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die bank 12 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT Steuerung politischer Risiken RISIKOMANAGEMENT Was steht für Investoren in den kommenden Monaten auf der politischen Agenda? Ist die Europäische Union, in der Länder wie Italien derzeit von den Marktteilnehmern mit Argusaugen beobachtet werden, im Auge des Zyklons oder bestimmt die neue Administration in den USA darüber, ob ein warmer Regen in Form von Konjunkturpaketen über dem Land niedergehen wird? Die zunehmende Ungleichheit der Einkommen und der Rückgang des Pro-Kopf-BIPs in der westlichen Hemisphäre erklären zum Teil das politische Verhalten der Menschen. Wie lassen sich Portfolios gegen diese politische Risiken absichern? Die meisten dieser Faktoren können ein gewisses Maß an Volatilität generieren. Aber was geschieht, wenn ein erklärter Gegner der freien Marktwirtschaft in einem großen westlichen Land an die Macht kommt? Mit diesen Fragen setzen sich die Autoren im Folgenden auseinander. | Stéphane Dutu | Jérémy Gatto | Florian Ielpo Keywords: Europa, USA, Politik, Finanzmärkte Ein politisches Risiko ist per definitionem ein vorübergehender Schock mit längerfristigen potenziellen Auswirkungen. Und politische Risiken lauern derzeit überall: Man denke nur an die Brexit- Schlagzeilen, die Kontroversen um die US-Wahlen oder das Drama um die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff. Das Wiederaufflammen der politischen Risiken resultiert wahrscheinlich aus einer völlig veränderten Wahrnehmung der Konsequenzen, welche die Globalisierung für die Welt hat. Die Globalisierung ist seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs unaufhaltsam auf dem Vormarsch und hat sich seit dem Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation (WTO) 2000 weiter beschleunigt. Sie hat die Spielregeln in der Weltwirtschaft revolutioniert: China wies zweistellige Wachstumsraten auf in einer Zeit, in der sich diese in den westlichen Volkswirtschaften strukturell verlangsamt hatten. Die Menschen sind zunehmend frustriert: Was zuvor als notwendiges Übel erachtet wurde und das Räderwerk der Weltwirtschaft am Laufen hielt, gilt mittlerweile als „Abzocke“, wie Donald Trump es im ersten TV-Duell mit der Gegenkandidatin der Demokraten, Hillary Clinton, formulierte. Über die theoretische Debatte um den Freihandel hinaus befeuert der mutmaßliche Verlust der wirtschaftlichen Souveränität in den Industrieländern den Aufstieg von Anti- Establishment-Parteien. Erstmals kristallisierte sich dieses Anti-Establishment- Gefühl im britischen „Ja“ zum Brexit deutlich heraus und wird auch 2017 ein wichtiger Punkt auf der überladenen politischen Agenda sein. Das politische Risiko – der Aufstieg politischer Parteien, welche die ökonomischen Lösungen des 20. Jahrhunderts in Abrede stellen – muss deshalb eng überwacht werden. Politische Gewitter könnten zunehmen Die Wahlen in der Europäischen Union und in den USA haben gezeigt, dass Anti- Establishment-Parteien und -Kandidaten in der Gunst der Wähler weiter steigen. Diese Kräfte sind keine Randparteien mehr, sondern könnten schon bald über ausreichende Unterstützung verfügen, um erheblichen Einfluss auf die Wirtschafts- und Sozialpolitik auszuüben. Auch ohne direkte Regierungsbeteiligung stoßen sie in großen Teilen der wahlberechtigten Bevölkerung auf eine so hohe Resonanz, dass es sich die etablierten Parteien nicht mehr leisten können, ihre Forderungen einfach zu ignorieren, so wie es früher der Fall war. Keinem westlichen Land ist es in den letzten Jahren gelungen, sich der zunehmenden Beliebtheit von Protestparteien und -kampagnen entgegenzustemmen. ” 1 zeigt ihren Vormarsch bei Wahlen in westeuropäischen Ländern. Die ständig steigende Zahl der Wähler, die für radikale Oppositionsparteien stimmen, die die Errungenschaften der Globalisierung, des Kapitalismus, des Freihandels, der Einwanderung und des Multikulturalismus abstreiten, stellt ein Risiko dar. Dadurch erhält einerseits die politische Instabilität Nahrung. Andererseits könnten – was für die Finanzmärkte noch gravierender ist – bei einem Anhalten dieser Tendenz über die kommenden zwölf Monate Politiker an die Macht kommen, die Gegner der freien Marktwirtschaft sind, sodass die Gewinne, die global agierende Unternehmen dank des freien Waren-, Dienstleistungs-, Kapital- und Personenverkehrs erzielen können, erheblich geschmälert würden. Wachsende Unzufriedenheit in der Bevölkerung Anti-Establishment-Parteien kritisieren vor allem die früheren Entscheidungen der etablierten Parteien. Die Staatsaus- 40 diebank 12.2016

