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die bank 12 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Welches

ó BANKING Welches Geschäftsmodell darf es denn sein? BANKENREGULIERUNG NACH MASS Die unterschiedlichen Risiken von Geschäftsmodellen werden durch die derzeitigen Regulierungsvorgaben nicht ausreichend berücksichtigt. Eine Ausrichtung der Regulierung nach dem Geschäftsmodell hingegen könnte risikoarme Banken entlasten und den Bankensektor gleichzeitig stärken. Es stellt sich die Frage, wie die unterschiedlichen Geschäftsmodelle in den Regulierungsvorgaben zielgerichteter berücksichtigt werden können. David Großmann Keywords: Bankenaufsicht, Risikomanagement Deutschlands oberster Bankenaufseher, BaFin-Präsident Felix Hufeld, hat in einem Interview jüngst vorgeschlagen, dass Banken ihre Geschäftsmodelle überdenken sollten, um Kosten zu sparen und neue Ertragsquellen zu erschließen. Ein nachvollziehbarer Vorschlag angesichts eines weiterhin herausfordernden Marktumfelds. Diesem Vorschlag folgend, könnten differenzierte Regulierungsvorgaben Banken unterstützen, die erforderlichen Maßnahmen umzusetzen. Eine differenzierte Betrachtung, die auf die Unterschiede von Geschäftsmodellen eingeht, kann Vorteile für die Regulierung auf der einen und für Banken auf der anderen Seite haben. Bisherige Praxis Die Mindestanforderungen an das Risikomanagement (MaRisk) fordern von den Banken ein Risikomanagement sowie von der Bankenaufsicht eine Prüfungsintensität, die sich proportional an den eingegangenen Risiken der Bank orientieren sollen. Was in der Bankenaufsicht gelebte Praxis ist, ist bei den Regulierungsstandards bisher nur im Ansatz zu erkennen. Die Regulierung fordert in Säule 1 des Baseler Rahmenwerks Kapital- und Liquiditätsquoten, die jede Bank unabhängig von ihrem individuellen Risikoprofil zu erfüllen hat. Ausgenommen sind systemrelevante Banken, die höhere Kapitalquoten einzuhalten haben. Die risikogewichteten Baseler Kapitalquoten orientieren sich am eingegangenen Risiko des einzelnen Assets, jedoch wird darüber hinaus das Risiko eines Geschäftsmodells nicht ausreichend berücksichtigt. Auch die Leverage Ratio, als Backstop zu den risikogewichteten Kapitalquoten konzipiert, definiert das Risiko nur als Summe der bilanziellen und außerbilanziellen Positionen einer Bank. Wie sieht es mit Risiken des Geschäftsmodells aus? Erstmalig wird seit 2015 mit dem Supervisory Review and Evaluation Process (SREP) das Geschäftsmodell einer Bank analysiert. Erhöhte Risiken einer Bank, die durch den SREP aufgedeckt werden, können zu Aufschlägen in Säule 1 führen. Gleichwohl macht die Geschäftsmodellanalyse nur einen Teil des SREP aus. Eine grundsätzliche Berücksichtigung von Geschäftsmodellen für alle Regulierungsvorgaben erfolgt nicht. Notwendigkeit, Geschäftsmodelle zu berücksichtigen Die Systemrelevanz einer Bank, mit der Größe als eine der wesentlichen Kriterien, stellt nicht das einzige Risiko für das Finanzsystem dar. Auch kleinere, sehr risikoreiche Banken können eine Gefahr darstellen. Umso wichtiger ist es, den Fokus auf das Risiko des Geschäftsmodells zu verlagern. Grundsätzlich folgt die Wahl des Geschäftsmodells der Unternehmensstrategie sowie dem Rendite-Risiko-Profil der Geschäftsleitung. Dabei kann sich die strategische Ausrichtung grundlegend von anderen Banken des Finanzsystems unterscheiden. Diese Unterschiede gilt es für die Regulierung von Banken zu berücksichtigen. Beispielsweise benötigt eine Investment Bank mit hohen derivativen Beständen andere Verschuldungsvorgaben als eine klassische Retailbank. Kapitalmarktorientierte Banken unterliegen anderen Kapitalrisiken als Banken, die sich über Einlagen refinanzieren. Und Banken mit hohen Beständen an Immobilienkrediten weisen andere strukturelle Liquiditätsrisiken aus als Institute mit kurzfristigen Interbankenforderungen. Es hat sich während und nach der Finanzkrise gezeigt, dass durch die aktuellen Regulierungsvorgaben nicht alle Risiken adäquat abgedeckt werden. Das betrifft beispielsweise Risiken der Unternehmensstrategie und des Rendite-Risiko-Profils, die daraus abgeleitete Wahl von Assets, hohe Volatilitäten bei den Erträgen, zu hohe Risikoübernahmen oder 28 diebank 12.2016

