockert, um mehr Kredite arrangieren und damit den Umsatz pushen zu können. Creditshelf hatte angekündigt, eine Konversionsquote von zehn Prozent anzustreben. Silbe: Creditshelf analysiert zwar die Kreditwürdigkeit und macht ein Scoring, aber das Risiko liegt bei den Investoren. Dennoch muss das FinTech die Ausfallquote im Blick behalten. Wenn zu viele Investoren von der Plattform verschwinden würden und deshalb die Kreditnehmer Probleme haben, Kreditgeber zu finden, kommt es schnell zu einem Bottleneck. Von daher wird das Unternehmen auch nicht leichtfertig auf eine Lockerung umstellen, da dies langfristig eher schädlich für credit-shelf wäre. diebank: Herr Silbe, vielen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte Eli Hamacher. 04 // 2020 43

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