BETRIEBSWIRTSCHAFT ó 1 Aufstieg von Anti-Establishment-Parteien, in Prozent der gesamten Stimmen 40 35 30 25 20 15 10 5 0 1980 1982 1984 1986 1988 1990 1992 1994 1996 1998 2000 2002 2004 2006 2008 2010 2012 2014 2016 France Switzerland Italy Germany UK Netherlands Average Quelle: Berechnungen von Unigestion auf der Basis repräsentativer Wahlen im jeweiligen Land (Wahlen mit proportionaler Verteilung der Stimmen). Diese Wahlen umfassen supranationale, nationale und regionale Parlamentswahlen. gaben sind in den vergangenen 20 Jahren förmlich explodiert, sodass die Schuldenquoten (in Prozent des BIP) immer neue Rekordwerte erklimmen. Aber das in den einzelnen Volkswirtschaften investierte Geld der Steuerzahler konnte den Lebensstandard kaum steigern. Die nunmehr erforderlichen Ausgabenkürzungen, die zu einer Zeit drohen, da die Bevölkerung die zunehmende Ungleichheit und eine Verschlechterung des Lebensstandards beklagt, erklären die aktuelle politische Situation zum Teil. Nach der großen Rezession wurden massiv öffentliche Gelder zur Stützung des Wachstums und zur Rettung angeschlagener Finanzinstitute verwendet. Dadurch stieg die durchschnittliche Schuldenquote von 65 auf knapp 100 Prozent ” 2. Natürlich bestehen erhebliche Unterschiede. So beträgt die Staatsschuldenquote in Italien 130 Prozent, in der Schweiz nur 45 Prozent, aber die durchschnittliche Quote ist gestiegen, da das nominale BIP-Wachstum mit dem steilen Anstieg der Staatsausgaben nicht Schritt halten konnte. Etliche Länder haben deshalb Ausgabenkürzungen beschlossen und damit Unzufriedenheit in der Bevölkerung hervorgerufen. Die Sanierung der Staatsfinanzen erfolgt normalerweise nicht zulasten der wohlhabendsten Bevölkerungsgruppen, sodass sich in vielen demokratischen Ländern mittlerweile ein hohes Maß an Verdrossenheit zeigt. Der Aufstieg der Syriza-Partei in Griechenland reflektiert vor allem die durch die Haushaltspolitik der früheren Regierung ausgelöste Verdrossenheit der Bevölkerung. Gravierende Unterkapitalisierung italienischer Banken In Italien ist für den 4. Dezember ein Referendum über eine Verfassungsreform zur Abschaffung des Zwei-Kammern-Systems und zur Straffung des Gesetzgebungsprozesses anberaumt. Matteo Renzi, Führer der italienischen Mitte-Links- Regierung, der 2013 Pier Luigi Bersani an der Spitze der Demokratischen Partei (PD) ablöste und 2014 Enrico Letta als Premierminister nachfolgte, möchte mit diesem Referendum seine aktuelle Position als Premierminister – die er erlangte – ohne gewählt worden zu sein, demokratisch legitimieren. Renzi war so zuversichtlich, dieses Referendum zu gewinnen, dass er für den Fall einer Ablehnung der Verfassungsänderung durch seine Landsleute seinen Rücktritt ankündigte. Dieser Anfall von Hochmut kann seine politische Karriere schwer beschädigen und in Italien eine neue Phase der Unsicherheit einläuten. Aktuellen Umfragen zufolge kann Renzi das Referendum durchaus verlieren, da sich seine politischen Gegner die Verdrossenheit der Italiener über die stockende Wirtschaft, die hohe Arbeitslosigkeit und das durch die Flüchtlingskrise hervorgerufene Chaos zunutze machen. Verliert er das Votum und tritt zurück, kann der italienische Staatspräsident das Unterhaus auflösen und für das kommende Jahr Neuwahlen ansetzen. Durch die rückläufigen Zustimmungsquoten der Regierung und den Aufstieg von Protestparteien wie der EU-skeptischen Fünf-Sterne-Bewegung und der immigrationsfeindlichen Lega Nord könnte für den Fall, dass im Unterhaus und dem immer noch mächtigen Senat keine Mehrheit gefunden wird, eine Koalition aus Anti-Establishment-Parteien an die Macht kommen oder eine neue Phase politischen Stillstands oder Reformstaus eingeläutet werden. Aber selbst, wenn Renzi als Sieger aus dem Referendum hervorgeht, bei einer Niederlage als Premierminister durch einen anderen PD- Politiker abgelöst oder wortbrüchig wird und nicht zurücktritt (Szenarien, die allesamt Neuwahlen im Jahr 2017 ausschließen), werden die finanziellen und politischen Risiken in Italien auf mittlere Sicht hoch bleiben. Für das Problem der gravierenden Unterkapitalisierung der italienischen Banken, wodurch die Vergabe von Krediten an die Wirtschaft 12.2016 diebank 41

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