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die bank 11 // 2015

die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

ó BANKING Hallo Fuchs,

ó BANKING Hallo Fuchs, willkommen zurück! FINTECH 2.0 Mit dem neuen Namen Leodan Privatbank AG und mit einer völlig neuen Strategie erfindet sich die frühere PHZ Privat- und Handelsbank Zürich neu. Seit Mitte August 2015 werden mit einem hybriden Anlagemodell und einem Robo Advisor neue Kunden angesprochen. Die Außendarstellung vermittelt coolen Lifestyle, ein hohes Maß an Transparenz und spricht vor allem ein jüngeres Publikum an. Seit dem internationalen FinTech-Hype gewinnt diese Art des Bankings mehr und mehr Zulauf. Stefan Hirschmann Keywords: Geschäftsmodell, Privatbank, Schweiz, Digitalisierung Als erste hybride Privatbank der Schweiz sowie als Fusion aus traditionellem Private Banking, Journalismus und moderner Technologie präsentiert sich das junge Geldinstitut Leodan neuerdings der Öffentlichkeit. Das Züricher Institut will einen neuen Typus Bank verkörpern, der es den Kunden ermöglicht, bessere Entscheidungen zu treffen. Dafür sollen finanz-chinesische Beschreibungen ebenso verbannt werden wie komplexe Finanzprodukte. Die Bank wurde erst 2009 gegründet und beschäftigt aktuell 17 Mitarbeiter, darunter einen Chefredakteur für die Webseite. Ende 2014 verwaltete die Bank ein Vermögen von rund 540 Mio. CHF, darunter 350 Mio. CHF aus dem Fondsgeschäft. In den nächsten drei Jahren sollen bis zu 300 Mio. CHF zusätzlich an Neugeld akquiriert werden. Kernzielgruppe sind die sogenannten Affluent- Kunden mit einem Vermögen zwischen 100.000 und 500.000 CHF. Sie erwarten eine objektive und produktunabhängige Beratung sowie einen qualitativen Service über den Kanal ihrer Wahl. Bei Leodan können sich Neukunden online ein Anlegerprofil erstellen lassen, woraufhin eine automatisierte Anlagestrategie erarbeitet wird. Das Mindestanlagevermögen beträgt 20.000 CHF. Das hybride Modell stellt eine Mischung aus Selbermachen und „An-die-Bank-Delegieren“ dar. Die Kunden sollen dabei selber bestimmen, wie viel oder wie wenig Beratung sie wollen. Möglich ist sowohl die vollautomatische Anlageberatung mit dem Robo Advisor als auch eine traditionelle persönliche Beratung. Zur Evaluierung des Anlegertyps wird ein digitales Schnell-Interview geführt, das im Ergebnis ein durch verschiedene Tiere symbolisiertes Profil erstellt (Biber, Eichhörnchen, Eisbär, Fuchs, Hirsch, Löwe, Schildkröte, Wolf, Zebra). Das Online-Tool ist das Kernelement der Webseite und äußerst ansprechend umgesetzt. Wer einmal den Prozess durchschritten hat, wird mitsamt seinem Anlageprofil automatisch wiedererkannt. Dann heißt es „Hallo Fuchs, willkommen zurück!“ – oder so ähnlich. Die Idee zur Umsetzung hatte die Internetagentur Serranetga, die auch Online-Realisierungen für die UBS, Swisscom u. a. m. macht. Etablierte Banken haben einen klaren Vorteil Neu ist die Anwendung allerdings nicht. Cashboard, Vaamo und Easyfolio ermitteln in Deutschland den Anlegertyp bereits seit längerer Zeit mit der gleichen Verfahrensweise. Die Idee der Robo-Berater stammt aus den USA, wo einige Anbieter automatisierter Anlagestrategien relativ populär sind (z. B. Betterment, FutureAdvisor, SigFig, Wealthfront, Yodlee). Die Internet-Unternehmen beraten nicht mehr aktiv, sondern bieten diverse Bausteine an, aus denen sich der Kunde – je nach Risikoneigung und Anlageziel – sein Wunschportfolio komponiert. Dieses Verfahren nutzt auch die Frankfurter Ginmon GmbH, die alle Anlegerprofile einem global diversifizierten ETF- und Indexfonds-Portfolio zuordnet. Damit soll der Weltmarkt im Aktien- und Anleihenbereich komplett abgebildet und ein stabiler Wertzuwachs ermöglicht werden. 2010 startete das US-Start-up Betterment mit einem ersten Angebot der online-basierten Vermögensanlage, die auf Prinzipien der Diversifikation für ein effizientes Portfolio beruht, wie es von Nobelpreisträger Harry Markowitz postuliert wurde. Auch hier wurde das Portfolio mit passiven Indexfonds (ETF) abgebildet. Trotz anfänglicher Erfolge: Die größten Herausforderungen für die FinTechs, die online-basierte Geldanlagemodelle offerieren, ergeben sich aus einem immer noch geringen Bekanntheitsgrad sowie 28 diebank 11.2015

