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die bank 11 // 2016

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT

ó BETRIEBSWIRTSCHAFT „Schneller und kostengünstiger als Banken“ INTERVIEW mit Jevgenijs Kazanins, CEO von Twino, einem lettischen Peer-to-Peer-Kreditmarktplatz. Seit ihrer Gründung im Jahr 2009 hat die Twino-Gruppe ein Kreditvolumen von 300 Mio. € vergeben. Bislang investierten mehr als 4.000 Anleger aus 30 Ländern auf dem im Mai 2015 an den Start gegangenen Kreditmarktplatz mehr als 50 Mio. €. 25 Prozent davon stammen aus Deutschland. diebank: Herr Kazanins, P2P-Kreditmarktplätze gibt es viele. In Deutschland ist das bisherige Volumen zudem relativ klein und mit etlichen Adressen bereits gut besetzt. Allein im vergangenen Jahr sind im deutschsprachigen Raum mehr als 30 Vermittlungsplattformen im Internet hinzugekommen. Dennoch sind Sie fest entschlossen, den deutschen Markt zu entern. Welches Kundenproblem konnten Sie hier erkennen, und wo liegt der Bedarf begründet? Kazanins: Von den vielen P2P-Marktplätzen hat bisher nur Auxmoney ein Kreditvolumen erreicht, das mit dem europäischer Marktführer vergleichbar ist. Die Gründe hierfür liegen im sehr kompetitiven Bankensektor und in der komplizierten Regulierung, die P2P-Plattformen daran hindert, Investoren wettbewerbsfähige Erträge zu bieten. Wir wollen hingegen einen anderen Weg gehen: Wir operieren in Märkten, in denen die Zinsen auf Konsumentenkredite extrem hoch sind, etwa in Polen. Dadurch können wir sowohl Investoren attraktive Renditen bieten als auch die Profitabilität der Plattform selbst garantieren. Im Durchschnitt erhalten Investoren auf Twino mehr als 12 Prozent Rendite im Jahr auf ihre Investments. Das ist eine der höchsten Renditen auf europäischen P2P-Marktplätzen und bedeutend mehr, als Investoren auf deutschen Plattformen erhalten. Gleichzeitig bieten wir mit einer Rückkaufgarantie sogar mehr Sicherheit als die deutschen Vermittlungsplattformen. Dies führt dazu, dass immer mehr Investoren aus Deutschland zu uns kommen – mehr als 25 Prozent des über Twino vergebenen Kreditvolumens stammen bereits jetzt von deutschen Investoren, und der Zustrom hält weiterhin an. diebank: Deutsche Anbieter wie Smava, Lendico oder Auxmoney sind bereits bekannt und seit vielen Jahren aktiv. Schätzungen zufolge kommt Auxmoney auf einen Marktanteil von 80 Prozent. Was will Twino anders machen, und welches Potenzial sehen Sie im deutschen Markt? Kazanins: In Bezug auf unsere Investmentmöglichkeiten können wir definitiv mit Auxmoney mithalten – mit dem feinen Unterschied, dass wir deutlich höhere Erträge für Investoren bieten. Im Vergleich zu anderen P2P-Marktplätzen ist unser großer Vorteil die Rückkaufgarantie, die auf einen Großteil der gelisteten Kredite gewährt wird. Diese Rückkaufgarantie schützt Investoren vor dem Ausfallrisiko ihrer Kredite: Sobald sich die Rückzahlung einer Rate um mehr als 30 Tage verzögert, greift die Garantie, und die Anleger erhalten ihr investiertes Geld zuzüglich der in der Investmentperiode angefallenen Zinsen zurück. Insbesondere in Deutschland – einem Markt, in dem Anleger traditionell wenig risikofreudig sind – ist diese Garantie sehr wichtig und wird nach unserer bisherigen Erfahrung auch sehr geschätzt. diebank: Durch den weltgrößten US-Anbieter Lending Club, der seit dem Börsengang 2014 rund Vier Fünftel seines Werts verloren hat und zuletzt größere Compliance- Probleme erkennen ließ, hat das Segment einen merklichen Vertrauensverlust erlitten. Hatte diese Entwicklung auch Auswirkungen auf das Geschäft von Twino? Kazanins: Diese Stimmung haben wir nicht bemerkt, unser Kreditvolumen ist seit dem Start im Mai 2015 jeden Monat kontinuierlich gewachsen. Der Grund dafür ist, dass wir uns bisher ausschließlich auf Privatinvestoren konzentriert haben, statt institutionelle Investoren in den Fokus zu nehmen. Wenn man sich anschaut, wie die Probleme von Lending Club das Verhalten von Investoren beeinflusst haben, sieht man, dass der Einbruch durch institutionelle Investoren ausgelöst wurde. Diese zogen entweder ihre Investments zurück oder setzten ihre Aktivitäten zwischenzeitlich aus. Private Investoren haben gleichzeitig jedoch weiterhin über die Plattform investiert. diebank: Wie funktioniert Ihr Geschäftsmodell, womit verdienen Sie Geld, und wann peilen Sie den Break Even an? Kazanins: Vor dem Launch der P2P-Plattform Twino war die Twino-Gruppe ein klassischer Balance Sheet Lender, der im Grunde sein eigenes oder geliehenes Kapital verlieh. Seitdem haben wir mehr als 300 Mio. € verliehen. Diese Erfahrung hat uns gelehrt, sehr 48 diebank 11.2016

