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die bank 11 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BERUF & KARRIERE JEAN

ó BERUF & KARRIERE JEAN PIERRE MUSTIER Das Comeback ¾¾ AT THE TOP Die Situation im italienischen Bankenwesen ist derzeit extrem angespannt. Die stark angeschlagenen Finanzinstitute wollen alles tun, um den aktuellen Krisenmodus zu verlassen. Für die Banken geht es dabei auch darum, die eigene Rolle innerhalb Europas zu stärken. Denn in den Finanzzentren Mailands und Roms ist man auf die Unterstützung Europas angewiesen. Dies gilt gerade auch für die UniCredit S.p.A. – die größte Bank Italiens und das Flaggschiff der Szene. Sie ist mit rund 143.000 Mitarbeitern in 17 Ländern aktiv. Für UniCredit steht die stärkere Europäisierung bereits seit mehr als einer Dekade ganz oben auf der To-do-Liste. Die stärkere internationale Ausrichtung des Instituts ist von Bedeutung, weil das FSB (Financial Stability Board) die Bank als Mit 29 Jahren Erfahrung in der Bankenszene verfügt der Franzose Jean Pierre Mustier über ausgefeilte Kenntnisse in allen Belangen des Bankgeschäfts. 1987 startete er seine Karriere bei der französischen Großbank Société Générale, für die er bis 2009 arbeitete. Dort hatte er diverse Positionen in Paris, Tokio und Hongkong und den USA inne, unter anderem im Corporate & Investment Banking sowie als Chef der Bereiche Asset Management, Private Banking und Wertpapiergeschäfte. Von 2011 bis Ende 2014 stand Mustier schon einmal bei UniCredit unter Vertrag. Zuletzt war der Absolvent der Pariser Eliteuni École polytechnique als Partner bei der relativ unbedeutenden türkischen Fondsgesellschaft Tikehau Capital tätig. bedeutsames Finanzinstitut einstuft. An der Spitze dieses Instituts haben in der Vergangenheit viele bekannte europäische Banker ihr Glück versucht – allerdings nicht immer auch wirklich gefunden. Das gilt für schillernde Namen wie Alessandro Profumo, Sergio Ermotti, Federico Ghizzoni und auch Dieter Rampel. Zum 12. Juli dieses Jahres wurde nun Jean-Pierre Mustier als CEO berufen, auch dies ist sicher ein Zeichen der stärkeren Internationalisierung der Bank. Damit steuert nämlich erstmals ein Franzose die Geschicke der traditionsreichen Bank aus „bella Italia“. Die Entscheidung für den 55-Jährigen fiel den zuständigen Gremien auch deshalb recht leicht, weil Mustier beileibe kein Unbekannter im Haus war. Denn Mustier hat im UniCredit- Konzern – einer bereits seit dem 15. Jahrhundert existierenden Bank – einen Teil seiner Karriere verbracht und dabei durchaus seine Spuren hinterlassen. Mustiers Aufstieg ist ein weiterer Beweis für die enge Verbindung zwischen Italien und Frankreich. 2007 flammten an den Finanzmärkten Gerüchte über eine mögliche Fusion von UniCredit und der französischen Société Générale auf, nachdem die Italiener offiziell Gespräche mit den Franzosen angekündigt hatten. Die Phantasien der Börse auf eine Fusion realisierten sich in der Folge indes nicht. Jean-Pierre Mustier steht auch deshalb heute am Ruder der Bank, weil das Institut auf dem „Meer der Finanzmarkt-Unsicherheit“ eine gekonnte Navigation benötigt. Die Schwierigkeit von Mustiers Aufgabe ist nicht zu unterschätzen. In Mailand traut man ihm aber zu, das Institut wieder in ruhigeres Fahrwasser zu steuern. fl Der Manager gilt in der Branche als ein mit allen Wassern gewaschener Banker. Stressen lässt sich der neue Mann an der Spitze offenkundig auch nicht von der hohen Zahl der Problemkredite, auf denen Italiens Banken sitzen. Vor dem Stresstest, den die EZB bei Europas Banken durchgeführt hat, zeigte Mustier demonstrativ Gelassenheit: „Ich werde ruhig schlafen.“ Der entspannte Manager gilt in der Branche als ein mit allen Wassern gewaschener Ban- 68 diebank 11.2016

