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diebank 04 // 2020

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„SELL IN MAY…“

„SELL IN MAY…“ Reagieren die Aktienmärkte auf die US-Präsidentschaftswahl? Die 2020 anstehende Wahl des US-Präsidenten wird in den nächsten Monaten zunehmend die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich ziehen. Auch der Kapitalmarkt schenkt dem Thema bald eine wachsende Aufmerksamkeit, denn der Einfluss des Lenkers der größten Volkswirtschaft auf die Ökonomie und die Börse ist enorm. Dieser Einfluss des amerikanischen Staatsoberhaupts verändert sich im Lauf seiner Amtsperiode, und der Wahlkampf spielt dabei eine entscheidende Rolle. Clevere Vermögensverwalter und Fondsmanager sind sich auch der Saisonalität der Aktienbörsen bewusst und setzten sie bei Anlageentscheidungen oder im Risikomanagement gewinnbringend ein. Daher ist für die taktische Asset-Allokation wichtig, das Zusammenwirken des US-Wahlzyklus mit der Saisonalität an den Börsen zu kennen. Zur Klärung dieses Sachverhalts verfassten wir die weitreichendste Studie, die bisher zu diesem Thema durchgeführt wurde, und untersuchten 2.724 Monatsrenditen aus 227 Börsenjahren. Diese Kapitalmarktstudie kommt zu dem Schluss, dass es mit Ausnahme des Nachwahljahrs keine signifikanten Renditeunterschiede gibt. Allerdings zeigen sich in den vier Amtsjahren des US-Präsidenten deutlich unterschiedliche Ausprägungen im Hinblick auf die Saisonalität der Rendite. Vermögensverwaltern und Fondsmanagern bieten die Ergebnisse die Möglichkeit, bei ihren Anlagestrategien Saisonalität und US-Wahlzyklus einzubeziehen und damit langfristig ihre Performance unter Rendite-Risiko-Gesichtspunkten zu optimieren. Die Wahlperiode im Überblick Seit 1792 finden alle vier Jahre Präsidentschaftswahlen in den USA statt. Der Einfluss des Wahlkampfs und die Gesetze des Präsidenten im Wahlzyklus werden häufig diskutiert und untersucht. Yale Hirsh formulierte die US-Wahlzyklus-Theorie erstmals 1968 und ging dabei von folgender Hypothese aus: Das erste Jahr nach der Wahl verlässt der Präsident der Vereinigten Staaten den Wahlkampfmodus und arbeitet daran, Wahlversprechen zu erfüllen. Die höchste Priorität haben politische Interessen wie Steuerrechtsänderungen und soziale Wohlfahrtsfragen. Das zweite Jahr der Amtszeit folgt dem Trend des ersten Jahres. Eine anfängliche wirtschaftliche Schwäche wird in Kauf genommen, da die Wahlversprechen in der Regel nicht auf eine Stärkung der Wirtschaft abzielen. Im dritten Jahr seiner Amtszeit kehrt der Präsident in den Wahlkampfmodus zurück und bemüht sich, die Stimmung der Wähler zu verbessern. Er versucht, die Wirtschaft zu stärken und Beschäftigungsmöglichkeiten zu schaffen. Die finanziellen oder wirtschaftlichen Auswirkungen der Präsidentschaftspolitik sind zu diesem Zeitpunkt meist deutlicher geworden. Auch das vierte Jahr der Amtszeit ist noch einmal geprägt von Stimulation der Wirtschaft und der Börse, um die Wählerschaft für sich zu gewinnen. 20 04 // 2020

