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die bank 03 // 2019

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

MANAGEMENT

MANAGEMENT die Anzahl von Kreditaufnahmen der gegründeten Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr gesunken ist. Dies spiegelt die Tendenz der letzten Jahre wider, da die Zahl von Kreditfinanzierungen insgesamt rückläufig ist. Demnach sank die Menge der Bankdarlehen um 1,9 Prozentpunkte auf 12,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Damit belegt diese Studie, dass das Problem der Gründer nicht unbedingt in einer zu starken Fremdkapitalorientierung liegt, wie es noch Bundesfinanzminister Olaf Scholz jüngst in einer Rede vor der Deutschen Börse 1 in Frankfurt nahelegte. Allerdings stellte Scholz in der Rede zu Recht heraus, dass die Möglichkeiten der Kapitalmarktfinanzierung für Start-up-Unternehmen generell verbessert werden müssten. Hierfür muss es Lösungen sowohl auf der Eigenkapital- als auch auf der Fremdkapitalseite geben. Der Finanzminister wies in diesem Zusammenhang auf zwei wichtige Initiativen hin: auf die sogenannte SEED-Finanzierungsinitiative der Bundesregierung sowie auf die neue KfW Capital der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Auch die Deutsche Börse zeigt hier mit Scale und Venture Network Initiativen. Für Start-ups ist es in der Regel schwerer als für etablierte Unternehmen, Fremdkapital über Banken zu erhalten, da Start-ups naturgemäß weniger Sicherheiten aufweisen. Gründer können zwischen zwei verschiedenen Ansätzen wählen, um den Einsatz von Fremdkapital gering zu halten. Eine Möglichkeit besteht darin, den Kapitaleinsatz und damit die Abhängigkeit von externen Geldgebern insgesamt zu reduzieren. Das Lean-Start-up bezieht seine Idee aus dem Prinzip des Lean Managements. Das schlanke Start-up basiert auf dem Konzept, sämtliche Geschäftsprozesse von überflüssigen Kosten und Arbeitsaufwänden zu befreien und diese dadurch schlank zu halten. Hauptmotivation eines Lean-Start-ups ist die Reduzierung des Gesamtkapitalaufwands. Lean-Start-ups investieren erst dann mehr Kapital, wenn sie ein Produkt entwickelt haben, das auf eine hohe Kundennachfrage stößt. Im Anschluss versuchen sie, wirtschaftlich zu wachsen. Dies kann jedoch zu Wachstumseinschränkungen führen, die auf lange Sicht zum Verlust von Marktanteilen führen kann. Verzicht auf externes Fremdkapital Ein weiterer Ansatz ist die Selbstfinanzierung. Diese Bootstrapping genannte Variante bezeichnet den Verzicht auf externes Fremdkapital bei gleichzeitiger Unterstützung der Kapitalgeber. Die finanziellen Mittel werden in diesem Fall durch eigene Ersparnisse sowie durch Familienangehörige und Freunde bereitgestellt. Durch die eigenständige Finanzierung muss das Start-up schnellstmöglich den Break-Even-Point erreichen, damit ein positiver Cashflow garantiert wird. Diese Variante kann jedoch auch mit der Einschränkung unternehmerischer Aktivitäten einhergehen, wenn die finanziellen Mittel zu knapp sind. Start-ups mit einer hohen Aufnahme von Eigen- oder Fremdkapital zeichnen sich in aller Regel durch eine höhere Bestandfestigkeit aus. Hinzu kommt: Je länger die Entwicklungszeit eines Geschäftsmodells dauert, desto ungeeigneter sind Bootstrapping und Lean- Modelle. Fremdkapitalfinanzierung bietet viele Vorteile für Start-ups, da damit in der Regel nicht der Erwerb von Geschäftsanteilen durch den Geldgeber verbunden ist. Folglich stehen diesem keine Eigentumsrechte am Unternehmen zur Verfügung. Für das Start-up bedeutet dies, dass dem Fremdkapitalgeber keine unternehmerischen Verwaltungsrechte wie beispielsweise Stimmrechte oder Ähnliches zustehen. Das Management einer Firma wird dadurch nicht beeinflusst und hat weiterhin die volle Flexibilität und Freiheit be- 24 03 // 2019

