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die bank 10 // 2022

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die bank gehört zu den bedeutendsten Publikationen der gesamten Kreditwirtschaft. Die Autoren sind ausnahmslos Experten von hohem Rang. Das Themenspektrum ist weit gefächert und umfasst fachlich fundierte Informationen. Seit 1961 ist die bank die meinungsbildende Fachzeitschrift für Entscheider in privaten Banken, Sparkassen und kreditgenossenschaftlichen Instituten. Mit Themen aus den Bereichen Bankmanagement, Regulatorik, Risikomanagement, Compliance, Zahlungsverkehr, Bankorganisation & Prozessoptimierung und Digitalisierung & Finanzinnovationen vermittelt die bank ihren Lesern Strategien, Technologien, Trends und Managementideen der gesamten Kreditwirtschaft.

REGULIERUNG Die

REGULIERUNG Die Teilnehmer der Podiumsdiskussion (von links nach rechts): Robert Fries, Geschäftsführer der NatWest Bank Europe; Frank Pierschel, Leiter Internationale Bankenaufsicht bei der BaFin; Jan Köpper, Head of Impact Transparency & Sustainability bei der GLS Gemeinschaftsbank; Moderator Dr. Patrik Buchmüller. stantane Schocks berücksichtigt werden, bei geeigneten Modellen für den Effekt von Klimarisiken auf die zugrunde liegenden Cashflows. Zudem erlaubten interne Stresstests durch ihre flexible methodische Ausgestaltung einen direkten Umgang mit langfristigen Klimarisiken, z. B. die Komprimierung von Effekten. Herausforderungen auch für die Immobilienbranche Bei der pbb AG (Deutsche Pfandbriefbank) handelt es sich um eine Spezialbank für die gewerbliche Immobilienfinanzierung. Anke Welslau, die dort das Teilprojekt ESG Risk im Rahmen eines für die Gesamtbank aufgesetzten ESG-Programms koordiniert, berichtete über die Herausforderungen der Immobilienbranche vor dem Hintergrund der Erderwärmung. Naturkatastrophen und die daraus resultierenden Schäden seien ein regelmäßiges Thema der öffentlichen Diskussion. Dem sich verschärfenden Klimawandel entgegenzuwirken, sei ein erklärtes Ziel. Für den Immobiliensektor, der im Jahr 2020 circa 16 Prozent der Treibhausgas-Emissionen in Deutschland verursacht habe, ergäben sich damit neue Herausforderungen. Aber natürlich auch für die Banken, die diesen Sektor finanzieren. Bank bietet Grüne Kredite an Basierend auf dem deutschen Klimaschutzgesetz sollen die Treibhausgasemissionen des Immobiliensektors in einem ersten Zeitabschnitt bis zum Jahr 2030 um rund 65 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 gesenkt werden. Für den gewerblichen Immobiliensektor bedeute dies, den Energieträgerwandel konsequent zu unterstützen sowie Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz zu ergreifen. Zusätzlich sei ein klarer Fokus auf die Sanierung bestehender Gebäude notwendig, betonte Welslau. Seit dem vierten Quartal 2021 bietet die pbb eigenen Angaben zufolge Grüne Kredite, sogenannte Green Loans, als neues Kreditprodukt an. Für Grüne Kredite gibt es bisher keinen etablierten Marktstandard. Das Institut habe daher ein Rahmenwerk (Green Loan Framework) entwickelt, das auf die Elemente Energieeffizienz, Gebäudezertifizierung sowie zusätzliche softe ESG-Kriterien abstelle, so die Referentin. Das angewandte Scoring-Modell berücksichtige Aspekte der EU-Taxonomie und erlaube auf Basis festgelegter Kriterien die Bewertung einer Immobilie, die sich ab einem definierten Score für einen Grünen Kredit qualifiziere. Alternativ vergebe das Institut Grüne Kredite für Gebäude, die der EU- Taxonomie entsprächen. Der Grün-Anteil einer Immobilie werde durch ein E-Scoring ausgedrückt, bei dem maximal 100 Punkte erzielt werden könnten. „Grün“ ist für die pbb eine Immobilie ab 60 Punkten. Die Bewertung basiere hauptsächlich auf dem Energieverbrauch und sogenannten Green-Building-Zertifikaten. Zusätzlich flössen weitere Nachhaltigkeitskriterien ein, wie zum Beispiel eine Green-field-/ Brown-field-Betrachtung, die beinhalte, wieviel „grünes Land“ bei der Entwicklung der Immobilie verwendet wurde. Dieses Scoring werde sowohl im Neugeschäft als auch im Bestandsgeschäft verwendet. Datensammelpro- 52 10 | 2022

REGULIERUNG jekte diverser Art fänden derzeit bereits in der Mehrheit der Institute statt, so Welslau. Größte Transformation seit der industriellen Revolution Im Rahmen des ESG Risk Forums moderierte Dr. Patrik Buchmüller eine lebhafte Podiumsdiskussion. Der Experte für Risikomanagement & Regulatorik sprach dabei unter anderem mit Jan Köpper, Head of Impact Transparency & Sustainability bei der GLS Gemeinschaftsbank. Köpper erklärte, angesichts des Klimawandels stünde die Wirtschaft vor der größten Transformation seit der industriellen Revolution. Nachhaltigkeit sei mittlerweile systemrelevant und müsse integraler Bestandteil des Risikomanagements von Banken sein. Frank Pierschel, Leiter Internationale Bankenaufsicht bei der BaFin, forderte im Diskussionsverlauf, bei den ESG-Risiken nicht nur den Fokus auf Klima und Umwelt zu legen, sondern auch die sozialen Aspekte verstärkt zu berücksichtigen. Die Aufsicht sehe mit Genugtuung, dass auch die EU- Kommission zunehmend diese Perspektive einnehme. Robert Fries, Geschäftsführer der NatWest Bank Europe, sah es als zentral an, die Mitarbeiter in Bezug auf Nachhaltigkeit und ESG-Risiken gut zu schulen. Nur so könnten die Banken nach außen glaubwürdig Nachhaltigkeitsziele vertreten. Petra Ludwig, Referentin Non-Financial Risk bei der VÖB-Service GmbH, referierte beim ESG Risk Forum über die Herausforderungen durch die EU-Taxonomie. Torsten Jäger, Leiter Sustainable Finance beim Bundesverband deutscher Banken, fokussierte in seinem Beitrag auf die Herausforderungen in der Nachhaltigkeitsberichterstattung und im Kreditgeschäft. Holger Tietz schließlich, erfahrener Risikomanager aus dem Versicherungsbereich, befasste sich mit der Bewertung von ESG-Risiken auf der Basis von fundierten Methoden. Moderiert wurde die Veranstaltung von Prof. Dr. Thomas Kaiser, Honorarprofessor für Risikomanagement an der Frankfurter Goethe Universität, sowie von Stefan Lödorf, Leiter des Geschäftsbereichs Medien im Bank- Verlag. FAZIT Getrieben durch den Klimawandel und daraus resultierende negative Umweltveränderungen hat sich Nachhaltigkeit zu einem bestimmenden Trend im Finanzsektor entwickelt. Banken und Finanzdienstleister reagieren darauf bereits mit ausgeklügelten Instrumenten, wie die Veranstaltung zeigte. Deutlich wurde aber auch, dass noch viel Handlungsbedarf besteht, um die ESG-Risiken umfassend und angemessen zu adressieren. Autor Dogan Michael Ulusoy Anke Welslau, Deutsche Pfandbriefbank Dr. Stefan Bohlius, d-fine GmbH 10 | 2022 53

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