MARKT 1 | US-Wahlzyklus Mittelwert 1926 bis 2018 123 % 118 % 113 % 113 % 103 % 98 % 1. Januar 8. Januar 15. Januar 22. Januar 29. Januar 5. Februar 12. Februar 19. Februar 26. Februar 4. März 11. März 18. März 25. März 1. April 8. April 15. April 22. April 29. April 6. Mai 13. Mai 20. Mai 27. Mai 3. Juni 10. Juni 17. Juni 24. Juni 1. Juli 8. Juli 15. Juli 22. Juli 29. Juli 5. August 12. August 19. August 26. August 2. September 9. September 16. September 23. September 30. September 7. Oktober 14. Oktober 21. Oktober 28. Oktober 4. November 11. November 18. November 25. November 2. Dezember 9. Dezember 16. Dezember 23. Dezember 30. Dezember Wahljahr Nachwahljahr Mittelwahljahr Vorwahljahr Gleichzeitig findet an den Aktienmärkten ein saisonales Muster statt, das von Bilanzund Publikationsterminen im Börsenkalender getrieben wird. Diese Saisonalität wird „Sell in May“ oder „Halloween-Effekt“ genannt und ist für viele erfolgreiche Vermögensverwalter und Fondsmanager ein wichtiger Renditefaktor oder Teil des Risikomanagements. 1 Doch hat der US-Wahlzyklus einen Einfluss auf die Saisonalität? Verändert sich die Kalenderanomalie „Sell in may“ im US-Wahlzyklus und könnte eine Kombination von US- Wahlzyklus und „Sell in may“ gewinnbringend mit der taktischen Asset-Allokation eingesetzt werden? US-Präsidentschaftszyklus und Sell in may… Während Yale Hirsh die US-Wahlzyklus-Theorie ganzjährig betrachtet, ist es für die Saisonalität der Rendite am Aktienmarkt notwendig den Wahlzyklus in Phasen zu unterteilen: Z Wahljahr: Im Jahr der Präsidentenwahl kommt es häufig in den Monaten vor der Wahl zu einer ausgeprägten Sommerrallye, da Politiker im Vorfeld von Wahlen meist ökonomische Versprechen abgeben, die die Börsen zuversichtlich stimmen und das Börsenjahr auf Jahreshoch beenden lassen. Z Nachwahljahr: Ein neu gewählter Präsident nutzt den Beginn seiner Amtszeit in der Regel dazu, auch unpopuläre Entscheidungen wie Steuererhöhungen oder Ausgabenkürzungen zu treffen. Diese sorgen an den Börsen für eine schlechte Stimmungslage, die die Kurse im Jahr nach der Wahl belastet. Der Verlauf der Kurse ist im Nachwahljahr saisonal oft untypisch. Z Mittelwahljahr: Die negative Stimmungslage hält bis zur Hälfte des zweiten Nachwahljahrs an. In Erwartung neuer ökonomischer Impulse dreht die Stimmung ab dem Herbst ins Positive und mündet in eine längere Aufwärtsbewegung der breiten US-Indizes. Eine starke Jahresendrallye ist zu erwarten. Z Vorwahljahr: Die Präsidentschaftskandidaten beginnen bereits im Jahr vor der Wahl damit, ihre potenziellen Wähler mit neuen Versprechen für sich zu gewinnen und alle Hebel in Bewegung zu setzen, um die Wirtschaft anzukurbeln. Dies führt in aller Regel zu einem steigenden Aktienmarkt mit stark saisonalem Muster. Die historische Betrachtung des US-Aktienmarkts unterstützt die soeben beschriebene These. ÿ 1 Die folgende Untersuchung hatte das Ziel, diese theoretische Basis über einen sehr langen Untersuchungszeitraum empirisch zu überprüfen und die Renditeunterschiede in den einzelnen Jahren auf deren Signifikanz hin zu testen. Analysiert wurden alle US-Präsidentschaftswahlen seit dem Jahr 1792. Darüber hinaus wurde der sogenannte Halloween-Effekt, der eine bekannte Saisonalität am Kapitalmarkt darstellt, im Rahmen des US-Präsidentschaftszyklus überprüft. Bislang hatte keine Studie den US-Präsidentschaftszyklus in dieser zeitlichen Länge und in Kombination mit dem Halloween-Effekt untersucht. Der Halloween-Effekt beschreibt die Tatsache, dass sich Aktienkurse statistisch am besten im Zeitraum zwischen November und April entwickeln, dieses saisonale Phänomen wurde in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen nachgewiesen. Während die Wissenschaft strikt die Börsenweisheit „Sell in may“, also den oben genannten Zeitraum, untersucht, gibt es ausreichend wissenschaftliche Belege dafür, dass für globale und US-Aktien der Juli effizienter für eine saisonale Anlagestrategie ist. Die Börsenmonate August bis Oktober hingegen stellen die schlechtesten Monate dar. Über 62 Prozent aller größeren Kurseinbrüche in den letzten 120 Jahren fan- 04 // 2020 21

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