BANKING ó dem fehlenden Vertrauen der Privatanleger gegenüber neuen Anbietern am Markt. Etablierte Banken, die zudem über ungleich höhere Marketingbudgets verfügen, haben hier einen klaren Vorteil. Sie sind durch eine technologische Plattform nicht nur Vermittler von Anlagegeldern an ausländische Banken (wie z. B. Savedo oder Avuba), sondern führen auch das Konto oder Depot ihrer Kunden. Sie haben die Möglichkeit, das Angebot auf Kredit- und Depositengeschäft, Bankkartenund Zahlungsverkehrsdienstleistungen oder eigene Fondsprodukte auszuweiten. FinTechs ohne Banklizenz ist diese Möglichkeit verstellt. Ihnen bleibt nur die Kooperation. Diese Trumpfkarte will auch die Berliner Quirin Bank ausspielen, die mit „Quirion“ eine Online-Anlageplattform konzipiert hat, die Anleger mit einem Robo-Advice-Algorithmus Schritt für Schritt zu einer fundierten Geldanlage führen will. In nur fünf Schritten legt der Kunde sein persönliches Rendite-Risiko-Profil fest, die Depoteröffnung selbst dauert nur noch wenige Minuten. Für die Idee wurde Deutschlands erste Honorarberaterbank mit der Auszeichnung „Bestes Fintech Startup 2015“ versehen. Nach etwas mehr als einem Jahr am Markt verwaltet Quirion bereits über 20 Mio. € für mehr als 500 Kunden. Jeden Monat sollen 2 Mio. € an Neugeld hinzukommen. Da sich die Plattform dem Honorarprinzip verschrieben hat, ist Quirion nach dem deutschen Honoraranlageberatungsgesetz zur unabhängigen Beratung und vollständigen Rückvergütung sämtlicher Provisionen gesetzlich verpflichtet. Anleger können ab einem Anlagebetrag von 10.000 € in professionell verwaltete Kapitalmarktportfolios investieren und sich eine faire Rendite des Markts sichern. Manifest für kundenfreundliches Banking Dies ist auch das Ziel der Leodan Privatbank. Der Name Leodan stammt aus dem Altenglischen und bildet sowohl für „wachsen, gedeihen“ den Wortstamm als auch für „Freiheit“. Mit der Wortgeschichte soll sich das Leistungsversprechen im Sinne von Freiheit und Wachstum verbinden. Wie Quirion will auch Leodan vollständig transparent arbeiten. Empfohlen werden nur einfache Anlageprodukte wie Aktien und Anlagefonds, die Kunden gut verstehen können. Versteckte Gebühren, Provisionen, Kick-Backs oder Retrozessionen werden ausgeschlossen bzw. an die Kunden weitergegeben. Um diese Prinzipien für das eigene Haus verbindlich festzuhalten, hat die Bank ein „Leodan-Manifesto“ verfasst. Darin ist beispielsweise zu lesen, dass aus Prinzip keine eigenen Produkte verkauft werden, um komplett unabhängig beraten zu können. Den Kunden soll die totale Kontrolle überlassen werden, alle Prozesse sollen transparent sein. Bankern auf die Finger schauen, lautet die Devise. Zudem will die Bank ethisch korrekt handeln. In Firmen, die mit unethischem Verhalten auffallen, wird nicht investiert. Unabhängig vom gewählten Beratungsangebot bezahlt der Kunde in der Regel ein Prozent des angelegten Vermögens pro Jahr. Für VIP-Kunden mit höheren Anlagevolumina wird der Preis individuell bestimmt. In der Jahresgebühr sind unter anderem auch die Kosten für ein Rebalancing enthalten. Das Portfolio wird dabei täglich vollautomatisch gecheckt und nachjustiert, sofern die gesetzten Limite über- oder unterschritten werden. In vier vom Anlagevolumen abhängigen Angebotspaketen (Start, Plus, Max und VIP) wird hinsichtlich der in der Pauschalgebühr enthaltenen Börsentransaktionen, der Anzahl der jährlichen Beratungstermine und der Möglichkeit, in spezifische Themenanlagen zu investieren, differenziert. Fazit Mit ihrer neuen Robo-Strategie nähert sich die Leodan Privatbank stark an die Grundideen der US-amerikanischen FinTechs an und verwischt mehr und mehr die Grenzen fl Den Kunden werden keine Produkte empfohlen, deren Mechanismen nicht intuitiv nachvollziehbar sind. zwischen innovativen Start-ups und traditionellen Kreditinstituten. Das Segment der Anlageberatung mit einer persönlichen Betreuung und kostenaufwändigen Dokumentation wird durch algorithmenbasierte Tools ersetzt, die auf einige wenige Variablen wie Vermögensstreuung und Risikotoleranz ausgerichtet sind. Neu ist dabei, dass der Robo-Advisor auf eine vermögendere Zielgruppe ausgerichtet ist und auch Personen mit einem Vermögen von über 500.000 € einbezieht, die derzeit auf die Dienste von Finanzberatern mit entsprechend hohen Kosten angewiesen sind. Das Geschäftsmodell zielt damit in Richtung FinTech 2.0, das moderne Technologie, ausgeprägtes Bankfachwissen, Vertrauen und eine Banklizenz zusammenführt. Es ist somit geeignet, dem durch Robo-Berater aufkommenden Drohpotenzial für Bankberater und Vermögensverwalter entgegenzuwirken. Eine wirklich differenzierte und individuelle Erfassung der realen Anlagesituation eines Kunden kann dieser Ansatz jedoch kaum leisten. Vielleicht ist diese Bankdienstleistung in Zukunft aber auch nicht mehr gefragt. ó 11.2015 diebank 29

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