BANKING ó Risiken der Finanzierungsstruktur. 1 Durch die grundsätzliche Berücksichtigung von Geschäftsmodellen können diese Risiken adäquater und frühzeitiger abgedeckt werden. Einteilung von Geschäftsmodellen Der Bankensektor kann in vielfacher Weise in Geschäftsmodelle unterteilt werden. Für diesen Beitrag wird die Variante von Ayadi et al. im Banking Business Models Monitor 2015 zugrunde gelegt. Sie ermöglicht eine transparente und nachvollziehbare Unterteilung. Die Studie untersuchte über 2.500 europäische Banken mit verschiedenen Eigentümerstrukturen und unterschiedlichster Größe zwischen den Jahren 2005 bis 2014. Das Bankensample wurde durch eine Clusteranalyse in fünf Geschäftsmodelle eingeteilt. Die Einteilung erfolgte nach der Art der Geschäftsaktivitäten (z. B. Kredit- und Handelsgeschäfte) und der Art der Refinanzierung (z. B. Kundeneinlagen, Interbankenhandel und Kapitalmarktaktivitäten). Die fünf Geschäftsmodelle werden im Folgenden kurz dargestellt 2 : ó Modell 1 – Focused Retail: Diese Banken konzentrieren sich auf das klassische Bankgeschäft. Der überwiegende Anteil der Refinanzierung erfolgt durch Kundeneinlagen (70 Prozent der Bilanzsumme), die für Kundenkredite (79 Prozent) verwendet werden. Das Derivatevolumen und Kredite an Banken haben einen untergeordneten Anteil. ó Modell 2 – Diversified Retail (Typ 1): Dieser Bankentyp hat einen ähnlich hohen Refinanzierungsanteil über Kundeneinlagen (71 Prozent) wie Modell 1, der für weniger Kundenkredite (56 Prozent) und für höhere Handelsaktivitäten (31Prozent) genutzt wird. Es werden geringe Anteile an Derivate volumina und Kredite an Banken ausgewiesen. ó Modell 3 – Diversified Retail (Typ 2): Das Geschäftsmodell weist wie Modell 1 einen hohen Bestand an Kundenkrediten (69 Prozent) aus, refinanziert diesen aber durch eine diversifiziertere Struktur aus Kundeneinlagen (37 Prozent) und kurzfristigen Interbankenverbindlichkeiten (42 Prozent). Mit dem Volumen an Derivaten und Kredite an Banken ist das Geschäftsmodell vergleichbar mit den anderen Retailbanken. ó Modell 4 – Wholesale: Wholesale Banken refinanzieren sich über Kundeneinlagen (52 Prozent) und Verbindlichkeiten gegenüber Banken (22 Prozent), die im Wesentlichen für Kredite an Banken (52 Prozent), Kredite an Kunden (21 Prozent) und Handelsaktivitäten (17 Prozent) verwendet werden. 12.2016 diebank 29

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