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die bank 12 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Spezialist

ó BANKING Spezialist für schwierige Fälle GESCHÄFTSMODELLE Eine gewisse Symbolkraft hat der Ausblick aus dem Empfangsraum des Bankhauses Löbbecke schon: Durch die hohen Fenster blickt der Besucher direkt auf die Dauerbaustelle der Staatsoper Unter den Linden am Bebelplatz. 2006 war Löbbecke, eine der ältesten Privatbanken Deutschlands, von Charlottenburg in das historische Bankenviertel in Berlin-Mitte gezogen. Im vornehmen Behren Palais, einst Stammhaus der Dresdner Bank, teilt sich das Institut die herrschaftlichen Räume mit der Hauptstadtrepräsentanz seiner Mutter, M.M. Warburg & CO. Die hatte Löbbecke 2003 erworben. Da war das Bankhaus mit einst 400 Mitarbeitern bereits deutlich geschrumpft. Heute macht sich das 1761 gegründete Kreditinstitut mit rund 40 Beschäftigten unter anderem einen Namen als Spezialist für schwierige Fälle. Die beiden Vorstände Heinrich Wittig und Daniel Bresser erzählen, wie sie ihren Platz unter dem Dach der renommierten Mutter gefunden haben. diebank: Wenn Sie das Bankhaus Löbbecke mit fünf kurzen Sätzen beschreiben sollten, wie würden diese lauten? Wittig: Wir sind eine Tochter der Warburg Gruppe und damit einer familiengeführten Bank. Unser Bankhaus blickt mit einer Historie von mehr als 250 Jahren auf eine sehr lange Tradition zurück und fühlt sich dieser verpflichtet. Unsere Dienstleistungen richten sich an gehobene Kunden. Ihnen bieten wir eine sehr persönliche Betreuung an. Und mit den Geschäftsbereichen Privatkunden, Firmenkunden und Kreditservice sind wir universal aufgestellt. diebank: Was ist Ihr wichtigstes Alleinstellungsmerkmal? Bresser: Wir betreuen unsere Kunden sehr individuell. Jedem Unternehmen und jedem Privatkunden ist ein Mitarbeiter fest zugeordnet. Das führt zu einer hohen Kundentreue. Als familiengeführtes Bankhaus setzen wir auf ein langfristig ausgerichtetes Geschäftsmodell – im Unterschied zu kapitalmarktorientierten Instituten, die jedes Quartal schöner, schneller, besser sein wollen und auch müssen. Unsere Inhaber können jedoch auch einmal bewusst auf Rendite verzichten, da sie ihre Strategie nicht an kurzfristigen Zielen ausrichten. Diese Verlässlichkeit spüren und schätzen unsere Kunden. diebank: Wer sind Ihre wichtigsten Konkurrenten? Wittig: Alle Privatbanken, also solche, die tatsächlich unabhängig sind, aber auch Institute, die zu einer großen Bank gehören. Darüber hinaus sind es die führenden unabhängigen Vermögensverwalter wie die DJE Kapital AG oder Flossbach von Storch. diebank: Wie viel Vermögen muss ich mitbringen, damit sich Löbbecke um meine Anlage kümmert? Bresser: Zu unseren Privatkunden zählen wir neben Einzelpersonen auch Stiftungen, Verbände und Vereine, die überdurchschnittlich vermögend sind. Vor allem das Geschäft mit den Stiftungen wächst, weil immer mehr Unternehmer ihr Vermögen in diese Einrichtungen einbringen, um dann zum Beispiel soziale oder kulturelle Projekte zu fördern. Eine feste Untergrenze existiert zwar nicht, aber 250.000 € sollte man schon mitbringen. Wenn jedoch ein aufstrebender junger Anwalt mit nur 150.000 € zu uns käme, würden wir ihn auch als Kunden begrüßen. Entscheidend ist, dass wir für unsere Kunden einen Mehrwert generieren können, zum Beispiel in der Strukturierung des Wertpapiervermögens. diebank: Rechtsanwälten und Notaren machen Sie laut Ihrer Webseite besondere Angebote ... Bresser: Ja, neben der traditionellen Führung von Anderkonten stehen wir Rechtsanwälten und Notaren zu besonderen Rahmenbedingungen auch für die Geschäftskontenführung zur Verfügung. Treuhandkonten führen wir ebenfalls zu besonderen Konditionen, eine Kontoführungsgebühr wird nicht erhoben. diebank: Löbbecke ist seit 2003 eine 100-prozentige Tochter von Warburg. Inwiefern profitieren Sie von der Mutter, was können Sie anbieten, was Sie vorher nicht konnten? Wittig: Unsere Kunden profitieren vielfach von unserer Zugehörigkeit zur Warburg Gruppe. Die Warburg Research GmbH betreibt ein qualitativ hochwertiges und seit Jahren international renommiertes Investment Research. Im langfristigen Finanzierungssegment der Immobilienfinanzierung bieten wir die Dienste unserer Schwestergesellschaft M.M.Warburg & CO Hypothekenbank AG an. Entsprechende Finanzierungsanfragen unserer Kundschaft werden in geeigneten Fällen dorthin vermittelt und gemeinsam betreut. In der zweiten Jahreshälfte 2014 haben wir außerdem begonnen, in 32 diebank 12.2015