MANAGEMENT züglich seines unternehmerischen Handelns. Der Kapitalgeber ist also nicht mittelbar am unternehmerischen Erfolg beteiligt. Ihm steht lediglich der zu tilgende Nominalbetrag zuzüglich Zinsen zu, welcher nach Ablauf einer gewissen Frist vollständig zurückzuzahlen ist. Der Fremdkapitalgeber geht damit ein geringeres Risiko ein, da er im Insolvenzfall nicht mithaftet. Darüber hinaus muss im Fall einer Zahlungsunfähigkeit stets zuerst der Fremdkapitalgeber vor dem Eigenkapitalgeber bedient werden. Aus der Nachhaltigkeitsperspektive ist die Aufnahme von Fremdkapital in einem gewissen Umfang zu begrüßen. Der gegenläufige Trend könnte also auf Hürden zurückzuführen sein, die eher bankseitig zu suchen sind. Aspekte der Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit tritt in drei Dimensionen auf: Man unterscheidet hier zwischen ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Die ökonomische Nachhaltigkeit, als oftmals dominierende Sicht, ist vor allem darauf ausgerichtet, die Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten und zu steigern. Der Ökonom Holger Rogall sieht neben Preisstabilität und einem außenwirtschaftlichen Gleichgewicht vor allem in der angemessenen Bezahlung der Mitarbeiter einen wesentlichen Nachhaltigkeitsfaktor 2 und zeigt dadurch auch eine Schnittmenge zur sozialen Nachhaltigkeit auf. Auch Endverbraucher sehen in der Nachhaltigkeit verstärkt einen ökonomischen Nutzen etwa durch längere Produktlebenszeiten oder Wiederverwendung von Produktkomponenten. Die Verbraucher achten beispielsweise auf Öko-Marken, Umweltsiegel auf Verpackungen oder auf plastikfreie Verpackungen und sind zum Teil sogar bereit, für diesen Nutzenzugewinn zunächst einen höheren Preis zu zahlen – langfristig aber zu sparen. Eine Online-Erhebung im Rahmen unseres Whitepapers, für die bundesweit 264 Privatpersonen aller Altersgruppen befragt wurden, ergab, dass 85 Prozent der Verbraucher bereit sind, nachhaltig produzierte und zugleich teurere Produkte zu kaufen – ein Trend, der längst auch im konventionellen Handel angekommen ist. Man beachte hier nur beispielgebend die umfassenden CSR-Bemühungen der großen deutschen Discounter. Für die ökologische Nachhaltigkeit steht ferner der Ressourceneinsatz im Vordergrund, während der soziale Aspekt auf die Einhaltung humaner Arbeitsbedingungen gerichtet ist. Dazu gehört auch die Ächtung von Kinder- und Zwangsarbeit sowie die Förderung von eigenen sozialen Projekten. Die eingangs gestellte Frage, wie Banken ihre Rolle bei der Start-up-Finanzierung wahrnehmen, soll auch ein Licht auf die Frage werfen, warum die Fremdkapitalfinanzierung für Gründer noch nicht den Stellenwert hat, der ihm aus betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten eingeräumt werden sollte. Entscheidend dabei ist auch, welche Rolle die Nachhaltigkeit für Banken bei der Fremdkapitalfinanzierung von Start-ups spielt. Banken sprechen von Modebegriff Die von uns durchgeführten Recherchen und Interviews zeigen klar, dass Banken Nachhaltigkeit als Geschäftskonzept noch immer mit einiger Skepsis begegnen. Die Kreditinstitute sehen darin einen Modebegriff, der häufig auch zu Marketingzwecken missbraucht werde. Zudem falle es häufig scheinbar schwer, hier im Rahmen der Unternehmensbewertung die Spreu vom Weizen zu trennen. Den Instituten ist jedoch auch klar, dass sich das Bewusstsein der Gesellschaft für Fragen der Nachhaltigkeit geschärft hat und auch die Politik durch Gesetze und Verbote ihrerseits die Wahrnehmung der Verbraucher und der Unternehmen verändert und das Thema so in den Mittelpunkt gerückt hat. Ergo: Nachhaltigkeit ist ein geschäftlicher Faktor, doch der Umgang damit längst noch nicht erprobt und sicher. Im Bereich der Unternehmensfinanzierung gibt es jedoch bereits einen Trend hin zu nachhaltigen und sozialen Ansätzen, vor allem in technologiegetriebenen Gründungen im Bereich der Erneuerbaren Energien und der Digitalisierung. Aufschlussreich und durchaus positiv ist, dass sich die befragten Banken darin einig sind, dass die Digitalisierung zu einer besseren Nachhaltigkeit beitragen kann. Zum einen würden dadurch weniger Ressourcen verbraucht, zum anderen böten sich dadurch neue Möglichkeiten für die Qualitätssicherung und völlig neue Produktund Serviceansätze. Zu nennen ist hier der 03 // 2019 25

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