IT & KOMMUNIKATION ó vorsichtig zu operieren und von Anfang an auf Profitabilität zu achten. Aus dieser Disziplin ist dann die P2P-Plattform entstanden. Wir peilen keinen Break Even an, da wir ihn bereits erreicht haben: Die Twino-Gruppe ist in Privatbesitz und hat seit der Gründung 2009 profitabel gewirtschaftet. Hinter uns steht kein Venture Capitalist, weswegen wir in einer komfortablen Geschwindigkeit wachsen können. Das erlaubt uns, auch weiterhin profitabel zu wirtschaften. Durch die P2P-Plattform haben wir Zugang zu zusätzlichem Kapital, das von privaten Investoren investiert wird. Somit kann Twino weiter wachsen, während durch den Spread der Zinssätze für Kreditgeber und -nehmer unsere Profitabilität gewahrt bleibt. Jevgenijs Kazanins ist seit Oktober 2015 Geschäftsführer von Twino. Zuvor war er Marketingchef beim Wettbewerber Bondora, einem internationalen Marktplatz für Privatkredite. Dort leitete er die Neuakquise von Kreditnehmern und -gebern. Kazanins besuchte die Stockholm School of Economics, wo er einen Bachelor of Science in Economics und Entrepreneurship erwarb. Bisherige Stationen seiner Karriere führten ihn nach New York, Moskau und Tallinn. ¾¾ INTERVIEW diebank: Die Stimmung auf dem Beteiligungskapitalmarkt hat sich zuletzt eingetrübt, obwohl eigentlich genügend Liquidität vorhanden ist. Wo finden Sie Investoren, um das Wachstum und die Internationalisierungsstrategie von Twino zu finanzieren? Kazanins: In Bezug auf Investoren sehen wir ein kontinuierliches Wachstum und immer noch großes Potenzial in Märkten wie Deutschland, dem Vereinigten Königreich und Estland. In diesen Märkten gibt es seit Jahren P2P-Plattformen und mittlerweile tausende Investoren, die mit dieser Anlagemöglichkeit vertraut sind. Die verteilen derzeit ihre Mittel um, durchaus zu unseren Gunsten. Noch größeres Potenzial sehen wir jedoch darin, dass P2P-Lending mittel- bis langfristig den Mainstream erreichen wird. Momentan bieten P2P-Investments deutlich höhere Renditen als herkömmliche Investments und trotzdem ist das Volumen des Markts noch lange nicht mit dem von anderen Anlageprodukten vergleichbar. Ich glaube, dass diese Anlagekategorie durch mehr Transparenz, stabilere und verständlichere Regulierung sowie einem Lernprozess auf Investorenseite zu einer ernsthaften Alternative für herkömmliche Anlageklassen werden kann. diebank: Kooperationsmodelle mit Banken sind für die meisten FinTechs am stärksten mit der Aussicht auf Erfolg verbunden. Das dürfte bei Ihnen anders sein, denn warum sollte eine Bank mit Ihnen zusammenarbeiten? Kazanins: Fintech-Unternehmen fordern Banken heraus – im Fall von P2P-Plattformen wie Twino vor allem dadurch, dass sie deutlich anpassungsfähiger sind. Wir können Kredite sehr viel schneller und zu niedrigeren Kosten generieren als traditionelle Banken. Viele Banken realisieren mittlerweile, dass die Technologien und Prozesse von P2P-Marktplätzen – obwohl sie bisher noch keinen bemerkenswerten Marktanteil besitzen – deutlich besser und agiler sind, als ihre eigenen. Daraus ergibt sich ein starkes Fundament für Kooperationen. diebank: Bislang fehlt es bei den P2P-Kreditmarktplätzen vor allem an Transparenz, um die Geschäftsmodelle der Anbieter hinreichend beurteilen zu können. Der Härtetest in Zeiten einer Finanzkrise steht zudem noch aus. Ein Problem? Kazanins: Auch wenn wir bisher noch keine große Finanzkrise erlebt haben, haben wir den ersten Härtetest, den Brexit, bereits gut überstanden. Der Brexit hatte auf uns so gut wie gar keine Auswirkungen. Obwohl die Popularität von P2P-Lending zunimmt, ist es immer noch ein Nischenphänomen. Wir sind weniger anfällig für makroökonomische Fluktuationen als traditionelle Banken und können so gut Lücken schließen, die Banken nicht adäquat füllen können. diebank: Wo sehen Sie für Ihr Geschäft die größten Zukunftschancen? Kazanins: Wir sehen für das P2P-Lending Geschäft generell große Zukunftschancen. Momentan werden in Europa lediglich 0,5 Prozent aller Kredite über Lending-Plattformen vergeben: Der Großteil liegt immer noch bei den Banken. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Marktanteile aufgrund der besprochenen Veränderungen in Zukunft zugunsten von Plattformen wie Twino verschieben werden. Immer mehr Anleger sind davon überzeugt, dass über P2P-Plattformen effizienter, schneller und vor allem ertragreicher Geld angelegt werden kann als durch traditionelle Anlagemöglichkeiten. diebank: Herr Kazanins, haben Sie vielen Dank für dieses Interview. Die Fragen stellte Stefan Hirschmann. 11.2016 diebank 49

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