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die bank 11 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

EINFACHERE LEGITIMATION

EINFACHERE LEGITIMATION FÜR FLÜCHTLINGE Vorübergehende Erleichterungen ó Vor dem Hintergrund der sprunghaft gestiegenen Zahlen von Flüchtlingen, die möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden sollen, ist eine Übergangsregelung erforderlich, die ihnen rasch die Eröffnung eines Basiskontos ermöglicht. Die BaFin hat dafür in Absprache mit dem Bundesfinanzministerium vorübergehende Erleichterungen für den Prozess der Konto-Eröffnung zugelassen. Die Übergangsregelung, die bis zur für 2016 geplanten Identitätsprüf- Verordnung gilt, sieht vor, dass Briefkopf und Siegel einer deutschen Ausländerbehörde, die üblichen Angaben zur Person, ein Lichtbild und die Unterschrift eines Bearbeiters aus der Behörde reichen, damit die BaFin die Eröffnung eines solchen Kontos aufsichtsrechtlich nicht beanstandet. Der vollständige Inhalt der Übergangsregelung ist im BaFin-Schreiben an die Deutsche Kreditwirtschaft nachzulesen. Unter „Basiskonto“ versteht man ein Girokonto, das ohne Schufa- Abfrage und auch bei schlechter Bonität eröffnet werden kann und den Zugang zum bargeldlosen Zahlungsverkehr sicherstellt. Es wird als Guthabenkonto ohne Überziehungsmöglichkeit geführt und ermöglicht die wichtigsten Funktionen, nämlich Ein- und Auszahlungen (auch in bar), Lastschriften, Daueraufträge, Überweisungen und die Ausführung von Zahlungsvorgängen. Jeder Verbraucher mit rechtmäßigem Aufenthalt in der EU hat Anspruch auf ein solches Basiskonto. AUCH DDV FÜR SCHULFACH WIRTSCHAFT Renditechancen ungenutzt ó Deutschland ist ein Entwicklungsland, wenn es um die Wertpapierkultur geht. Beim Deutschen Derivate Tag sagte Hartmut Knüppel, geschäftsführender Vorstand des Branchenverbands DDV, die unzureichende Nutzung von Wertpapieren gerade bei den unteren und mittleren Einkommen habe negative Folgen für den Vermögensaufbau und die Altersvorsorge des Einzelnen. Sie sei auch mit dafür verantwortlich, dass sich die Schere der Vermögensverteilung in Deutschland immer weiter öffne. Auch bei der jüngsten Trend-Umfrage des DDV stellte sich wieder einmal heraus, dass hierzulande nur ein vergleichsweise geringer Prozentsatz des Geldvermögens in kapitalmarktnahen Produkten liege. Während die Börsen in den letzten Jahren zum Teil erheblich kletterten, hat nur knapp ein Viertel der Privatanleger den Zertifikate-Anteil in seinen Portfolios erhöht. Laut Krüppel gehört die Förderung der Wertpapierkultur in Deutschland auf die politische Tagesordnung. Die Wertpapierberatung müsse einfacher und unbürokratischer werden, zudem sei die Beseitigung steuerlicher Nachteile überfällig. Ebenso wie der Bankenverband fordert nun auch der DDV die Einführung eines Schulfachs „Wirtschaft“: Der Bildungssektor habe die wichtige Aufgabe, jungen Menschen schon früh wirtschaftliche Grundkenntnisse und eine positive Einstellung zur Marktwirtschaft und zu unternehmerischem Handeln zu vermitteln. MITTELSTANDSANLEIHEN VERÄRGERN INVESTOREN MIT SINKENDEN KUPONHÖHEN Das Risiko muss sich für den Anleger lohnen ó Mittelstandsanleihen als noch relativ junge Anlageform werden gern als „Motor“ der deutschen Wirtschaft bezeichnet, die das eingebrachte Kapital direkt der Entwicklung von Unternehmen zur Verfügung stellen. In einem Finanzmarkt ohne Zinsen sehen Anleger jedoch oft nur den versprochenen Zinskupon. Dessen durchschnittliche Höhe lag im zweiten Quartal 2014 laut einer Studie von PwC bei 7,56 Prozent. Da werden viele schwach, schlagen auch schon einmal alle Warnungen in den Wind und landen eventuell bei sog. Schrottanleihen. „Bisher sind Kupons eigentlich immer der Ausdruck des Risikos gewesen, das der Investor bereit ist einzugehen“, sagt Ralf Meinerzag, Steubing German Mittelstand Fund I. Die Entwicklung der letzten Monate jedoch nennt er überraschend. Ging man eigentlich davon aus, dass selbst Kuponhöhen von 6 bis 8 Prozent für viele Unternehmen nicht ausreichen würden, um sich am Kapitalmarkt frisches Geld zu besorgen, lösen stattdessen immer mehr Unternehmen ihre Anleihen aus und ersetzen sie durch neue mit niedrigeren Kupons. „Hier geschieht etwas im Markt, was wir nicht nachvollziehen können. Wir halten es auch für ungesund. Risiko muss sich für den Anleger lohnen“, so Meinerzag. Er untersucht regelmäßig deutsche Unternehmensfinanzierungen. Zum Beispiel Katjes International: Eine im Juli 2011 begebene und im März 2012 aufgestockte Anleihe mit einem Kupon von 7,125 Prozent wurde anstatt im Jahr 2016 vorzeitig zurückgezahlt. Refinanziert hat man dies über eine Neuemission. Die neue Anleihe wird 2020 fällig und hat einen um fast ein Viertel reduzierten Kupon über 5,5 Prozent. Für Meinerzag ist dies klar ein falsches Signal für den immer noch mit Risiken behafteten Markt. Eigentlich müssten die Investoren mit hohen Prämien geködert werden, aber die Emittenten seien nicht bereit, den entsprechenden Kupon zu zahlen. Das könnte zu einem „Zwei-Fronten-Krieg“ um die Investoren ausarten. Denn einerseits seien die Risiken für Investoren teilweise unüberschaubar, und der Ruf des Segments habe durch die Insolvenzen von namhaften Unternehmen schwer gelitten, andererseits seien aber die Risikoprämien, also die Kupons, teilweise einfach unattraktiv. „So fragen wir uns auf Dauer, warum wir noch in den Mittelstand investieren sollen“, erklärt Ralf Meinerzag das Dilemma der institutionellen Investoren. 6 diebank 11.2015