BANKING ó Heinrich Wittig (li.) und Daniel Bresser leiten als Vorstände die Geschicke der Bank. fi INTERVIEW unseren Geschäftsregionen auch größere Finanzierungen zu begleiten, die durch uns vermittelt von unserer Mutterbank übernommen werden. Bei diesen Finanzierungen verantworten wir aber weiterhin die Alleinbetreuung, um die gewohnte Kundennähe und Unmittelbarkeit zu gewährleisten. diebank: Warburg hat in den vergangenen Jahren zahlreiche kleinere Privatbanken übernommen, neben Löbbecke auch das Bankhaus Hallbaum in Hannover (1997), Marcard, Stein & Co. in Hamburg (1998), das Bankhaus Carl F. Plump & Co. in Bremen (1999), Teile von Wölbern in Hamburg und schließlich 2009 die Schwäbische Bank in Stuttgart. Wie stellt die Mutter sicher, dass man sich nicht gegenseitig ins Gehege kommt? Bresser: An die Spitze der übernommenen Banken rücken in der Regel langgediente Führungskräfte der Warburg Gruppe, um den Führungsgeist zu vereinheitlichen. So war es auch bei Löbbecke. Die regionalen, vor Ort etablierten Institute behalten aber immer ihren Namen. Und in der Region treffen die Geschäftsleiter ihre Entscheidungen, natürlich in enger Abstimmung mit der Mutter. Die Wege sind kurz. Mit diesem Modell der selbstständigen regionalen Einheiten hat man gute Erfahrungen gemacht. Innerhalb der Gruppe hat sich Löbbecke zudem zum Kompetenzzentrum für Kreditservice entwickelt. diebank: Welche Expertise können Sie den Kunden hier bieten? Wittig: Seit 1999 beschäftigt sich unser Kreditservice mit der Verwaltung, Abwicklung und Transaktion von notleidenden Forderungen – überwiegend für Dritte, wie andere Banken sowie namhafte institutionelle als auch private Finanzinvestoren. Das können besicherte oder unbesicherte Forderungen sein. Mittlerweile betreiben wir diesen Service auch für uns selbst. diebank: Was können Sie denn besser als die Kollegen bei Ihren Kunden? Wittig: Wir sind ein Spezialist für schwierige Fälle und finden in mühevoller Kleinarbeit Lösungen. Dafür braucht man Mitarbeiter, die sich langfristig und intensiv mit den Themen beschäftigen und viel Erfahrung mitbringen. Die Kredite stecken ja in der Sackgasse, wenn die Kreditabteilung die Rechtsabteilung einschaltet. Dann kommt unser Kreditservice ins Spiel. Oftmals hilft es schon, wenn ein bis dato unbeteiligter Kollege mit frischer Phantasie an den Fall geht und so den Schuldner motivieren kann, zu zahlen. Letztlich spielt es auch eine Rolle, ob es gelingt, Vertrauen zu schaffen. diebank: Der Kreditservice ist neben den Bereichen Privat- und Firmenkunden die dritte Säule des Geschäfts. Welche Rolle spielt er für Ertrag und künftiges Wachstum? Bresser: Dank der langjährigen Expertise steuert dieser Bereich heute einen erfreulichen Beitrag zum Ergebnis bei. Durch die erfolgreiche Abwicklung angekaufter notleidender Forderungen im Kreditservice wurden 2,5 Mio. € aus abgeschriebenen Forderungen realisiert, die maßgeblich zur Verbreiterung der Erträge beitrugen. diebank: Dennoch ist es Löbbecke im abgelaufenen Geschäftsjahr nicht gelungen, ein positives Ergebnis zu erzielen. Wittig: Wir haben mit einem Verlust von 994.000 € abgeschlossen nach einem Gewinn von 202.000 € im Jahr 2013. Somit ergibt sich eine negative Rendite auf das eingesetzte Kapital in Höhe von - 8,21 Prozent (Vorjahr 1,66 Prozent). Im Geschäftsjahr 2013 hatte der Kreditservice mit 3,8 Mio. € noch deutlich stärker zum Ergebnis beigetragen. Das Ergebnis im Jahr 2014 ist somit auf die gesunkenen Erträge aus dem Kreditservice, aber auch rückläufige Erträge der Wertpapierberatung sowie gestiegene Verwaltungsaufwendungen zurückzuführen, die nicht durch den Anstieg des Zinsüberschusses ausgeglichen werden konnten. diebank: Über einen gestiegenen Zinsüberschuss würden sich viele Ihrer Konkurrenten ja freuen. Wittig: Der Zinsüberschuss stieg 2014 gegenüber dem Vorjahr von 1,6 auf 2,1 Mio. €. 12.2015 diebank 33

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