BERUF & KARRIERE ó ker, der in der Vergangenheit sehr wohl gelernt hat, die gesamte Palette des Bankgeschäfts zu beherrschen. Bei UniCredit war er bereits im Jahr 2011 angetreten, um als Investmentbank- Vorstand seine kreativen Ideen einzubringen und durchzusetzen. Er scheiterte allerdings in einem internen Machtkampf und verließ daraufhin das Haus im Jahr 2014. Jetzt ist er wieder zurück – und die Aufgabe ist seither sicher nicht leichter geworden. Mit 29 Jahren Erfahrung in der Bankenszene verfügt der Franzose über ausgefeilte Kenntnisse vor allem im globalen Wertpapiergeschäft. Zuvor war er seit dem Jahr 1987 für die französische Großbank Société Générale S.A. in Paris, Tokio und Hongkong und auch in den USA tätig gewesen. Begonnen hatte er seine Karriere bei der französischen Großbank als Derivatehändler im Geschäft mit Optionen. Vor seinem aktuellen Karrieresprung war er als Partner bei der relativ unbedeutenden türkischen Fondsgesellschaft Tikehau Capital tätig. In der europäischen Bankenszene sprechen sie mit Blick auf seine Berufung bei UniCredit in diesem Kontext deshalb jetzt von einem „wahrlich erstaunlichen Comeback“. Mustier ist ein gebranntes Kind – das Feuer scheut er trotzdem nicht. Auch deshalb nicht, weil er es in diesen sehr schwierigen Zeiten nicht umgehen kann. In der Bankenbranche hängen ihm einige seiner Kritiker heute noch an, dass ein ehemaliger Mitarbeiter unter seiner Leitung bei der Société Générale vor einigen Jahren rund 5 Mrd. € verzockt hatte. Jetzt hat er bei Italiens größter Bank Gelegenheit, diesen Imageschaden zu reparieren. Der Franzose weiß: Seine Bank muss die Kapitalbasis stärken. Er gilt auch in diesem Kontext als Mann der Tat. Dementsprechend hat er rasch gehandelt und zum Beispiel die Höhe von Beteiligungen an Töchtern reduziert. Zudem wird darüber spekuliert, dass der weltweit bekannte Vermögensverwalter Pioneer als UniCredit-Tochter verkauft werden soll. Über die finanziell vergleichsweise stabile deutsche Tochter HypoVereinsbank (HVB) soll sich Mustier Kommentaren aus der Türkei zufolge lobend geäußert haben. Daraus folgerten Akteure des Finanzmarkts, dass die HVB möglicherweise vor einem Gang an die Börse stehen könnte. Zweifellos will Mustier seinem Ruf als „Macher“ gerecht werden – auch dadurch, dass notleidende Kredite in eine neu zu gründende Gesellschaft eingebracht werden sollen. Grund: die anstehende Kapitalerhöhung soll so gering wie möglich gehalten werden. Ob all dies gelingt, hängt allerdings nicht zuletzt von der Reaktion der Investoren und der Finanzmärkte ab. Gleichwohl wird zur Erfüllung der von den Aufsichtsbehörden geforderten Eigenkapitalquote wohl die Beschaffung von Eigenkapital in Höhe von bis zu 10 Mrd. € notwendig sein. Noch vor einigen Monaten war in diesem Kontext von einer Kapitalerhöhung in Höhe von 5 Mrd. € die Rede. Wer den gewandten Franzosen je live erlebt hat, zum Beispiel auf Banken- und Derivate-Konferenzen, ist von seinen Fähigkeiten überzeugt. Seine wissenschaftliche Ausbildung hat er an der École Polytechnique und der École des Mines in Paris erhalten. Seine Kritiker sagen, dass der am 18. Januar 1961 in Chamalières geborene Top-Banker ein übersteigertes Bedürfnis nach Anerkennung und Geltung habe. Dass er sehr stark von sich überzeugt zu sein scheint, überrascht angesichts seines Werdegangs nicht unbedingt. Banker, die Mustiers Karriereweg begleitet haben, sehen darin allerdings keine negative Eigenschaft, sondern eher eine unerlässliche Fokussierung auf das Notwendige. Der stets adrett gekleidete Franzose gilt als ein Mann, der andere in seinen Bann ziehen kann. Aber nur seine Freunde und engsten Mitarbeiter sähen ihn hin und wieder lachend, heißt es bei der Soc-Gen über Mustier. Er wirkt in seinem äußeren Auftreten sportlich, was wohl auch auf seine militärische Ausbildung als Fallschirmjäger zurückzuführen ist. Ein Lautsprecher ist er trotz seines großen Selbstbewusstseins indes wohl nicht – oft wirkt er verschlossen und nachdenklich. Anders ist das bei seinen beruflichen Auftritten; denn dort tritt Mustier meist sehr entschlossen auf und kommt in seinen Reden ruhig und fokussiert rasch auf den Punkt. fl Wer den gewandten Franzosen je live erlebt hat, zum Beispiel auf Bankenund Derivate-Konferenzen, ist von seinen Fähigkeiten überzeugt. Wer in diesen Tagen Gelegenheit hat, in der Mailänder UniCredit-Zentrale auf Stimmungsfang zu gehen, dem wird eine gewisse Nervosität in der Belegschaft des italienischen Bankriesen nicht verborgen bleiben. Aber letztlich scheinen die Optimisten das Sagen zu haben. „Wir schaffen das“, sagt ein jahrelang in Deutschland aktiver UniCredit-Derivate- Experte augenzwinkernd. Große Hoffnungen werden dabei in die breite internationale Positionierung des Bankriesens und in diesem Kontext auch in die deutsche Tochter HypoVereinsbank gesetzt. Die gilt inzwischen als ein solider Anker innerhalb des Konzerns. Mustier äußert sich offiziell nicht zu aktuellen Überlegungen und Spekulationen, wonach sich UniCredit über einen Börsengang der HVB frisches Kapital beschaffen wolle. Vielleicht, so hoffen sie in Mailand, gelingt es Mustier ja, das Problem durch das Hervorzaubern einer Wundertüte zu entschärfen. Das Zeug dazu hätte der Franzose. ó Jonas Dowen 11.2016 diebank 69

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