Finanzmarkt Trends BANKEN ÜBER MINDESTANFORDERUNG Vollen Puffer bereits erfüllt ó Alle Institute – acht international aktive Gruppe-1-Institute mit einer Kernkapitalausstattung von mehr als 3 Mrd. € sowie 85 aus der Gruppe 2 – die der halbjährlichen Analyse des Basel III-Rahmenwerks durch die Bundesbank unterzogen wurden, erfüllen die geltenden Mindestkapitalanforderungen. Unterstellt man die Vollumsetzung der CRR / CRD IV nach Auslaufen der Übergangsvorschriften im Jahr 2024, so liegen die Gruppe-1-Banken mit einer mittleren harten Kernkapitalquote von 10,8 Prozent deutlich über der Mindestanforderung. Sie halten auch bereits den vollen Kapitalerhaltungspuffer, der erst ab 2016 schrittweise eingeführt wird. Bei den übrigen Instituten liegt die harte Kernkapitalquote bei durchschnittlich 13,0 Prozent. Auf Einzelinstitutsbasis benötigen diese Institute insgesamt noch 253 Mio. € hartes Kernkapital, um die künftigen Anforderungen an den Kapitalerhaltungspuffer zu erfüllen. Zum Stichtag 31. Dezember 2014 betrug die durchschnittliche Leverage Ratio bei den Gruppe-1-Instituten 3,5 Prozent, bei den Gruppe- 2-Instituten 4,4 Prozent. Weiterhin befasst sich die Analyse mit der Liquiditätsdeckungskennziffer (LCR). Hier lagen die Gruppe-1-Institute bei 110,4 Prozent, Gruppe-2-Institute bei 153,5 Prozent. Im Mittel erfüllen somit beide Bankengruppen bereits die ab 2018 bindende Mindestanforderung von 100 Prozent. DEUTSCHE AUCH BEI AKTIEN RISIKOSCHEU Lieber auf Nummer sicher ó Deutsche Anleger gehen ungern Risiken ein, und auch bei Aktien halten sie sich meist an Blue Chips. Das Bündnis „Aktion pro Aktie“, in dem sich Comdirect Bank, Consorsbank, DAB Bank und ING-DiBa zusammengeschlossen haben, hat 2,5 Mio. Wertpapierdepots von Kunden analysiert und festgestellt, dass neun der zehn Top-Titel aus dem DAX stammen. Die Aktie mit dem größten Volumen in den Direktbankendepots ist die von BASF. Darauf folgen Daimler, Allianz und die Deutsche Telekom. Mit Apple auf dem fünften Platz gibt es nur eine einzige nichtdeutsche Aktie in den Top 10. Die Plätze sechs bis zehn belegen dann Siemens, Deutsche Bank, Bayer, SAP und Commerzbank. Auch eine Analyse der Aktientransaktionen zeigt, dass die Deutschen besonders auf heimische Papiere setzen. Von Januar bis Mai 2015 entfielen 58 Prozent der Käufe und Verkäufe auf deutsche und 42 Prozent auf ausländische Werte. Im Durchschnitt haben die Privatanleger 5,3 Positionen im Depot und verfügen über ein Aktienvolumen von 32.872 €, sodass sich eine durchschnittliche Aktienpositionsgröße von 6.195 € errechnet. MEHR AUFSICHT FÜR STAATSKREDITE Augenmaß bewahren ó Kredite an Staaten sind nicht per se risikofrei, das hat die Staatsschuldenkrise gezeigt. Gerade die undifferenzierte Privilegierung der Staatskredite habe zu Fehlanreizen letztlich im gesamten Finanzsystem geführt, sagt Michael Kemmer. Der Hauptgeschäftsführer des Bankenverbands warnte im Hinblick auf eine aufsichtsrechtliche Neujustierung für Kredite an Staaten jedoch vor übereilten Schritten. Schon heute seien Banken im Rahmen der Säule II verpflichtet, Kapital für das Risiko aus Krediten an Staaten vorzuhalten. Zudem müssten sie im Rahmen ihres Risikomanagements mögliche Klumpenrisiken im Blick behalten. „Wenn wir jetzt aufsichtlich verschiedene Stellschrauben verändern, zum Beispiel strengere Großkreditregeln einführen, kann dies an anderer Stelle zu Fehlentwicklungen führen“, so Kemmer im Rahmen eines Pressetermins in Frankfurt. Negative Folgen könnten etwa eine Erhöhung des Risikos für das Gesamtportfolio aufgrund von Ausweicheffekten sein, ein erschwertes Market Making oder eine verringerte Liquidität am Markt für Staatspapiere. Der Bankenverband hält es für wenig sinnvoll, öffentliche und private Schuldner gleichzustellen. Auch sprach sich Kemmer dafür aus, global einheitlich vorzugehen, um Wettbewerbsverzerrungen zu vermeiden. 11.2015 diebank 7

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